Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 18 (16.12.1930)
- Date
- 1930-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 9)
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- 223 Gemeinde ist mit rund 100 000 Mk. zu schätzen. Das Steuersoll würde bei einer 3 %-UmIage 106000 Mk. betragen, so daß, da mit Ausfällen zu redinen ist, der Steuersatz von 3 % hinreichend erscheint. Bei dieser Gelegenheit berichtet der Vorsitzende aus Anlaß einer kritischen Bemerkung über die Zahlungen der Gemeindepflege an die Zentralkasse in der letzten Landes Versammlung über diese Zahlungen. Dieser Bericht soll dem Oberrat vorgelegt werden. Dr. Tänzer schlägt hierauf, entsprechend der Anregung der Lunclesversummlung, die in der Reichsnotverordnung vorgesehene sechsprozentige Gehaltskürzung ab I. Februar t93t vor, die bei den Gehältern aller Beamten der Gemeinde und bei den von der Gemeinde gewährten Zuschlägen zu den Gehältern der Beamten der Zentralkasse vorgenommen werden soll. Ein Vorschlag des Stadtrabbiners, diese Kürzung nur bei den Zuschlägen zu den Gehältern der Beamten der Zentralkasse vorzunehmen, fand nicht die Zustimmung des Vorsteheramts. Nachdem der Vorsitzende Mitteilung von einigen Zuschriften gemacht, berichtet Weil über die wesentlichen Entschließungen der I.andesversammlung. Diesem Bericht fügt er eine Zusammenstellung der Vorschläge zu. die er für die Revision der Verfassung der Isr. Religionsgemeinschaft für unumgänglich geboten erachtet Stuttgart Am Samstag, den 6. Dezember, hielt auf Einladung des Isr. Vorsteheramtes im Sitzungssaal des Wirtschaftsministeriums der durch seine kunsthistorischen Studien bekannte Leiter der Kunstsammlungen der jüdischen Gemeinde Berlin. Dr. Karl Schwarz, einen Lichtbildervortrag über „Die Grundsätze der Gestaltung jüdischer F rie eilt ö f e“. Der Vorsitzende der Gemeinde, Oskar R o t h s dt i 1 d , begrüßte die Versammelten und berichtete, daß das Vorsteheramt zurzeit mit den Vorarbeiten' für die Anlage des neuen Friedhofes auf dem Steinhaldenfeld beschäftigt sei und darum die Anwesenheit des als Sachverständigen in Friedhofsfragen bekannten Redners benutzt habe, in engerem Kreise ein Programm für die Gestaltung des neuen Friedhofes zu entwickeln. Dr.-Schwarz ging davon aus, daß es von jeher in Israel als fromme Pflicht empfunden worden, den Toten eine Stätte würdiger Ehrung zu schaffen. Fern jedem Totenkultus sollten die F riedhöfe „Heimstätten des Lebens“ sein. Würde, Ruhe und Einfachheit der Grabstätten. verleihen gerade den ältesten jüdischen Friedhöfen ihre eigentliche Schönheit. Interessant und bedeutsam ist für die ältesten jüdischen Friedhöfe der reiche sinnbildliche schmuck der Grabstätten. Zeigen die antiken jüdischen Gräber symbolische Darstellungen, so sind die portugiesischen Gräber sogar mit der sonst in der jüdischen Kunst vermiedenen Menschengestalt geschmückt. Auffallend ist es, daß die ostjüdische Friedhofskunst wieder zu dem symbolischen Gräberschmuck zurückkehrt. Der Redner schilderte die peinlichen Entgleisungen der jüdischen Grabmalkunst im 19. Jahrhundert und die Rückföhr zu gesunden, einfachen Formen in der jüngsten Gegenwart. Er wies dabei besonders auf die vorbildliche Grabmonumente Arnold Z a d i k o w s hin. Er rühmte die schöne Rauinteilung durch gärtnerische Anlagen in den neuen Teilen des Friedhofes Berlin- Weißensee. Ausführlich behandelte er schließlich die mustergültigen Friedhofsanlagen, die F ritz Nathan in Frankfurt a. M. und E r i ch Mendelssohn in Königsberg geschaffen haben. > Der Vortrag war durch eine große Reihe vorzüglicher Lichtbilcleraufnuhmen lebendig gestaltet. Verdienter Beifall lohnte die wertvollen und aufschlußreichen Darlegungen des Redners. Mit herzlichen Dankes Worten an den Vortragenden schloß der Vorsitzende die anregende Veranstaltung. Chanafcka Originalholzsdinitt von Harm am Fedienbsch Stuttgart. Vor einer zahlreichen Hörerschaft entwickelte Dr. ined. Paul Bonem am 4. Dezember seine Ansichten über „Die augenblickliche Situation des Gesamtj u d e n t ii m s und d e s d e u t s ch e n Judentums insbesondere". Der Redner stellte einleitend fest, daß die letzten zwei Jahrtausende der jüdischen Geschichte im Zeichen vollkommener Passivität standen, die erst durch Pinsker, Moses Heß und Herzl in Aktivität umgewandelt worden sei. So heiße es auch heute: entweder altes Dulden und Erdulden unter Komromissen — oder W i e d e r g e b u r t. Eine enaissance sieht Dr. Bonem im Zionismus: er ging deshalb auch ausführlich auf die letzten Ereignisse in der zionistischen Welt ein und stellte die wichtigsten Daten der Palästina-Politik — Balfour-Deklaration, San Remo. Sanktionierung durch den Völkerbund, erstes englisches Weißbuch vom Jahre 1922, die palästinensische Wirtschaftskrise, die Araber-Unruhen, die darauf folgenden Untersuchungskommissionen und Expertenberichte und endlich das zweite englische Weißbuch unserer Tage mit seiner Einwanderungssperre. seinem Industrie- und Bodenkaiifsverbot — nochmals besonders heraus. Die Gründe dafür, daß gerade eine Arbeiterregierung zu solchen Entschlüssen kam. sieht Dr. Bonem in der Abhängigkeit jeder Linksregierung, der Regierungstradition fehlen muß. von der bürokratisch-konservativen Administration. Die englische Verwaltung in Palästina, deren Beamte in den übrigen Dominions nur Untergebene kannten, stehen in Erez Israel einem selbstbewußten jüdischen Mensche» gegenüber, und hieraus ergibt sich zwangsläufig ein gegenseitiger Widerstand. Der Redner erinnerte weiter an die Einmütigkeit sowohl der jüdischen als auch nichtjüdischen Protestaktionen und ging mit einer Aufforderung zu einem Optimismus der Notwendigkeit zur politischen Lage des deutschen Judentums über. Vor dem 14. September d. Js„ so behauptete Dr. Bonem. gab es in Deutschland keine bewußte jüdische Minderheit. Der Ausgang der Reichstagswahlen hat die Lage der deutschen Juden entscheidend verändert. Schon vorher kam man in Deutschland von der freien Wirtschaft, an die sich die Juden gewöhnt haben, immer mehr ub und konzentrierte sich in der gebundenen Wirtschaft. die in die jüdischen Reihen immer rößere Breschen schlügt. Deutschlands Judeneit steht gegen zwei Fronten in Abwehrstellung: zur zionistischen und ostjüdischen und zur antisemitischen Front. An Stelle einer gerne! nsamen ge deutsche Judenhe: der nur das frei „Ich bin Jude!“, muß eine tatkräft: tung, eine klare Haltung bekämpft sich die in einer Massenneurose, aus Bekenntnis, die Feststellung: erausführen kann. Daneben e Leitung der Berufsumschichzialpolitik und schließlich ein . po__ Gremium, das einßs bisher fehlende, umfassende jüdische Vertretung darstellt, geschaffen werden. Nur so wird es möglich sein, den immer größer werdenden Anforderungen und Schwierigkeiten gerecht jzu werden. — Das temperamentvolle Referat Dr. Bonems te Diskussion, an der sich die itz. Rotholz. Alfred ch, Walter Koch und eteiligten. In seinem Schluß weckte eine’ lebh. Herren Horo L e v y . Seckb Adclsheimer wort forderte derjRedner den anwesenden Vertreter der „Ge auch von seinem daß in Stuttgart einer fruchtbaren den Probleme del dazu auf. rgan aus darauf hinzuwirken, ehr als bisher Gelegenheit zu ‘ ussprache über die brennen; Jucienheit geschaffen werde. Stuttgart. Der „R e i ch s b u n d j ü d i s ch e r F rontsolddte n“ hatte auf den 2. Dezember zu einem Vortra : von Martin Lang über „Kriegsbüche-, Kriegs filme, Kriegss t ü ck e“ eingelacnen. Der Vorsitzende des R.j.F.. Dr. S. M e r z b a jh e r, begrüßte die anwesenden Vertreter der Kriegerbund- und Frontkämpferorganisationen. die Gäste und Kameraden, sowie derj Redner des Abends. Martin Lang verstand es, jdas Thema in fesselnder We ise zu behandeln. Seine Ausführungen waren getragen von hohem Idealismus und gaben eine Darstellung aus tiefem und vielseitigem Wissen, verbunden mit eigenstem Erleben des Kriegs als KompagnieführerJ in vorderster Frontstellung. Gerade dies eigene Erleben gab den Ausführungen die zu Herzen gehende Wärme und Tiefe der Darstellung. | Anknüpfend an!die klassische Darstellung des Frontgeistes durch Homer, Tolstoi und G. Keller erschien es — so [führte der Redner aus — erstaunlich, daß mit Ausnahme des Buches von Barbusse, das tendenziös gehalten und zu Anfang des Kriegs Erschienen ist, bis 1927 Kriegsbücher nicht herausgekommen waren. Allen Kriegsbüchern mußte die Frage gemeinschaftlich sein: Wer ist der Held? Diese Frage ist prinzipiell in den verschiedenen Kriegsbüchern von Rang insoweit beantwortet, als Held immer nur der in vordersterlFront befindliche Offizier oder Soldat oder aber! die dort verbundene kleinere Gemeinschaft sein konnte. Der Redner gab sodann eine Darstellung der Kriegsbücher von Renn. Remarque; und jünger u. a. m„ wobei er mit feiner Kritik' die Typen kennzeichnete und die Einstellung dieser zum Krieg aus ihrem Charakter heraus wahrheitsgetreu schilderte. Die eigenen Erlebnisse des Frontsoldaten, in diesem Zusammenhang nahe gebracht, gingen tief zu Herzen.! Anschließend an die Kriegsliteratur schilderte— der Redner die Kriegsfilme, die insoweit als gut zu bezeichnen siqd.sals das-Problem der Kameradschaft gerade im Film besonders eindringlich gezeichnet wurdp. Auch die neueren Kriegs stücke bringen gut das Heldentum des Kriegs und die damit unlöslich verbundene, in Zucht und Ordnung geübte Pflichterfüllung in und für die Schicksalsgemeinschaft zum Ausdruck. Mit besonderer Eindringlingkeit spricht ein jüngst erschienenes Bühnenwerk zu uns. in dem die Toten auferstehejn und .Umschau halten in der Welt, erstaunt >ind erschrocken aber wieder zurückkehren in (die Totenwelt, weil sie nirgends mehr erwünscht sind. „Pflichterfiilluilg und wahre Hingabe für das Vaterland ist der Frontgeist, den zu pflegen die Frontsoldaten gewillt sind.“ Mit diesen eindrucksvollen Worten schloß der Redner seine Ausführungen.'die lang anhaltenden. stürmischen Beifall auslösten. Fr. Sümpfig, Kupferschmiede Waschkessel > Wasserschiffe Apparate für dtem. Industrie - Wasser- und Dampfleitungen in Eisen und Kupfer Kochtöpfe in allen Ausführungen STUTTGART-BERG, Mühlenstrafle 19 Kodier a Co, und sonstige Artikel aus I—«ttllf, sowie Wolldecken Steppdecken ■ ' i~mm>■ Daunendecken Reise- und Autodecken kaufan 81a am vortallhaftaatan Im Dedten-SpczlalMaiis ttrittan, »rtlttür,»» REMPEN & KREUTZMANN ■ BSRHARDSTR. 12 __ ■ Tapeten. 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