Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 8 (16.7.1930)
- Date
- 1930-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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Mittelpurtei etwa im Sinne der Freunde der Je« Nh Agency ist neben den beiden extremen durchaus denkbar. Das ist der einzige Weg. die unfruchtbaren politischen Zänkereien und ihre üblen Folgen aus der Gemeindestiibe zu verbannen und die Gemeinden wieder zu ihrer eigentlichen Aufgabe /urück/ufiiliren. zur Pflege ihrer religiösen Ziele. Fs ist an der Zeit, daß die religiiNen Parteien sich auf »ich selbst besinnen und den Freunden und Gegnern des Zionismus ein klares: ..Bis hierher und nicht weitert” entgegenrufen. Die Befreiung der Gemeinden \on den üblen |mliti'chen Zänkereien ist eine fcliren- .mfgabe fin alle Ueligiösen. die es mit I ihrem Judentum aufrichtig meinen' Planwirtschaft in der Wohlfahrtspflege. Von Felix Sontheimer. Die ../entrah»ohlfahri"tel!e der deutschen Juden” befallt »ich 'eit einiger Zeit mit dem Gedanken der Planwirtschaft bei der Mittelbeschaffung und Mitteleerwcinlung in der Wohlfahrtspflege. Das Aufrollen dieser I rage hat Befürworter und Gegner /n AeiiReriiiigen veranlaßt. \uf der einen tseite wird darauf hinge wiesen, daß zahlreiche, ohne genügende Fühlung miteinander arbeitende X c reine auf dem gleichen Gebiete tätig sind, und daß Mittel und Wegegeschaffen wurden sollten, ‘um die Zwecke der Wohlfahrtspflege einheitlich zu regeln. Andererseits wird bei einer planmäßigen Organisation de» W ohlfahrt'w e»m» die Schematisierung und Butokrati'iei tiitci und eine Schwächung des Interesse» und der Initiative der \ereinc und der einzelnen Wohltäter Ivc-fürchtet. Fs unterliegt wohl keinem Zweifel, daß e» eine» erheblichen < >onh s von Fnt»a_mg und von Zurüik»tc;llung liehgew-oilener Gewohnheiten von -eilen der I inzelorganisationeif und ihrer ehrenamtlichen \or-t.unle bedarf, um die Finordntmg in die Ge- »aintvvirt'ihaft hcrbeizufiihren. Manche» iiu Gemeindevvohlfahrtswesen ergraute und verdienstvolle Au»»ilnißmitgliecl kann sich nicht entschließen. 'einen X erein einer Gesamtorgani- »ation .-nzii'chließc-n oder dessen Selbständigkeit zu opfe rn zugunsten einer zentralen Organisation. I» i welcher es de»»en Kinfluß verringert oder uu»ge'thu!te'! glaubt. Dem kann entgegengehalten werden, daß die Gesa int Organisation die Mitarbeit gerade solcher Männer und Frauen benötigt, die in selbstloser Weise Zeit. Arbeit and Mittel in den Dienst der Allgemeinheit stellen. und daß besonders in der jetzigen Zeit, in der bei der jüngeren Generation eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Gemeindeangeb genbeiten häufig zu beobachten Gelegenheit ist. auf den Rat iind die -Betätigung erfahrener Gemeinde initgUecIc-r nicht verzichtet werden kann. vCz Da» Xc-ben ei Handel arbeiten von X c reinen mit gh-nheii und ähnlichen Zielen schließt große Gefall reu in -ich. denen nur durch eine iinlvc-diiigt noivc endige \ c-rc-inheitlichinig ent gegen getreten werden kann. Gedacht Nt an die von einer zentrale ii und neutralen Stelle geleitete Prüfung der l ntc-rstiitzungsgc-'iiche und Verteilung der I nle l-tützimg'gelder und hi» zu einem gewissen Grade an die bei die»er Stelle »ich konzentrierende ''amiulting von Galten und Spenden. Wenn e» auch nicht-unw idersprochen bleiben kann, daß die ehrenamtlich Tätigen durch jahrzehntelange latigkeit ein gewisse» Feingefühl für Unterstütziing'gesuche und einen besseren Einblick in die \ erbältnNse der Fmpfänger gewönnen halten, so darf andererseits der Ueberblick nicht unterschätzt werden, den. bei Zusammenfassung der Tätigkeitsgebiete einzelner Vereine in eine Wohlfahrtszentrale, die beruflich im Wohlfahrtswesen Stehenden über die Bedürfnisse der L nterstiitz.ungssuchenden und die Verausgabung an diese gewinnen. Das Sammeln von Gaben und Spenden durch eine Stelle für eine EinheitsorganNation beseitigt die Zersplitterung der kleinen Beiträge, ermöglicht den Ueberblick' über die Höhe der Spenden der Gemeindemitglieder und gestattet ein Herantreten an diese im Falle einer, nach Ansicht dieser Stelle und der sie Beratenden. den Verhältnissen entsprechend unzulänglichen Leistung, wobei auf die persönliche Mit¬ - 86 - arbeit und Intervention derjenigen zurückgegriffen werden muß. die von jeher in der ehrenamtlichen sozialen Arbeit ihre Aufgabe erblickt haben. In vielen Fällen wird es sich ergeben, daß die Gesamtleistung nicht Weniger hinter ihren Verhältnissen zurückbleibt, und daß für S|>cnden und Beiträge’ für Wohlfahrtszwecke die Summen nicht erreicht werden, die von den nämlichen für anderen Zwecken dienende Vereine in einer Summe oder in Raten jährlich abgeführt werden. Manchem würde bei einheitlicher Einziehung des Beitrages für eine Gesamtorguni- »ation zum Bewußtsein kommen, wie klein sein Beitrag ist. und er würde es begrüßen, wenn er zu gew issen Zeiten nicht täglich durch Einziehung von geringen Beträgen gestört werden würde. \\ as den Stuttgarter Platz anbelangt, so liegen die Verhältnisse für eine Planwi^schaft in der Wohlfahrtspflege insofern günstig, als hier das Israelitische Fürsorgeamt besteht, dessen Rahmen für eine vermehrte Vereinheitlichung überaus geeignet erscheint. Das vor ungefähr 20 Jahren gegründete-, ursprünglich als Dachorganisation gedachte Fiirsorgc-amt hat inzw ischen eine andere Form angenommen und übt jetzt auch eine \ereinstätigkeit aus: es hat eigene Mitglieder (im Jahre 1920 betrug deren Zahl 232 mit Jahresbeiträgen von rund RM. 3000.—) und wirbt für außerordentliche Spenden, die ihm reichlich zufließen. Zweifelsohne hat das Fürsorgeamt mit seinen besoldeten und unbesoldeten Mitarbeitern während der Zeit seines Bestehens der hiesigen Wohlfahrtspflege große und gute Dienste geleistet: erschwert wird aber seine Tätigkeit durch die charitative Nebenarbeit der Vereine und Einrichtungen. Die Krankenpflege. Speisung. Ausstattung. Erholung. Unterbringung. Unterstützung von männlichen und weiblichen Bedürftigen. die Verpflegung oder Versorgung von Durchreisenden fallen in ein und dasselbe Gebiet. während hierfür neben dem Fürsorgeamt eine Anzahl von Finzel vereinen mit Sonderzwecken besteht, die in keinem Verhältnis zur Zahl der Gemeindemitglieder ist. Die aus rund 3000 Seelen, darunter etwa 2200 Steuerzahlern bestehende Gemeinde- Stuttgart hat einschließlich Fürsorgeamt und 5 Anstaltsvereinen 13 hier ansäßige. ausschließlich den Zwecken der Wohlfahrt dienende Vereine aufzuweison. sodaß auf je 140 Steuerzahler ein solcher V.erein entfällt. Unter den weiteren 19 Vereinen. Verbänden. Ortsgruppen und Organisationen befinden sich etliche, die ebenfalls teils ganzteils nur in gewissem Maße die Wohlfahrt sich zur Aufgabe gestellt haben. Neun der größten von den vorstehend genannten 15 Vereinen (einschließlich Fürsorgeamt) erzielten im Jahre 1929 von ihren hier wohnhaften Mitgliedern eine Einnahme an regelmäßigen Jahresbeiträgen von insgesamt etwa RM. 45 000.— bei einer durchschnittlichen Während der Sommerreise ist die beste Gelegenheit für TeppidiReparatnren Ti Kostenlose Abholung! Rufen Sie 208 42 eioadier Onenf-Tenpidi-Hnfitferefen Bi. Mittnachtbau zum Teil aus den gleichen Gemeindeinitgliedern bestehenden .Mitgliederzahl von 520. Auf jedes Mitglied entfällt demnach ein Jahresbeitrag für diese Vereine von durchschnittlich etwa RM. 83.—. wobei die außerordentlichen Spenden nicht mitgerechnet sind. In den vorgenannten Ziffern sind die 5 Wohlfuhrtsvereine der 336 Seelen und 120 Steuerzahler zählenden Gemeinde von Stuttgart-Cannstatt nicht enthalten. Hier entfällt auf je 40 Steuerzahler ein einheimischer Wohlfahrtsverein. Eine Unmenge von ehrenamtlichen Vorstands- und Ausschußmitglic-dern befaßt sich in unzähligen Sitzungen und Beratungen mit den Angelegenheiten ihrer Vereine: wenn daran erinnert wird, daß häufig mehrere Mandate in einer Hand vereinigt sind — 4. 5, 6 und 8 Mandate werden mitunter von einer Person ausgeübt —, so muß ein ungeheurer Leerlauf festgestellt werden, der im Zeitalter der Rationalisierung und Zusammensdilußbewegung keinesfalls als eine fortschrittliche Erscheinung bezeichnet werden kann. Wenn große Industrie-Unternehmungen, bedeutende Bankinstitute unter Verzicht auf Tradition sich zur Vereinheitlichung, zur Aufgabe ihrer jahrzehntealten Selbständigkeit, zur Interessengemeinschaft und zur vollständigen Fusionierung entschließen können, sollte ein engerer Zusammenschluß der Wohlfahrtsvereine am hiesigen Platze, der das Aufgeben der Selbständigkeit ähnliche Tätigkeit ausübender Vereine zur Folge haben muß. kein unmöglich durchzufübrender Gedanke sein: um so mehr als dort der Verlust reich dotierter Stellungen zu befürchten ist und das Gespenst des Abbaues drohte während es sich hier um keine Existenzfrage für Personen handelt. sondern nur um die Aufgabe von selbständigen Ehrenposten und um ein Unterordncn in eine Gesamtorganisation, in der jeder einzelne nach wie vor im Interesse des Ganzen sich zu betätigen Gelegenheit hat. Es ist bekannt, daß eine Reihe unserer besten Männer mit hingebungsvoller Treue für ihre Vereine leben, daß sie ihnen Dienste erwiesen haben, die in das Goldene Buch der Nächstenliebe eingetragen zu REMPEN & KREUTZHANN BBERHARDSTR. IS Tapeten ♦ Wandstotte ♦ Vorhänge ♦ Möbelstoffe ♦ Temndie ♦ Linoleum (Linie Stattfart-NOrttagen) Idyll. Im Walde gelegen / / Sonnig und staubfrei Streng rituell / Prospekt / EratkL Referenz. IdMiMUMliMr Fernruf Nr. 119 Amt Bopfingen in Württemberg 3ni Binderlteii Littbrirr anlknsn Dr. Dannhauser Nervenarzt hat »eine Praxis nach Seestr^/te 23 verlegt, Erke Kriegsbergstr, Sprechstunden: 11'/»— 1, 4'ft—Ö Uhr, Montag u. Telephon 26640 praUHcfecr irzl ■. atiemtcMor Dr. Dr. rcC Ernsl Valll Sprechstunden 11 bis 1 Uhr und 4 bis 7 Uhr Samstags 11 bis 2 Uhr - Femspr. Ö4 333 nodt Stuttgart, Johennesstreße S, 1. Stock, beim Feuer see, verlegt. Behandlung von Privaten u. von Mitgliedern u. Angehörigen aller Krankenkassen Am 1. Juli habe ich meine ärztliche Praxis Dr. med. Friedberger Königstraße Nr. 4 (neben Hindenburgbau) Telephon 2S126 Sprechstunden 11 bis 1 Uhr, 4 bis 7 Uhr Ich hebe midi in Stuttgart als Facharzt für Innere- und Nervenkrankheiten niedergelassen