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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-07-16 · 8 (16.7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VII (1930-1931)
Issue
8 (16.7.1930)
Date
1930-07-16
Page
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Gemeinde «emma für Oie ffroelittveoen Seineinden Würienedergs SNftUoä» MrU4 5 Ml. WWi«Ö<t L80 Mt •intrfiOrdä 1.28 Mt, »t«jitinia«T 25 tM4«ftaala 36258 •ittdat a»a»lSck wnUmI. am I. a. I«. Vertag: gfraellttsche Derlagsau-all ©. m. b. S. Wttnfpt. 93398 * Stuttgart * Xtfaanlb. 13 Schriftleitung: Glattrabbtuer Dr. Rteger, Stuttgart. LHerlsttesstraSe 13 IU1& »«I XinlMiptii«: t cimfpaUige Rouparutllrzatl» 30 Rrtchtpfruarg rite» uuö DorMguplätz« »ach Tarif. AaMilLouaurrtgea flcitu ftajciec» bt« JHcimjcilc 20 Ralchspfemug. 1L0 JIM vil goOrootio Gtnttoart, 16.3tsli 1930 Otr. S Amtl. Bekanntmachungen Israelitischer Oberrat. Stuttgart, 1. Juli 1930 Mit dem heutigen Tage sind die Rheinlande, die Stätten ältester deutscher Kultur und zugleich der frühesten Ansiedelungen von Glaubensgenossen auf deutschem Boden, von fremder Besatzung frei geworden. Mit den rheinischen Brüdern und SAwestern atmet ganz Deutschland auf, daü jahrelanger schwerer Druck von ihnen genommen ist. Der Oberrat fordert die Rabbiner und Reli- Sionslehrer auf, am kommenden Sabbath(5. Juli) ieses Ereignisses, das geeignet ist, dem Frieden unter den Völkern zu dienen, in diesem Geiste des Friedens in der Predigt oder im Gebet zu gedenken. Dr. H i r s eh. Isr. Gemeindevorsteheramt, Stuttgart. Der Gottesdienst am Sabbath-Vormittag beginnt bis auf weiteres um 8 Uhr 30 Min., nicht wie bisher um 9 Uhr. * Ihren Austritt aus der Israelitischen Religionsgemeinschaft haben erklärt: Fräulein Erna HeS, hier, Seestr. 97, Fräulein Olga Feitl, hier, Römerstr. 2. * Der II. Gottesdienst an den hohen Feiertagen findet im Festsaal des Gustav S i e g I e - H a n se s statt. Gemeindemitglieder, welche Eintrittskarten wünschen, haben dies bis spätestens Montag, den 21. Juli 1930 schriftlich der Gemeindepflege mitzuteilen. Dabei ist anzugeben, wie viele Herren-, Damen-, Knaben- und Mädchenplätze gewünscht werden. Die Karten sind in der Zeit von Montag, den 8^ bis Mittwoch, den 10. September 19 30, bei der Israelitischen Gemeindepflege, Hospitals! r. 30 p., abzuholen. * Die Mieter von Synagogen platzen werden hiermit aufgefordert, den Mietzins für das Jahr 1930/31 gegen Empfang der entsprechenden, Platzkarte alsbald bei der Israelitischen Gemeindepflege, Hospitalstrale 30 p-, zu entrichten. Stuttgart, den 10. Juli 1930. Rothschild. Fürsorgerin mit staatlicher Anerkennung und längerer Erfahrung sofort gesucht. Bewerbungen mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften, Gesundheitsattest, Lichtbild und Gehaltsansprüchen find umgehend einzureichen. Stuttgart, 10. Juli 1930. Isr. Vorfteheramt Rothschild Religion*-Gemeinden, aber nicht politische Gemeinden! Ein Mahnwort an Alle. In einem Leitaufsatz des „Hamburger Israel. Familienblattes’' verlangt J. Peiscr -Stettin für den Gemeindeparlamentarismus die Begründung 'einer vierten Partei neben der liberalen, orthodoxen und zionistischen, die er die deutsdijüdische Partei nennt. Er erinnert richtig daran, dafi die Synagogengemeinden zurzeit ihrer Begründung ausschließlich zu religiösen und sozialen Zwecken ins Leben gerufen worden sind, zur Schaffung und Erhaltung des Gemeindegottesdienstes, zur Unterhaltung eines eigenen Begräbniswesens, zur Pflege der ritualen Gemeindeeinrichtungen und zur Fürsorge für eine eigene Wohlfahrtspflege. In diesen religiösen Aufbau der deutschen jüdischen Gemeinden sei mit der zionistischen Partei zuerst ein politischer Faktor in die Gemeinde eingedrungen, der ihrem ganzen Wesen nach als ein Fremdling bezeichnet werden muß. Liberalismus und Orthodoxie und die in manchen Gemeinden entstandene Mittelpartei haben ein durchaus religiüs-ritufiles Programm. sie können weder als Freunde noch als Gegner des politischen Zionismus bezeichnet werden. Sicher gibt es viele Zionisten, die religiösliberal, neben solchen, die religiös-orthodox oder religiös-mittelparteilich eingestellt sind. In Verkennung seines Programmes oder richtiger in Verwechslung des religiösen mit dem politischen Liberalismus hat der Gemeindeliberalismus den Kampf gegen den Zionismus aufgenommen und hot dadurch viel zur Verwirrung der Geister und zu den unglückseligen Erfahrungen der gegenwärtigen Gemeindepolitik beigetrugen. Der Liberalismus will die Fortentwicklung der Religion, besonders ihres Formalismus, gegenüber der Orthodoxie, die deren Unwandelbarkeit vertritt. Diese Aufgabe hat aber mit der derzeitigen Kampfstellung des preußischen liberalen Judentums gegen den Zionismus nicht das Mindeste zu tun. Es liegt hier eine bedauerliche Entgleisung vor. die leider bereits von einigen außerpreußischen Gemeinden »achgeahmt worden ist. Statt aus diesem schweren gedanklichen Irrtum die richtige Folgerung zu ziehen, daß der jüdische Gemeindeliberalismus in Preußen seinen Irrweg einsieht und ihn verläßt, empfiehlt aber J. Peiser zum begangenen Irrtum einen neuen größeren: die Schaffung einer neuen deutsch-jüdischen Partei, die programmatisch den Kampf gegen den Zionismus in den Gemeindestuben anfnehmen soll. Mit dieser neuen Partei würde allerdings der Gemeindeliberalismus von seinem falschen Wege abgedrängt und zu seinen eigentlichen Aufgaben zu rückgeführt, aber der politische Kampf innerhalb der Gemeinden geradezu herausgefordert werden. Demgegenüber muß mit aller Entschiedenheit darauf hingewiesen werden, daß die Gemeinden nur religiöse Aufgaben zu erfüllen haben und daß alle politischen Angelegenheiten auf einem anderen Kampfplatz auszufechten sind. 5»,lange wir Synagogengemeinden und keine Vollosgemeinden haben, ist die politische Arena außerhalb der Gemeindestube zu suchen. Man erlöse doch endlich das Gemeindeleben von diesem, seinem ganzen Aufbau nach fremden Eindringling und erkläre unzweideutig klar, daß für die Aufekämpfung politischer Gegensätze in den Gemeiädestuben kein Raum und keine Zeit ist. Man schaffe jüdische Volkshäuser, in denen sich'die politischen Juden der Pflege ihrer Ideen und Aufgaben widmen können, aber befreie c ie Gemeinden)von dem Alpdruck politischer Parteikämpfe, die ihrem ganzen Wesen nach ihnen fern gehalten werden sollten! Der religiöse Liberalismus sollte parteiprogrammatisch alle politischen Auseinandersetzungen mit deji Zionisten aus den Gemeindestuben verbannen,) d. h. bei eintretenden Aussprachen über zionistische Fragen sich einer absoluten Enthaltsamkeit befleißigen, und die Orthodoxie sollte dem I)herulen Gegner du rin strengste Gefolgschaft leist«)». Bei sogenannten volksparteilichen Debatten spllten die beiden religiösen Parteien und mit ihi)en die Mittelpartei insoweit Sabotage» treiben, ulsj sie auf diese Aussprachen nicht eingehen und den Gegner auf die politische Arena verweisen. Wenn allerdings Peiser von Juden spricht, die nur deutsch-jüdisch eingestellt sind, „weil sie eben areligjös eingestellt sind“, so gilt für diese das gleichem was für die zionistischen Juden gilt. Sie haben jin einer Religionsgemeinde ebensowenig Heipiatsrecht wie die nurzionistischen Juden. Eine Synagogengemeinde ohne Religion ist ein Widerspruch in sich selbst, sie ist, um ein Witzwort Ljchtenbergs zu gebrauchen, eine „Bordeaux flasche ohne Bordeauxwein“. Die Erlösung aus den gegenwärtig unerträglichen Zuständen in vielen jüdischen Gemeinden ist die Ausfchaltung der jüdisch-politischen Zänkereien auji den Gemeinden und deren Verweisung in hierfür zu schaffende oder bereits vorhanden«) politische Vereinigungen. Innerhalb dieser Vereinigungen sollen sich die innerjüdischen pol irischen Kämpfe abspielen. Die Gemeinde» so)len aber von ihnen verschont bleiben. Vor der Gründung einer neuen Gemeindepartei. der deutsch-jüdischen oder richtiger anti- /ionistischeji. ist mit allem Ernste zuxrampn, Sie würde bedeuten, den Teufel mit Beelzebub austreiben |und die Gemeindestuben schließlich ganz ihren)eigentlichen Aufgaben und Arbeiten entfremden. Der richtige Weg ist vielmehr, ein festes Einverständnis zwischen allen religiösen Parteien h«trbeizuführen, auf die Kampflockungen der Volkkftartei mit eisigem Schweigen zu antworten un«) dafür zu erklären, daß die Gemeindestube nicht der Ort zur Austragung politischer- Gegensätzlichkeiten ist. . . Jeder Jude kann zwei Parteien, einer jüdischreligiösen and, wenn er daran Geschmack finclet, einer jüdisch-politischen, zionistischen oder aqtizionistischebi, angehören. Die Areligiösen würden sich dipin gegebenenfalls der einen oder der anderen ppltischen Richtung anschließen, ohne einer religiösen anzugehören. Eine politische ■ VOM A_ - sind dl» Mark»» va(i» Haus» 'tSrorndörT # SCHUW-WOLf )u idihti Erzauonla Der Harranachuh f. h Achate An- I V/ 1 I V/Ial LIP. WOLF Dm idilit» Erzatignis ~ dar Schuhindustrie Der Harranachuh f. hftchsta Anspruch«. ElnhaHapr. M. 1S>M KAnlgstraB« Nr. 3 Eck« Marstallstr. 23234853232323234848232353484848530102000000010201000153535323485348

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