Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 5 (1.6.1930)
- Date
- 1930-06-01
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- [Seite] (sequence 2)
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pfleg»- amertraut: in ihr raa» sich der Rabbiner betätigen, wenn er Verständnis für Wohlfahrtsfragen und die nötigen Kenntnisse dazu besitzt. Die Sorge um die Seele und die Geu issensbediirfnisse ist nach jüdischer Auffassung nicht die Aufgabe irgend eines Berufes, sondern die allerpersönlichste und ureigenste Aufgabe jedes Menschen. Der Rabbiner soll in den angegelrenen Grenzen soziale Aufgaben erfüllen, die ein Miterleben fremder Not voraus-et/en: er soll sich, soweit er sich dazu eignet, in den sozialen Dienst der Gemeinde 'teilen, f r soll erziehlich beeinflit"<*ii. religio' I»eiehren, vorbildlich leben. Dajregen i-t er für die Seelen der ihm unvertrauten Gemeinde ebensowenig verantwortlich, wie er iln \i/t oder ihr Rechtsberater i't. Kr kann in [ ,,- \ "< nsnöten den rechten Weg weisen, er darf in seelrnkonflikten die \\ illeii'richtung religiös heeiuflu"en. er mag erziehlich sein l rteil abgelioi» damit i't aber die Grenze -einer seel- 'Otgeil'.'i.-n Eiligkeit erreicht. Der Jude kommt übrigens mir in -eltenen fällen mit den Angelegenheiten -einer Seele zum Rabbiner. Kr ist zu sehr von dei Erkenntnis erfüllt, dal! er für -uh -• io-t -eeli-ch verantwortlich i't. f r macht '■i etwa», wie die- Juden zu sagen pflegen, mit -nh ', lb'l .d». f r wird 'ich mit dem Rabbiner ubet einv I rage der Religion, über ein Problem, daihn beschäftigt, über einen inneren Konflikt « ni-t uii"prethrn. Vber die I nt'cheidiing in allen diesen fragen wird ei. ausgenommen bei ausgesjiio h< in n P'v cfiopathen. von -ich autreffen. We■ die .■'.■iniiitiingen ..Religion und Seelenleben“ laiil .. \r/t und >eel'orger" durchstudiert. wird ’ie g: riTi<I' : -chieclene Einstellung jüdi-cher und di.) ’ ii.’i'diei Men-cheii zu diesen fragen erl.enuen. eine f iii'tellung die auf die Grundauf- I is'iing ziii inkgehrt. datf das Judentum Religion bei 'i tb'tc i lo'iing. der '"■Ib'tverantwOrtung i-t. Dabei sT.immt auch der seltsame Sc-geiisspruch de. judi'bu n \ateram I in-c gnnngst.ig seines dreizehiiishrige i >oli ti-s: ('» lobt -ei. der mich V on d, r \ e. untw ortlichkeit für die ses Kind befrei! hat. Denn mit dem i.insegniingstag i-t der indisch»- \b\[-i!i mündig geworden. M.iti Ii.it nber dastreng»- -inuiti-che ..Du -.ll.t'" gescholten es i-t ehr eigentliche Sinn c cd >c gen der < tffeubarillig. Glaube nicht au dacctder. das didi von der Sünde lösen kann! In ic selbst midi d»-r Wille leben, audir selb't mul? die erlösende Kraft wachsen. Darum klingt .■in billigsten läge des Jahrein hochheiliger '-tunde die oni'te Mahnung zu den Herzen der <.»ti.c iieic-: „Dreierlei bannt das-bö'e Verhangr.i-: I 111 k**ii i. (>»-bet und sittlich«-Tat!“ Du selbst noilit den Ib-iiiiweg zu deinem Gotte antreten. d i selb-! mußt die Reue in lieilh-ni'Beten »-rieben. n -i Ib-t mußt lieh vvanch-ln. Ringe gegen die '-linde, w ii- Jakob mit dem Gei-te der Nacht gelungen. bid< r Morgen anbrach und es Tag in -eines,-i-K irili-ii! Schau nicht nach fremder Hilfe in-, du wirst in diesem Kampfe keinen 1» ii rnli -r. -• ossi-u finden, fühlst du dich als Jakob en 11 i'eiid»-|i. den Sündigen. und will-t du » in |si,n ' Wernen, ein Kampfer für Gott und das (.na-, dann heilit es kämpfen, sich gegen die '-linde >c c-Iin n. sonst bleibst du ewig der zillernde '-klave. der Sohlknecht der Sünde. Bi-t du arm. dein Bruder kann dir helfen: bist - 54 - du schwach, der Mitmensch wird dich stützen: bist du müde, ein anderer w ird dir tragen helfen; bist du in Sünde gesunken, dann bist du auf dich angewiesen, auf dich allein. Du muflt dich erlösen. so wie es dein Gott dir am Sinai verkündet. Gott sprach am Sinai nicht zu den Prie- Aus dem Bach: „Der Prozeß des Haaptmanns Dreyfas“ von Dr. Bruno Weil geben wir im folgenden mit Erlaubnis des Verlages Dr. Walther Rothschild in Berlin einen kurzen Abschnitt wieder. In diesem Buche durfte das Rätsel jenes Falles, der die ganze Welt jahrelang in Spannung hielt, auf Grand der Akten des deutschen Anßenministerinms, der französischen Gerichtsakten nnd anderer neuer Quellen abschließend gelöst sein. Ks scheint, daß Nationalismus. Klerikalismus und Antisemitismus noch einmal triumphieren dürfen. Nach dem Siege im Esterhazy-Prozeß haben sie jetzt die Bataille um Zola gewonnen. Aber die Maiwahlen 1808. zwei Monate nach dem ersten Zolaprozeß, bringen, obwohl Jaures und Reinach geschlagen. Drumont in Algier gewählt wird, einen Erfolg der Linken. In der Liga zur Verteidigung der Menschenrechte, am 4. Juni gegründet. sammeln die Revisionisten ihre ganzen bis dahin allzusehr zerstreuten Kräfte. In der Presse werden die Anstrengungen vervielfältigt. Aber nach dem Scheitern der Aktion Zola stehen die juristischen Möglichkeiten für ein Wiederau^ahmeverfahren schlecht. Oberst Picquarts Prozesse schwelren noch. Wie soll in ihnen der Beweis von Dreyfns* Unschuld, der Ungesetzlichkeit des ersten Urteils geführt werden? Picquarts Anzeige wegen der gefälschten, nach Tunis gesandten Tele gramme läßt nur schwache Hoffnung. Neue Debatte im Parlament. Aber trotz der Uinksmehrheit spricht sich auch der bürgerliche Krieg-minister Cavaig-nac, Minister im radikalen Kabinett Brissen, am 7. Juli von der Tribüne im Sinmeines Schuldig gegen Dreyfns aus: er teilt den Wortlaut des Dokuments .,ce Canaille de D.“ mit: dann l>eruft er sich als wichtigstes Bc-weisdokument , auf den Brief, der Dreyfns Namen voll enthält, den er „geprüft und für echt befunden" habe. Gegen Piequart. Zola, Mathieu Dreyfns und das „Syndikat" kündigt er neues Vorgehen an. Die Kammer applaudiert fast einmütig und beschließt gegen wenige Stimmen- (-ntlialtiingen den Anschlag der Rede des Ministers. Ls ist der letzte große Sieg der Gegner der Revision. Höhepunkte wie nach den Regeln des griechischen Dramas. Dem der Absturz ins Jähe schnell folgen wird. Zwei Tuge darauf erklärt Jaures in der „Petite Republiquc“. er sei mehr wie je von dem „monströsen Rechtsirrt um“ überzeugt. Piequart protestiert seinerseits in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten mit größtem Freimut gegen die Erklärungen des Kriegsministers in der Kammer. Er behauptet, beweisen zu können, daß zwei der vom Kriegsministyr zitierten Beweisstücke sich nicht auf Dreyfns Iveziehen. und daß das dritte, das den Namen Dreyfns enthält, alle Merkmale einer Fälschung aufweist. Der Kriegsminister antwortet mit einer Anklage gegen Piequart und Leblois wegen unbefugter Mitteilung von für die- Landesverteidigung wichtigen Dokumenten. Drei Tage nach der Veröffentlichung seines Briefes wird Piequart erneut verhaftet, hast am gleichen Tage auch Esterhazy und seine Geliebte. Frau Pays, auf die von Picquart erstattete Anzeige wegen Urkundenfälschung. Eine Anklage gegen du Paty wegen .Mitstern, sondern zum ganzen \nlke, zu allen Menschen. Er hat sie damals gleichsam seelisch mündig gesprochen. Das ist der Sinn der heiligsten Stunde der Menschheitsgeschichte: Ihr seid für euch verantwortlich — Selbsterlösimg von der Sünde ist eure ernsteste Aufgabe! täterschaft wird hinzugefügt. Die Haussuchung bei Frau Pays schafft eine Fülle von Beweismaterial für die Kollusion zwischen Esterhazy und dem Generalstab. Durch zwei Entscheidungen vom 5. und 12. August erklärt die Anklagekammer die Beweise für die Fälschung der an Piequart gerichteten Telegramme als unzureichend und setzt die Verhafteten wieder in Freiheit Die Voruntersuchung gegen Piequart selbst schließt am 25. August mit einer Verweisung wegen mehrerer Punkte der Anklage, in der neben Piequart auch gegen einen Nichtmilitär, Leblois, verhandelt werden soll, vor das bürgerliche Strafgericht während für zwei weitere Fragen die militärischen Gerichte Vorbehalten bleiben. Die öffentliche Verhandlung vor dem bürgerlichen Gericht wird auf den 21. September 1898 festgesetzt. Aber noch vorher beginnt in diesem Drama ein neuer Akt. hebt sich zum andern Teil der Vorhang von Dingen, die zum ewigen Geheimnis bestimmt schienen. Der Kriegsminister Cavaigtiac hatte gleich nach seinem Amtsantritt den Auftrag gegeben, einen umfassenden Bericht über alle zur Dreyfus- Affäre gehörenden Dokumente, ihre Herkunft und Echtheit zu machen. Der Hauptmann Cuignet wird mit der Ausführung beauftragt. Am Abend des 13. August sitzt er bei der Arbeit. Der Schein der Studierlampe fällt auf den Henry sehen Brief, in dem Dreyfns' Name voll genannt war. Da plötzlich sieht Hauptmann Cuignet — das Herz will ihm stocken —, daß die Liniierung auf diesem Briefe zwei verschiedene Färbungen hat, eine mehr violett, eine mehr graublau. Der Brief besteht also aus zweierlei Papier, ist also aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt. Der Offizier glaubt zunächst an eine Sinnestäuschung vor Uebermüdung. aber die Untersuchung am folgenden Tage bestätigt die Entdeckung. Cuignet benachrichtigt seine Vorgesetzten. Der Minister selbst läßt nachprüfen, ob ein Irrtum nicht möglich; sieht am 14. August die Fälschung mit eigenen Augen. Was wird er beginnen? Um diese Zeit, noch weiß die Welt nichts von der Fälschung dieser Dreyfns schwer belastenden Urkunde, am 24. August, tritt ein Ehrengericht gegen Esterhazy zusammen. Trotz des Freispruchs des Kriegsgerichts hat sich zuviel Zündstoff gegen ihn gehäuft. Drei Punkte legt die Anklage ihm zur Last: die Frankreich und die Franzosen schmähenden Briefe der achtziger Jahre. „Darf man selbst in einer Privatkorrespondenz dulden, daß ein Franzose eine solche Sprache führt? Unser Herz als Franzose bäumt sich auf, nichts kann eine solche Sprache entschuldigen.“ Weitere Anklage; die drei Briefe, die er an den Präsidenten der Republik schrieb, als er unter der Klage des Landesverrats stand, Briefe voll dunkler Andeutungen und der Drohung mit einem Einschreiten des deutschen Kaisers. „Welches auch sein Zustand der Ueberreizung gewesen sein mag. niemals hätte dieser Offizier den Gedanken haben dürfen, solche Drohungen an den ersten Beamten des Staates zu senden: sein Patriotismus mußte seiner Feder halt gebieten.“Durch Mitarbeit an einer Tageszeitung hat er den für Offiziere geltenden V Urschriften zuwider gehandelt. Endlich, sein pri- Der Prozess des Hauptmanns Dreyfus. Henrys Fälschung. SCHWARZWALDHEIM der Stuttgart-Loge Möhringen b. Horb ★ Gute rituelle Verpflegung, fließendes Wasser, Liegehalle, Stahlbäder in der Nähe - Leitung durch geprüfte Krankenpflegerin, ärtzliche Aufsicht KURPERIODEN: 3. Juni bis 30. Juni 1. Juli bis 28. Juli 29. Juli bis 26. Aug. und eventuell noch ein vierte Periode Juli u. August sind für Kinder von Logenbrüdern vorgesehen. Anmeldungen sind zu richten an; Frau Grete Adelsheimer, Stuttgart, Hospitalstraße 36 BcrttoM Auerbach-Verein Dienstag, den 3. Juni 1930, Stuttgart-Loge, Calweretraße Nr. 33 Hhs., abends 8 Y* Uhr, 8. Heimabend Der für des t«. Jul vorgesehene „Oemütüche Abend“ findet erst am 24. Jnni statt. NAlleres folgt. Jaager krlftlger MetalldrOcker auch Im Verkauf, feowie in Buchführung bewandert, »edrt Arbeit irgendwelcher Art. Offerten unter F. A« 417 an die Gemeindezeitung. Student erteilt billig Nachhilfestunden Scbriftl. Meldungen an Oskar van Peristein, Stuttgart, Wernhaldenstraße Nr. 20, erbeten (-1 Herzlichen Dank allen Freunden und Bekannten für die uns anläßlich der Geburt un/eres Töditerdiens und Enkeldiens übermittelten Glückwünfdie u. Jlufmerkfamkeiten. Hans Sternheim u. Frau Elfe geh. Ofterberg Max Ofterberg und Frau Hans Sternheim u. Frau Elfe geb. Ofterberg Max Ofterberg und Frau jodbadTMi Harare! Br. LcH