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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-12-01 · 17 (1.12.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
17 (1.12.1930)
Date
1930-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
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Bericht des Israelitischen Försorgeamtes Ober den Monat Oktober 1930. Sprechstunden der Fürsorgerin: Sonntag. Montag, Diens-I lag, Donnerstag I Mittw>o<h. Freitag vorm. 9'j—114 Ihr nachm, von "5—5 Lhr Das Israel. Fürsorgeamt hat im Monat Oktober- 1930 unter Mitwirkung der angeschlossenen Mohltätigkeitsvereine für die unten genannten Zwecke folgende Beträge /nr Verteilung gebracht: Laufende l nterstiit/ungen .... Mk. 833.70 Finnialige I nterstiit/ungen.1296.31 (Jesiindheits- „. F.rholungsfiirsorge . 412.30 Vnstaltsfiirsorge.>273.63 Durchreisende. 280.20 De r Sprechstundenbc-sucfi umlallte (30 Beratungen: im Außendienst wurden 36 Besuche ln*i Familien und Behörden ge macht. An 27 Krwachsene und 2 Kinder wurden insgesamt 96,.Kleidung'- und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhielt das F iirsorgeamt Mk. 80. von Herrn Ma\ Bieringer. Frau M. ß.. Frau Rosalie llellmann. /um Andenken an ihren verstorbenen (■attc-n. Herrn Herbert Riese. Jahrzeitspendc-, llc-rrn 1. Scheuer. Frlös lür Svnagogenplat/. Herrn u. Frau Sam. M'eil, Feiertagsgabe, sowie ein Legat des verstorbenen Herrn Bankiers Ludwig Ralf. droht und damit ch e I l.iii'fiihi 'ing jeder innere Halt genommen i't. Mit dieser Preisgabe des |- amilienlebetis ist da- I-: s( im eigentliche Gefahr der \c-rlu't aller der Werte verbunden, die bi'lur den gedanklichen und sittlichen Zusammenhalt der Fannie gesichert. Die- Hausgenossen suchen ihre Freude und Frhobing außerhalb des Hauses. Wirtshaus und ( afcverdrängen die bisherige häusliche Behaglichkeit. Die sittlichen Folgen dieser Losung von der Familie und dem Hause fiir dessen Kinder, vor allein aber für die halb- - 198 - w üchsige Jugend, brauchen dabei nur angedeutet zu werden, um die bedeutsame Größe dieser Wandlung bewußt zu machen. Die Proletarisierung der deutschen Juden ist also nicht nur der Abstieg in ein niedrigeres Wirtschaftsniveau, sondern ein Verlust an unersetzlichen sittlichen und geistigen Werten. Sie ist geradezu mit der Preisgabe der kulturellen Interessen und Eigenwerte der deutschen Judenlioit gleichzustellen. Sie ist der Anfang einer unaufhaltsamen ideellen Verkümmerung. Ist die deutsche Judenheit diesem Verfall wehrlos preisgegeben? Gibt es eine Gegenwehr gegen diesen verhängnisvollen Abstieg? Nach dem ersten Augenschein ist allerdings der Glaube berechtigt, daß hier eine Zwangsläufigkeit vorliegt. die fast wie eine Naturnotwendigkeit wirkt. Firns ist sicher: Wird diese Proletarisierung herkömmliche Lebensform, dann wird ihre Vbvv.ehr allerdings unmöglich -ein. Wird ihr rechtzeitig entgegengearbeitet. dann ist ihre Fiiieiiguug noch möglich. Die Gegenw ehr heißt: F I ha I Iet der Jude II h e i t die Geistigkeit, die i II II e r e \ n teil n a h m e ii n cl e r \\ c* I I k ii I t ii r . d i e I e b e n cl i g e 1 r e ii cl e a m S ch ö n e II II n d am Guten! Laßt sie nicht von den Quellen abdrängen, die bisher ihre I.ebensspe nder gewesen! Die Juden haben 'ich ihre Geistigkeit, ihre Bildiingsinteressen. ihre F.mpfindsamkeit und Fmpfänglichkeit für alle Geistesarbeit auch in Niedergangsze-iten nicht rauben lassen. Sie haben sich hinter Ghcttomaiiern und unter den Seelenqualen der politischen Fäitrechtung und der bürgerlichen Aechtung die Verbundenheit mit ihrem heiligen Schrifttum und seinen Ewigkeitswerten nicht entreißen lassen. Lehrhaus und Gotteshaus müssen gerade jetzt in gesteigertem Maße Zufluchtsstätten der jüdischen Seele. Jungbrunnen neuer Geistigkeit werden. Qla&s uWels Stuttgart ✓ Mittnachtbau d SPEZIALHAUS FÜR I Xeoxtu und Erhaltet der Judenheit ihre ehrwürdigen Freitagabende und Festtagsheiligungen, die patriarchalischen F'amilienerinnerungen, die dein Alltag den feierlichen Rhythmus, die geheimnisvolle Schönheit gegeben haben. Wir wollen die Schanzen nicht kampflos preisgeben, die uns solange gegen Verflachung und F'ntgeistigung geschützt. Wir wollen die Dämme nicht der Neuzeitsintflut überlassen. Die Väter und Mütter haben an diesen Schutzbauten unermüdlich geschafft, und die Enkel sollen sie neu festigen. Die geistige Beweglichkeit und die sittliche Widerstandskraft der Judenheit muß gerade heute neu gestählt werden. Der Kampf gegen die wirtschaftliche Proletarisieriing mag vielleicht vergeblich sein, der Kampf gegen die geistige Proletarisierung ist die; sittliche Pflicht und die neue Aufgabeder Jüdischen Gegenwart. Zum Problem jüd. Zukunft. Gedanken zu einem Vortrag Karl Liebliehs im Berthold Auerbach-Verein. Mit einem Vortrug über ..Wir jungen Juden: zu dem Problem j ii d i s ch e r Z ii k ii n f t vollendete Karl I. i e b I i ch am IS. November seine \ortrugstrilogie über die Probleme jüdischer Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft. Wer die früheren Ausführungen des Redners gehört hatte, konnte sich nicht darüber wundern, daß Karl Lieblich iin Judentum Reichsbund jüd. Frontsoldaten Ortsgruppe Stuttgart Dienstag, den 2. Dezember, im BQrgermuseum Stuttgart, LangestraBe 4 B, abends 8 Uhr Vortrag des Herrn Martin Lang über „Krtcgsliüdier - Kriegssfödte - Krtcgstllme“ Wir bitten um zahlreichen Besuch. Karten ffir Nichtmitglieder bei Rechtsanwalt Dr. Merzbacher, Stuttgart, MarienstraBe 2 R. j. F., Stuttgart Öffentlicher Vortrag mit Diskussion Donnerstag, den 4. «Dezember, pünktlich 8'/, Uhr abend», im kleinen Saal de» Bürgermu»eum», Langestrasse Thema: „Die anßenblidtlidie Situation des fiesamffodenfnms und des denlsdieD Judentums insbesondere“ Referent: Dr. P. Bonem Veranstalter: Zionistische Ortsgruppe / Stuttgart Dr. med. Else Jacobowitz-Kienle MarienstraBe 25 / Telefon Nr. 703 60 behandelt Angehörige similkher Krankenkassen Spredtstunde -11—1 m. -17-19 Uhr. Mittmxxh und Samstag nadtm. /reine Spredutunde r . > Nach mehrjähriger Tätigkeit an der II. med. Universitätsklinik (Geheimrat Prof. Dr. Friedrich v. Müller) in München habe ich mich als Fadiarzt für innere Medizin (innere Krankh. einschl. Nervenkrankheiten) niedergelassen. Dr.med.Erich Qoltermann Stuttgart, HölderlinstraBe 41 Fernsprecher Nr. 262 61 Sprechstunden von 3—5 Uhr nachmittags, Samstags 1 — 3 Uhr, oder nach Vereinbarung Pforzheim i. B. / Untere Au 6 (Neubau) Pension Hertz stTe““*®D Fleisch unter Aafslcbt Vorzügliche Küche - MäHige Preise Berfliold Anerbadi-Vcreii Dienstag, den 2. Dez. 1930, Stuttgart-Loge, CalwerstraBe 33 Hhs., abends 8‘/< Uhr Ausspracheabend „Jagend and Bühne" Leitung: Alfred Dreifaß * Freitag, den 5. Dezember, Stuttgart-Loge, CalwerstraBe 33 Hhs., abends 8'« Uhr Freitagabend - Feier Leitung: Rabbiner Dr. Auerbach * Dienstag, den 9. Dezember, Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33 Hhs., abends 8‘/c Uhr, spricht Konsul Max Straus über: „Max Liebermann" (mit Lichtbildern) Um zahlreichen Besuch wird gebeten r Ihre Bekannten treffen sich im Cafe XaimaüH- Saidenstraße 6, Ecke Schloßstraße Telefon 22979 Für die Feiertage empfehlen wir unsere bekannt guten Qualitäten in sämtlichen Backwaren ein mtfbl. 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