Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 15 (1.11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
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175 7huAmiUags=JCaf(ee im ScMofigadensCafe, JJice ünkäufe dann im SMoßgadmsTew&ost, alles im SMoftgactetuTCotel, Stuttgart, 7*1.26351-54 tum ist nicht mehr geistig homogen. Aus dieser Umwertung der geistigen und soziologischen Können reift um die Jahrhundertwende der Anfang einer neuen Religiosität, deren Angelpunkt kur viele Murtin Bauers Philosophie ist. Die Jugend kehrt ihren Weg von Hackel zu Hölderlin. dessen grolle, feierliche Menschenstimme die „Trägheit des Herzens“ aufhebt und dadurch. duR sie den Geist wieder ins Leben kommen läßt. Religiosität bringt. Bubers Korderung nach Xuknnftstut und Einheit erwuchsen im Rühmen der-allgemeinen moderne» Religiosität, die »ich für den Sinn des Lebens wieder verantwortlich weiß. — I)r. Kolms Referat wurde mit großem Beifall nnfgenommen. Bedauerlich ist. daß die darauffolgende Aussprache* zu rusch geschlossen wurde*, da zu den Ausführungen des Referenten sicherlich noch manches hätte gesagt werden müssen. Stuttgart. W je wir au dieser Stelle schon initteilten. beabsichtigt der ,.J ü d i s ch e Jugendr i n g S t u t t g u r t“ ein j ii d i s ch e s Jugendheim zu errichten. Mehrere Räume sollen für diesen /weck gemietet und eingerichtet werden. Dieses Bestreben der offiziellen Vertretung unserer jüdischen Jugend verdient, von allen Kreisen unserer Gemeinde materiell und ideell gefördert zu werden. So erfreulich sich die jungjüdische Arbeit in unserer Gemeinde auch gestaltet hat. so litt sic* doch unter dem Mangel au einem wirklichen Heim, einer Stätte, wo sich unsere* Jugend zu einer ' regelmäßigen, zielhewußten und geordneten Arbeit zusammenfinden kann. Wie sich ein solches jüdisches Jugendheim für die Gemeinde und die Jugend auswirken soll, davon sprechen die in dieser Ausgabe veröffentlichten Artikel von l)r. Paul Tänzer und K r i ch Lehmann. Daß der Jugcndheiin-Gedunke bei den israelitischen Behörden und Vereinen warm begrüßt wird, das beweisen auch die Unterschriften, die der ,.Jüd i s ch e J ii g e n d r i n g S t ii t t ga r t" für einen auf Seite 170 dieser Ausgabe veröffentlichten Aufruf gewinnen konnte. Dieser Aufruf stellt gleichzeitig eine* an sämtliche* Gemeindemitglieder gerichtete Umladung für einen um Sumstug. den 8. November, stattfindenden Abend unter dem Leitwert ..K ii r d u s j ü d i s ch c J 11 g e n d - heim Stuttgart" dar. Ministerialrat Dr. Otto Hirsch hat sich für diese Veranstaltung in dankenswerter Weise der jüdischen Jugend zur Verfügung gestellt: sein \ortrag wird von einem Sprechchor und Liedern umrahmt. Wir fordern unsere Leser auf. die Bestrebungen unserer jüdischen Jugend durch den Besuch dieses Abends zu unterstützen und glauben, heute schon sagen zu dürfen, daß sich das zu errichtende* Jugendheim zum -Segen unserer Gemeinde* utiswirken wird. lische Jugendbewegung beginnt heute, ganz wie einst in Westeuropa, die Schönheiten der Natur zu schauen. Auch der Orient kennt bereits den Kampf zwischen \ütern und Söhnen, und die Jugend« rückt immer mehr vom Traditionellen ab. Auch hat der Prozeß der Individualisierung das althergebrachte Kheideal und zugleich die Stellung der Krau gewandelt, die. dem Harem entwachsen, nun zur Kreiheit der higenpersönlichkeit strebt. Der dritte Prozeß der Krucuenmg des Orients ist der Nationalismus, den der Redner nicht im politischen, sonelern im geistigen und seelischen Sinne verstanden wissen will. Mit dem Zerfall der religiösen /usaiumenliäuge und mit der Lockerung der Tradition fühlt sich das Individuum innerlich vereinsamt und selmt sidi nach einer neuen Gemeinschaft. Das Individuum sucht iu Angst vor dem Vergängliche», vor dem Tode Dauer, und der Nationalismus ist es. der der heutigen ehtgotteten Zeit wieder Dauer gibt. Nationalismus bedeutet de in Redner die Zusammengehörigkeit des \olkesJn der Geschlechterfolge* vv je* sie* Beer-Hoffman» und Andre Spin* so wundervoll in ihren Dichtungen zeichnen. Der Wandel des Orients ist, so glaubt der Redner, nicht aufzuhulten. Alle Abwehr gegen die mechanisierte und entgöttlichte Welt wird die Kntwicklung der Aufklärung nicht hemmen, und auch ein Gegenreformator wie Ghandi wird sic* nicht bannen können. Nicht Kipling, der eine Verbindung des Okzidents mit dem Orient für unmöglich hielt, sondern Goethe behält Recht, der im ..W estöstliehen Diwan“ eine \c*Tschmclzung des Orients mit dem Okzident kommen sah: gewiß, eine \erbindung. in der geistige und kulturelle Gegensätze nie ganz schwinden werden. Das morgenliindisdie Judentum hat sich völlig in diesen neuen Orient ei »gelebt. Seine* Umwicklung geht der des Orients in der Säkularisierung. Individualisierung und des Nationalismus durchaus parallel. Der Redner glaubt, daß dem Judentum, das überall auf der Krde zerstreut lebt und sich im Orient wieder zusammenfindet. eine bedeutsame V erinittlerolle im Uebergung zwischen Okzident und Orient zugewlese u ist. Die geistvollen und ausgezeichnet dargebotenen Ausführungen des Redners fanden bei dem großen Zuhörerkreis lebhaften Beifall. Eine Aussprache. an der sich Siegfried Kahn. Dr. Gustav K e I d i» a n » . D. Hör o w i t z und Dr. Martin Colin beteiligten, vertiefte noch weiter die dargelegten Gedanke »gütige. Milli Rieger. Stuttgart. AK ,.V ereins J ü um 16. Novembe J. S t c* i n b e r g die P e r s p e k s e ii in Sow machen heute Veranstaltung u die nähere Ank Stuttgart. Am kannte Geflüge Witwe, Schulst!*« stehen zurückbl *. Nov einher I89C Eheleute Saldi Jahre 1895 nach zweite Sonderveranstaltung des 1 i s ch e s I. e h r h-a u *>" findet ' ein Vortrag von Staatsrat Dr. •Berlin über „D i e La ge u n d von (Irr j ii d i s ch e n M u sj e t - R u ß I u n d “ statt. Wi r 91011 auf diese bemerkeusw erte ifmerksam und verweisen auf iiidigung in nächster Nummer. 3. November d. Js. kann die bel|iandlung von Krau S. Wolf ße 15. auf ihr -Mljähriges Be 1 rken. Das Geschäft wurde am im Hause Sch 11 Istr. 10 durch die o 11 W o I f gegründet und im Schulstr. 15 verlegt. Nach dem 2Jec übesu ch des Qoitesdien&tes ist heitiqe J^Ucht! Wer sie e eigene Befr edigung finden, sondern zur Würde de: Gottesdienstes beitragen. Wir bitten u isere Mitglieder und alle Gemeindemitg ieder, mit Ihren Angehörigen dieSynagog san Freitagabenden und Sabbathen wie a ich an Festtagenzu besuchen. Jüdischen L ingestellten möge, soweit es Irgend mög ich ist, Gelegenheit zum Besuch des Gottesdienstes geboten werden. Verein halten 1111 März 1907 1 Wolf wurde das Berta Wolf, hat, sich das Vc* Gemeinde* zu c Berta Wolf und hin Glück und Gl'dcihen! Vn Cannstatt. R i ch a r d L ö w den trefflichen M Löwe* war ein Mitte der achtzig und ward ein a I leimatstadt. Ne Füllt, wird nicht nur seine für jüd. Gemelnde-Angeiegen- (Gemelnde - Verein) Stuttgart. Meten Ableben von Salomon (Geschäft von dessen Witwe. Krau eitergeführt, die es verstanden i trauen der Mitglieder unserer »erben. Wir wünschen Krau ihrem Unternehmen auch weiter- I». Oktober starb Dr. mt\. . tief betrauert von allen, die tischen und .Mediziner kannten, bürtiger Schlesier, aber -schon r Jahre kam er nach Cannstatt »gesehener Bürger .seiner neuen »c*n seiner großen Praxis übte Stuttgart, ln der Reihe der vom „Verein Jüdisches Le h r h a 11 s“ veranstalteten \orträge sprach am 26. Oktober Dr. Hans Kohn- Jerusaleni über ..Der neue Orient und das J 11 d e 111 u 111“. Dr. Koh» lag es fern, über die jüdische Politik im Orient oder gar in Palästina zu sprechen. Er wollte allein die g 0 i - s t i g c* und soziale Struktur des Morgenlandes zeigen. Neben der Entw icklung der \ rwherrschaft der Vereinigten Staaten Amerikas und der Sowjetunion. so führte der Redner aus. ist die Entwicklung des neuen Orients das geschichtlich bedentende, ja. vielleicht das geschichtlich bedeutsamste Ereignis der Gegenwart. Eine geistige Verbindung von Orient und Okzident hat sich in den vergangenen dreißig Jahren vollzogen. Der Prozeß der Aufklärung, der in Westeuropa mit der Renaissance einsetzte*, erfaßt heute* den Orient. In drei Prozessen dokumentiert sich die Eroberung des Orients durch den Okzident: durch .die Säkularisierung (Verweltlichung), durch die Individualisierung und durch den Nationalismus der Völker des Morgenlandes. Die Säkularisierung äußert sich vorerst in der Abschaffung des kanonischen religiösen Rechtes. Die klerikale Staatsform, die theokratische Monarchie, mußte einer laizistischen Republik weichen. An Stelle der humanistischen und scholastischen Erziehungsmethode trat die moderne Bildungsform. Die „Entwunderung“ der Welt des Morgenlandes vollzog sich fast gleichzeitig: die Menschen, die ein Märchenleben, ein Leben der Ergebung, des Kismet, des wunderbaren Schicksals geführt, sind autonome Menschen geworden. Neben der Säkularisierung des Orients hat seine Individualisierung den weiteren Wandel vollbracht, der zuerst die Intellektuellen und jetzt immer weitere Kreise erfaßt. Ganz wie die Renaissance die Menschen des Westens zur Individualisierung geführt, vollzieht sich heute der Wandel zur Yerpersönlichung im Orient. Während noch bis vor kurzem das Individuum durch Tradition gebunden war, hat die Aufklärung die Entdeckung der Einzelpersönlichkeit gebracht und ihr Selbstvertrauen geweckt. Die orienta- Cannstatt MM zur Kmtenpthse ftihr.njKrättipnflüiiM Zentral -Jbngvrft flUjiutouAgA * &. KÜnigttr. *#. Paal Bohrer ■akrtfraftc 11 laraf SM31! M&belsdireinerei Spezial werk stltte (kr Pollarea aad moderne* Belaoa Cafe S<!■ MARI II EIGE H Pünki ihweickhardt ITSTR. 24/TELEFON 50012 IE KONDITOREI Udier Versand n. auswärts 1 Kaust bei 1-—! tnferen Inserenten! P.Scha geschichtetes 4 Hohenstaufenst Fernruf 801 Fische, Wild, täglich Ql frisch geschlschtstss u. InfMgal - Lieferung frei Haus rsBe 24 - Leger KaristraSs 40 81, Malermeister W. Kreder Die kluge Hausfrau reinigt ihre Familien* u. 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