Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 17 (1.12.1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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199 - nur eine Erscheinung sieht, die, gleich einer Zelle im groflen Reich des Bios, unter den unerschütterlichen Grundgesetzen organischen Werdens und Vergehens steht, konnte auch nicht im Zweifel darüber sein, daß das „P roblem j ü - dischcr Zukunft“ in Kurl Lieblichs Durstellung nicht zu einem „j ü d i s ch e n“ Problem im Sinne der Tradition und des Aufbaus auf dieser Ueberlieferung werden würde. Sind doch Religion und Kultform nach Lieblich die stärksten Hemmungen der „R e 1 i g i o s i t ä t“, jener unbedingten Wahrhaftigkeit, deren Voraussetzungen in der Schaffung eines primitiven Menschentums liegen, eines Daseins, das sich nur als Zelle im riesigen Zellenbündel des Makrokosmos fühlt und sich nicht mehr an der Religion, dafür aber am Naturhaften orientiert. Man könnte hier einwenden, daß der Weg zur vollkommenen Wahrhaftigkeit sehr wohl über das Religiöse führen kann, man könnte auch nachwcisen, daß gerade die „religiösen“ Menschen es von alters her waren, die zu den Konsequenzen ihres Bekenntnisses standen und ihren Glauben sogar durch den Tod verwirklichten. Karl Lieblich läßt aber diese Einwände nicht gelten: die Kultformen des Judentums sind für ihn ein leerer Wahn, sind die Fesseln, die uns an ein Jahrtausende* altes Gesetz schmieden, uns „religionslos“ machen und die Angleichung an die Gegenwart verhindern. „Wir sind darauf angewiesen, ohne Religion auszukommen.“ Denn nur die Religiosität ist Suche nach ewiger Wahrheit — und je größer die Religiosität, um so geringer der Gradus der Religion. .Mit diesen Feststellungen verläßt Karl Lieblich den Boden des Judentums, das uns die Jahrtausende überdauern ließ. Er stellt wohl die Forderung, daß wir Gott „in allem“ nahen müssen, aber sein Begriff der Gottesannäherung hat — das muß man offen aussprechen — mit Judentum nichts mehr gemein. Die Tatsache, daß das Lesen Gemeingut geworden ist, spricht doch keinesfalls gegen die öffentliche Vorlesung aus der Thora, wenn man den inneren Sinn dieser Vorlesung nicht nur verstandesmäßig begreift, sondern ihn auch mit dem Herzen erfühlt. Auch unser Gottesdienst ist ein Gut, das immer wieder neue'Kraft und religiösen Aufschwung verleiht, wenn der jüdische Mensch in diesem Gottesdienst sich seinem Schöpfer in gläubiger Wahrhaftigkeit naht. Gewiß! Karl Lieblich hat recht, wenn er das nur mit bezahlten . Männern ermöglichte tägliche „Minjan" mit harten Worten geißelt. Aber läßt sich aus dieser gewiß betrüblichen Tatsache ein Schluß der Art ziehen, daß die religiösen Formen unserer Gottesverehrung cs sind, die unserem Glauben viele Menschen abspenstig machen? Schuld daran tragen die jüdischen Menschen selbst — jeder einzelne ist dafür verantwortlich, wenn der Schale der Inhalt verloren zu gehen droht. Verwirklichungs- und Bekenner mut tun uns not! Bringen wir diese Kräfte wieder auf, dann brauchen wir auch nicht — wie Karl Lieblich meint — au die Stelle der Religion die Gegebenheit eines neuen Weltbildes zu setzen. Dann wird Form auch wieder zum Inhalt, dann erleben wir aufs neue das alte jüdische Ideal vollkommener Einheit. Karl Lieblich hält die Thora nur für c i ne Blüte am Zweig des jüdischen Volksstammes. Diese Thora ist Same*, Blüte und Frucht zugleich, ihre Lebenskraft ist dahin. Die jüdische Lebenskraft aber dokumentiert sich nach Lieblichs Ansicht durch das Neue, das wir zu schaffen suchen: in der Angleichung an das neue Weltbild im Geiste reiner Wahrhaftigkeit. — Und wie sieht diese Angleichung aus? Die Juclenhcit ist ein Volk mit eigenem Schicksal. Eine Rasse, die endlich aufhören muß. sich Deutsche, Franzosen. Engländer usw. nennen zu lassen. Dieses Volk muß sich ein neues Ghetto errichten, ein Ghetto der politischen und rassischen Distanz, die ihren bestimmten Ausdruck in der Schaffung einer völkerrechtlich verankerten politisdien Minderheit findet. Eine solche Volkhaftigkeit erst erfüllt das Riesenausmaß jüdischer sinnhafter Existenz, sic schafft ein Riesenvaterlund, das aus der Perspektive unserer heutigen Situation nicht sicht¬ Wenn Sie das Wort Pltoto hören, denken Sie an Hlldaabrandl MiiimiftiimiiitiiittflDuiiiiiiiiiiiminiiiiiHHmßinuiiiieiiimfmiiit Für Weihnachten haben wir Vieles für Sie dhd für Geschenk - Zwecke. Da wirnun nicht alles in unseren Schaufenstern zeigen können, bitten wir um Ihren unverbindlichen Besuch. Wir sind überzeugt! daß Sie bei uns schöne und vor allen Dingen preiswerte Geschenke für Ihren Bekanntenkreis finden werden. 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