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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-09-16 · 12 (16.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
12 (16.9.1930)
Date
1930-09-16
Page
[Seite] (sequence 8)
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Laupheira. Am 14. August hielt die Ortsgruppe des ,.C entral Vereins“ im ..Ochsen“ ihre ordentliche Gen erai Versammlung ab. die ih Anbetracht der Ferienzeit recht gut besucht war. Vorstand Jonas Weil gab den Tätigkeitsbericht der letzten drei Jahre und referierte sodann über die Landesausschußsitzung vom April dieses Jahres. Schriftführer Kahn gab den Pro- - tokollbericht. Kassier Rudolf Kurz den Kassenbericht. Bei den Wahlen wurde der bisherige Ausschuß mit drei weiteren Mitgliedern desselben bestätigt. Hierauf sprach Rechtsanwalt Dr. Hirsch II. Hm., über ..Gegen wartsf ragen“. In pakkender Rede erörterte der Referent unsere gegenwärtige politische Lage unter besonderer Berücksichtigung der süddeutschen Verhältnisse und gab tiefe Einblicke in das Wesen und die Fortentwicklung des wirtschaftlichen wie geistigen Antisemitismus'. Die klare und überzeugende Form der Rede, durchsetzt mit reichem persönlichem Erfahrungsmaterial, fesselte die Zuhörer bis zum Schluß. Sicher ist. daß der Schlußappell des Redners. Jeder Einzelne müsse .nicht nur seine Pflicht erfüllen, sondern im eigensten Interesse zu Opfern bereit sein, auf fruchtbaren Beulen gefallen ist. .Vorstand Weil erstattete dem Redner den wohlverdienten Dank und konnte in später Abendstunde die befriedigend verlaufene Versammlung schließen. — hn — Massenbach. Vom Isr. \orsteheramt Massenbaih werden wir um Aufnahme der folgenden Bitte ersucht: Unsere kleine Gemeinde ist gezwungen, größere Instnndset/unpsarbeitcn an der Sv nagogrvornehmen zu lassen, welche nach Ansicht der in Frage kommenden Handwerker auf etwa i'joo Alk. zu stehen kommen. Der Gemeinderat Masse I» b a ch hat der Jüdischen Gemeinde zu diesem Zweck die schöne Gabe von 100 Mk. bew illigt. Da aber die noch wenigen anwesenden Jüdischen Mitglieder nicht in der Lage sind, die fehlende Summe allein aufzubringen, so wären w tr herzlich dankbar, wenn uns auch auswärtige Glaubensgenossen eine L nterstützung zukommen ließen. Die Arbeiten sind bereitin Angriff genommen und übersteigen durch unvorhorgesehene Schäden die eingereichten Kostenv-iranschläge. Um die Feiertage in unserem Gotteshause abhalten zu können, sind wir Jedem Spender für eine umgehende Lnter- ''•'Miitzung .ganz besonders dankbar. Ilm. ..! (Mit ral \ ei ein" und .. |{ e i ch s - I) u n d j it-d i s di e r Erontsoldate n". Ortsgruppe Llni-.Neu-Ulni. U nsere Ortsgrup|M>n luden am Montag, den 23. August, sämtliche Gemeindemiiglieder von Lim und Neu-Llm zu einem V o rtrag aI» end ein. um sie über die Lage des deul-.hc ii Judentums in bezug'auf die Reichstagswahlen zu unterrichten. Ein glücklicher Zufall führte den Uandtagsabgeordneten Johannes F i - ch e r zu uns. der das Hauptreferat des Abendübernahm. Eingehend schilderte der \ortregende den Boden, auf dem die radikalen Parteien, insbesondere die Nationalsozialisten, ihre colks- und vaterlandsschädigende Agitation en'fulteu konnten und betonte insbesondere ihre; Progiciinmlosigkeit und ihre an die übelsten M.issenjustinkte appellierenden Propaganda- und "V ei -Tim tu lungstu et hoden. die letzten Endes neben den inncrpolitisthen Schaden, den sie an richten, auch außenpolitisch Deutschlands Stellung und An eilen in der Welt zu diskreditieren geeignet sind. Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit breiter \ olksschichten liefern insbesondere einen guten Nährboden für die Politik der Phrase, der wnttonlosen Faust und der wahllosen Opposition gegen alles Bestehende. Gegenüber diesen radikalen Strömungen mußt« sich das liberale Bürgertum zusammenfinden, im Interesse geistiger, wirtschaftlicher und politischer Sauberkeit sowie insbesondere auch im Interesse der Toleranz gegenüber Jedwedem weltanschaulichen, religio :-n und politischen Bekenntnis. So entstand auch die neue Staatspartei, bei deren Aufb:': manches, Sonderinteresse hintangestellt wurde gegenüber der großen Idee der .Sammlung des liberalen Bürgertums und insbesondere auch der großen Zahl der .Nichtwähler und der Jugend im Interesse einer gedeihlichen Innen- und \ußen|iolitik auf dem Boden der Verfassung. Fs überschreitet den Rahmen dieses Referates, du überaus sachlichen und auf Jahrzehntelanger politischer Erfahrung fußenden Gedankengänge de- Redners im ganzen auszuführen. Betont muß nur noch werden, wie Fischer immer und immer wieder die Erfahrung gemacht hat. daß durch sachliche Argumente und den Appell an die Vernunft die vielfach durch Agitation plumpster Art irregeführten Wähler doch noch zu beeinflussen «ind. um so mehr, als sie meist Zeugen der Tatsache sind, daß die radikalen Agitationsredner auf sachliche Einwände garnicht antworten können. Der Redner hat das Vertrauen zu unserem Volke und insbesondere zu den bürgerlichen Schichten, daß sie bei der Wahl verantwortungsbewußt die bürgerlichen Zettel abgeben. Im ganzen war der Vortrag geeignet, allzu großen Pessimismus zu verscheuchen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe des C.-V., Rechtsanwalt M o o s I dankte dem Redner herz- - 134 - lieh und ergänzte seine Ausführungen. Er ist nicht so optimistisch und hat insbesondere große Befürchtungen für unsere Jugend wegen des Eindringens radikaler Gedankengänge in Schulen und Hochschulen. Er warnte ferner vor allzu großer Empfindlichkeit unserer Glaubensgenossen. gab einige Richtlinien bezüglich der Parteien, deren Wahl für die Juden in Frage kommen und appellierte schließlich an die Mitglieder, trotz der wirtschaftlichen Nöte nach Kräften zum Wahlfonds des Cent ral Vereins beizusteuern. Für den „R. J. F.“ sprach der Vorsitzende,- Dr. F ranz Hirsch, und unterstrich besonders die Notwendigkeit der Toleranz im politischen Kampfe und die Warnung vor Leberempfindlichkeit. Als besonders wertvolles Arbeitsgebiet des ..R.J.F.“ stellte er die Zusammenarbeit mit allen Frontkameraden-Bünden heraus, weil diese Mitarbeit besonders geeignet sei. deren Radikalisierung hintanzuhalten. Auch Dr. Hirsch appellierte an den Opfersinn unserer Glaubensgenossen in diesem schwersten Wahlkampfe. Zur Debatte sprach J u 1 i u s M a r x aus reicher früherer politischer Tätigkeit und Erfahrung im ln- und Auslande. Volk und Vaterland müssen Jedem Einzelnen so hoch stehen, daß er sich mit Jedem Volksgenossen vertragen und verstehen kann. Insbesondere wies er auf die Reife des (Militischen Lebens in England hin. In der Politik gibt es keine Wahrheiten, sondern nur Leberzeugungen. Wangen i. A. Der in weiten Kreisen hochgeschätzte David Dahlberg wurde nach langem schweren Leiden kurz vor seiner Silbernen Hochzeit aus dem Leben gerufen, tiefbetrauert von allen, die den würdigen Manne kannten. Professor Simon Dubnow 70 Jahre. Ain 24. September vollendet Professor Simon Dubnow. der repräsentative Jüdische Historiker der Gegenwart, sein TO. Lebensjahr. Dubnows Hauptwerk ist die zehnbändige „Weltgeschichte des jüdi-chen Volkes“ (Jüdischer Verlag, Berlin), die ein Standardwerk moderner Jüdischer Geschichtsforschung und -Schreibung ist und aus dem russischen Original ins Deutsche, Hebräische. Jiddische. Englische und mehrere andere Sprachen übersetzt worden ist. Er hat aber auch verschiedene Gebiete der jüdischen Geschichtswissenschaft in Sonder-Monographien behandelt. Methodisch und stofflich hat sich Dubnow über Graetz. und seine anderen Vorgänger erhoben. er emanzipierte sich von der geistesgeschichtlichen Einstellung und huldigt einer soziologischen Geschichtsauffassung. Er lehnt die Auffassung ab, die dem jüdischen Volke in der Diaspora lediglich eine geistige Aktivität zubilligt, während es im sozialen Leben nur als Objekt gewertet wird. Nach seiner Auffassung ist das jüdische Volk stets Subjekt, Schöpfer seiner Geschichte auf allen Gebieten des Lebens, eine lebendige Nation, gewesen. Aus dieser Auffassung heraus entwickelte Dubnow sein modernes politisches Programm, den „Folkismus“. 1906 begründete Dubnow in Rußland die „Jüdische Volkspartei“, die heute in Polen. Lettland und in anderen Oststaaten stark vertreten ist. Der Kern des Programms der Volkspartei ist die Auffassung, daß die Juden eine historisch-kulturelle Gruppe sind. Sie bilden keinen Staat im Staate, sondern eine Nation unter Nationen und erstreben keine politische, sondern kulturelle Autonomie (Selbstverwaltung der Geineinde, Sprachen-Freiheit, Sdiul-Autonomie). Die Judenstaats-Idee lehnt Dubnow ab. aber dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina als einer gesamtjüdischen Aufgabe steht er. namentlich in den letzten Jahren, positiv gegenüber. Simon Dubnow wurde 1860 in Mstislawl geboren. In Zeitschriften veröffentlichte.er monographische Arbeiten über Sabbataj Zewi, Jakob Frank, sowie eine quellenmäßige Darstellung der Dogmatik und Geschichte des Chassidismus. Später veröffentlichte er mehrere grundlegende Monographien über die Geschichte der Juden in Polen. Litauen und Rußland und gab die Geschichtswerke jüdischer Gelehrter aus Deutschland (Baedc und Brann) in russischer Sprache heraus. Er verfaßte auch ein sehr verbreitetes Lehrbuch der jüdischen Geschichte. Alle diese Arbeiten gipfelten in der „Allgemeinen Geschichte des jüdischen Volkes“, die in der deutschen Ausgabe den Titel „Weltgeschichte des jüdischen Volkes“ trägt. Eine dreibändige „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes“ wurde bereits 1920/23 vom Jüdischen Verlag als selbständiges Werk herausgebracht. Simon Dubnow, der eine bedeutende Lehrtätigkeit an den von Baron N. Günzburg in Petersburg eingerichteten Kursen für jüdische Wissenschaft entfaltete, Mitbegründer der Jüdisch-Historisch-Ethnographischen Gesellschaft“ und Redak- Sietf&ccMH Karl Gertler Jumtlior SMtMHM: Bruckinann- Silber-Bestecke Kaiserstr. tum Marti - Zrt. 34» Ftsche^VUd^eßüoel Stets vorrlttf: I rtiaada Spiegel- Karrten, Sehldes, Perei lea, Nedoarflsche i > Seefische aller Art SpesfaüHSti Ia.Msst-Oeflftgel lefeead a. geschlachtet Bedeileide üewitmiermeliriifi fi fcr &/2tt. 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