Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 11 (1.9.1930)
- Date
- 1930-09-01
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- [Seite] (sequence 6)
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und KÖN tOSTKASSB 43 Seit 40 Jahren das Haus für gediegene Schuhe HAUS Vereinigungen. verkenne keineswegs den \\ crt »on (»eselligkeit. kör(>erlicher Ertiichtifruitjr. Turnen. Sport. Wandern. Aber irr- L-elit ni<bt: wirJuden sind ein uralte' Kulturvolk. unsere Zukunft lallt »ich nicht auf Fußliall und Boxkampf gründe». ..Nicht durch Macht und kraft, sondern durch meinen kixt." Der W eg Israel» i»t und bleibt der W ej: de» Geiste». | )a» jiidi'che (.e»t*t/. /u dem ja al» Kernstück die jüdische Ethik gehört, fordert unmittelbare \ crw irklichunp. keiner Heuchelei wird da» WoM geredet: wer den ritualen Teil des Gesetze» nicht aus »chlichter Gläubigkeit noch auf (truncl phih>sophi»cher Rechtfertigung er füllen kann, der halte »ich wenigstens daran al» dem geschichtlichen Lebensstil und der uner»et/bareii Einuiigxforni de» zersplitterten jüdischen \olke». So oder so. ohne das ..Gesetz" gibt ex kein Judentum. Besiedlung des jüdi»chen Landes heißt die dritte Forderung. Wir brauchen Krez Israel al» da» einzige Land, wo hebräische N «»IIkulttir. Kntfaltung jüdischen Volkstum» möglich iT»cheint. Denkt über ..Judenstaat", wie ihr wollt, »eid Zionisten oder ( entralvereinler. wie ex euch gefällt, aber helft mit. daß /io» zur Hauptstätte und zum Mittelpunkt de» Judentum» wird, und zwar echten Judentum». heiligen \olk»tum». Sucht innerliche Verbindung mit dem dort neu erblühenden I eben und hebräischen Schaffen, beteiligt euch nehmend, gebend, tadelnd, besxernd: Luch tüdixch bereichernd. Immer tiefer verschaltet »ich da» Judentum der Länder nn»erer /er »treuung. l aßt neue» Licht über Zion aufleuchleii. in »einem Lichte werden auch wir wieder Licht »chauen. Mein ..(»ruß" i»t zu einer \rt Arbeitsprogratnm ^c worden, aber ich weiß jüdischer Jugend keinen be»»eren zu entbieten. Jiidi- »ches Menschentum lernen und tun erlaubt mir. vergebt mir die»en (»ruß! JUdttsantoaÜ Th. Wittg Scfuoacz, Stuttgart: Wie die \ erh.iltnis»e in der Imwelt int allgemeinen »ich in den krieg»- und Xachkriegszc iten grundlegend geändert haben, so hat »ich die Bedeutung der Jugendbewegung im besonderen gegenüber der \ orkriegszeit von (»rund auf gewandelt. Die Jugendbewegung vor dem krieg: Der S|>ort\erein. der Jugend- - ereiu mit militärischem Charakter, die Studentenverbindung. ist am besten mit einem Wort von Morgenstern charakterisiert: Im Sach»onwulde pilgern wir I ml trinken mit dem Geniu» Bier: W ir Ijaben Grund, den alten Herr» zu loben. Der lang't un» eigenen Denken» überhoben. \nder» heute: vorbei sind für die Gesamtheit die »tillen Tage de» Glück» im Winkel und die Gemeinschaft verlangt eine körperliche und geistige- Schulung de» jungen Menschen, die ihn für den Kampf ums Dasein vorbereitet. Die»e» Ziel gilt auch für die jüdische- Jugendbewegung. Die Ixsoude ren Pflichten, die der indischen (»emein»chaft obliegen, ergeben sich ZV, ang-laufig al» Grundlage auch für die jüdische- Jugendbewegung. Sie muß als erstes und vornehmstes Ziel L I t e r n h a h » und 's ch u I e iit der Lrziehung zum jüdischen Menschen unterstützen und ergänzen. Diese I rziehung hat — in kurzen Worten ausgedrückt die Beantwortung der Frage nach der Existenz und der Existenzberechtigung un»c-rer jüdischen Gemeinschaft zum Ziel. Der in der Natur der Sache liegende Zwang von Llternhuii» und Schule möge durch die in der Jugendbewegung geübte freiwillige Beschäftigung mit jüdischen Dingen beim jungen Menschen au» seinen Fesseln gelöst werden. Daneben darf heute jedoch gerade beim jungen. jüdischen Menschen eine intensive Beschäftigung mit staatspolitischen Dingen nicht , vergessen werden, nicht im Sinne einer einseitigen pilitischen Festlegung, oder eines unerfreulichen Parteibonzentums: der junge Tapeten Stoff© - Teppiche Innendekoration UNDEN8TRA88E7 hiennaruiioia CalwarvtraSa - 120 - Jude soll vielmehr durch eigenes Studium und eigene Kenntnis der geschichtlichen Vorgänge und der staatspolitischen Dinge in die Lage versetzt werden, den Werdegang des deutschen Juden vom Schutzjuden zum jüdischen Staatsbürger zu erfühlen. So nur kann er zur Lebe rzeugung der politischen und auch der gesellschaftlichen Gleichberechtigung des Juden gelangen, die uns zu Ln recht bestritten w ird. - Wenn jüdische Jugend in diesem Sinn in kameradschaftlichem Geist geschlossen der jüdischen Gemeinschaft an die Seite tritt, so kann diese Gemeinschaft den Glauben an die Zukunft des deutschen Judentums und darüber hinaus an den Sieg des Rechtsgedankens in der Geschichte der Menschheit haben. Josef. SduDocz&cflUd, Stuttgart: Ich erinnere mich lebhaft der Gründung des ersten jüdischen Jugendvereins in Deutschland. des ..Israel. J ü n g I i n g s v e r e i n s •St uttga r t“. Ich sehe noch vor mir im (leiste den sei. Herrn Oberkirchen rat Dr. Kroner mit seinen gütigen, klugen Augen, und den sei. Herrn Rabbiner Dr. Stössel. den stillen Gelehrten. wie sie lieide die kleine Schar, etwa zwanzig junge Leute, aufmuntern, sich zu vereinigen. Das Ziel war: Gemeinschaft. Das Mittel zum Zweck: Pflege der Freundschaft. Geselligkeit und Förderung jüdischen W issens. In weiser Vorsicht wurde der Versuch gemacht. jüdische ansässige und die in Stuttgart in Stellung sich befindlichen jungen Leutezu vereinigen. Der Versuch ist gelungen, wenn auch der Verein durch die Gleichmäßigkeit der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse neben Zeiten des Aufblühens auch solche des Abstiegs gesehen hat. Das Jahr 1014 hat Alter und Jugend aufgerüttelt. krieg und kriegsfolgen brachten schwere Sorgen mit sich: die Jugend blieb nicht verschont. In Politik und Wirtschaft vollzog sich eine vollkommene Umgestaltung. Die junge Generation erkannte die Not der Zeit: sie hat den Kampf mit dem Optimismus, der die Jugend beseelt, aufgenommen. — Sie ist frischer und selbständiger geworden. Fine- Frneuerung des Lebensinhaltes ist bei der Jugend im Werden. Das Streben geht dahin. Gemeinschaft zu bilden. das Wissen zu mehren, und den Körper durch Sport zu kräftigen. Die jüdische Jugend will unabhängig selbst den Weg finden, der ihr Befriedigung bietet. Der Drang nach Wahrheit. Pflichterfüllung und Wohltun ist so mächtig in ihr. daß sich daraus nur gute Wirkungen ergeben können. Ich begrüße diese lebhaften, edlen Empfindungen und verspreche mir davon den besten Einfluß nicht nur für die Einzelperson, sondern für die gesamte Judenheit. Bice&toc Jetix Sontheimee, Stuttgart: An der Ende des vorigen Jahrhunderts erstmals in Erscheinung getretenen ..Jugendliewegnng" war auch die Jugend der Stuttgarter israelitischen Gemeinde beteiligt. Sie war unter den jüdischen Organisationen die erste im w iirttembergischen Land und eine der ersten im Reich, die versucht hat. sich eigene, dem Wesen der Jugend entsprechende Lebensformen zu schaffen. In engem Kreise wurde der Versuch unternommen, der nun. nach Jahrzehnten, zu einem glücklichen Erfolg geführt hat. W ir hallen eine Jugend, die sich ihrer Zugehörigkeit zum Judentum bewußt und eine Stärkung des Judentums bedeutend. auf allen Gebieten mit der Jugend Andersgläubiger messen kann. Sie steht keinen in gleichartigen Vereinigungen zusammengeschlossenen Jugendlichen nach und nimmt auch im Sport, auf einem uns früher fernerliegenden Gebiete, jeden Wettkampf ebenbürtig auf. Es ist beinahe zu einer Selbstverständlich seit geworden, daß Jungen oder Mädchen in einem gewissen Alter den Jugendbünden beitreten, so daß auf diese Weise die Heranwachsenden nicht nur dem Judentum erhalten bleiben, sondern zu Stützen und vollwertigen Vertretern unserer Gemeinschaft herangebildet werden. Die Gefahr, daß sie si& dem Judentum entfremden, wird immer kleiner: diese, bei den vielerlei Anwiirfen. denen wir ausgesetzt sind, nicht zu unterschätzende Gefahr ist heute dank dem Zusammenschluß unserer Jugend geringer als je. So sehr auch der Einzelne sich zu seinem Verein oder Verband hingezogen fühlt, ist es un- PfalHUUuMKklnen Für Haushalt, Geveibe, Industrie Wimpff, Conradt D Cie. Stuttgart, Kronprinzstrafte 22 Ao(Vaawk ertcfcMerte Z»hkm*»b«ltafu»g ea ei-läßlich, daß er sich von seinem Volksgenossen nicht loslöst, daß er die Verbindung mit andersgläubigen Kameraden aufrecht erhält und stets eingedenk ist. daß er auch als Jude in der Gemeinschaft des großen deutschen Volkes, dem wir angehören, wichtige Aufgaben zu erfüllen hat. In dieser Erkenntnis werden die zu Männern und Frauen Herangewachsenen den Platz im Leben c-inuehmen. auf den sie durch ihre Erziehung, Bildung und Lebensauffassung Anspruch haben. JioMsut TJtox Steous, Stuttgart; An einein Gebäude in unserer Vorstadt Wangen las ich vor kurzem den Hausspruch:. Die Menschen sagen immer: die Zeiten werden schlimmer. Die Zeiten bleiben immer, die Menschen werden schlimmer! Gestatten Sie, daß ich als Freund der Jugend meine Ansicht durch eine kleine Variante dieses Spruchs ausdrücke:. Die Alten klagen immer: die Jugend werde schlimmer. Die Zeiten nur sind schlimmer, die Jugend, die bleibt immer. Mir scheint, daß trotz allem, was man heute über ..Revolution in der Jugend“ oder über „Revolution in der Erziehung" liest, die heutige Jugend weder besser noch schlechter ist, als wir es einst waren. Diejenigen, welche sich dieser Schlagwörter bedienen, sollten sich daran erinnern, daß derselbe Jean Jaqucs Rousseau, den man den Vorläufer der Revolution von 1789 nennt, durch seinen pädagogischen Roman „Emile“ schon die Umsturzbewegung in der Jugenderziehung eingeleitet hat. Zweifellos ist es unserer jüdischen Jugend trotz der auf dem Papier stehenden Gleichberechtigung in vielen Fällen schwieriger gemacht. sich du rehzusetzen, als der Umwelt. Da möge sie sich nun der vergangenen Zeiten vor der Emanzipation erinnern und sich das aiieignen. was unsere Vorfahren nie verloren haben und das ihnen Kraft gab, alles zu überwinden: Das Gott vertrauen. — Diejenigen Eltern, welche die Nutzanwendung aus unse rer Geschichte nicht oder zu spät erst ziehen, laden eine große Verantwortung auf sich. Glücklicherweise sieht man heute aber in vielen Fällen, daß die Jugend selbst die Schlußfolgerungen zieht. Diese unsere heutige Jugend — nicht nur die jüdische — ist in eine Zeit der Widersprüche hineingeboren. Da kann ich die Bemerkung leider nicht unterdrücken, daß ein großer Teil der zu sehr mit Sportangelegenheiten beschäftigten jungen Generation brennenden Tagesfragen mit größter Gleichgültigkeit gegenüber stellt. Dadurch entsteht dann manchmal der Eindruck, als fühle sich die Jugend viel älter und erfahrener als wir Alten. Und daraus ergibt sich der Wunsch: Die Jugend möge sich wieder jung fühlen und, was n o ch wichtiger ist, sich wieder jung geben! HaUinet Th. A. Tänzer, Göppingen: Ein ernstes, treues Wort zum Gruße! Thaies von Milet lehrte bekanntlich: „Erkenne dich selbst!“ Und wie dieser Philosoph die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen auf ein einheitliches Prinzip zurückführte, so muß auch alle Mannigfaltigkeit der Bestrebungen im Menschenleben überhaupt und in der jüdischen Jugendbewegung im besonderen von dem einheitlichen Prinzipe getragen sein, welches der zitierte Spruch ausdrückt, von der Selbsterkenntnis. Jugend, welche sich als solche erkennt, als ein Werdendes, noch in der Entwicklung Begriffenes, und der eben aus dieser Erkenntnis ihre Eigenart in Recht und Pflicht erwächst. Im Rechte auf Ermöglichung und Förderung ihrer Entwicklung, in der Pflicht zur Selbstarbeit an derselben. Selbsterkenntnis der erst werdenden Reife gibt der Jugend den allein zutreffenden Maßstab für ihre Einstellung zu Gegenwart und Zukunft. Zur Gegenwart, indem sie die Bewertung allen Geschehens nur nach dessen Dienlichkeit für die eigene Entwicklung zuläßt. Schein von Sein. Phrase von Gedanken, Vereinsspielerei von gemeinschaftlicher Arbeit, Uebcrhebung von Selbstachtung scheiden heißt, nur an sich selbst, nicht aber an andere, mit höchsten Ansprüchen heranzutreten gestattet und diese kostbarste Zeit des Lebens in allem Tun und Lassen allein in den Dienst der Vorbereitung und Entwicklung zu stellen gebietet. Zur Zukunft, indem sie diese als Ziel der Ent- 49lasme«i Brtmjni 9retsfte IM JXMUftf BLUMENFISCHER kOniosbau t*i_ aoo7« flrtdan MI» «tat« pralawarta Oaaohankal I PFAFF