Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 10 (16.8.1930)
- Date
- 1930-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4904101-5441863-5443147--2719-4906680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
GemeinbeZeitring yar die iyrocllttytf&en «Seinetnden Württemvergs i liliiOtiit: ttBÜlitlÜi mtitUailb jährlich S AM, ixllbjächrlich 2.60 AM »trrtellährlich 1.25 AM, «injdumaet 25 Rach«pl-»»i, P-Mch«k 36258 «rttetat onnatli« lachesl. oa I. s. 16. D e r l a g: gfraeüttfche DerlaaS anstatt G. m. b. H. Seraspr. 22325 » Gtnttgart * KaseraeaKr. 13 Schriftlei tuug: Gladtrabbtaer Dr. Rieger, Gtnttgart, SharloUeaArafte 13 Sl-ieiiesereis: bi» rin! -attige Roaparckllezeile 3V Retchipfeaaig Umfchlagferten »ab Dorzu-splätz» »ach Tarif. §armlir»a»)«gr» «ab klriatz Razeige» bi« Klriazeile 20 Rrichlpfeanig. R»klam«Ml« t30 JIM Bti SDlcftctbolaitcn Betilifiuoc vil jSoOroono 6tntt0art, 16. Qlnonft 1930 3fcr. 10 B«zlrksrabbln«r Dr. Hermann Kroner Die Lehrer in Israel sagen: Der Tod eines Frommen ist ein Verlust für die Menschheit, die um seine Frömmigkeit und Herzensgute ärmer geworden ist. Dieses feinsinnige Wort alter Weisheit gilt buchstäblich für das Hinscheiden des Bezirksrabbiners Dr. Hermann Kroner, der am Mittwoch, den 30. Juli, in Badenweiler, wo er seinen Urlaub verlebte, unerwartet plötzlich verstorben ist. "Wer den tiefbescheidenen, herzensguten und charaktervollen Mann kannte, wird ermessen, was sein Tod für den Kreis der Seinigen, für seine Gemeinde Oberdorf-Bopfingen und für die Gesamtheit des Judentums bedeutet. Mit ihm ist ein grundgütiger Mensch, ein ausgezeichneter Theologe und ein Gelehrter von Ruf aus dem Leben geschieden. Vor allem aber hat die württembergische Judenheit mit ihm einen ihrer besten Söhne verloren. Hermann Kroner wurde am 21. März 1870 in Münster i. W. geboren, wo damals sein Vater, der spätere Stuttgarter Oberkirchenrat Dr. Theodor Kroner, als Leiter der Lehrerbildungsanstalt und als Rabbiner der dortigen Gemeinde wirkte.Die überaus sorgfältigeErziehung, die sein edler Vater selbst leitete, war dazu angetan, die reichen Gaben des Knaben zu entfalten, der sich frühzeitig für das Studium der jüdischen Theologie entschloß. Auf den Abschluß der Gymnasialzeit folgten Studienjahre in Breslau, wo er Schüler des Rabbinerseminars war, in Heidelberg und Marburg und der Abschluß seiner theologischen Studien durch die beiden Dienstprüfungen. Seine erste Amtstätigkeit war die eines Rabbinatsverwesers in Göppingen, wo er vom 10. August 1805 bis zum 15. Januar 1897 vorbildlich wirkte. Von dort kam er als Nachfolger des nach Ulm berufenen Rabbiners Jesajas Straßburger als Verweser nach Oberdorf-Bopfingen, wo er am 26. Oktober 1899 zum Bezirksrabbiner ernannt wurde. Er hat hier bis zu seinem Tode, also über 33 Jahre, eine umfassende Tätigkeit als Rabbiner, Prediger, Lehrer und Seelsorger entfaltet und an allen edlen Bestrebungen in seinem Bezirke ernsten Anteil genommen. Darüber hinaus aber hat er sich durch seine ausgezeichneten Ausgaben und Bearbeitungen der medizinischen Schriften des Maimonides einen Weltruf erworben. Maimonides war bis dahin als der gewaltigste Denker und als der tiefgründigste Theologe des Judentums allgemein anerkannt. Daß er als Mediziner eine bedeutende Rolle am Hofe des Sultans Saladin und des Alfadhi gespielt, stand geschichtlich fest. Seine medizinischen Werke aber waren nur zum kleinsten Teil und dazu noch zumeist ganz unzureichend veröffentlicht oder lagen als ungehobene Schätze in den Handschriftensammlungen der großen Bibliotheken. Da war es das unsterbliche Verdienst Kroners, in selbstloser, hingebungsvoller Arbeit diese schwer zugänglichen hebräischen und arabischen Schätze kritisch zu bearbeiten und mustergültig zu übersetzen. Was diese umfangreiche Arbeit für die Wissenschaft bedeutet hat. das hat noch vor kurzem Dr. Max Meyerhof in Kairo in einer kritischen Würdigung „L’oeuvre medicale de Maimonide" begeistert ausgesprochen. Er hat hier Kronffrs unvergängliches Verdienst um die Weltwissenschaft gewürdigt und festgestellt, daß erst durch Kroner die Bedeutung des Maimonides für die Geschichte der Medizin erschlossen worden ist. Der unermüdliche Gelehrte hatte noch eben eine umfangreiche Schrift seines Meisters über die Gifte und deren Heilung zum Drucke fertiggestellt und freute sich auf das Erscheinen dieses Werkes. Der rastlose Arbeiter faßte aber schon neue weitere Pläne auf Grund bedeutsamer Funde und Forschungen. Maimonides’ Buch über das Asthma sollte von ihm kritisch bearbeitet erscheinen. Nun hat ihn der Tod aus allen diesem Plänen und aus einer überaus segensreichen Wirksamkeit jäh herausgerissen. Er hatte noch seinen 60. Geburtstag unter der Anteilnahme der gesamten jüdischen und der Ortsgemeinde gefeiert. Noch in den ersten Julitagen des Jahres hatte er' die beglückende Genugtuung, daß bei der Inspektion des israelitischen Religionsunterricht in Oberdorf-Bopßngen festgestellt werden durfte, daß der von ihm erteilte Unterricht die volle Anerkennung der Behörde verdiente. Nichtsahnend von dem Ernst seiner Erkrankung, war er lebensfroh mit der Gattin nach Badenweiler gereist. Briefe an Verwandte und Freunde berichteten, wie wohl er sich hier fühlte. Um so furchtbarer wirkte die Schreckenskunde, daß er kampflos, gerade ein halbes Jahr nach dem Hinscheiden seiner Zwillingsschwester, plötzlich' verstorben. Die Bestattung des trefflichen Mannes am Freitag, den 1. August, legte beredtes Zeugnis von der ungeteilten Wertschätzung ab, deren sich der Verstorbene zu erfreuen gehabt hat. Seine sterblichen Reste waren von Badenweiler nach Oberdorf überführt und hier in der feierlich dekorier- Ah, UHsece £eset! Unsere komi nende Ausgabe vom 1. September d. Js. ist der Stuttgarter jüdischen Jugendbewegung gewidmet. Von jeher hat es die „Gemeinde2eitung“ als eine ihrer Aufgaben betrachtet, unsere jüdische Jugendbewegung nach Kräften zu fördern and auf ihre Bedeutung für cBe Erhaltung und Entfaltung des Judentums hii zuweisen. Eine Reihe von Mitgliedern der Jidischen Gemeinde Stuttgart und der jüdischen Gemeinden des Landes haben sich für diese Jugendnummer uns in dankenswerter Weise :ur Verfügung gestellt und in ihr alle Wünsche i nd Hoffnungen, die sie für unsere jüdische Jugend hegen, zum Ausdruck gebracht. So reiht sich a> ch die kommende Jugendnummer in das Progra nm unseres Organs ein, nämlich alles zu tun, v as unserer engeren und weiteren Gemeinschaft gerade heute not tut: Stärke im Glauben, Stär! e in der Hoffnung. In diesem 8 nne empfehlen wir unsere kommende Jugend lummer der ganz besonderen Beachtung unserer Leser. Virla! nul Icftrilüiitut dir SiaaMitytnt ftr ili isr. Bniiidii Vtrtl«rakcr£j ten Synagoge Mittag sammcl mfgebahrt worden. Gegen I Uhr en sich hier im Gotteshause alle, die dem Verkl iirten im Leben nahe gestanden. Stadtrabbiner 3r. Rieger. ein Studienfreund Kroners, hatte die Aufgabe vom Israel. Oberrat übertragen erh iltcn, die Abschiedsfeier zu leiten. Nach einem I salrnenvortrage des Stuttgarter Oberkantors Leo Adler hielt er die Gedächtnisrede, in der er ein lebensvolles und tiefempfundenes Bild iles Verewigten und seiner Wirksamkeit zeichne te und so der Gemeinde noch einmal zum Bewußtsein' brachte, was ein jeder in ihrer Mitte mi dem Toten verloren. Nach den Gedächtnisgebe len, die ebenfalls Obsrkantor Adler vortrug, >vurde der Sarg zum Friedhof geleitet. Hier spr ich nach dem einleitenden Gebete des Oberlehrer» Erlebadier nochmals Stadtrabbiner Dr. R eger. Er schilderte den-Verstorbenen als eiifen Priester echter Liebe und mahnte die Gckneinde, sich das Idealbild ihres Führers stets lebendig vor Augen zu halten. Die lange Reihe der Nachrufe eröffnete Ministerialrat Dr. H i r s (h , der als Präsident des Israel. Oberrats Kron|rs Verdienste um die Judenheit Württembergs (würdigte. Nach ihm rief der älteste Sohn dps Verstorbenen tiefempfundene Worte des Dankes dem Vater nach. Oberlehrer Erlebacher sprach dann in seinem Namen, im Namen des Voifcteheramtes und der wohltätigen Vereine Oberdorfs den Herzensdank der Gemeinde aus. Rabbiner Dr. Tänzer sprach im Namen der Gemeinde Göppingen und des „Württ. Rabbinervereink“, Oberlehrer U h 1 m a n n für die Filialgemefnde Gmünd, Lehrer S i 1 b e_i - emeinde Ellwangen, Herr L e v i e Ellwangen. Oberrechnungsrat Stuttgarter Gemeinde, der Ver- Schultheißen für die ein weiterer Redner für ssen verein, dessen 2. Vorm a n n für die für die Gemei Meyer für di treter des beurlaubten Ortsgemeiijde, den Diakon ’ornaori Das 'edelste Erzeugnis dar Schuhindustrie Der Herrenschuh f. höchste Ansprüche. Einheitspr. M. 1B.B0 ■ lud dl« Mark«« vom Maus« ’ SCHUtUWQLF KönlgstraBe Nr.3 I. » P. WOLP Eike Marstallstr. samwotf i i