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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-08-16 · 10 (16.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
10 (16.8.1930)
Date
1930-08-16
Page
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verantwortlichen Faktoren lassen sidi nicht durch Stimmungen von der notwendigen Arbeit und den notwendigen Maßnahmen zurückhalteh; so wurde z. B. auch mit dem englischen Bevollmächtigten Sir John Hope Simpson aufs engste zusammengearbeitet' und mit ihm das gesamte Material über unser wirtschaftliches Zukunftsprogramm eingehend besprochen. Nun zur wirtschaftlichen Lage: Palästina ist bisher von der Weltwirtschaftskrise fast nicht erfaßt worden. Aber für die Dauer wird der Einfluß der allgemeinen wirtschaftlichen Weltkrise auch in Palästina spürbar sein. Der Zufluß privaten Kapitals beginnt sich zu verlangsamen. die allgemeine Krise der Landwirtschaft trifft besonders auch die auf Getreideproduktion basierte Fellachen-Wirtschaft. Der Umfang der Arbeitslosigkeit geht vorläufig nicht über das normale Maß hinaus. Eine ganze Reihe Arbeiten seitens verschiedener in Palästina arbeitender Organisationen wird erst in naher Zukunft in Angriff genommen werden und den Arbeitsmarkt günstig beeinflussen. Es handelt sich um Arbeiten, die die Palestina Jewish Colonisation Association (PJCA), der Emergency Fund, die Jewish Agency (Bauten in ihren Kolonien) program müßig durchzuführen haben. Auch die Regierung hat noch etliche Arbeiten auf dem Programm. Im nahenden Herbst wird die Orangenernte eine größere Zahl Arbeiter absorbieren. Trotz dieser günstigeii Momente ist natürlich auf dem Arbeitsmarkt die Möglichkeit von Schwankungen gegeben. | i Entscheidend in wirtschaftlicher Hinsicht ist es. ob angesichts der Zurückhaltung des Privatkapitals infolge der Wirtschaftskrise es ' der Jewish Agency gelingen wird, ein größeres Arbeitsprogramm durchzuführen, d. h. ob an Stelle des sich verringernden Privatkapitals öffentliches Kapital zur Verfügung stehen wird, lu dieser Hinsicht stehen die Dinge leider vorläufig nicht besonders gut. Es werden große Anstrengungen erforderlich sein, um die Finanzen des laufenden Jahres in Ordnung zu bringen und die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit im angemessenen Umfange weiterzuführen. Politisch (und das politische Moment wirkt ja auf das wirtschaftliche und psychologische hinüber) ist es von großer Bedeutung, daß eine weitere Beruhigung der Atmosphäre eintritt. In den meisten Kreisen beginnt sich der Gedanke durchzusetzen, daß man zu einem modus vivendi zwischen den drei beteiligten Faktoren (Juden, Araber und Regierung) kommen muß, der häufige Friktionen vermeidet. Diesem Problem messen wir alle die größte Bedeutung bei; es ist besonders bedeutungsvoll in einem Moment, wo die Jewish Agency das Facit der Arbeit ihres ersten Jahres zieht und diss Grundsteine für ihre) zukünftige Arbeit legen muß. Von unmittelbarer praktischer Wichtigkeit betrachte ich eine sachliche Koordinierung der Wirtschaftlichen und der sozial-kulturellen Arbeiten der verschiedenen in Palästina arbeitenden Organisationen. die zutn Teil durch Personalunion mit der Agency verbunden sind oder sonst eng mit ihr Zusammenarbeiten. Die kommende Sitzung des Administrative Committee wird sehr schwere politische, aber vor allen Dingen auch finanzielle und wirtschaftliche Probleme behandeln müssen. Von den Ergebnissen der Beratungen wird es abhüngen. ob die palästinensische Judenheit das Gefühl behält, das sie bisher gestärkt hat. daß nämlich eine starke, unlösbare Verbindung zwischen dem palästinensischen Jischuw und der Weltjudenheit —] Zionisten und Nichtzionisten — besteht. Palästina-Ein- und -Auswanderung im Juni. Im Verlauf des Monats Juni 1930 wunderten 419 Juden in Palästina ein; 103 Juden verließen in dem gleichen Monat das Land. Im Juni wunderten auch 113 Christen, unter ihnen 64 britische Polizisten, ein; 76 Christen wunderten im Juni aus. Die Zahl der im Juni eingewanderten Moslems betrug 8, die der ausgewanderten Moslems 27. 30 Einwanderungsbewerbern wurde die Einreiseerlaubnis verweigert. Es ist dies bisher die größte Zahl der in einem einzigen Monat Zurückgewiesenen. - 10» - 10 000 Juden an der Klagemauer. Nach polizeilichen Schätzungen weilten am Vorabend des Tischa b'Aw etwa 10000 Juden an der Klagemauer. Infolge dieser außerordentlichen Menschenansammlung konnten bis Mitternacht nicht alle Klagemauer Besucher den Platz verlassen. Arabern war an diesem Abend verboten, den zur Klagemauer führenden Hauptweg zu benutzen. ln Tel-Aviv brannten am Tischa b'Aw-Abend die Straßenlampen nicht. Alle Vergnügungsstätten waren geschlossen. ln der überfüllten Gemeindehalle (Beth lluam) hielt Professor J. Klausner einen Vortrag über die Zweite Zerstörung des Teni|>els. Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus. Aus dem Buch: „Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus** von Dr. Bruno Weil, geben wir im folgenden mit Erlaubnis des Verlages Dr. Walther Rothschild in Berlin einen kurzen Abschnitt wieder. In diesem Buche dürfte das Rätsel jenes Falles, der die ganze Welt jahrelang in Spannung hielt, auf Grund der Akten des deutschen Außenministeriums der französischen Ge richtsakten und anderer neuer Quellen abschließend gelöst sein. Sonnabend, 3. Januar 1893. Die Degradation ist auf frühmorgens festgesetzt. 7 Uhr 20. Eine Schwadron der republikanischen Garde unter dem Kommando des Hauptmanns Lebrun Renault reitet nach dem Gefängnis Cherche-Midi, u n Dreyfus abzuholen. Zwei Gendarmen bringe i ihn zur Gefängnisschreiberei und durchsuche! ihn. „Ist das nötig?” fragt Dreyfus. „Befehl!“ i ntwortet der Offizier. Dann legt man ihm Hands hellen an. „Ist auch das Befehle Keine Antwort. Nur eine befehlende Handbewegung efes Kapi ans. „Sie sehen. Herr Hauptmann“, sagt er > alle Streifen an meiner Uniform sind schon aufg trennt. Sie hängen nur noch an Faden. Auch diä Knöpfe und die Litzen. Darf ich Sie bitten, den Wachtmeister zu ersuchen, schnell zu machen, weiln wir da draußen sind?** Keine Antwort. „Ich shhe Ihnen ins Gesicht. Sie sehen es wohl, Herr Hauptmann, und wenn ich wage das zu tun, so {darum. weil ich unschuldig bin. Meine Verurteilung ist das größte Verbrechen dieses Jahrhunderts.“ 7 Uhr 45. De Zag verläßt das Militärgefängnis. Zwei Reit :r der republikanischen Garde, Revolver in de Fäust. an der .Spitze. Ein Zug folgt. Der Haujtmann. der die Scnwadron führt, reitet cor dem > eilenwagen mit seinen vier Pferden. in denn Dii:\fus zwischen zwei Gendarmen sitzt. Der Wag;n rechts und links von Reitern umgeben. Ein r .eiter Zug schließt sich hinten an. 7 Uhr 50. An :unft in der Militarsduile. Dreyfus wartet eine Stunde lang in einem Dienstzimliier. „Wählend dieser langen Minuten raffte ich alle Kräfte meines Daseins zusammen. Die Erinnerung an lie herben Monate, welche hinter mir lagen, kam in mein Gedächtnis und in abgerissenen Sätz -n murmelte ich von dem letzten Besuche, den n ir der Major Paty de Clain in meinem Gefängnis gemacht hatte.“ H Uhr 50. Vi >r Artilleristen treten an. ..Hier sind die Leute, die: Sie abholen. Herr Dreyfus sagt der Kapi ün Lebrun. „Gut. Herr Hauptmann. Ich folg«. Aber ich w iederhole Ihnen, ich bin unschuldig.' Zwischen vier Mann und einem Unteroffizier iic die Mitte des Paradeplatz.es gecTCeiiBcotm Karl Gertler Jmmttiwr Kaiserxtr. Paul Ulbrich Dam Spaxialhaus für Pelze u. Schirme Ltbfntr. Ti - TtMa US luliPfC» «anc TrflMM fi cfecaicra iSOImarstri is für er und Lederwaren MHHM»»»MM»»»»»»««»»»»M»»» j Jakob Moser 1 | Flelneratr. 40/42 j j Telefon Nr. 1035 - : : : Flaschnerei j i : Ftr fft mm! Kreditbriefe auf alle Ländjer An- und Verkauf fon ausländischen Banknoten Handeln n. Gcwerbebank ■cllbronn A)G. *1 Telefon 133 Hotel Sdiön l Mrt«M»/I MmR t. M»M Wl<ir«nl««ifer RMK^UtilM^ Heinr. Reodle Claraatr. 17 Telefon 666 Malerarbeiten allerHrt in beiter Husfübrung Ernst Bader Dekorationsmaler Frank furterttrsMc 34 Telefon *35 ■Ct Husfübrung v. Maler« und Hnstridvflrbeiten o N Knaupp, Heilbronn Paullnetistr. 5 Telefotj 1845 Das führende Friseur-Geschäft am Fflatze Telefon-AnachluM In timtllchvn Kabinen Kan,, Adolf Lördicr | Konditorei u. Kaffee | Heübronn a.Neck. 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