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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-08-16 · 10 (16.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
10 (16.8.1930)
Date
1930-08-16
Page
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strophal und es häufen sich Fälle von bitterster Not. der abzuhelfen die Pfliiht aller deutschen Juden ist. In allen Kreisen der jüdischen Oeffentlichkeit besteht Einstimmigkeit darüber, daII Positives zur Behebung der Wirtschuftsnot unter den Juden in Deutschland geschehen mall. Sieht man die Zeitungsartikel über das Problem der jüdischen Wirtschaftsnot durch, so findet man da zwar einige gute Gedanken und durchführbare \orschlüge. über es fehlt allen diesen Gedankengüngen das Wichtigste: der großzügig durchdachte*, konstruktive Pia» nicht auf philanthropischer, sonde rn auf produktiver Grundlage ist unter diesen Gedankengangen nicht zu finden. Es genügt nicht, die Analyse der Situation beim jüdischen Mittel- und Kleingewerbetreibenden dadurch abzusddiefleu daß man sagt die Kreditnot ist der Krebsschaden, sondern man muß den Mat habe», eine» konstruktiven Plan za entwerfen, der die Wege* zeigt, auf welche Art und Weise* den Klein erwerbstätigen wirtschaftlich produktiv geholfen werde» kann. Es gibt im deutschen Judentum ungeheuer potenzielle W irtschuftskriifte. und das w irtschaftliche Problem der jüdischen Wirtschafts- Situation ist die Frage nach der ökonomischen Nutzbarmachung dieser vorhandenen Kräfte /um Zwecke* einer konstruktiven Wirtschaftshilfe. Wir haben in der jüdischen Geschichte Osteuropas ein ausgezeichnetes Beispiel, wie* man durch geschlossene Aktion 'die schwierigsten Wirtschaftssituationen überwindet. Wir erinnern an die so gut be kannte Tatsache, daß nach dem Jahre 190s in Rußland und Polen eine Boykottbewegung gegen den jüdischen Kaufmann eingesetzt hat. der zu entrinnen scheinbar keine Möglichkeit bestand. Damals entstund in Osteuropa eine großartige Organisation für produktive Wirtschaftshilfe — die jüdische Kredit genossenschaftsbewegung —. von der wir nur sagen können, daß sie heute die wichtigste wirtschaftliche Position der Juden im Osten darstellt und in Polen allein eine Organisation besitzt, der über 200 000 Familien ungeschlossen sind. Diese Kreditgenossenschaft hat alle diejenigen Kräfte zusammengefaßt, die wirtschaftliche Unabhängigkeit und flüssige Mittel besaßen, um sie auf wirklich aufbauende Weise denjenigen Kreisen zuzuführen. die trotz gesunder wirtschaftlicher Basis infolge dieser Boykottbewegung in Bedrängnis kamen. Im Litauen. Polen. Rumänien der Nachkriegszeit ist die jüdische Kreditgenossenschaftsbewegung zum wichtigsten Instrument des Kräfteaustausches geworden, die innerhalb der jüdischen Gesellschaft die Nutzbarmachung der in den einzelnen Schichten vorhandenen Wirtschafstkräfte ermöglicht. Wir möchten in diesem Zusammenhang die Frage zur Diskussion stellen, ob nicht dieser bisher gefundene konstruktive Plan zur wirtschaftlichen Nutzbarmachung der im deutschen Judentum vorhandenen Wirtschaftskräfte und die Zuführung derselben an die Kreise der Kleingewerbetreibenden darin bestehen könnte, daß man auch in Deutschland in großzügiger Weise an die* Schaffung einer ausgedehnten Kreditg e n o s s c* n s ch a f t s b e w e g u n g herantreten soll. Diese Bewegung soll das Mittel bilden, durch welches alle Kreise des deutschen Judentums ihre vorhandenen Wirtschaftsenergien zum besonderen Zweck der produktiven Kredithilfe für den Kleingewerbetreibenden aktivieren. Gewiß entsteht dann das Problem, unter welchem Gesichtspunkt diese Kreditliilfe gewährt werden soll und ob man dabei versucht, besonders denjenigen Kreisen Mittel zuzuführen, deren günstige Entwicklung man für die l-age der Juden in Deutschland als fruchtbar empfindet. Wir denken in diesem Zusammenhang zum Beispiel an das Problem des jüdischen Landwirtes und des jüdischen Handwerkers. W ir haben in der Gegenwart schon einige Anfänge einer solchen Genossenschaftsbewegung; es gibt in Berlin jüdische Genossenschaftsbanken, und in der Provinz bemüht man sich un verschiedenen Stellen um die Durchführung ähnlicher Versuche. Dies geschieht vorläufig unorganisiert und ohne genügende Erfahrung. Wir glauben, daß hier ein Kardinalproblem vorliegt.desseu sehr eingehende Behandlung eine Aufgabe der jüdischen Öffentlichkeit wäre. . -107 - (XUS Am* (y#w»WtHf Stuttgart. Die Gedächtnisfeier auf dein Hoppe nluufriedhof. Es war eine Feierlichkeit von tief ergreifender Wirkung, zu der sich trotz der ungünstigen W itterung eine sehr große Gemeinde auf dem Hoppenlaufriedliof am Sonntag, den 3. August, versammelt hatte. Galt es doch, den Männern und Frauen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, eine Weihestunde dankbarer Erinnerung zu widmen. Nachdem Oberlehrer A d I e r in ergreifender Weise einen hebräischen Psalm rezitiert hatte, nahm der Stadtrabbiner das Wort, um die Erschienenen an cjie uralte heilige Sitte zu erinnern, gerade heute, um 9. Ab., dem Tränentag der jüdischen Geschichte, die Toten zu besuchen. Er erinnerte in seiner Ansprüche daran, was die jüdische Gemeinde Stuttgart und vor allem ihre Wohlfahrtseinrichtungen den Männern und Frau«, verdanken, die hier bestattet sind. Er nannte dabei die Namen der Führer und Wohltäter der Stuttgarter Gemeinde, die nunmehr seit beinahe einem Jahrhundert auf dem Hoppenlaufriedhof ruhen. Hat doch die Gemeinde im Jahr 1833 den alten Friedhof gekauft, nachdem sie sich erst wenige Jahrzehnte vorher neu konsolidiert hatte. Ihre eigentliche Gründerin war die Witwe Kaulla. die am 2. November 1797 die Erlaubnis erhielt, hier ein Geschäftshaus zu gründen. Der erste jüdische Bürger in Württemberg war Jakob Raphael Kaulla. der 1806 das Bürgerrecht erhielt. 1808 wird zum erstenmal die Synagoge in Stuttgart erwähnt. Das Rabbinat wurde 1832 gegründet, und erst im Jahr darauf ein eigener Friedhof gekauft. Der Redner erinnerte ün die Pflicht dankbarer Pietät, die* das Vorsteheramt durch die Wiederherstellung des leider verfallenen Friedhofs auf sich genommen und erfreu lieh durchgeführt. Er bat. den toten Brüdern und Schwestern ein frommes Ehrengedächtnis zu weihen. Oberlehrer Adler sprach darauf das herkömmliche Gedächtnisgebet und den Kaddisch. Die Gemeinde blieb aber noch längere Zeit auf dem Friedhof, um an einzelnen Gräbern von Männern und Frauen, die sich besonders um die Gemeinde verdient gemacht haben, in Andacht zu weilen. Hoffentlich wird der schöne* Brauch, am 9. Ab die Toten auf dem Hopepnluufriedhof zu besuche», eine bleibende Einrichtung in unserer Gemeinde. Stuttgart. In der Sitzung des Wohlfahrtsrats am 27. Juli wurden zu Vorsitzenden des Vorstands des L.J.W. Arthur Es singer und Stadtrabbiner D r. Rieger. zu Schriftführern Oberlehrer Adler- Cünnstatt und J. S. O 11 e nheimer-Ludwigsburg. zum Schatzmeister Fried-. rieh L. Kiefe. zu Vorstandsmitgliedern Dr. Otto Einstein. H i I b - Ulm . Gustav M a ) er- Gmünd, J. S. Ottenheim er - Lud w igshurg. Rabbiner D r. Tänzer- Göppingen und zu Kassenprüfern Gustav Maver und Ottenheim er gewählt? Stuttgart. Der Wiirtteinbergisdie Arbeitsausschuß des „Centralv ereins d c* u t s ch e r Staatsbürger j ii d i s ch e n Glaubens“ hat die an der Landesuniversität Tübingen, der Technischen Hochschule Stuttgart und der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim Iterative achsende akademische jüdische Jugend zu sich geladen, um ihr Gelegenheit zu geben, nach dem jeweiligen Referat eines Berufenen zu den aufgerollten Problemen Stellung zu nehmen und sich hierdurch menschlich und politisch zu fundieren. Am Sonntug, 29: Juni, sprach Studiendirektor Dr. Driesen vom Philantropin in Frankfurt über .. Deutschjüd'ische Problematik der G e g e n wart ", ein Mann, der sich in ganz besonderem Maße mit den Bestimmungen und Zielen der heutigen Jugend befaßt und dessen Ruf und Thema eine stattliche Anzahl württembergischer Studenten und älterer Akademiker anlockte. Was seine Ausführungen in besonderem Maße geistreich und packend gestaltete, war die Gegenüberstellung der drei deutschjüdisdien Menschen uin die Zeit 1830, um die von 1930 und um 2030. Die Darlegungen gingen nach der Behandlung des noch von seiner deutschen Umgebung 416 Opellahrer! 416 Ausschlsifen du Zyllndarblocks, ainpassen von 4 neuan Kolben aamt Bolzen u. Ringen. Naue Kopfdichtung. Elnachlelfen der Ventile. Füllen von 4 Liter Friechül mit Montage .. | Salt 1. AugJ Erich Rieth Mh. 25.- llmgelter & Hagenmüller Reparaturwerkstätte AugustenstraBe 10 ilgarrun :iCM»rs Hauptbahnnpf Stuttgart unwesentlich l beeinflußten inneren deutsch jüdischen Mensche: i vor hundert Jahren und des nun abgeschlossene i Assimilationsprozesses begreiflicherweise hinaus über das Historische und verdichteten sich zur politischen Forderung nach dem einfachen! schlichten, wieder seiner Seele bewußten innerlichen Menschen, dem Religiösen, Gläubigen, ded sich heranzüchten und sich in der deutschen Well auswirken soll und muß. Eine besonders fruchtbare, mehrstündige Aussprache bew ic*s( die Kraft des Gedankens und des W ortes. von welcher Driesen erfüllt ist, aber auch die Empfänglichkeit und das Bedürfnis der jungen Generation nach Anleitung und der Möglichkeit, sich übersieh selbst zu besinnen und sich zu fluden. J Stuttgart. Wie die jüdische Telegraphen ugentur erfährt, wurde vom „Württembergischen Provinzialaussamß für die Jewish Agency“ eine größere öffentliche Kundgebung für den Herbst in Stuttgartbeschlossen. Stuttgart Dr. Max Ho merzienrats .V Professor der sitüt Frankfur Direktor des iiannt. Stuttgart. AJn 21. August kann Frau F a n n i Einstein gi*b. Dreifuß, Kaserueustr. 16, in voller geistiget und körperlicher Frische ihren 70. Geburtstag feiern. Wir wünschen der würdigen Jubilan i weiter viele frohe und gesunde Jahre! , . — Stuttgart. In Nt. 179 des „Deutschen Volksblatts“ errojto ein Artikel mit der Leber schrift ..Keine Juden und K u t h o 1 i k e n“ auch in den Kleinen der jüdischen Gemeinde begreifliches Auf teilen. Es handelte sich in diesem Artikel um felgendes: In einer Wohnungsliste des Büro Scioch hatte ein Herr D i e t r i ch Ziegelmey * r, Stuttgart, eine Wohnung zur Vermietung bc kanutgegeben. die jedoch, wie auf der Wohnungs iste bemerkt war. nicht an Juden lind Kathnlike i abgegeben werden sollte. Auf diesen Artikel ging auch bei uns eine Fülle von Zmchriften und telephonischen Anfragen ein, die uns veranlaßten, der Angelegenheit nachzugeh;n. um. unserer Gepflogenheit entsprechend, un: über den Fall vor einer \ erüffentlichung Klarheit zu verschaffen. Unsere Infoi mätionen decken sich vollinhaltlich mit einer inzwischen in Nr. 183 des „Deutschen Volksbla ts“ erschienenen Berichtigung, aus der herv orgeh;. daß dem Zusatz „Keine Juden und Katholiken“ keine gehässigen Motive Zugrunde lagen. Jerselbe vielmehr dadurch zu err klären ist. daß über der zu vermietenden Wohnung regelmäß g protestantische Versammlungen zu gottesdiens liehen Zwecken stattfinden. Der diesbezügliche Zusatz beruht lediglich auf einem Mißyerständni: bei der Uebermittlung. Wir lassen d e uns zur Verfügung gestellte Berichtigung ans hliefiend im Wortlaut folgen: „Richtig ist. daß in zehn Exemplaren der fraglichen Wo) nungsliste das Wohnungsangebot in der in dem Vrtikel veröffentlichten Form enthalten war. Nicht richtig ist, daß dies, wie der \erfasser des Artikels annimmt. Herr Ziegel meyer „geschriebcan“ habe. Vielmehr handelt es sich bei den Porten, welche den Anlaß zu dem Artikel gaben.* um eine als privat gedachte Information, die jdurch ein Mißverständnis bei der Uebermittlung! in ’ zehn Exemplaren der Wohmi ngsliste auf genommen wurde. Im Hause dej. Herrn Ziegelmeyer, und zwar in Räumen, weldiL* über der zu vermietenden Wohnung gelegen t sind, Anden ‘regelmäßig protestantische Versammlungen zu gottesdienstlichen Zwecken statt.! Im Hinblick hierauf und davon ausgehend, daß diese regelmäßigen Versamm- FLOGEL ANOG in 1. August wurde Privatdozent | k h e i in c r , der Sohn des Kom- | Horkheimer. zum ordentlichen Sozialphilosophie an der Univer- I ai. M. und zum stellvertretenden nitituts für Sozialforschuug er- I g»eftro-»f»ri<

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