Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 10 (16.8.1930)
- Date
- 1930-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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sitzender der Verstorbene gewesen. Besonder^ ergreifend war eN als in schönen Worten eiO greiser protestantischer Pfarrer int Namen des evangelischen Ortsgemeinde „cl e m Mannedet Friedens den ewigen F r i e d e n“ w ünschte. I)«,„n fielen die Schollen langsam auf den Sarg, l iiter den Gelteten der Kinder und der Gemeinde wurde noch einmal des terstorbenen gedacht. Dann verließ die Trauergemeinde den Friedhof in dem sthmer/liihen Bewußtsein, einen der besten Menschen zur ewigen Ruhe gebettet /u halten. Im Tiaueihuii-e hielt Rabbiner Dr. Kahn- Mergentheiin au die dort versammelten Leidtragenden und Freunde des Hauses jn Auslegung eines alten W eisheit"pruches eine Trostrede, bei der ei noch einmal an die vorbildlichen Kigenschaften des \ erstorbenen erinnerte. Fn-ere Uten sagen: Wer sich in den -sechs Werktagen ehrlich arbeitend betätigt hat. darf am Sabliathtage ruhen. Hermann Krouer ist ein redlicher Arbeiter bizu -»einem Hinscheiden gewesen. fr haf -ich ein Anrecht auf den ewigen Nibliath' durch -ein Leben und W irken erworben. Da» Uidenken de» (.eTedjjen w irkt fort zum Segen' Wer hat die Schuld? Eine Antwort. Der von (>. H. in der W ochen»chrift „Deut »che* Republik" v eröflentlichte offene B r i e f an die d ent» ch e n Jiulrn" hat vielleicht w egen der Stelle-, an der er erschienen ist. ein unverdiente» Auf»ehen erregt, in ihm bezichtigt ein J u d c- »eine deutsche Glaubensgemeinschaft, -n habe e» durch ihre l ntätigkeit verschuldet, daß die anti»emiti»che Bewegung so stark geworden i»t. f r geht dabei von den Wahlerfolgc-n der Nationalsozialisten in Thüringen und Sachsen au», deieti Bedrohlichkeit er richtig einschiitzt. mul »pritht die Befürchtung aus. daß diese Frfolgc für die deutschen Juden eine wachsende. Gefährdung ihrer Rechtsstellung Itedeuten. Dabei behauptet er nicht» Geringeres, als daß dieses \nuadi»en der Judenfeindschaft durch die eigene Schuld der Juden ermöglicht worden, deren (.egc-nwelu bisher kaum zu verspüren gewesen i»t Die Juden haben »ich in unbegreiflicher Nach- Ici — ivkeit. in politischer Instinktlosigkeit auf die \ertc icligung ihre r -Stellung durch die sogenannte» Judeupre»»e v » i l.i»»en. Die- Abwehr in ihren ..kläglichen Abu eh rverc-inen" bezeichnet er als kcmimeiliehe c-rein»nieic-rc i". Sie hätten statt eh »»c n n.uh dem \orbild Hilgenbergs in der luflaiioti'Zi-it ..einen gc-waltigc-il. die ganze deut- -• iic■ Provinz uiU'paiinenden Pres»etru»t" <nif- |... i i »olb-n und manihes wäre dann beute malm - t.*■ w i11 »ei d«» nationalsozialistische» Do.iiia. 'Im I niei»chied von »thaffc-ndem und i.il'b luieii Kapital. Blödsinn. Aber »c ll>»t der N.ieii w ' i» diese» Blöd»iiiii» w ire 1 die verhungernde und > I zw eifei Ilde Xlasse nicht belehren. Lbc-n- »■■■»'■ Hg wild de i von jiidi»eher Seite ibraehte N. i i i v\ e ■ i« n iw i"in»chaftliihen und wirt»ehaft- *uIi• -»e i t-i mge II der Juele-n die Masse iibc-r- "-u-eii. . \uf wa» wa'tet ihr noch? Auf da» Jahr l'igo. w. an elie jetzt Inzur Bewußtlosigkeit verhetzt. Jugend im Amte »ein wird? \uf elie Be»se- I UH- *ie• * Wirtschaftslage? Wa» »oll au» euch werden wenn da» herrschenclc- System die heute schon i i eiendeten Millionen zuletzt gar nicht mehr ei ii,,)iie n kann' Ihr Werdet die ersten Opfer »ein. Waiiet ihr darauf, daß andere euch helfen? Da» köipit ihr nur »elber. Seid ihr denn blind? f.» vviire an der Zeit, daß ihr euch dagegen vorsähet. fa»t »iclit e» »o au», als hättet ihr euc)t in fatalistischer Resignation auch in da» Schlimmste ergehen." Die Folgerungen, welche die deutsche jüdische Presseaus diesem temperamentvollen Brief geschlossen. berühren überaus peinlich. Die Einen benutzen ihn zu einer kleinen Schimpferei auf den angeblich' tatenlosen Central-Verein. die Andern als eine Mahnung zur beschleunigten Begründung des ..Reichsverbandes der deutschen Juden“, die Dritten konstatieren gar. daß auch die politisch den deutschen Juden wohlgesinnten Kreise „von uns enttäuscht sind“. Aber keiner fühlt, daß es sich hier um einen Gefühlserguß e ines deutschen Juden handelt, dem zu seinem - 106 - „Offenen Briefe“ so gut wie alle Sachkunde der tatsächlichen Verhältnisse abgeht. Die Antwort auf seine Anklage gibt G. H. selbst, indem er darauf hinweist, daß Antisemitismus und Wirt- »chaft.snot parallel steigen und fallen, daß also die derzeitig wachsende Flut des Judenhasses nicht etwa eine Folge der Resignation und der kümmerlichen Abwehr von jüdischer Seite ist. sondern eine zwangsläufige wirtschaftliche Erscheinung. indem sich die ohnmächtige Wut im Kampfe mit den Gegenwartsnöten stets auf .den schwächsten Volksteil entlädt, daß also der Judenhaß leider immer dann aufflammt, wenn es unmöglich ist. der Wirtschaftsnot wirksam «-»Igegeiiz ii treten. Daß die MX) 000 deutschen Juden, die noch nicht einmal ein Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, völlig außerstande sind, allein die nationalsozialistische Sturmflut abzuwehren, ist eine mathematische Selbstverständlichkeit, die man am kleinen Einmaleins nachrechnen »kann. Die deutschen Juden habe» von Anfang an die große Gefahr erkannt, in der sie schweben, und nach ihrem Können und ihrer Kraft sich gegen sie gewehrt. Aber sie standen bisher in diesem ungleichen und darum aussichtslosen Kampfe allein. Erst jetzt sehen die Parteien von rechts lind links ein — das ist v ielleicht der Anfang der Gesundung von einer schweren Psychose — daß auch ihr Bestand, wie c-s der Abbau der republikanischen Beamten in Thüringen zeigt, durch den Nationalsozialismus gefährdet ist. Seine Erfolge in Thüringen und in Sachsen dürfen nicht so sehr als Anklage gegen die Juden, als vielmehr als Mahnungen für die deutschen R e ch t s - und Linksparteien gewertet werden. Herr G. H. hat aber vor allem die Kleinigkeit in seinem Mahnruf vergessen, auch mitzuteilen, wie er sich eigentlich die wirkungsvolle Bekämpfung des Antisemitismus durch die Juden denkt. Oder glaubt er mit der phantastischen Idee, daß die Juden nach dem Muster von Stinnes und Hugenberg die Provinzpresse aufkaufen sollen, um diese in einer bestimmten Richtung zu beeinflussen, einen klugen Rat erteilt zu haben? Der Versuch ist Stinnes ebenso mißglückt wie Hugenberg. Er wäre den Juden nicht weniger mißraten. Diese Meinungsmacht' ist eine utopistische Idee, die vielleicht eine kurze Zeit' wirksam sein mag. aber auf die Dauer bei dem Umfang der deutschen Presse versagen muß. die so vielfache Zuflüsse hat. daß der Glaube an ein Verstopfen aller Kanäle eine unreife Phantasie. aber nicht mehr ist. \ ielleicht hat G. H. mit seinem Briefe so etwas wie.Raphael Löwenfelds Weckruf ..Schutzjuden oder ^Staatsbürger?" vorgeschwebt. der seinerzeit f > Geschäftsübernahme und Empfehlung Meiner werten Kundschaft teile ich hierdurch höfl. mit, daß ich meine seit 68 Jahren in der Kathartnensir. 35 betriebene Metzgerei mit Wirkung vom 2. September der Firma M. A. Marx, Inh. Adolf Friedmann, übergeben werde. für das mir Solange gewährte Vertrauen spreche ich meinen herzlichen Denk aus, und bitte dasselbe auch auf meinen Nachfolger zu übertragen. Eduard Leiter. * Bezugnehmend auf Obiges teile ich höfl. mit, daß ich die seither von Herrn Leiter geführte Metzgerei am 2. September übernehmen werde. Gleichzeitig gebe ich bekannt, daß ich mein seit über iOO Jahren bestehendes Versandgeschäft der gleichen Branche von Massbach hierher verlegt habe. Auf Grund meiner langjährigen Erfahrungen werde ich bestrebt sein, mir das Vertrauen meiner Kundschaft zu erwerben, indem ich m: Primi Fleütih Wmtwaren o. Geflfljel nur das Beste biete. Mein Betrieb sieht unter Aufsicht des Rabbinats der Israel. ReUgtonsgeseUschaft and des Stadtrabbinats in Stuttgart. V. M. A. Marx Inh. A. Friedmann Kathartnenstraße 33 Fernsprecher 232 08 die erste Veranlassung zur Begründung des Central-Vereins gegeben hat. Aber eine neue Organisation neben dem Central-Verein würde nur eine ii apolitische Schwächung des alterprobten Vereins bedeuten. Es muß daher ausgesprochen werden. daß der „Offene Brief“ offene Türen eingerannt hat und ebensogut hätte ungeschrieben bleiben können. Inzw ischen hat Dr. E. R e i c h m a n n - Jungmann in Nr. 42 der „Deutschen Republik“ Herrn G. H. geantwortet. Hier wird dem deutschen Judentum das Ehrenzeugnis ausgestellt, daß es die von G. H. beliebte Aufrüttlung nicht benötigt hat. „Ein Häuflein Führer und ein Haufen Geführter hat sein Schicksal sehr bewußt und energisch in die Hand genommen und sucht es in unermüdlicher, tapferer und erfolgreicher Arbeit zu meistern.“ Dafür wird die Schuld am Anwachsen der Nationalsozialistischen Partei in Deutschland sachlich richtig auf die Kreise geschoben. welche die antisemitische Bewegung allzulange als ein Kindergespenst verlacht haben und trotz nachdrücklichster Warnung nicht dazu zu bringen waren. Gegenmaßregeln gegen sie zu treffen. Erst jetzt, wo sich diese Parteien durch die antisemitische Bewegung in ihrem Bestände erschüttert fühlen, fangen sie an — die Schuld auf die Juden abzuwälzen. Das alte fromme Wort des Nach um von Fmmaus „Auch das ist zum Guten!“, mit dem er jedem Leide seine gottgewollte gute Seite abgewinnen wollte, gilt vielleicht auch.für die Agitationserfolge der Nationalsozialisten. Sie sind ein Menetekel für alle deutschen Parteien, den Antisemitismus, mit dem sie alle ausnahmslos bisher gcliebäugelt haben, als ihren gemeinsamen Gegner zu erkennen. Die Reichstagsdebatte. die sich mit Fridcs Schulgebeten befaßte, war ein erfreulicher Auftakt dieser dämmernden Erkenntnis. Heute sind alle deutschen Parteien mit Ausnahme der Hugenberg-Partei vom Nationalsozialismus bedroht. Vielleicht: aber wir haben uns in Deutschland nachgerade das Prophezeien abgewöhnen müssen, vielleicht ... Zur Wirtschaftslage. Von Dr. B. Silbert, Berlin. Die jüdische Presse ist voll von Artikeln, die sich mit der Analyse der gegenwärtigen WirF schaftssituation der Juden in Deutschland befassen und die traurige Feststellung machen, daß es dem deutschen Judentum wirtschaftlich sehr schlecht geht, und daß man die Folge dieser Entwicklung vorläufig nicht übersehen kann; sie ist schon in ihrem gegenwärtigen Ausmaß katar Nach 2lji jähriger Tätigkeit als Assistenzarzt an der Untversitäts - Hautklinik ln München und 2 jähriger Atsislentteil an der Heilanstalt für Hanlkranke von Dr. Veiei, Cannstatt, habe Uh müh als Fadunf für Hanl- und Harnl«den niedergelassen. Drnel Walter Clauuei Stuttgart, Fricdridutr. 561 Tebpkon 2I0SS Sprechstundens vormittags 10—1 Uhr nachmittags 4 — 6.30 Uhr Samstag nachmittag keine Sprechstande J Sauberes, ■ Ahnnftrlrkon 16 bis 18 kräftiges UCIinilaaCnUil, Jahre alt, per 1. oder 16. Sept gesucht Berufsfreudige Bewerberinnen wollen sich vorstellen bei Matagsral Uabamaim, Stuttg., Holzstr.l3,Tel.29622 Fröbel-Priva tkindergarte n Rotebühlstraße 42 b nimmt noch Kinder auf CSgUche Spaziergänge, Gymnastik / Huf Wunsch werden die Kinder abgeholt und nach Haufe gebracht PforzheimLB. / Untere Au 6(Neubau) Pension Hertz StniiMM« FMsch aatar Aafshht ■ia J VorzOgUdie Küche - lUMge Preise