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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-09-01 · 11 (1.9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
11 (1.9.1930)
Date
1930-09-01
Page
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Setigmann JCahn, Stuttgart: Iirr obc*w*ch\cübi.sche Miindartdichtt'r Sayler. Zeitgenosse* von Goethe und ' on ihm geschätzt. ließ in seinem Reimgedicht „Das Paradies" den ehen erschaffenen Adam jubeln: ..I hau schau lang dacht, wann i nau verschaffe wur." So batte die „Gemeinde/eitung - <1 io das Band der Familiarität um die *ürttembergische Judonhoit schlingt und Belehrung. I nterhaltiing. Amt'- und Pricatnachrichten vermittelt, bei ihrem Frscheinen. so hätten die jüdischen Jugendbiinde bet ihrem Entstehen. hätte das Lehrhaus bei seiner 'Schaffung, aiisrufen »dürfen. wenn auch in anderem Sprachgut. Sie sind drei jüdische Millen unseren Heimat \\ iirttemberg. sich stützend und ergänzend, hin trefflicher Gedanke. eine ganze /eitungsniinimer der Ju- _.-nd zu w idmen. und eine ehrc'nde \ergün- 'ligiing. ein Ständlein in dieses Blütengewinde einbindcu zu dürfen! \uf der Jugend ruht die Zukunft. Heil ihr. wenn sie ich dessen bewußt ist. „freue* Dich, Jüngling. Deiner Kindheit — aber — (Pred. Sti.TIva." Dieses „Aber" weist auf die der Jugend nottuenden Richtlinien. Wie soll sich j r Zusammenschluß der jüdischen Jugend zu \ ei einen und Verbänden auswirken? Etwa lediglich im Sport? Bewahre! Judenheit und Judentum legten \on jeher ihren Schwer- ■:r;nk: -:iif die ge istige Macht (Secharjah V6K |Vi' Nachahmen der griechisch-heidnischen -n;c i'tik zur Zeit der Syrerherrschaft fördertnicht den Aufstieg, sondern verschuldete den Zerfall der Juden. So löblich die ■ I ria-htigung des Körpers zum Turnen. Rudern. >ch-w inimeii und allen erdenklichen sportlichen l c billigen ist. diese Fähigkeiten seid der Ausbildung ton Herz und Geist im jüdisch-erhabenen Sinne nachz.uordnen. minilesiens aber ihr nicht voranzustellen. Die Wenigsten freilich können iifl weitschichtigen indischen .'Schrifttum gut bewandert sein: aber I-■ ‘ r sollte* lange vor einer S|H»rthöchst- I. stiiiig auf den Hauptinhalt unseres Judeni ::n'. eine}* unvergänglichen W ahrheiten.und sin - riihnlichen Gcschichte Rede und Anttehc* 1 und dem Lästerer und Spötter di-- Z ‘ine d,stumpfen können. Del verewigte Rabbiner Dr. Stössel bekam - iinal coit einem Lehrer zu hören, bei den ai-en Jude »I hätte es keine* Schulen gegeljen. lautete* die schlagfertige Abfuhr, „und c . hätte der Knabe, der Richter!s 14-1 dem > .id,*o„ 77 Aeltestcn-Xuinen ans Sukkot auf- 'ciirieb. das Schreiben erlernt?" Wir hören so oft. das Judentum sei nicht die Religion der Liebe und wenn es heiße* (>. Buch Mose!'.* |S| „Liebe Deinen Nächsten wie Dich se lbst." so -.ei als der Nächste nur der Jude g-'ineint. M u ß man da nicht ohne* we iteres wis-.en und antworten können, daß im g I e i ch e n Kapitel. \ ers 34. es heißt. „Du ..illst den I remdling lielx-ii wie Dich selbst ii?lcI da' gerade darum, weil Ihr Fremdlinge in Mizrajiin wäret und die grausamste Mißh nillung erdulden mußtet": und > ers IS wie ”4. beide ch ließen. „Ich bin der Kwige — fürchte Dich, zu freveln, auch wenn der weltlichc-Richter Dich nicht darob strafen kann.“ sich'mit der Heiligen Schrift zu beschäftigen ■+**t keine* sonderlich schwere, sicher über eine dleroiclntlich fesselnde Beschäftigung. Lnere Juge nd muß für die Weltmission des Judentums Verständnis hallen, muß wahres Judentum und wahres Menschentum als uieiehbedcutend betätigen und unsere Gemeinschaft wider Veileumdung und Gehässigkeit tapfer verteidigen. In diese*s hohen Zieles hehren I hellst 'teilen sich engverbunden „Ge m-'iiidezeilung". Jiigendbünde und Lehrhaus. Die Losung der jüdischen Jugendbünde kann - 118 - also nur lauten: Tatkraft f ü r Heiligung und Abwehr wider die Entweihung des göttlichen Namens und unzerstörbare innere Eintracht. Seid einig, einig, einig! Siegfried JCahn, Cannstatt: Was erwarten wir Aelteren von der Jugend? Wir sehen in ihr die zukünftigen Träger unserer Ideale: wir wünschen, daß durch sie unsere Gedanken vertieft und mit frischem Leben neu erfüllt werden. „Mit unseren Alten und unseren Jungen wollen wir gehen“, sprach Mosche zu Pharao. Die Jugend ist unsere Hoffnung. Sie soll unseren allzu ängstlichen, mit „Wenn und Aber“ erfüllten Erwägungen neue Impulse geben und uns vorantreiben. Ich sehe mit Befriedigung, daß die Beschäftigung mit jüdischen Dingen in den meisten Jugend verbänden 'zugenommen hat, daß die Erlernung der hebräischen Sprache da und dort das Ziel unserer Jungens und Mädchen ist. Je mehr Ihr Euch mit jüdischen Dingen beschäftigt, je mehr werdet Ihr den tiefen Gehalt derselben erkennen und lieben lernen. In unserer Lehre und in unserer Literatur sind so hohe menschliche Werte enthalten, daß Ihr Eure Hauptaufgabe darin erblicken solltet, diese Werte kennen zu lernen. Ihr werdet dann finden, daß die Beschäftigung damit Euch frei macht und daß Ihr mit Recht stolz auf euer Judentum sein könnt. Und was erwartet die Jugend von uns? Die Hauptsache ist, daß sie etwas von uns erwartet und uns nicht für unbelehrbare Philister hält. Verständnis und liebevolles Eingehen auf Eure Bestrebungen werdet Ihr immer bei uns finden. Und wenn wir bremsend und wegweisend Euch glauben entgegentreten zu müssen, so haben wir doch das gleiche Ziel vor Augen wie Ihr: „Mit unseren Alten und unseren Jungen wollen wir gehen!“ Jrau Jeiia £epman, Stuttgart: Es gibt keine wahrhaftige Bewegung, die nicht einer Bewegtheit der Seele entspränge. Unsere Jugendbünde erscheinen mir als der sichtbar gewordene Ausdruck dieser Erkenntnis. Darüber hinaus suche ich die Notwendigkeit der konfessionellen Jugendbewegung zu erfassen, aber sie dünkt mir nur Durchgang, nicht Endziel zu sein. Ich wage dies hier zu sagen, weil ich von der jüdischen Jugend weiß, daß sie im Sinne Bettina Brentanos „durch den Geist, den einzigen Schlüssel zur Welt, alles zu kennen und zu Erfühlen versucht“. Je mehr ihr dies gelingen wird, desto sicherer wird sie ihre eigentliche Bestimmung erfüllen. £eopoid £eoi, Stuttgart: Stellv. Präsident <L Ist. Oberrats Sinn und Aufgabe einer jüdischen Jugendbewegung kann nach meiner Auffassung nur sein, durch Suchen und Erkennen der Werte des Judentums für seine Erhaltung zu arbeiten und verantwortungsbewußte Persönlichkeiten zu erziehen. Hiebei soll die Jugend in ihren Wegen Freiheit haben: die Ehrfurcht vor Gewesenem und vor der Erfahrung der Aelteren ist aber notwendig! Eine solche Zielsetzung wird unserer jüdischen Gemeinschaft wertvolle Menschen zuführen und ihr gebühren die Sympathien aller! Mit Vernunft zu erneuern, was heutige Zeit verlangt, ist eine würdige und schöne Aufgabe der Jugend! JCotl CieUidt, Stuttgart: Meine lieben jungen Freunde! Das Leben hat für alle Geschöpfe den gleichen vorläufigen Sinn: Früchte zu tragen! Ein Baum, der TAPETEN LINOLEUM VORHÄNGE HIENERWADEL Früchte trägt, fragt nicht nach dem Sinn seines Lebens; seine Blätter sind grün, seine Zweige voll fließenden Saftes. Ein-Mensch, der Früchte trägt, seinen Platz ausfüllt, etwas leistet, fragt ebensowenig nach dem Sinn seines Lebens; er ahnt, daß er ihn erfüllt. Ein Baum aber, der keine Früchte trägt, beginnt nach dem Sinn seines Lebens zu fragen — seine Blätter sind von Meltau befallen; und ein Mensch, dem es nicht vergönnt ist, einen bestimmten Platz in der Werkstätte der Allgemeinheit einzunehmen, fragt ebenfalls nach dem Sinn seines Daseins und geht bedrückt und krank umher. Ein Geschlecht von Menschen, ein ganzes Zeitalter, das keine Früchte trägt, nicht mehr weiß, wozu es arbeitet, keinen Ausweg mehr sieht, fragt nach dem Sinn seines Daseins und verneint ihn damit. In einem solchen Zeitabschnitt leben wir heute. — Unsere Zeit ist krank und schwach und sieht sich, wie jeder Kranke, nach einer Aushilfe um, voll Hoffnung, daß es ihr gelingen möge, wieder Sinn ins Leben, wieder Früchte zu tragen und eine neue Aufwärtsbewegung einzuleiten. So erklärt es sich, daß noch nie so sehr wie heute die Blicke der Erwachsenen auf die Jugend gerichtet waren, daß man noch nie mit so viel Tiefsinn und Gründlichkeit die Jugend studiert hat wie in unseren Tagen. Und wenn es doch beim Studium geblieben wäre! Aber nein, man will die Jugend mehr als je lenken (in den eigenen Bahnen natürlich!), man will die . Jugend stärker als je mit geistigem Rüstzeug versehen (das natürlich nur aus den alten Ladenhütern besteht!), man will die Jugend auf alle nur erdenkliche Weise befähigen, die Last des Lebens leichter zu tragen, obwohl sie immer schwerer werden muß, wenn der alte Schulkram noch mitübernommen werden soll. „A lies für die Jugend!“ ist die Losung unsrer Tage. Und doch wendet sich die Jugend von all diesen Versuchen, sie behutsam in die Ueberlieferung einzuordnen, gerührt aber gelangweilt ab. Warum? Jugend ist, mit einem physikalischen Bild, wie ein Pendel, der frei herabschwingt, gewaltig vom Schwerpunkt in der Mitte angezogen. der die Welt der Erwachsenen darstellt. Aber an der tiefsten Stelle angekommen, bleibt der Pendel nicht stehen, sein Schwung ist viel zu groß, er findet das Wesen der Erwachsenen, diese bequemste, ausgewogene Stelle, durchaus nicht verweilensmöglich, er will es ganz anders, er schlägt weiter aus, bis auf die entgegengesetzte Seite, bis er fast wieder die Höhe seines Ausgangspunktes erreicht. — Dies sind die drei Perioden der Kindheit, der Pubertät und der eigentlichen Jugend. — Allein die Welt läßt sich nicht mitreißen, es gilt, ihr auf den Grund zu gehen, sie von neuem, von der anderen Seite her, zu erfassen: Der Pendel fällt wieder zurück, schwingt in die entgegengesetzte und doch anfängliche Richtung. Und wieder der Kampf mit dem Schwerpunkt, wieder der Drang, ihn zu bewegen, in Schwung zu setzen! Noch einige Male schwingt der Pendel hin und her, dn-immer kleineren Ausfällen, bis er sich zitternd dem Schwerpunkt fügt: die Reife. Aber noch hier wird er sich kämpfend und elastisch (aus eigener Kraft oder leicht unter den Anstößen der Zeit) bewegt erhalten, wenn er Stuttgarter Planetarium Vorführungen bis auf weiteres täglich abends 6 und 8 Uhr Samstags sowie Sonn- und Feiertags auch 4 Uhr Programme jeden Freitag i. d. Tageszeitungen — Eintritt M. 1.- — Kinder bis zu 14 Jahren 50 Pfg. Bei größeren Besuchergruppen Preisermäßigung u. Sonderführungen Neuwascherei u. Waschanstalt KARMtOPPtE STUTTGART Blumenstraße 18 - Telephon 26S27 Sanitäre Anlagen izungen GUSTAV RÜHLE, STUTTGART TÜBINGERSTIL 101, FERNSPR. NR. 70842 Spezialhaus Wllheln Tum Ihren Bedarf in Photo- Radio- Miid Sckellpletten decken Sie am beeten Im Döring / Stuttgart MilHärstr.32 Das Haus der guten Bedienung und Beratern». 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