Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 13 (1.10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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Jugend durdi vage gesponnene Ziele geistig vernebeln lassen, aber der so künstlich erzeugte Nebel werde schließlich einer klaren Atmosphäre Platz machen. Zur Zeit der Dreyfus-Affaire war das französische Volk, in einem weit höheren Maße als heute das deutsche Volk, antisemitisch verseucht, dennoch ist heute in Frankreich von Antisemitismus kaum etwas zu spüren. Auch das deutsche Volk wird sich nach einer Besserung der Lage, die hoffentlich nicht lange auf sich warten lassen wird, zur Klarheit durchringen. Für das deutsche Judentum sei aber aus diesen Wahlen die Lehre zu ziehen, daß es nicht gut ist. innerlich gespalten zu sein. An einem geeinten Judentum, das die Kraft in sich hat. innere Gegensätze zu überbrücken und stolz und unbeirrbar für schöne jüdische und menschliche Ziele zu arbeiten, werden sich die trüben Wellen des Antisemitismus brechen. Als Professor Einstein von dem Bestehen des bis 14. September befristet gewesenen gesamtjüdischen Wahlausschusses hörte, meinte er, es sei wünschenswert, daß dieser Ausschuß, in dem sich der innerjüdische Friede manifestiert, audi weiter bestehen bleiben möge. Äe. £udwiq HCottändet, OüedUt: Direktor de* Central-Vereins Das Ergebnis der Wahl beruht auf der tiefsten Verzweiflung, in die viele Millionen deutsdier Menschen durch die gesamten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands und iin Irrglauben über die Hoffnungslosigkeit der deutschen Zukunft gekommen sind. Judenfeindliche Beweggründe waren keineswegs \011 ausschlaggebender Bedeutung: sie traten vielfach stark zurück. Doch darf nicht übersehen werden, daß die langsame Einträufelung judenfeindlicher Ge dankengänge trotzdem eine ungeheure Gefahr für die deutschen Juden bedeutet. Wenn nicht alle Vernunft innerhalb der nichtradikalen politischen Parteien uufgeboten wird, ist die Gefahr eines Bürgerkrieges nähergerückt. Eine verlorene Schlacht ist kein verlorener ■ Krieg. Die Erkenntnis von der Gefährlichkeit der nationalsozialistischen Bewegung macht sich nach den Wahlen schon sehr stark auch in Kreisen geltend, die vor dem 14. September dem Nationalsozialismus ein gewisses Wohlwollen entgegengebracht haben. Wenn auch die bisher, insbesondere* vom C.V. geleistete jüdische Arbeit gegen die Gefahren des Nationalsozialismus keinerle i sichtbaren Erfolg gezeigt hat. so hat sie gerade in Kreisen, die an sich weltanschaulich dem Nationalsozialismus nicht bejahend, aber auch nicht verneinend gegenüberstanden. besonders stark und richtunggebend gewirkt. Keineswegs sind die Mittel, die gegen den Nationalsozialismus aufgewendet wurden, als verloren zu betrachten. Sie waren nur nicht stark genug, um gegenüber der Uebersdiweinmung der deutschen Bevölkerung mit den nationalsozialistischen Parolen heute schon durchzugreifen. Die politischen Parteien haben leider zu einem großen Teile erst in den letzten Wochen die Gefahr des Heranbrausens der nationalsozialistischen Welle erkannt und bis zum Wahlkampf die ganze Bewegung lange nicht ernst genug genommen, obwohl von meinen Freunden seit Juhren und - 143 - immer wieder alles getan wurde, um auf den Ernst der Lage hinzuweisen. Die Richtung der kommenden Arbeit ist hierdurch bestimmt: Mit allen Mitteln der logischen und psychologischen Heberzeugung ist auf die Unanständigkeit. Unwahrhaftigkeit, Aussichtslosigkeit," Hohlheit und Zwecklosigkeit der nationalsozialistischen Phantastereien hinzuweisen und innerhalb und außerhalb der Parteien tunlichst allen Menschen das Material in die Hand zu geben, damit sie sich über das Unglück, das der Nationalsozialismus für die deutsche Gesamtheit auch dem Auslande gegenüber, bedeutet, ein Urteil bilden können. Dec ^Besuch des QottesdieHStes ist heilige Pflicht! Wer sie erfüllt, wird nicht nur seine eigene Befriedigung finden, sondern zur Würde des Gottesdienstes beitragen. Wir bitten unsere Mitglieder und alle Gemeindemitglieder, mit ihren Angehörigen die Synagoge an Freitagabenden und Sabbathen wie auch an Festtagenzu besuchen. Jüdischen Angestellten möge, soweit es irgend möglich ist, Gelegenheit zum Besuch des Gottesdienstes geboten werden. Verein für jüd. Gemeinde-Angelegenheiten (Gemeinde - Verein) Stuttgart Notwendig ist unbedingt die Aufrüttelung der gleichgültigen Juden, die in ihrer großen Masse* keinen inneren Anteil an den Ereignissen nehmen und mit einem Unglück verheißenden Fatalismus glauben, man könne an der Zukunft nichts ändern. Nichts ist falscher und sittlich verwerflicher als eine solche Einstellung. TJUmsteciaidicektoe Äc. 9Uatuuut Badt, ÜBeeÜH: Garn su letobah. Die deutschen Juden erleben heute das gleiche, wie die französischen Juden vor etwas über einem Menschenalter nach den ersten Anfängen der Affaire Dreyfus. Gleichsam über Nacht entdecken sie die Labilität einer Position, die die große Mehrzahl gedankenlos als stabilisiert ansah. Endlich wird vielleicht auch diese Mehrheit der deutschen Juden zu der Erkenntnis gelangen, daß die jüdische Frage in Deutschland nur ein Teilproblem der Welt Jude» frage ist. und daß es für diese einheitliche Frage nur eine einheitliche Lösung geben kann. Was ist zu tun? Träger des Kampfes gegen den Antisemitismus müssen die jüdischen öffentlich-rechtlichen Körperschaften. Gemeinden. I.undesverbünde und der hoffentlich nunmehr bald auf demokratischer Grundlage zustande kommende „R e i di s \ c* r b u n d der d e u t - /MMI4M1 S1QMARINQEN >.»1 HBCHINQEll / TÜBINOBN in-o-ansL Wertpapiere / Einlagen n gtiast. ZhusBtsea / Industrie'Kredite/Hypotheken sehen Juden“ sein. Statt auf apologetische Aufklärung^- und Abwehrarbeit muß fortan j das Hauptgewicht auf die Steigerung der posi- | tiven jüdischen Leistungen gelegt werden. Das gilt für. die Gesamtheit wie für den Einzelnen. Keine Nervosität! Es besteht weder Po- > gromgefahrj noch eine unmittelbare Gefährdung der $taatsbürgerrc*chte der deutschen Juden. Die? staatlichen Machtmittel dürften '* völlig austtüchen. um jede Gewalttat und jeden gewaltsame» Versuch eines Verfassungsbruches im: Keime zu ersticken. Wir haben im Laufe Unserer vieltausendjährigeu Geschichte schyu schwierigere Situationen überstanden. Für den einzelnen gibt es daher kein besseres Mfhnwort als unser altes: t'liasak weemaz! I Oteinüch St^cK, jBec&t: Vorsitzender der „Vereinigung für dos liberale Judentum“ Mein Standpunkt, soweit allgemeinpolitische Gesichtspunkte in Frage kommen, ist der. daß die Wahl, jo bedauerlich sie die radikalen Flügel verstärkt hat. nicht das Ausschlaggebende ist; Wenn sich die staatsbejahenden Parteien zifsammenschließen. kann die Radi kulisierung der Flügelparteien der Reif am Fasse sein, welcher die auseinanderstrebenden Elemei te nur noch fester Zusammenhalt. Hoffen wir. daß die Parteien der Mitte sehr schnell und sehr entschieden die richtigen Folgerungeli ziehen werden. Vom jüc ischeu Standpunkt aus erscheint mir das An wachsen der nationalsozialistischen Bewegung licht so erschütternd, wie die Zahlen es darsjellcn. Sicherlich ist für den überwiegenden! Teil der nationalsozialistischen Wähler dic| jüdische Frage ein Völliges Nebenproblem: sje haben aus Opposition und wirtschaftlicher Verzweiflung den lautesten oppositionellen »Schreier gewühlt, ohne sich damit das ganze äntijüdische Programm zu eigen zu machen. Tfotzdem darf nicht verkannt werden. daß zttrn mindesten der Versuch gemacht werden wiiid. die Rechts- und gesellschaftliche Stellung der Juden ungünstig zu beeinflussen. Hierauf gißt es für den deutschen Juden nur eine einzig* Antwort: Vertiefung der jüdischen Gesinnung, um in sich selbst ein seelisches Gegengewicht zu schaffen gegen die Leiden von aifßen. Es ist dies der uralte Weg. der uns noth immer aus dem Dunkel herausgeführt hut^ Die Stellung der deutschen Juden zum Vaterlpud kann durch derartige Fieberersdieinuuijon an einem durch die größte Krankheit der Weltgeschichte erschütterten Volkskörper auch nicht um Haaresbreite beeinflußt werden. Auch für uns gilt ebenso sehr das itolze Wort „Right or wrong. mv country”. nur «laß ich es noch ergänzen möchte Idurch die i Worte: „Right or wrong. mv ' „ judaism!"!, - M KartaMal von einfach bis hochfein aus eigener Fabrik Karkwsrti alle neaaeitl. Erzeugnisse l«l ü nur erste Fab lakMlIater Boden Sie gut und preiswert in der Filiale der Korb inübel-Fabrik Mm stüjjjiit Himchstraße 28B (Laden) idfunit um Cahsantr, | Mittag- und Abendtfsoh Im Abonnement Ralehhaltiga Speisekarte Uebsmshme *. Fsatnehkt. Damptwafdiaiiflall 3lfitcnwel$* SdüoBstraBe;Tl — Telefon M831 übernimmt Famlllenwisdie bei fachgemäßer Behandlung. — Jede Wische wird für sich allein gewaschen. OER MOBEIKXUFER KLSTT e CIS. bevorzugt bei Bedarf das altbekannte Möbel-Haus MftbUielln Katharinen-Strasse 2 a Fernsprecher Nr. 24191 Spezi alfeaus für Tapeten günstigste felnkaefegelegenhelt Tapeten-Schmitz Marienetra & Nr. » Bltts sei No. O su atMaal kauft die kluge Hausfrau am frischsten u. vorteilhaftesten direkt a. d. Quelle. 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