Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 11 (1.9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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inwendig jung bleibt. Innere Bewegtheit der Seele, das ist der Kern aller Jugend, das ganze Leben hindurch. Und nun ist es ganz einleuchtend, warum die Jugend dem Versuch, sie ängstlich und besorgt zu lenken, widerstreben mufl: frei will der Pendel herabschwingen! Er will selbst erfahren, selbst erleben, will lieber zehnmal auf eigene Faust anstoßen — wenn ich so sagen darf — als einmal großväterlich beschützt sein. Wahre Jugend will es nicht möglichst bequem, sie will es möglichst schwierig haben. Wahre Jugend neigt deshalb nicht dazu, Anforderungen zu stellen, sie will im Gegenteil, daß Anforderungen an s ie gestellt werden. Das weiß ich, und darum stimme ich durchaus nicht in den Ruf „Alles für die Jugend!“ ein. „Allesvonder Jugend!" — das ist meine Losung. Jcau JAa Marx, Cannstatt: Man spricht viel von Bewegung in unseren Tagen. In Bewegung sein, bedeutet, einen Antrieb erfahren zu haben, der die Beharrlichkeit eines Zustandes aufzuheben versucht und einem inneren Wunschbilde nach die Welt zu gestalten bestrebt ist. Auch die Jugendbewegung hat diesen Antrieb zur Aenderung des Bestehenden. Sie will ändern, was ihr an den überbrachten Lebensformen halb und unecht erscheint. Leider geht indessen der Glaube daran, daß der einzelne Mensch die Kraft habe, gegen das Gewohnte sich für Recht und das als wahr Erkannte einzusetzen, so vielen Menschen verloren, wenn Beruf und Wirtschaft sie in ihren Bann schlagen. Aber wie viel Bedeutendes ist in der Menschheitsgeschichte aus dem Denken und Handeln jener entstanden, die ihr inneres Jungsein bis in die höheren Lebensjahre hinüber bewahrt haben und ihre Erkenntnis trotz aller Widerstände verwirklichten. — ugcndbewegung erweist sich dann als wahratt fruchtbar, wenn Bewegung über die durch das Wachstum bedingte Periode des Bewegtseins hinweg erhalten bleibt. Sanitätseat De. JCaH Jties, Stuttgart Schon in der Vorkriegszeit war es dem Einsichtigen klar, daß sich Ehrfurcht vor dem Alter wohl verträgt mit selbständigem Denken, mit Wahrung der Persönlichkeit. Der besonnene Jude erzog seine Kinder so, daß sie lernten Vater und Mutter zu ehren, daß sie versuchten, deren Gedankengänge zu verstehen und zu achten, nicht aber, daß sie erstorben in Demut und es nicht wagten, eine eigene Ansicht zu haben, die vielleicht von der des Vaters abwich. — Es soll gewiß nicht behauptet werden, daß heute alle älteren Menschen es verstehen, sich in das Denken und Empfinden, in das Seelenleben der Junen einzufühlen; aber doch überwiegen jetzt iejenigen, die ein Verständnis dafür haben. - 119 - daß die Jugend verantwortungsvoll mitarbeiten will. Nimmt doch unsere Jugend nicht allein an ihren eigenen, den „Jugendfragen", regen Anteil, ihr Interesse greift auch über auf die großen und wichtigen Anelegenheiten und Probleme der Allgemeines! Unsere jungen Freunde sind geradezu getrieben von einer Sehnsucht, einer „Jugendsehnsucht“, nach Teilnahme an den großen Dingen der Menschheit, von der Sehnsucht nach tatkräftiger Mitarbeit an den Fragen der Gegenwart, die ihre Zukunft bedeutet! Wenn schon in den Jahren vor dem Kriege, besonders von der Jugend her ein lebendigeres Gefühl für das Geheimnis, für den seelischen Wert des Religiösen wieder rege geworden ist, so haben Erlebnisse im Kriege und Erfahrungen in der Nachkriegszeit das religiöse Empfinden vertieft. Die Angriffe auf Juden und Judentum haben es erreicht, in der ugend Selbstbewußtsein und religiösen Besitzesstolz zu wecken und zu festigen; es ist ' eine neue Frömmigkeit erwacht an deren Förderung wohl alle Richtungen Anteil genommen naben. Welch' schöne Aufgabe ist dadurch den Lehrern und Hütern der Religion erwachsen: den Augenblick zu nützen und das Schöne und Begeisternde, das unsere Religion enthält der Jugend, die der Schule entwachsen ist und sdion mitten im Beruf und dem sorgenvollen Leben steht zu erschließen und sie dadurch zu Mitstreitern zu gewinnen! Die Jugend ist das empfindsamste, schwierigste. aber auch schönste Instrument auf dem der Kundige spielen kann, dessen Saiten in herrlichem Wohlklang schwingen, wenn sie mit der nötigen Zartheit angeschlagen werden, die aber mit einem Mißklang antworten, wenn sie roh und unverständig angefaßt werden. Unsere Jugend hat einen Anspruch darauf, mit Wärme und Liebe bedacht zu werden, strahlt sie doch eine seelische Reinheit aus, die beglückend ist und die, von sorgender Hand gehegt, sich auswirkt zu einer Kraftquelle aussichtsvoller, tatkräftiger Mitarbeit an den schweren Aufgaben unserer Zeit. Wir Alten überall in der Welt haben manches an der Jugend versäumt und rqfen uns jetzt die Mahnung zu: wir wollen das Versäumte nachholen, wir wollen den lauten Ruf der Jugend nach Stütze und Anlehnung nicht überhören, wir wollen unsere Arme und Herzen öffnen, ehe es zu spät ist! Wir grüßen unsere jungen Freunde! JLMinec De. ScMesingec, Obaduui: Der jüdischen Jugend! Ich weiß nicht, ob der heutigen Jugend eines Aelteren Gruß sonderlich willkommen ist. Aber die Leitung dieses Blattes fordert einen solchen von mir — über ihr Haupt meine „Schuld“! Was kann ich Neues sagen? Daß die Zukunft des Judentums auf der Jugend steht, daß schwere Verantwortung auf ihr ruht, das sind f» V KAISER BORAXl PUDER der ideale Wund-u. Kinder-Puder wirkt heilehd u vorbeugend, daher unentbehrlich zur Sä u g lingspf lege Heinrich Mock Nachf. Ulm a. D. auch für Euch in Stuttgart keine Neuigkeiten. Vielleicht darf ich darum ein paar alte Wahrheiten hervörholen: Uber die Ziele, die sich nach meinet Meinung jüdische Jugend allerorten setzen sollte. Menschentum und Judentum müssen die Losungsworte feein! Nicht als ob es um zwei getrennte Dinge ginge. Die jüdische Lehre kennt zwar! echtes Menschentum auch außerhalb des Judentums, aber kein Judentum, das nicht echtep Menschentum notwendig einschlösse. Nu^ um der Klarheit willen geschehe hier künstliche Sonderung. „Sei Mensch drinnen!“ fordert einmal Adiad Haam. Unsere Zeit liebt allzu sehr das Sächliche, erhofft von neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen die Behebung alles „unedlen Unglücks“, wie Max Brod es nennt. Was mich betrifft, ich glaube nicht daran. Desir überhaupt in Grundfragen des en und sozialen Lebens der ie Allmacht von Systemen fehlt, mehr an den Menschen. „Ordern tun’s nicht. Das schlechteste ärÜ besser, wenn die Menschen edel, und gu dil halb,.weil wirtschaftlii Glaube an Ich glaube nungen“ a System wi hilfreich uijd ut sind, das beste Svstem versagt, wenn, schlechte, kleine, niedrige Menschen es tragen. Mehr Menschentum, mehr Persönlichkeit! Pflegt das wahrhaft, das Ideal- Menschlich cj, und haltet Euch dabei an die ganz großem Denker, Dichter, Künstler, die Plato, Spinoza, Kant, die Shakesc lato, Spinoza, Kant, Goethe, die die Mozart eare und espe: Raffael, Michelangelo, Rembrandt, , und Beethoven und die andern Unsterblichen. Dieser oder jener Weg; sei Mensch dr|nnen! Kein System allein, der Mensch nuis wird die Menschheit retten. Das Judentum — ,4hr sollt mir sein ein Reich von Priestbrn und ein heiliges Volk!“ — kämpft heifte um Fortbestand und innere Erneuerung! Bei der Jugend liegt die Entscheidung. Drei, Forderungen stehen vor ihr: Die jüdische Lehre. Literatur, Geschichte, Wissenschaft, die hebräische Sprache — das sind Aufgaben des Lernens. Ich verwechsle Jugendbünde keineswegs mit literarischen FLÜGEL PIANO« nTv Ihr Wag zur VariUngung, das ^aulinenbad (H 5ch itff roquonz) Pi | Insarleran bringt Gewinn I lUIIUIIUIIIUIIIHIIIIIIIimlllllUIIIIIIIINMIHWINMMUUCNIHimillMIHHIIIII äk ELEKTR. ANLAGEN CleJzlübcfijzGeAxxAe, \v LICHTREKLAME BLITZSCHUTZ. Radio-Abteilung Größte Auswahl I. elektr. Geraten Moccamaschinen - T eemasch., Rauchv-*rzehr., Zigarrenanzünder, Rasierspiegel, Bügeleisen etc. HC T A II nTF I n n RotabO Wstr 41, T.1.84814 O I HUU I C ing.,ManM»rd«rRD*bOMI<aMrne Plotoapparalc Phofoboiarf PbotoarbdlCB rtllali Frliirl «ibalaa Patentbüro 1 Koch 4 Bauer | Stuttgart tMM I Wo lattlla tt Ur Eis Ur iu RxI-TbcI? nur im Caf6 Haimann Ecke Schloß-u.Seidenstr. 6 SPEZIALITÄTEN: Alle Sorten Fruchteis u. Creme-Eis, Eisgetränke asb Sahne-Eis (rw-ntia-M) TmhrtHri,!W**a in bekannt von. 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