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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-11-16 · 16 (16.11.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
16 (16.11.1930)
Date
1930-11-16
Page
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einer großen religiösen, politischen und soziologischen Sinngebung betrachten. Bei solcher Betrachtungsweise wird der Leser, mag er seinem Judentum noch so sehr entfremdet sein, nach und nach aus der Enge seines Zugehörigkeitsgefiihls in die Weite eines Lebens- und Gemeinschaftslcreises gehoben, von dem aus er eine ganz neue Sicht gewinnt: von dem eine frohe Verantwortungsbereitschaft und schließlich ein Daseinswille ausgehen, deren Wurzeln in die Erkenntnis hinunterreichen, daß sein geistig-seelisches Erbgut keine Bürde, wohl über der endlich freigelegte Urgrund eines neuen und gefestigteren Menschentums ist. In dieser Feststellung sehen wir die große Bedeutung des jüdischen Buchs für die Wegbereitung eines neuen lebendigen Judentums; von hier aus beantwortet sich auch die Frage, warum besonders im letzten Jahrzehnt sich eine neue jüdische Geistigkeit regt, warum so viele zu sich selbst zurückfinden, warum die Gestalten der jüdischen Geschichte wieder in den Lichtkegel wissenschaftlicher Forschung und freien dichterischen Schaffens gerückt sind. Wissenschaft und Dichtung als Exponenten der kulturellen Situation haben erkannt, daß bei allen wirtschaftlichen und politischen Umformungen, die das Judentum im Verlauf der letzten Jahrhunderte erlitten hat. die seelische Homogenität der jüdischen Gemeinschaft die gleiche geblieben ist, und daß es jetzt darauf ankommt, diese Gemeinschaftsbindung mit.allen ihren Wertkräften zu erhalten, um damit das Judentum in einen neuen Lebensrhythmus hinüberzuführen und seine Existenz wieder aus sich selbst heraus zu sichern. Kasteins schon weiter oben erwähnte ausgezeichnete Biographie Sabbatai Zewis, in der bei aller Exaktheit der wissenschaftlichen Darstellung alles das schwingt, was uns zu vermuten berechtigte, daß in der modernen jüdischen Literatur nicht nur ernster Forscherwille und das gebieterische Muß künstlerischen Schaffenswillens leben, enthüllt uns, wie so manches jüdische Buch der letzten Jahre, eine Art von biogenetischem Grundgesetz der Judenheit. Was sich in den dramatisch bewegten Zeiten von 1648 bis 1673 überall da, wo Juden wohnten, ab¬ - 1,7 - Wireröffneten LANGE ß T 1 (im Hause dee BOrgerr^useums) Schreibwaren- und Bürobedai Wir fahren nur edelste Qualität« t papieren, Füllhaltern u.aämtl. Sehr« Bitte, besuchen Sie uns, ein Besu< los, wie ein Blick Ins Fsnstsr. B. REISS & CO. j RASSE 4 B nächst der Königstraße, ein figeschäft i zu billigen Preisen In Brlefibmaterialien tOr Privat u. Büro, h im Laden ist ebenso zwanggespielt hat. was die jüdischen Gemeinden in aller Welt bis in die Vielen aufwühlte, was in diesen Schicksalsjahren an übermenschlicher Glaubensstärke, unbesiegbarer Bereitschaft, lähmender Zweifelsucht und vor nichts zurückscheuender Gegnerschaft geboren wurde — es ist nichts als die kurze Rekapitulation des jüdischen Geschichtsabschnitts, in dem ein freies jüdisches Volk mit demselben religiösen Enthusiasmus und derselben Glaubensunbeständigkeit sich anschickte,’ das Sinaiwort in die Menschheit zu tragen. Und dies ist eine von den wertvollen Erkenntnissen, die uns Kasteins Biographie vermittelt, die aber im umgekehrten Verhältnis zu den Tatsachen der antiken jüdischen Geschichte steht: während vor Jahrtausenden die Führer ihre religiöse und nationale Probe bestanden und ihr Mahnwort nur zu oft von der Masse in den Wind geschlagen wurde, versagt in dem Jahrhundert, da ein Sabbatai Zewi als Messias und Führer aufsteht, da hell auflodernde Zionssehnsucht alle Gefüge sprengt und die Gesamtsituation der damaligen Judenheit entscheidend hätte ändern können, der Führer — Sabbatai Zewi selbst. Wenn er sich auch ein Amt anmaßte, das niemals göttlichem Auftrag und pur einer durch seine Umgebung genährten religiösen Autosuggestion entstammte — sicher ist, dhß dieser falsche Messias von Ismir damals-vor einer Bereitschaft stand, die sich nicht allein curch das Ahasverleid der uralten jüdischen Wanderung erklären läßt. Die geistigseelische Hoi&ogenität des Judentums trat damals, als der jHeilsruf Sabbatai Zewis durch die J udenheit ging, in geradezu grandioser Weise in Erscheinung. In dem Bewußtsein einerseits. dem Schrecken des Galuth-Daseins für immer entflic len zu können, und in dem festen Glauben andrerseits, als eine im letzten geeinigte Glau! ensgemeinde wieder vor den Gott der Väter zu treten, jubelte fast die ganze Judenheit d, s 17. Jahrhunderts dem falschen Messias in e »er Weise zu. die bis heute kein Gegenstück gefunden hat die aber, wie man so gerne hoffen möchte, in anderer Erscheinungsform wieder rinmal geboren wird. Auch in der Judenheit un: erer Tage lebt, das ist unsere feste Ueberzeuguni:, der uralte Heilsglaube des früheren jüdischen Volkes. Mag der eine die endliche Ver cörperung seiner Messiashoffnung darin erblick :n, daß, sei es später oder früher, ein vollkomn euer Friede sich auf die Menschfin* und Verkauf von ßnndbesilz i Persönliche Bearbeitung jedes einzelnen Auftrags auf Grund jahrzehntelanger Erfahrung, daher Gewähr für Verschwiegenheit u. raschen Erfolg. Gewissenhafte u. sachgemäße Beratung in alten Grundstücks-, Hypothekenu. Mietsachen CW.SEEZ Pb CUc wflTttcabcrs. OcridiU beddieter tabvcratlndiocT Königstraße 12 - STUTTGART Tel 24204 GUSTAV Juwtllar / Wilhtliubau Brillant- und Gold schmuck In jeder Preislage Sllbcrwarsn und Bestecke In großer Auswahl Blanlta Schalter Büducroir. 10 Herren• und Damenmoden PMMMNuraic PtMtofcciarl Phofoartelfcn «11,1, frlalrlBikal,, Nntemni TaOtttiarflkel SdvralNtel IlifflBaltai Karl Welpperf Ctirtilaphslr. i Telefon 24822 Rabattmarken Welche Annehmlichkeit für die rituelle Küche — fleischig und milchig zu gebrauchen! 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