Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 17 (1.12.1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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wollten. Aber die Liebe* ist ein künstliches I.icht. das \on den Mächtigen ein- und ausgrschaltct werden kann. Wir sind vielmehr eingeboren in unser eigenes Kraftfeld und in die (.eset/niälligkeit der ganzen Schöpfung. Deshalb gibt es neben dem Schicksal auch keine hnt- Scheidung, hrst das f inswerden mit dem Kosmos. Erkenntnis des Daseinszwecks. ..einfältig'' werden und ein grelles einfaches l.eben leiten, »eiten den andere» Xölkern am Hau der Sch(>|tfungsp\ ramide mitarbeitcn das sind die \ nranssetzungen und W irkungen einer großen Religiosität. deren innerster Sinn nicht die jii- .Asche ..Iteliglon" sein kann. W 11 nii|ssc*n gestehen: Karl Licblichs X ortrag. ■ Ic:i wiederum glanzend aufgebaut war und c-'in ,ii 'ich grandioses Geelankeugobäudo darstellte, hat uns erschüttert. Erschüttert nicht in dem Sinn, daß w>ii seinen Ausführungen ein zwingender Xtiinf und Aufruf ausgegangen waie nein1 Karl Lieblich hat mit kühnem Mut :u den 'aiden unserer seelischen hxistenz geüttcdi. hat mit einer Konsequenz, die ihn gewiß . Iirl. die Linie seiner früheren-\ortrage in einen Bezirk geleitet, der für uns heilig ist: mitten hinein in den W urzelltereich unserer jüdischen Seele, dje für unsere Gemeinschaft immer noch ei» f ••itteshuuch ist und es so lange sein wird, solange wir w iss, n. was jüdische Xerwirh- Ilehmig i'l. I rscdiütiert hat es uns. daß in einer /eil. da iijan sich auf sich se lbst besinnen lernt. so \iel[ s. was Karl Lieblich für abgestorben ... i. neu und frisch emporheimt. daß da eine taiiic »Ich findet die in einer unerhörten XX ei', Xlilkehl con allem fordert, was uns , »gell icii oithodox oder liberal. ( entralvereinl.i oiler /ioni'ten sein heiliger Boden ist. XX;rwollen uii' nicht daran stoßen, daß Karl I ü blich con ..XX i r | u n ge n J u d e n . . ." sprach ind seineeigene, corliiufig hcicfi't subjektive* Xfidiiimg. so al' »imme unsere r jüdischen legend zu deklarieren c ersuchte. Denn w ir sind da* oii Iibeiveiigl. daß l.iehlicfis Meinung niemals die Meinung der jüdischen Jugend ist. und daß -icji nicht viele Linden werden, die Lieblich* Ge - 200 - danken in einem von ihm vorgeschlageuen .. J u n g j ü d i s ch e n Orden“ verwirklichen und ihrer Umwelt gegenüber vertreten werden. Karl Lieblich hat eines — und wir glauben, hier fiir die jüdische Gesamtheit aller Richtungen sprechen zu dürfen vergessen, oder — noch nie erfühlt: Jüdisches religiöses Bewußtsein. Wir vermuten: er weiß nicht um die innige Bindung des jüdischen Menschen an das große und mit Worten nicht zu bestimmende Fluidum der jüdischen Religions- und Gemeinschaftsidee, er erahnt die religiöse Tat und Bedeutung nicht, die darin liegt, daß wir die Erstlingsfrucht des Jahres mit einem Gotteslob auf den Lippen grüßen, er kennt die Seele all der Tausenden nicht, die das ganze Jahr über kein Gotteshaus besuchen, am Ja um Kippur aber in die Synagogen eilen und sich in demütige Diener Gottes verwandeln. Wer den feierlichen Rhythmus des jüdischen Jahres, wer die gemütstiefen Akzente seiner Sabbathe und Feste, wer den inneren Sinn aller dieser Erinnerungsstationen nicht nur gedanklich, sondern auch mit dem Herzen versteht, der vermag auch zu erfühlen. warum uns Karl Licblichs Vortrag erschüttert hat. Wir kannten eine alte jüdische llausiererin. die tagaus tagein ihr schweres Bündel bis zu den höchsten Stockwerken schleppte, um ihrem betagten Manne durch ihren kargen Xerdienst das „Lernen“ bis zum Tode zu ermöglichen. An diese Frau lind ihre „Idee“ mußten wir denken. Wer will sich vermessen, angesichts der jüdischen Geschichte, dieses mit Miirtv rerblut geschriebenen Menschheitskapitels, uns diese Idee zu rauben? Fin Judentum, Karl Lieblich, das nichts weiter ist als der biologische Ausdruck eines kosmischen Gesetzes, das seinen einzigen Sinn im Frkennenwollen und Betätigen seiner . naturhaften Daseinsbestimmung hat. ein Judentum schließlich, das einem S ch i ck s a I unterworfen ist und sich n i ch t selbst entscheiden kann — ein solches Judentum darf imtergohen! Ein solches Judentum kann schon deshalb nicht erhaltenswert erscheinen. weil seine ganze Existenz allein im Zeichen des Biuthaften. im Zeichen des bedin¬ TAPETEN LINOLEUM VORHÄNGE HIENERWADEL BUCHSINSTMIIB MB gungslosen Ausgeliefertseins — an die zwangsläufige Erhaltung der lebensmäßig stärkeren A r t steht. Sei es, daß wir uns als Glieder einer Religionsgemeinschaft, sei es, daß wir uns als Träger eines jüdischen Volkes fühlen — ein Judesein im Sinne „naturhafter“ Wahrhaftigkeit wird von allen, die im Judentum eine einzigartige Synthese von biologischen und geistigen Grundelementen sehen, abgelehnt werden. Was wir wieder brauchen ist kein eklektisches, wohl aber ein Volljudentüm; eine Gemeinschaft, welche die Gottes-, die Staats- und die Menschheitsidee aus Religion als ethische und geistige Form verwirklicht Schaffen wir durch die* Bildung eines „Jungjüdischen Ordens“ erst den Typus des Juden in dem Sinne, daß aus dem „typischen“ Juden mit all’ seinen Wertkräften eine species „Jude“ wird, dann steigen wir nicht aufwärts sondern in die Tiefe. Bei allen Umformungsprozesscn, unter denen das moderne Judentum steht, hat es sich doch eines bewahrt: den Gleichklang der Seelen. Das seelische Erbgut der Jahrtausende ist auch heute noch in uns lebendig; verlassen wir es und setzen wir die Bewußtheit des Zellenbündels an seine Stelle, dann schreiten wir — um mit Karl Lieblich zu reden — a u ch voran, aber in anderem Sinne: Dann wären diejenigen, die einst die Gottesidec* und mit ihr die Erkenntnis vom Dualismus zwischen Stoff und Geist über Land und Meer getragen haben, die tragischen Autoren eines Schauspiels, das in S e I b s t v e r n i di - tung endet. — Es bleibt noch zu berichten, daß sich an Karl Lieblichs Vortrag eine angeregte Diskussion anschloß. Die Herren Model, Alfred Drei- STUTTG FLÜGEL PIANOS IKIRIN O CT 1 ft S 5 PH. KIMPEL ^notnar 9rlnutltaao*lin>n Jtiaft|cactH. Slctiltckcitca a. ciacaca a. gegebne* Cntcaarfca — dtrictztz. SRaftcriager Xrlrfoa MM7, «aaeaftrofre 3 Stahlstich-Pr&gung benötigt jetzt 4 Taoe Lieferzeit. Bestellen Sie Ihr Papier bitte möglichst frühzeitig, denn wir wollen Sie sorgfältig bedienen. 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Tageszeitungen — Eintritt M. 1.-Kinder bis zu 14 Jahren 50 Pfg. Bei größeren Besuchergruppen Preisermäßigung u. Sonderführungen Heinr.Goltermann | if Adler-Apoftieke er. T<>« iiuMitnartriki tu Stattaar« Fmnr.tust Stuttgart, KönigstraBe 70 \/A/ Feinster Mei.-Lebertraa, »MV. Vlluaia - Leberiraa - EmaUlaa JUufümecieu. JoUeiteactikel „Piacln“, Leben raa-Ersatz In Palverfom. WM- Rascher Verzand nach auivlrti Spezialhaus Wllhalm Ihren Bedarf in Photo- Radio- ■ed Schallplattaa decken Sie am besten Im Döring / Stuttgart Milttftrstr.32 Das Haus der guten Bedienung und Beretuno. ALFRED BOHM """« FEINKOST ISS STUTTGART / OALWBR8TR 18 / FBRN8PR. Nr. 28401/08