Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 2 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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23 derung muß aber fn der Sprache der Jupend. im Wortklang und Darstellungscharakter einer Zeit genügt werden, einer Epoche, die ganze, praktische, aus Praxis verantwortungsbercfte Menschen haben muß. um durdigeliflhen zu werden. II. Der äußere Erfolg der ersten Veranstaltung des ..Jüdischen Jugend rings Stu ttgart“, in dessen Auftrag Dr. Walter Einstein die Anwesenden im Festsaal der Handelskammer am 8. April begrüßte, war sehr groß. An die 300 Menschen waren der Einladung gefolgt: Martin Buber hatte ein großes und aufmerksames Publikum. Der Redner entwickelte die Probleme der Jugend aus der Gegenüberstellung der einstigen ..Jugendbewegung“ und der Jugend des jetzigen Augenblicks. In der ,.Jugendbewegungs“-Enoche ist sich die Jugend Subjekt und Objekt zugleich: junge Menschen kamen und gingen — tauchten unter in der bürgerlichen Welt. Die Begrenztheit der Jugend, die nur sich selbst lebte, konnte keine L’eberlieferungen gebrauchen. Die moderne Jugend dagegen stellt sich in Zusammenhänge ein. denen man auch dann dienen kann, wenn man nicht mehr jung ist. Dabei achtet sie genau darauf, daß das eigene Denken dem Zeitgeist konform geht: diese Jugend läßt sich nicht vom Zeitgeist ..informieren“, er ist nicht Voraussetzung ihres Handelns, sondern Teil und Bindung ihres Wesens. Wenn die1 ..Jugendbewegung“ Menschen in freier und freiwilliger Gemeinschaft erstrebte, so ist die Jugend unserer Zeit ganz und gar einem Massenziel hingegeben, dem sic* sich bewußt -ein- und unterordnet. Aber: soll die zu verwirklichende Idee wirklichen Realität». Charakter gewinnen, dann muß der wollende Mensch mit der Verwirklichung dieser oder irgendeiner Zielsetzung so gut es geht im eigenen Leben beginnen! An Stelle des geistigen ..Aktivismus“ der früheren „Jugendbewegung“ ist der moderne Realismus als einseitiger Abhängigkeitswalin vom Schicksal getreten. l)cr modernen Jugend fehlt die Antwort auf den „Zuspruch“ des Schicksals, das reale Antworten erfordert: sie flieht vor der Antwort in die forttragende. die Verantwortung abnehmende Masse. Aufgabe der Jugend aber ist es. in ihrer menschlichen Preisgegebenheit das Schicksal auf sich zu nehmen, es als Gestaltuncsfaktor in das Leben einzubeziehen und — ini Konflikt mit dem Zeitgeist — einen manifesten Erneuerungskampf zu kämpfen, in dem der Mensch seine Freiheit in Verantwortung aufrecht erhält. — Das .sind wohl die leitenden Gedanken des Buber sehen Referats. Sollten wir es mißverstanden haben? — wir würden es bedauern. Aber dafür kein ne» wir. bei aller Verantwortungsbereitschaft. die „Verantwortung“ nicht übernehmen. ff. St. (KM hm ty*m*tohm Stuttgart. Sitzung des Israelitischen Vorstehe ramtes am 2. April. Nach einer kurzen Aussprache über das Protokoll der letzten Sitzung erstattete der Obmann der Jugendabteilung des Vorsteheramtes, Dr. Tänzer, Bericht über seine Verhandlungen mit den hie- — *-1-' '- Die von Schaffung jüdischen Jugendvereinigungen zur Vertretung gemeinsamer Interessen sich zusammenschließen sollen, ist an dem Widerstand der beiden hiesigen orthodoxen Jugendgruppen gescheitert, die für alle Entschließungen des Jugendringes Einstimmigkeit gefordert haben. Der Jugendring wird also ohne die beiden orthodoxen Gruppen ins Leben treten. Das Vorsteheramt soll im Jugendring mit beratender Stimme vertreten sein. Die erste Aufgabe des Jugendringes wird voraussichtlich die Gründung eines Jugendheimes sein, für das der Berichterstatter die ideelle und finanzielle Förderung durch die Gemeinde erwartet. Der Stadtrabbiner hält den Zusammenschluß der Jugendverbünde für begrüßenswert, bedauert aber, daß der jüdische Jugendring dauernd ein Torso bleiben wird. Er ist auch damit einverstanden, daß das Vorsteheramt mit beratender Stimme an den Sitzungen des Jugendringes teilnimmt. Dagegen sieht er die Notwendigkeit eines eigenen jüdischen Jugendheimes nicht ein, nachdem in der Ifaulfstrafie ein städtisches Jugendheim geschaffen worden ist. das alle Einrichtungen eines Jugendheimes in vorbildlicher Gestalt besitzt und den jüdischen Jugend verbänden uneingeschränkt zur Verfügung steht. Der Etat der Gemeinde verträgt weitere Belastungen nicht. Es müsse dringend zur Sparsamkeit gemahnt werden, zumal für nötigere Ausgaben als das geplante Jugendheim Mittel nicht vorhanden sind. Eduard Weil ist der Meinung, daß mit der Errichtung eines Jugendheims bis zur . Erstellung des neuen Gemeindehauses zugewartet werden sollte. Ludwig Stern erklärt sich gegen jede weitere Belastung des Gemeindeetats. Dr. Ries hält die Aussprache für verfrüht, da noch kein Gesuch der Jugendvereine um Beitragsbewilligung für das geplante Jugendheim vorläge. Dr. T ä n z e r erw idert, daß unter der jüdischen Jugend das Verlangen nach der Errichtung eines Jugendheims bestehe, so daß man nicht bis zum Bau eines neuen Gemeindehauses zuwarten könne. Die Kosten der Errichtung und Unterhaltung des Jugendheims sollen nur zum Teil aus Etatmitteln, im übrigen durch Zuwendungen aus der Gemeinde, wobei sich auch die Jugend selbst betätigen soll, bestritten werden. Im übrigen stehe die Ausgestaltung des Jugendheims noch gar nicht fest, da die Einzel¬ JÜDISCHES LEHRHAUS Donneifctag, den 24. ApHl, Logenhaus, Calwer^tr. 33 Hhs., abends 20 Uhr, spricht; Dr. kl SoloweUsdHk i Bert ln über „Jte Lage ier Inicn dea oslsccsftafcr* * 4! Eintritt; ,fSr unsere Mitglieder and HSrer frei, die adrigen Besndier zahlen HM. 1.-, Jugendliche HM. SO a. d. Abendkasse Der Art |t*tlss für die Zelt vom 2ri. April bis S. Jnll llrd in den nidisten Tagen verschickt. beiten noch nicht besprochen seien. Es könhe_ jedoch keinem Zweifel unterliegen, daß die Gemeinde eino weitgehende Verantwortung für die Jugend tra (e und deshalb im Rahmen ihrfr Mittel Yerp lichtet sei, für dieselbe einzutretejn. Das Jugendheim in der Hauffstraße reiche jetirt schon für di: Heimabende der „Kameraden“ nicht aus, so daß Man nicht davon sprechen könne, fn genüge dieses Jugendheim auch für die anderen jüdischen . ugendvereinigungen. Die jüdische* Jugend, die die Verhältnisse im Stadt. Jugendheim genau kenne, habe gerade deshalb die Errichtung eiijes eigenen lleims gewünscht. Dfr Vorsitzende^ Oskar Roths diild, anerkennt, daß es eine ^Verpflichtung der Gemeinde sei, die jüdische Jugend ideell und materiell zu fördern und erklärt! daß die Gemeinde diese ihre Verpflichtung nach Maßgabe der ihr zur Verfügung stehenden Mittel erfüllen werde. Der StaAtrabbiner berichtet hierauf über die letzte Sitzung des Fürsorgerates, dessen beide Themata: „Das Verbot des Schnoderns im Gotteshaus der Stuttgarter Gemeinde" und „Die geplante Begründung eines Vereines Jüdisches Krankenhaifri in Stuttgart" er kurz darstellt. En der ersten ffrage ist folgende Entschließung gefaßt worden! „Der Fürsorgerat erklärt, daß eins* Aufhebung lies Schnoderns nur erfolgen darf, wenn von dem Vorsteheramt ein geeigneter Ersatz dafür erschaffen wird.“ In der Angelegenheit der Begründung eines Krankenhajisvereines ist es zu ei per Entschließung nicht gekommeii. niic Der 'Vorsitzende erwartet, daß demAächst eine weitere Fiirporgeratssitzung stattfindet, in dejr vor allem dir Berichterstattung dcH* Wohlfahrtq- .. I ' I REMPEN & KREUTZMANN EBERHARDSTR. 12 Wen * WaadstoOe ♦ Vorhänge ♦ übelstoOe ♦ Teppiche * Linolen MODESALON Qote, <L £mst Hermannstr. 16, T6lel. 64230 bringt stets das ELEGANTESTE in Nachmittags-, Abendkleidern u. 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