Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 22 (16.2.1931)
- Date
- 1931-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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265 zu bilden, die jetzt seit über 200 Jahren imin^r wieder gegen Juden und Judentum vorgehracht werden. Im Interesse der Abwehr wäre es wünschenswert. (ließ noch manche Stelle Aufnahme» und Behandlung fände, die zum festen Bestände der antisemitischen Prc>|>aguiicla gehört, wie die Stellen über das Kintretcn der weiblichen Fhefähigkcit. die neuerdings auf Grund gefälschter Zitate in der antisemitischen Presse eine gehässige Behandlung gefunden haben. Onaah (S. 70 fl ist richtiger als ..Leberpreis“ zu übersetzen: der Begriff <les Schittuf (S.96) sollte ausführlicher behandelt werden. Besonders dankenswert ist die Abrechnung mit Erich Bischoffs neuem Pamphlet ..Das Blut im jüdischen Schrifttum und Brauch“. Leipzig 1020. die zu einer vernichtenden Kritik dieses pseudowissenschaftlichen Buches geworden ist. Die wenig*»» genannten Ausstellungen beeinträchtigen den Wert der V erölfentlichiing in keinem Teile». Sie darf geradezu als mustergültig bezeichnet werden. Die1 Sachkunde und die Geduld des Verfassers sind in gleichem Muße an- /uerkennen. Sein Buch ist eine glänzende Rechtfertigung der jüdischen Truditionsliterutur. Dali es auch huchlcchnisch gut ausgestattet und sehr pieiswert (in festem l oischlugc- 6 ML.) ist erhöht seine Ligmiug und Brauchbarkeit Steht das deutsche Judentum vor dem Zusammenbruch? Beim Lesen statistischer Zusammenstellungen sollte» man stets uu das englische Sprichwort denken, nach dem es dreierlei Lügen gibt: Notlügen. gemeine Lügen — und Statistiken. Jede Statistik enthält so viele natürliche» Fehlerquellen. dali vor einer Verallgemeinerung der aus statistischen Zahlen errechneten Tatsachen ernst zu warnen ist. Sicher ist die Statistik ein Fieberthermometer, das untrüglich angibt, wo Verfalls- oder Krankheitserscheinungen zutage treten. Ihre Zahlenreihen konstatieren hurte Tatsachen..die über nur als Wahrscheinlichkeiten in der Voraussage kommender Kntwicklung zu werten sind. Allerdings verlocken sie zu diagnostischen und gar zu prognostischen Schlüssen. Die Geschichte geht aber eigene Strulien. ohne sich um statistische» Wahrscheinlichkeiten zu kümmern. Wer im Jahre 1817 geweissugt hatte, dali Berlin, das damals %90 jüdische Kinwohner zählte und nach Breslau und Posen, die damals über 4000 jüdische Kinwohner hatten, die d ritt - größte Gemeinde Preußens war. nach 100 Jahren 173 000 Juden, beherbergen würde», den hätte» mau für einen unheilbaren Narren gehalten. Man verwerte Statistiken als Feststellungen von 'Tatsachen. aber man hüte sich, zu weitgehende Schlüsse uns ihren Zahlen zu ziehen.! Der ehemalige Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin. Professor Dr. Heinrich .Silbergleit, hat soeben iin Akademieverlag den ersten Band seines Werkes ..Die Bev!ölkeriingsuud Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Ueiche“ veröffentlicht, der die Statistik der Juden im Freistaat Preußen behandelt. Das ernsteste Krgebnis dieses bedeutenden Werkes ist die allerdings schon vorher bekannte Tatsache des Sterblichkeitsüberschusses über die Geburtenzahl der preußischen Juden, der in den 15 Jahren von 1911—1924 fast 20000 Personen und in den vier Jahren von 1925—1928 5000 Seelen ergab. Die Folge dieses andauernden Sterblichkeitsüberschusses ist der unaufhörliche zahlenmäßige Rückgang und die starke Lieberalterung der preußischen Jiidenlieit. Der Frankfurter Wirtschaftspolitiker Frust Kahn hat statistisch‘errechnet. daß die deutschen Juden, deren 1925 noch 564 000 gezählt wurden, im Jahre 1970 auf 264 000 zurückgegangen sein werden. Ob diese Zahl richtig ist. ist mindestens zu bezweifeln. Wenn aber Kahn für das Jahre 1970 ..festgestellt“ hat. daß der Prozentsatz der über 65jährigen Juden in diesem Jahre 59 gegen 14 in der jüdischen Bevölkerungszahl von 1925 sein wird, so ist das sicher eine grundlose Behauptung. Schon jetzt ist es eine kaum erwartete Tatsache, daß von 100 deutschen Juden 14 über 65 Jahre alt werden. Daß sich die Lebensdauer der deutschen Juden bis 1970 aber so weit steige rn soll, daß unter 100 deutschen Juden 39 über 65 Jahre alt werden, ist eine /uhlenspielerci. In e inem Icil« sind die Zahlen der Silherglcitschen Statistik bereits überholt, in der Angabe der Zahlen der preußischen Berufszählung vom 16. Juni 192». Die letzten fünf w irtschaftskritischen Jahre haben hier so starke Anlieferungen vor allem in den Verhältniszuhlen der Selbständigen zu den Angestellten gezeitigt, daß diese Zahlen von 1923 nicht mehr als für die Gegenwart gültig bezeichnet werden können. Wie weit die Berufsumstellung unter den deutschen Juden geht, zeigt die letzte Deutsche 1 lochschul Statistik. Im Jahre 1911 waren > Vis % der reichsdeut sehen Studentenschaft Juden. 66% Protestanten. 27 Vs« % Katholiken. Im Sommer 1930 waren nur noch 5 % der deutschen Studenten Juden, während die Zahl der protestantischen und katholischen Studierenden beinahe gleich geblieben ist. Unter den deutschen weiblichen Studierenden waren 1911 etwa 10% Jüdinnen, zurzeit sind es 6 %. Der Prozentsatz der jüdischen Studierenden an deutschen Universitäten ist also in 20 Jahren fastauf die» Hälfte herabgesunken. Noch geringer ist die Anzahl der jüdischen Studierenden an den sonstigen wissenschaftlichen Hochschulen Deutschlands. Auf den lundw irtschuftlichen. Forst- und Bergakademien studieren fast keine Juden: an den technischen Hochschulen beträgt ihr Anteil l»% %. an den Handelshochschulen 2%. .Diese rückläufige Bewegung der jüdischen Studentenzahl ist nur zu einem kleinen Teile auf die Verarmung des jüdischen Mittelstandes zurückzuführen. Sie ist vielmehr die unmittelbare Auswirkung des verhängnisvollen Geburtenrückganges innerhalb der deutschen Judenlieit während der letzten zwei Jahrzehnte. Zugleich offenbart sich in ihr die starke wirtschaftliche Umschichtung innerhalb der deutschen jüdischen Bevölkerung. Die Zahl der jüdischen Akademiker wird sich also in nicht zu ferner Zeit sehr stark verringern. Die veröffentlichten Statistiken haben ihre ernste Bedeutung als nachträgliche Konstatierung von Tatsachen. Vor ihrer Verwertung als prophetischer Offenbarungen ist aber dringend zu warnen. Geschichte» wird nicht um Zahlenbrett geschrieben. Schließlich bedeutet die Zahl nicht alles. Der Wert ist entscheidend. Das gilt vor allem für die Wertung der Menschen. Vielleicht liegt es im Plane der Vorsehung, daß die Zahl der Menschen zurückgeht. Ks war insbesondere nie die Aufgabe des Judentums, durch Zahlen zu imponieren. ..Nicht weil ihr an Zahl die größten wart, hat Gott sich euch erkoren, sondern weil ihr Träger seiner Offenbarung sein solltet.“ Frau D. Ik. Outmann, Stuttgart | lalert am IS. Febg. da. Ja. Ihres 75. Gebart«tag Aus dmlQemeiHden lüucUemAecgs. Stuttgart. Siltzung des Israelitischen Vorsteher am tesam 8. Februar. Zn Beginn der Sitzujig machte der Vorsitzende Mitteilung von einem gemeinsamen Vorschlag des Kleinen Rates ‘und der Finanzkommission über die Gehaltskürzungen der Gemeindebeamten aus Anlaß der Notverordnung des Reichspräsidenten. Die Kürzungen sollen nach dem Vor .gang der Stadt in Höne von 3 % bei den Gehältern bis zu 36410 RM., in Höhe von.6% bei den höheren GehälJern vorgenommen werden. Doch soll 1 % der Kürzung bei diesen Gehältern auf die Gemeinde übernommen werden. Nachdem sich Levi, Meyer, Rothschild und Dr. Cohnzu dieser Angelegenheit geäußert, erfolgt die Beschlußfassung im Sinne des Vorschlags. Fine Eingabe des Rabbiners Dr. A u e r b a ch, daß ihm erlattbt sein solle, sich im Religionsunterricht vertreten zu lassen, falls seine Mitwirkung bei Bestattungen gewünscht werde, wird empfehlend an den Oberrat weitergegeben. Der Stadtrabbiner macht darauf aufmerksam, daß, falls dieser Eingabe vom Oberrat aus entsprochen werden sollte, die gleiche Erlaubnis auch ihm zushehen müßte. Es wird demzufolge beschlossen, itz diesem Sinne an den Oberrat Nachbericht zu erstatten. Bei dieser Gelegenheit wird wiederholt daran erinnert, daß sich der Synagogepverwalter unmittelbar nach dem Eintreten einchs Todesfalles sich mit dem Stadtrabbiner wegjen der Festsetzung der Zeit der Bestattung infc Einvernehmen zu setzen habe. Die Rabbiner) sollten tunlichst Rücksicht auf die Wünsche der »leidtragenden Familien nehmen. Im Auftrag der Finanzabteilung berichtet Karl Levi liber ein Gesuch der Religion sgesellschajft auf Erhöhung des Beitrages zu ihren Bedürfpissen und auf Gewährung eines größeren zinsfreien Darlehens durch die Gemeinde. Er tfilt dabei mit, daß die Steuerzahler der Religionsgesellschaft insgesamt 1500 Mk. Steuer zahlet, und daß die Gemeinde bisher jährlich 4400* Mk. Zahlungen an die Religion*- gcsellschaft geleistet habe. Es wird beschlossen, daß die Gemeinde vom 1. Januar an weitere 50 Mk. monatlich an die Religionsgesellschaft vorläufig auf ein Jahr zahlt. Für die Frfedhofsabteilung berichtet Eduard Weil von einer .Reihe Maßnahmen zur Herabsetzung der) Kosten für die Bestattung. Insbesondere sirilen die Kosten für die Sterbekleider, Wapien usw. erniedrigt werden. Ans besonderem jAnlaß wird vom Stadtrabbiner darauf hingewidsen, daß es religionsgesetzlich nicht Vertrauenssache Im langjfihr. Spazlalhaus worden Sie gewissenhaft beraten und fOr dauernd zufriedenstellend bedient Hege Mazger Köolgntr. 12 Radio Zentral# VäTi EMU MEYER EbäriurdttTed. RotM Ham, T«l. S.A. 25031/33 4 SONDER ABTEILUNGEN Stuttgart Taputuu WantUtoff« and Metten Linoleum Tappldia LMir - Vort»|— Dakoratloasu. Mdbolatoffo Ttedt-, 0*—» m4