Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 5 (1.6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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vates Leben ist unwürdig. Am 27. August verneint der Ehrenrat die „schweren Verstoße gegen die Disziplin und Ehre . und bejaht die „fortgesetzte unw ürdige Lebensweise“. Am 31. August wird Esterhazy dieserhalb verabschiedet, am 29. Oktober aus der Ehrenlegion gestrichen. Februar 1899 flieht er nach England, am 9. November 1899 verurteilt ihn die Pariser Strafkammer im Abwesenheitsverfahren zu drei Jahren Gefängnis wegen Betrugs, begangen an seinem Neffen Christian. Von London aus eröffnet er eine groß angelegte Kampagne gegen den Generalstab und verkauft dem Hödistbietenden die „dessous“ der Affäre. Am 30. August 1898 schreitet Cavaignac ein, verhört persönlich Henry, der seinerzeit den Brief mit der verschiedenfarbigen Linierung vorgelegt hatte. Er beschwört ihn, alles zu sagen, was er von den beiden Urkunden weiß, aus denen sein Brief zusammengesetzt, und sagt ihm auf den Kopf die Verfälschung zu. Minister: Es finden sich Stücke des eine» Briefs in dem andern. 'Henry: Ich habe keine Ahnung, wie das zu erklären ist. Minister: Also, gehen Sie doch. Sie haben Stücke von der einen in die andere Urkunde gesetzt. Henrv (nach einem Moment des Zögerns): Nun wohl. Ja. Weil die beiden Sachen sehr gut zueinander paßten. Minister: Sie haben die ganze Urkunde von 18% fabriziert. Henry: Nein, ich habe sie nicht fabriziert. Minister: Also was haben Sie dann gemacht? Henry: Ich habe einige Worte in der Urkunde von 1896. hinzugefügt, die aus der andern Urkunde stammten. Aber der Name Dreyfus stand darin. Minister: Also das ist Ihre Erklärung. Sie haben den Schlußsatz — ..niemand darf etwas davon erfahren“ — fabriziert. Henry: Ich kann nicht sagen, daß ich den Satz fabriziert habe. Als ich die Urkunde von 18% gefunden habe, geriet ich in große Bewegung. Dort stand: Ich habe gelesen, daß ein Abgeordneter über Dreyfus interpellieren will. Dann von einem gewissen Satz ab konnte ich den Zusammenhang nicht mehr verstehen. Ich habe in der Urkunde von 1894 einige Worte gefunden, welche die andern ergänzten. Minister: Das ist nicht wahr. Sie haben die ganze Urkunde fabriziert. Henry: Ich schwöre: nein! Minister: Also vorwärts. Diese Urkunden sprechen ja für sich selbst. So gestehen Sie doch! Henry: Es gibt Worte im Text des Briefes, welche aus der ersten Urkunde herrühren. Aber der Anfang ist von der Hand Panizardis selbst. Minister: Wer hat Ihnen also die* Idee gegeben, das zu machen? Henry: Ich sah, daß meine Vorgesetzten sehr in Unruhe waren. Ich wollte sie beruhigen. Ich wollte, daß die Ruhe in die Gemüter wiederkehre. Alles litt. Ich sagte mir: Fügen wir einen Satz hinzu, der alle Welt beruhigen wird. Wenn der Krieg in der Situation, in der wir sind, ausbräche! Während, wenn man das machen wird, die Ruhe wiederkehrt. Ich habe es im Interesse meines Landes getan. Ich habe unrecht gehabt. Minister: Es ist sehr unwahrscheinlich, daß Sie nur den Endsatz hinzugefügt haben. - 55 - Henry: Ich schwöre es: Der Anfang hat mir die Idee gegeben, und nachher war man ja auch beruhigt. In diesem Augenblick scheint die Vernehmung Henrys beendet. Er wird aufgefordert, sich zurückzuziehen. Plötzlich ruft der Minister ihn zurück und sagt ihm: Sehen Sie doch, die ein« der Urkunden hat eine ganz .andere Farbe wie die andere. Daraus ergibt sich schon, daß sie aus zwischengesetzten Stücken bestehen muß. Ihre Erklärung ist nicht möglich ... Henry: Ich schwöre, daß ich den Brief nicht fabriziert habe ... Ich kann Ihnen nicht sagen, daß ich ihn ganz fabriziert habe. Den ersten Teil hübe ich gefunden. Der zweite ist dazugefiig't worden. Ich kann Ihnen nicht mehr sagen. Ich habe nur den Schluß hinzugefügt. Minister: Alles, was Sie vielleicht empfangen haben, ist die Anrede und die Unterschrift. Was Sie gemacht haben, das sieht man ja aus den Vec ^Besuch des Qottesdienstes ist heilige Pflicht! Wer sie erfüllt, wird nicht nur seine eigene Befriedigung finden, sondern zur Würde des Gottesdienstes beitragen. ( Wir bitten unsere Mitglieder und alle Gemeindemitglieder, mit ihren Angehörigen die Synagoge an Freitagabenden und Sabbathen wie auch an Festtagenzu besuchen. Jüdischen Angestellten möge, soweit es Irgend möglich ist, Gelegenheit zum Besuch des Gottesdienstes geboten werden. Verein für füd. Gemeinde-Angelegenhelten (Gemeinde - Verein) Stuttgart. Dokumenten selbst. Sagen Sie alles. Sie haben das Kuvert und den Kopf bekommen. Henry: Ja, ich habe das Kuvert und die Anrede bekommen. Minister: Was stund darin? Nur „mein lieber Freund“? Henry: Ich sage Ihnen: der ganze erste Teil. Minister: Es stand nichts darin als „mein lieber Freund"? Henry (mehr und mehr verwirrt und zögernd): Es ist folgendes angekommen: Ich habe die Anrede und einige Worte empfangen. Minister: Welche Worte? Henry: Andere Worte, andere Suchen, die mit der Affäre Dreyfus nichts zu tun hatten. Minister: Also, die Sache hat sich so abgespielt: Sie haben im Jahre 18% ein Kuvert erhalten, in dem sich ein Brief befand, ein Brief ohne jede Bedeutung. Sie haben den -wirklichen Brief unterdrückt, und Sie haben den andern fabriziert. Henry: Jawohl. Dieses dramatische Zwiegespräch, das mit der restlosen Ueberführung des Fälschers endet und in dem der Kriegsminister wie die Wahrheit und Lauterkeit reibst in Erscheinung tritt, hat es tatsächlich so s attgefunden? Den amtlichen Bericht, aus dem Teile oben wiedergegeben sind, hat General Roget vier Tage später gefertigt, der Minister hi t ihn selbst als zutreffend erklärt. Wir wissen nicht, ob die Unterredung sich in allen Teilen für Henry so belastend, für seine Vorgesetzten so entlastend abgespielt hat. „Jeder fragt sidi“,jsagt Guyot, „was dieser Armselige den Generillen Boisdeffre und Gonse in Wirklichkeit gesagt hat. die der Befragung beiwohnten, und wuk zum Minister, der sie leitete. Hutten sie nicht cple von seiner Fälschung Gebrauch gemacht?“ [ In Verhalt genommen, wird am Tage darauf Oberst Henry mit durchschnittener Kehle aufgeftinden; mit dem Raisermesser, das man ihm im Gcfangins belassen hat. — . Der Kriegsminister Cavaignac läßt das Ge- ' ^»chehene setfort durch die „Agence Havas“ der Welt mitteilcu. Die Bestürzung ist ungeheuer, per Eindruck auch in den Kreisen des Generalstabs zunächst niederschmetternd. Der Generälstabschef -Bhisdeffre legt sein Amt nieder, di r Kriegsminisger, der sich ganz kurz vorher vier der Kammer, gerade auf Grund des —faux Henry“ für die Schuld Dreyfus’ verbürgt hatte, dessen Red * im ganzen Lande an allen Bürgermeistereien angeschlagen worden war, demissioniert. Der (General de Pellieux begründet" sein Abschiedsgesuch: „Betrogen von Leuten ohne Ehre, kann ich nicht hoffen, mir das Vertrauen meiner Untergebenen zu bewahren, ohne das ein Kommando nicht möglich ist; ich habe meinerseits das \ ertraucn in diejenigen meiner Vorgesetzten v i-rlore». die midi mit Fälschungen haben arbe ten lassen ...” Das wichtigste Stück, das die erschütterte Beweiskraft des Bordereaus hatte wiedörherstellen sollen, ist als Fälschung erwiesen. Der Fälscher hat sich selbst entleibt. Prof. Albert Einsteins württemb. j Stammbaum. Von Rabiiner Dr. A. Tänzer - Göppingen, Auf den) Gebiete der jüdischen Familicjnforschung kird es als besondere Erschwerung empfunden) daß die jüdischen Gemeinden lin Deutschland aus der Zeit vor der Emanzipation n m 11 i ch ef Unterlagen zumeist nicht besitzen. Man ist auf! Notbehelfe und Kombinationen aller Art ungewissen, die .jedoch die sichere und klare Quelle detj amtlichen Listenführung nicht ersetzen küij|ien. Es fehlen eben die so überaus wertvollen Familie nregister, an Hand l=| fäJ Ut, M-mkI MlckBrMl 8 Tuga RU 27#.- ab Stuttgart u«d nrftck, Bubo aad 8dMtf, Votteutoflngaag. gultt Hotel, _ baata daataefea Ftorong. Nicaata Abralata: I 8 Juni, 13. M, 81. Aogaat oad 5. Oktabtr fftolkn ÄlllMkptll WBIBllWlB Walt-Aufteilung »YPERN »Schlachtfelder ~ ~ ~ ~ Dbrafean *on Stuttgart: 1 Juni, 18. JuaI 1-| I ■s-S“ ihz I« s lUeS zarock. MH NtHfilMMO. Mtbtte " 28. Hoi, 22. Juni, 20. Juli, 17. logutt, 7. mW UH 28.8004—bir.12. OMobtt 1930: Bnonor-VoMdig - Lido-Hatan-Ria Notpol -Vooov- Porapoi I-Ctpri unter aichiologtedwr doutoebor tStming. 11 Tng^RM. 321.- ob Stuttgart und Mtbito Abrufen: ~ 8ofl|aabor, Intarnatlonala Ausstellung Ottende-BlankSnberghe [t»go .1SS~ Welt-Ausstellung »YPERN ♦Schlachtfalder bbrtfe« «n Stuttgart: 2. Juni, 18. Juai I 7Juli, 21 Juli, JJlug, 2SAug„ S.Supt., lS-Otd. Vfi. L litfeilutr. 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