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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-08-01 · 9 (1.8.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
9 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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91 des Tempels, errichte* das Gemeindeheim (den Center), das entweder als Ganzes oder zu einem ganz grollen Teile das Heim der Jugend ist. Die Jugend, der es gehört, wird bodenständig in der Gemeinde, denn sie hat ihren Besitz dort. Grund und Boden. Haus und Garten; die Kraft der Gemeinde gibt ihr Kraft, und, blüht die Gemeinde, so blüht auch ihr Heim, und sein Schaffen wirkt auf die Gemeinde zurück, die daraus neue Kräfte gewinnt. Und so ist der erste Zweck erreicht — die Gemeinde wird stärker, leistungsfähiger, und ihre Jugend bleibt nicht nur Zuschauer wie in einem Teile der alten Welt, sondern wird Mitarbeiter. Sie, die unter sich verbunden ist durch ihr „Heim“, wird durch dieses auch verknüpft mit der Gemeinde-Umwelt, lebt in ihr. lebt mit ihr, kennt ihre Sorgen und teilt ihre Freuden. Hier liegt wahrscheinlich eine Lösung der so vielfachen, bis jetzt nur mit Worten und Ratschlägen beantworteten Jugendfragen, der Jugendsehnsucht nach der Teilnahme an den großen Dingen der Menschheit, ..an jener Arbeit, die von der großen Schuld der Zeiten Minuten. Tage. Jahre streicht“. Diese Sehnsucht bewegt alle unsere Jugend, auch die jüdische Jugend. Antwort will sie haben, wie sie mitarbeiten kann an der Zukunft, die ihre Gegenwart sein wird. Gemeinde. Gemeinschaft. Gemeinsamkeit sind nichts als Schlagworte für sie, solange wir sie nicht verantwortlich machen um Wiederaufbau des Heiligtums, das uns allen gehört. Wie soll nun ein Jugendheim bej-I uns anssehen? Von der Gewißheit ausgehend, daß die körperliche Reinheit notwendig für die seelische Reinheit ist. muß die Jugend im Hause Gelegenheit finden, ihren Körper zu reinigen und zu erfrischen: und. wenn es auch kaum möglich sein wird, bei uns. wie in Ameriku. in jedem Heim ein Schwimmbad ein/urichten. so muß jedenfalls für große Bade- und Duschräume Sorge getragen werden. An diese schließt sich ein Turn und Gymnastiksaal an für den Winter; im Sommer dient dazu der Garten. In beiden wird auch Sport im notwendigen und möglichen Maße gepflegt. Die Wohnräume des Hauses, aufs einfachste und in voller Würdigung der „neuen Sachlichkeit“ ausgestattet, sollen trotzdem ein behagliches Heim darstellen. Dies ist um so notwendiger, als die arbeitende Jugend, mehr als jede andere Bevölkerungsschicht, unter der Wohnungsnot leidet. Die Raumnot der Jugend ist zum Schlagwort geworden, und doch, wenn der Begriff ganz verstanden würde, brauchten wir nicht mehr um das Jugendheim zu kämpfen. Das Zuhause der Jugend oft ist es ein. selten sind es zwei oder mehr Zimmer — dient der ganzen Familie zu Arbeit und Ruhe, für die Mahlzeiten und für die Muße; es dient den Kranken und den Gesunden, hier treten Menschen in die Welt und hier gehen andere aus der Welt, kurz, es ist eine Stätte, wo der Inhalt des Menschenlebens in voller Ganzheit jammervoll und erschreckend zum Vorschein kommt, wo aber auch der Inhalt vieler junger Seelen, die Sehnsucht vieler junger Herzen gestaut wird bis zur seelischen und körperlichen Unbeweglichkeit. Diese gestaute Jugend. deren Tätigkeitsdrang und Erlebnishunger bisweilen in die Umwelt getragen wird und dort explodiert oder in falsche unjüdische Bahnen gelenkt wird, kann sich in den vier Wänden des Familienheims nicht auswirken. Oft fehlt es dort auch an innerer Harmonie. Die Kinder hören die Eltern hart gegeneinander sprechen oder hart gegeneinander schweigen. Das trifft die jungen Seelen am schwersten in der Zeit ihrer Reifung, wo sie Recht von Unrecht, Ursache von Wirkung nicht unterscheiden können und in einen Konflikt zu den Eltern geraten, der seinen Ursprung häufiger in solcher Raumnot hat als in anderen l.ebensbedingungen. Diese Jugend kann im Jugendheim Harmonie finden. Wärme und wohltuende Räume, in Form und Farbe beruhigend) wie es dem jungen Menschen bisher unbekannt und ungewohnt war. üben neben dem körperlichen einen geistigen, seelischen Einfluß aus. Die Jugend, die zu Hause verdrossen. iniir?_ risch, unzugänglich war. wird offen, heiter, zuversichtlich. Der Einwand, daß diese Jugend durch das Heini dem Elternhause noch mehr entfremdet werde, ist irrig. Im Jugendheim selbst lernen die Kinder die Wege zu den Eltern finden, wie es in London gezeigt w urde, wenn sie die richtigen Führer haben. Es müssen Klubräume mit einer Bibliothek und mit Beschäftigungsspielen, es müssen Lehrräume mit entsprechenden Geräten, es müssen Versammlungsräume in notwendiger Größe vorhanden sein. ja. es empfiehlt sich, einen so großen Raum zu schaffen, daß ein Jugendgottesdienst darin abzuhalten wäre, was den Gemeinden eine Sorge abnimmt und eine ihrer Pflichten gegenüber der Jugend erfüllt. Das Haus muß so groß sein, daß es die Möglichkeit bietet, mehrere Sitzungen und Beratungen zu gleicher Zeit stattfinden zu lassen und den Jugend vereinen und Klubs „Abende“ im eigenen llause zu ermöglichen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn jüdische Berufsberatung und Arbeitsvermittlung. Rechtsauskunft und Beratungsstelle. medizinische Beratungsstellen im Hause untergebracht werden könnten, dort Unterkunft in so ausgiebigem Maße finden, daß jede von ihnen ihr eigenes Zimmer innehat. in dem die Leitung notwendige Büroarbeiten erledigt, wo sie ihre Akten hat und Sprechstunden abhält. In größeren Gemeinden, wo keine jüdische llausliultungssdiule besteht, die den Anforderungen der modernen Schulsysteme vollkommen entspricht, muß im Jugendheim selbst eine solche Schule eingerichtet werden, dienlich der erwerbstätigen Jugend Gelegenheit zur Ausbildung in Abendkursen bietet. Eine solche Huusiialtiiugsschule, die jeden Dilettantismus vermeiden muß. damit ihr Zweck nicht durch spielerische Einstellung der Lernenden vereitelt wird, wird weit über den Rahmen des Jugendheimes hinaus für die weibliche Jugend eine Grundlage, vielleicht für häusliche Berufstätigkeit, immer aber für besseres wirtschaftliches Verständnis, sparsame hausfrauliche Haushaltungsführung sein. Sie kommt einem etwaigen späteren eigenen Haushalt zugute und erspart der Familie die Sorge und die Schwierigkeiten, die der heutigen Jugend so oft verhängnisvoll werden können. Wenn eine solche Schule in erfreulicher Form das TAPE TEN LINOI IEUM VORN) KNGE HIENERWADEL Heim selbst bewirtschaftet, so kann sie nicht dur diesem eine erhöhte Anziehung geben, sondern sie wird sich auch zum Teil selbst erhalten. Die Jugend aller Kreise, erwerbstätig oder nicht, auch di« studierende Jugend, gehört in das Jugendheim, denn, wie Arnold Toynbee, der Vater aller Jugendheime, und seine Toynbee Hall zum sozialen Frieden führten, so wird auch das jüdische Jugendheim die jetzt so vielfach Getrennten zusammenführen, schon durch den Raum und durch dis Gemeinsamkeit des Besitzes. Die rein menschliche, sozialgesellschaftliche Basis der| Gemeinde, die jetzt in getrennte „jüdische Bevölkerungskreise“ zerfällt, kann durch die Jugend wieder nergestellt werden, wenn die einzelnen über ihre besonderen Interessen hinaus durch die allgemeine Aufgabe, unser Judentum im Sinne des einzigen Gottesgedankens zu er-; halten und zu gestalten, verbunden werden.1 Sollte hier nicht auch ein bedeutungs- und wirkungsvoller draktischer Weg — einer der wenigen, die es gibt — zur Bekämpfung der Mischehe gefunden seih? Selbst die Erschwernisse der innerjüdischep politischen Spaltungen würden durch das Beispiel des Jugendheims in Lebens-' führung und Lebensgestaltung, in Erziehung zu gegenseitigem Vertrauen gemildert, vielleicht beseitigt werden! Die Führer des Jugendheims sollen junge Menschen sein, die ihre Muße der Jugend" ihrer Religion und Gemeinschaft schenken, die aus ihren Gaben > Aufgaben machen, wie sie jedem gestellt werden, der mitaufbauen will an der Gemeinschaft. Studenten und Lehrer. Künstler und Kaufleute. Männer und Frauen, alle sind berufen. die sich verantwortlich fühlen für die Jugend: der jie, besonders in ihren Schicksals julireu. wo die sozialen, die religiösen, die politischen Probll-me sie bedrängen. Führer sein können. Hieraus w ird sich für alle eine Kamerad schuft entwickeln, die für die seelisch, geistig, körperlich obdachlose Jugend ein Glück bedeutet und die eine Freude und eine Kraftquelle für alle sein wird! die mitarbeiten können. Nach den. schweren VeHsä umnissünden. welche die Trägheit unserer Herren verschuldet bat dringt der aufrüttelnde Jluf der Jugend von allen Seiten zu uns; hören wir auf ihn. ehe es zu spät ist. nähren wir dtzs Feuer, ehe es verlöscht! (Schriften der „Zentral wohl fahrtsstelle der deutschen Juden“ Nr. 1.) Der erste Gefallene im Weltkrieg ein jüdischer Offizier! Aus unserem Leserkreis wird uns geschrieben: Anläßlich der Wiederkehr des Tages der Kriegserklärung Oesterreich-Ungarns an Serbien (27. Juli 1914) {dürfte es wohl für die jüdische t HtglaWERT FLOGEL PIANOS '»Tj Ihren Bedarf in Photo- Radio- ■ad Schallplattan decken Sie am besten Im Spezialhaue ££ — 1_/Stuttgart WllhalM DOHItfl * Mlllttrstr.32 P— Hau« der guten Bedienung und Beratung- Wo feextelin Sie Ifer Eü lir w Bitl-Ttol! nur im Catt Haimann Ecke Schloßu.Seidenstr.6 SPEZIALITÄTEN: Alle Sorten Fruchteis u. Creme-Eis, Eisgetränke ne Sahne-Eis (rH-ntte-iit) Tffta.Mttran.ltttta in bekannt vorz. Qualität IlltdaM Hfltflm ad 22979 Itedirtttei-- fenlelliltiMeo iüfKaiiDaier Silberburg-Strafte 91 96

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