Mannheim
Compact Memory

Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-09-16 · 12 (16.9.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
12 (16.9.1930)
Date
1930-09-16
Page
[Seite] (sequence 9)
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4904101-5441863-5443151--2751-4906710
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

II r I teur der Vierteljahresschrift „Jewreiskaja Stal rina“ gewesen war. lebt seit einer Reihe von ' Jahren in Berlin, wo er sich intensiv seiner i Lebensarbeit widmet. Nach Vollendung seines großen Geschichtswerkes „Weltgeschichte des j jüdischen Volkes" ging er an die Abfassung einer zweibändigen Geschichte des Chassidismus heran. Audi Harren des Gelehrten weitere Aufgaben und man hat den Eindruck, dafi er noch lange | nicht daran denkt, sich zur Ruhe zu setzen. Die jüdische wissenschaftliche Welt und.weite jii- | dische Kreise in Berlin, in Ost- und Westeuropa und in Amerika rüsten zur Feier des 70. Geburtstages des still und zurückgezogen arbeitenden Gelehrten. V CUM H* DMi M Engen Goldstein 80 Jahre all. Am 5. September wurde der weltberühmte Expcrimentalphysiker und physikalische Entdecker Professor Eugen Goldstein 80 Jahre alt. Goldstein wurde 1850 in Gleiwitz geboren und lebt jetzt in Berlin. Er war Observator an der Sternwarte in Babelsberg. Als Schüler von Helmholtz gab er schon in seiner Doktordissertation eine fundamental wichtige Entdeckung, die elektrolytische der Kathodenstrahlen. Diesem Nachweis folgte später die Auffindung der Striktionskatnodenstrahlen und der Reuektierb'arkeit der Kathodenstrahlen. Als erster gab er auch eine Methode zur Messung der Geschwindigkeit der Strahlen an. Seine wichtigste und berühmteste Entdeckung ist aber die der Kanalstrahlen. Lange beschäftigte er sich mit dem Spektrum, die Physik verdankt ihm eine große Reihe von Entdeckungen auf dem Gebiete der Spektroskopie. Früher als in Deutschland, wo er wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum Zurücksetzungen erleiden mußte, wurde Eugen Goldstein in der wissenschaftlichen Welt des Auslandes gewürdigt. Als Jude bekam Goldstein nicht einen Lehrstuhl und auch nicht die Möglichkeit zu freiem wissenschaftlichem Arbeiten. So bestritt er, der in den allerbescheidensten Verhältnissen lebte, die Kosten seiner Versuche zum größten Teil durch das, was er sich an Lebensunterhalt entzog. Erst als er schon in vorgerücktem Alter stand, wurde ihm die astrophysikalische Abteilung am Potsdamer Observatorium übertragen. Die Physiker planen, auf dem Naturforschertag in Königsberg in diesem Jahre einiges von den Ehrungen nachzuholen, die dem großen Gelehrten währepd seiner Schaffenszeit versagt waren. — Stets hat es Goldstein verschmäht, durch Flucht aus dem Judentum die Hemmnisse zu beseitigen, die ihm in den Weg gelegt wurden. Professor Eduard Meyer gestorben. Professor Eduard Meyer, der in der ganzen wissenschaftlichen Welt bekannte Gesaiiditsforscher, ist im Alter von 75 Jahren in Berlin verstorben. Im Rahmen seiner Forschungen auf dem Gebiete der Geschichte des Altertums hat h sich Eduard Meyer, der christliche Historiker. I auch mit der Erforschung der Geschichte des 1 alten Israel, der Entstehung des Judentums und I der Beziehung zwischen Judentum und Christen- 1 tum bei Entstehung des Christentums beschäftigt, n Er veröffentlichte 18% „Die Entstehung des | Judentums“, 1906 in Verbindung mit B. Luther „Die Israeliten und ihre Nachbarstämme"; in seinem großen Werke „Ursprung und Anfänge des Christentums“ gab er eine Darstellung der Geschichte des alten Israel und beleuchtete namentlich die politischen und kulturellen Einflüsse aller Völker des vorderen Orients auf die Entwicklung Israels. Im Judentum sah Meyer. ' wie die gesamte christliche Theologie, eine Vorstufe des Christentums, ohne dessen eigenem Wert immer gerecht zu werden. Er besuchte wiederholt Palästina und hielt 1927 eine Gastvorlesung an der Universität Jerusalem. Nach seiner Rückkehr nach Berlin hielt er auf Einladung der Berliner Zionistischen Vereinigung vor einem jüdischen Publikum einen Vortrag über das neue Leben im alten Lande. Hanna Lewinski gestorben. Am 7. September verstarb die Leiterin des „Israelitischen Hilfswerks“. Frl. Hqnna Lewinski. im Alter von 37 fahren. Eine Tochter des hervorragenden Gelehrten Lewinski in Breslau, kam sie zu Beginn des Krieges nach Berlin. Sie arbeitete zunächst an der Sammlung der weiblichen Jugend im Rahmen der Agudas Jisroel und baute das „Israelitische Hilfswerk“ auf. Es gelang ihr, in den letzten 10 Jahren hier Großes zu leisten und Hunderten von Familien die Existenz erhalten oder neu gründen zu helfen. Daneben übte sie einen großen geistigen Einfluß in den Winkeln jüdischer Not aus und bildete einen Mittelpunkt thoratreuer Jugendpflege und Jugendbewegung in Berlin. Rabbiner Dr. Eli Munk nach London berufen. Rabbiner Dr Eli Munk-Berlin wurde zum Rabbiner der Gemeinde Adass Jisroel in London - 135 - berufen. Dr. Eli Munk ist der älteste Sohn des Rabiners der „Israelitischen Religionsgemeinde Adass Jisroel zu Berlin“, Dr. Esra Munk, und ein Schüler des Hildesheimerschen Rabbinerseminars in Berlin. Ueber die Persönlichkeit des jungen Seelsorgers wird der JTA. von maßgebender Seite mitgeteilt: Dr. Eli Munk wirkte bisher als Substitut seines Vaters im Rabbinat der Berliner Adass Jisroel und im'Büro für Schachtangelegenheiten. Hier besonders kam er in Berührung mit Vertretern aller jüdischen Kreise nicht nur Deutschlands, sondern aller an der Schächtfrage interessierten Länder und verschaffte sich allseits Respekt und Sympathie durch seine Zielsicherheit, Zuverlässigkeit und Sachkenntnis. Audi in der wissenschaftlichen Äbwehrarbeit hat Dr. Eli Munk schon, hier allerdings naturgemäß abseits des öffentlichen Interessenkreises, Beachtliches geleistet In der orthodoxen Jugendbewegung, vor allem in „Esra“ und „Agudas jisroel Jugendorganisation“, nahm er schon als Student eine Führerstellung ein und vertrat die deutsche Agudah-Jugend auch auf der letzten „Kenessioh Gedaulah“ in Wien. Bemerkenswert ist, daß dies binnen wenigen Tagen die zweite Berufung eines noch jungen Absolventen des Rabbinerseminars in eine ausländische Hauptstadt ist (vor einigen Tagen wurde, wie von der JTA. gemeldet, Rabbiner Samuel-Berlin zum Oberrabbiner in Oslo gewählt). Amtliche Ritualmordlegende. Wie erinnerlich wurde Kriminalkommissar Tenholt der in dem Magdeburger Fall Haas eine eigentümliche Rolle spielte und die antisemitische Atmosphäre ' zur Erleichterung der Verfolgung von Rudolf Haas durch seine Untersuchungsmethoden geschaffen hat, nach Gelsenkirchen strafversetzt [Dort sind jetzt neue und sehr erhebliche Beschwerden wegen seiner merkwürdigen kriminalistischen Methoden gegen ihn erhoben wordeij. In einem Beleidigungsprozeß, der sich an einen! Presseartikel anschloß, wurden —. nach der Berliner Zeitung „Montag Morgen“ — außerordentlich schwerwiegende Beschuldigungen gegen ihn erhoben und der Wahrheitsbeweis gegen Tenholt als im wesentlichen gelungen angenommen. IJnter anderem schrieb Tennolt in einem Aktenvermerk: In bezug auf ein Mord- Verfahren, dap ein Beseitigungsmord vorliegen rhüsse, .da „tveder Raubmord, noch Lustmord, noch — Rituqlmord“ in Frage kommen. Die Breslaiier „Jüdische Zeitung“ bemerkt zu diesem Fall: LDie Tatsache, daß preußische Kriminalbeamte in einem offiziellen Aktenstück die Möglichkeit eines Ritualmordes erörtern, gehört mit zu dem f Unglaublichsten, was wir in der letzten Zeit erleben. Wir sind der Meinung, daß das Innenministerium, dem die Kriminalpolizei untersteht, hjer schleunigst nach dem Rechten sehen und si#i mit Herrn Tenholt beschäftigen sollte. Unser« s Erachtens kann Herr Tenholt — wenn die Meldung zutrifft — nach den Vorgängen Magdebuig und Gelsenkirchen unmöglich weiter als Krfninal- und Polizeibeamter besdiaftigt werden.“ GIückw|inschtelegramindienst der Deutschen Reicfaspost. Die Deuts andere Postvc jahrsfest (23. wunsditelegri ter Gebühr können vom sämtlichen T ■ he Reichspost läßt — wie auch rwaltungen — zum jüdischen Neu- Septembet) wieder einen Glückc mmdienst zu wesentlich ermöfiigi. Solche Glückwunschtelegramme 19. September bis 3. Oktober bei legrammannahmestellen aufgelie- T- SCeMcotut Brenner-Sdiilling FLEIN ERSTRASSE 35/37 * Das Haus feiner Spielwaren / Lederwaren und Galanteriewaren t saim« Das Spezialhau« für Reisekbffer und Lederwaren j Jakob Moser j Fleinerstr. 40/42 j Telefon Nr. 1035 j Flaschnerei j «>—«««—MMMl I Herren' Unterwüsche fader Art Herren-Socken Sport-Strümpfe tn Mir Knie» QuaUtMcn M» kllllitUn Prttoca keuchet SdlmentraAc 46 QÜop»- Ernst Bader Dekorationsmater Prenhfart« ulnai M Telefon ns Ausführung v. Maler¬ und HnstriÄ-Arbeiten Für die Keife Hredlfbrl IClC nfler auf alle Läi An« und Verkauf von ausländischen Banknoten Handels-d. Gewi Hciibrtii 16. Knaupp, Hellbronn Paullnjanatr. 9 Telefan 1849 Pas führende; Friseur-Geschäft amplatze Tolofon-Anechlute In ••mtllchecf Kabinen TH^ Adolf Lördier Kaff«« W Konditorei u. Kaffee H Heilbronn a.Ncck. Tag«* Schulgasse 13 - Telephon 433 Kaff«« I*®® Knorü Ausführung voce KARL8TR. «7 Neu* u. Umbauten TELEFON l«as aller Art . MLJMH 2 BatMrsar.54 Vollkommene KortettkunsL d. B Kör* 2 JüpervtrhlU&iu. O entspr. Seattle, bervorrsg., rwfdrmifc., elcgomi bcqwcm. M. „Hygiene“ preUgekrtal Hytten. W*wfce. Dotier* strflmpfe^bode* u. Kladcrnrükel Heinr. Reodle Clara« tr. 17 Telefon 666 Malerarbeiten «UerArt in beiter Ausführung Telefon ISS Großwäscherei Coir. Angele Badstraße 62 - Telephon 307 Abholung und Zustellung kostenlos Zeitgefriäfie thifAekleUhutg. elegant und preiswert SCHUHHAUS OTTO WALCH HnCtbronn, KslorrtnB« sa m 999999 A749^C

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.