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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-09-16 · 12 (16.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
12 (16.9.1930)
Date
1930-09-16
Page
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judet, «ondern der Wille, Vollamerikaner 211 werden. Er versudit, seine jüdischen Krfäh' rungen und Erinnerungen sarkastisch zu bagatellisieren und zu atomisieren. Er hat sein Ziel fast erreicht, bis sein Judentum, wie durch den Zufall geweckt, in ihm neu aufersteht und ihn neu bindet. In hartem Ringen zwischen seiner jüdischen Seele und der amerikanischen Sehnsucht siegt das „Erbe im Blu t“. Der alternde Vater, der dieses Ringen bangend gesehen, segnet den Sohn mit den Worten: „Meine Generation hat versucht, das Haus Israel niederzureißen — vielleicht werdet ihr es wieder aufrichten.“ Sein Judentum wird ihm zum Adelsbrief. Aus dem Erbe im Blut ist das Erbe im Geist geworden. Lewisohn hat in diesen beiden Menschen typische Gegenwartsjuden geschildert, ohne das Geheimnis ihrer Seelenschwäche zu durchschauen. Beide leiden an der modernen Schabionisierung. Sie messen und werten Ihr Judentum und ihr Judesein am Urteil der Umwelt, statt ihre Eigenart und ihren Eigen w e r t zu begreifen. Beide sehen mit naiver Beschränktheit und kindlicher Kurzsichtigkeit alle ihre Lebensgestaltungen durch die Brille des Judeseins. Das ist der Grund ihrer Abkehr und die Ursache ihrer Heimkehr zum Judentum. Diese Schablonisierung findet allerdings ihre naheliegende Deutung in dem überstarken amerikanischen Antisemitismus, der in Wirklichkeit intensiver als der europäische ist, wie ja alle europäischen Importartikel in Amerika in das Groteske übersteigert erscheinen. Der Chefredakteur der großen New Yorker jüdischen Tageszeitung „Morning Journal“. Jacob Fishman, hat anläßlich seines Aufenthaltes in Berlin in diesen Tagen Mitteilungen über die zurzeit in Amerika herrschende Wirtschaftskrise gemacht, welche die jüdischen Schichten schwerer als die nichtjüdischen trifft. Wesentlich bedeutsamer waren seine Berichte über den wirtschaftlichen Antisemitismus in Amerika. Aus den Riesenunternehmungen der „White Collar Industrv“ sind die Juden als Mitarbeiter so gut wie - 129 - ausgeschlossen; im Telephonwesen, in den Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerken werden Juden nicht beschäftigt; die italienischen Arbeiter haben die jüdischen im Schneidergewerbe verdrängt. Bei der Aufnahme in die Universitäten und Hochschulen werden die Juden einer Proportion unterworfen, da keine Universität zuviel jüdische Hörer -haben will. So hat sich die Praxis eingebürgert, Juden den Zugang zu den Hochschulen durch Aufnahmeprüfungen zu erschweren. „In der Newyorker Medical School werden Tausende von Juden zurückgewiesen: Tausende reisen in fernliegende Universitäten, um dort unterzukommen.“ Die amerikanischen Juden leiden also am Judesein. Gewiß erklären ökonomische Verhältnisse, neben der allgemeinen Wirtschaftskrisis, die starke Ueberfüllung in den medizinischen und juristischen Berufen diese unerfreulichen Tatsachen. Aber ganz nach antisemitischem Vorbild wird dem Judentum zugeschoben, was durch das Judesein verursacht ist. Mit der Verärgerung über das Judentum tritt die Abkehr von ihm zutage. und die amerikanische Judenheit erlebt die von Lewisohn geschilderten traurigen Erscheinungen. die durchaus den europäischen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entsprechen. Sowie die Judenfeinde alle peinlichen Gegenwartserscheinungen durch die: Formel erklärten „Schuld sind die Juden“, so wird hier alles, was sich schicksalhaft zwangsläufig entfaltet, durch die eine Tatsache gedeutet: Schuld ist das Judentum. Das ist die Schwäche der an sich bedeutsamen Romandichtung Lewisohns, daß er sich diese Formel für die Erklärung aller Lebenserscheinungen der amerikanischen Judenheit zu eigen macht, statt die einzelnen Tatsachen kritisch zu prüfen. Der Minderwertigkeitskomplex und die Neigung zur Verallgemeinerung und Zurückführung auf eine Ursache hat auch ihn verwirrt. Der jüdische Antisemitismus, wie man die jüdische Neurose bisher genannt hat, ist auf solche Schablonisierung zurückzuführen. Nur ein kleiner und kleinster Teil der üblen Erfahrungen, unter denen die Judenheit in der Gegen- Q PFAFF PfalfNfihmascfilHcn Für Haushali, Geweihe, Industrie Wimpff, Conradt D Cie. Stuttgart, Kronprinzstrafe 22 AufWuudi crMdaleitc ZaUongabadtncimten 8 preiswerte weine die wir besonders empfehlen kftnnen! Liter rot weiß 129er Freinaheimer -.75 28er DOrkhelmer -.95 129er Wachenheimer 1.25 129er TlroL Edelreben 1JO 129er Edenkobener *•85 29er St. Martiner 1.20 128er Herxhebner 1.50 28er Deidesheimer 1.60 Flaadmapfaad 25 Pfg. Karl Gaissmaier W. FRECH I HAUPT8TATTBR. p 1 STRASSE 66 j TELEFON 72996j fptilalbaw für! 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Sie sind krankhafte Auswirkungen des jüdischen Minderwertigkeitskomplexes. Das Judentum selbst und das Judesein habet, nur einen minimalen Anteil an den zahllosen .Vorwürfen, die beiden so leichthin und leichtfertig gemacht werden. Die moderne Judenhoit braucht zur Abwehr dieser Erscheinungen t§n vertieftes Selbstbewußtsein in der Erkenntnis und Würdigung ihres Eigenwertes und ilirer Eigenart zur Heilung ihrer schweren Neuiose. Wirtschaftslage und Mittel' Standspolitik. Vcin Berthold Steinberg, Vorstandsmitglied der Volksbank Jwria-Berlln. Die Wirtschaftskrise, in der sich das deutsche Volk befindet, Und von der in besonders starkem Maße die in Deutschland lebenden Juden betroffen werdeii. hat in der jüdischen Presse eine Aussprache entstehen lassen, die sich noch im Anfangsstadiuin befindet. Man beginnt zu erkennen, daß diese Depression nicht nur eine konjunkturelle Erscheinung, sondern die Folge einer Umorganisatioji des Wirtsdiaftskörpers ist. deren Abschluß noch nicht übersehbar ist. Um den Vorsprung. d4n das im Golde schwimmende Amerika durch seine weitgehende Typisierung und die damit (erzielte Verbilligung des Produk- RADIO Anlaj en von einfacher bis zur hochwertigsten ) Ausft hrung. Besichtigen und hören Sie unverbi idlich die neuen Modelle der Berliner Funk Ausstellung. Wir sind das lan {jflhrige Spezialgeschäft Süddeutsdie Radio Zentrale Hugo Mazgar, KBnlgstraS« 13 Telemn 24884 und 22897 Bcnttfzcs Sie die Gelederte!!! |^mi£ Sm}' «u(k Af, Umi'CrCM'ScMtfMk Ftr J«Ma OMaaiduiatiii 1 Tafal * MSlf » Pfg., « TaMB 4 188 g » Pfg. mr Mt Schoko- Schwafei CalwamtraBait. NrntBiMt t (EAa HbaAstraSa) •wtoUl Halsaad H—aatimSa

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