Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VII (1930-1931)
- Issue
- 1 (1.4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
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s lieh notleidenden Mitmenschen zuteil werden kann. Fast alle jüdischen Zeitungen bringen in gewissen Zwischenräumen Auslassungen über die Form, in der jüdische Wohltätigkeit geübt werden soll. Aber leider bleiben alle Mahnungen und Warnungen fast wirkungslos. Allein in den letzten Wochen sind in Stuttgart drei schwindelhafte Sammlungen, die einen Riesenerfolg gehabt haben, veranstaltet worden. Trotz energischer Warnungen haben hiesige Wohltäter große Beträge gezeichnet, die dadurch den wirklich Notleidenden entzogen worden sind. Dabei wäre es nur eine kleine Mühe gewesen, wenn die Spender, die es sicher gut gemeint, das Fürsorgeamt uni Auskunft gebeten hätten. Als es in einem der drei Fälle geschah, war es leider zu spät. Es ist wirklich geboten, dal) wohltätige Menschen, die eine Gabe Armen zufUhrcn wollen, beim Fürsorgeamt oder bei einem der Vorstandsmitglieder der hiesigen Wohlfahrtsvereine anfragen. ob die Sammler würdig sind oder ob der Zweck, für den gesammelt wird, Förderung verdient. Als Grundregel muß dienen, daß alle fremden Sammler von vornherein abgewiesen werden und ihnen erst dann eine Spende bewilligt wird, wenn entsprechende Erkundigungen eingegangen sind. Es liegt doch im Willen eines jeden wohltätigen Menschen, durch seine Spende etwas Gutes zu bewirken. Wer aber Schwindlern hilft, fördert unbewußt Unrecht und Verbrechen! Fürsorge für jüdische Strafgefangene ln letzter Zeit tritt die Frage der Gefangenenfürsorge mehr in den Mittelpunkt des jüdischen Interessenkreises. Wohlfahrtsverbände, Frauenvereinigungen, Gemeinden und andere Körperschaften wenden sich in zunehmendem Muß diesem Aufgabenkreis zu, von dem früher in der jüdischen Oeffentlichkeit wenig oder fast nie die Rede war. Vor einiger Zeit konnte man lesen, daß der Große Rat des „Preußischen Landesverbandes“ eine Dienstordnung für die jüdischen Gefangenenseelsorger vorbereite. Auch in der Tagesordnung der diesjährigen Israel. Landesversammlung unserer w ürttembergischen Religionsgemeinschaft bildete der Bericht des theologischen Mitglieds des Israel. Oberrats über die Gefangenenfürsorge einen Teil der Tagesordnung. Dabei äußerte sich auch eine Frau über diese Materie und verlangte die Mitarbeit der Frauen auf diesem Gebiete. Der Grund, warum die jüdische Gemeinschaft sich heute dem Aufgabengebiet der Gefangenenfürsorge in steigendem Maße zuwendet, liegt nahe. Die erschwerten Wirtschaftsverhältnisse, die zunehmende Proletarisierung unter den Juden und ihre dadurch gegen früher veränderte soziale Schichtung haben zur Folge, daß heute Xkc ^Besuch des Qottesdietistes ist heilige JtftUhll Wer sie erfüllt, wird nicht nur seine eigene Befriedigung finden, sondern zur Würde des Gottesdienstes beitragen. Wir bitten unsere Mitglieder und alle Gemeindemitglieder, mit ihren Angehörigen die Synagoge an Freitagabenden und Sabbalhen wie auch an Festtagen zu besuchen, Jüdischen Angestellten möge, soweit es irgend möglich ist, Gelegenheit zum Besuch des Gottesdienstes geboten werden. Verein für JOd. Gemeinde-Angelegenheiten (Gemeinde - Verein) Stuttgart. xerhältnismäßig mehr Juden der Gefangenenfürsorge anheimfallen als früher, wo — abgesehen von meist geringfügigen Strafdclikten auf dem Gebiet des Geschäftslebens — die Zahl der jüdischen Strafgefangenen, insbesondere diejenige der sogenannten „Schwerverbrecher“, verschwindend klein war (? Die Schriftleitung.). Langjährige Erfahrungen auf diesem Gebiet geben mir Veranlassung, mich über diese Frage hier zu äußern. Du möchte ich eines vorausstellen: Mit Reglementierung und Uniformierung kann die Aufgabe der Gefangenenfürsorge nicht gelöst werden. Deshalb ist auch z. B. die jetzt vom Preußenverband beabsichtigte Aufstellung einer DienstfCHUHHAU$ ^•{1 40 Jahrtn du» Hau» »d itgtne Schuh» Ordnung für die Seelsorger meines Erachtens durchaus nicht sb dringlich. Vor etwa drei Jahrzehnten hatte alich unsere ehemalige Isr. Oberkirchenbehörde | eine Dienstanweisung für die Gefangenenseelhirge herausgegeben, in der genau vorgeschRieben war. welche Psalmen der Seelsorger mit <|en Gefangenen rezitieren, welche Bußbetrachtungtzn er mit ihnen vornehmen, mit welchen Segensworten er sie entlassen soll. Diese Anordnung staijd auf dem Papier, sic einzuhalten wäre gar nicht möglich gewesen, denn sie war rein auf dif Abhaltung eines Gottesdienstes — analog dem anderer Konfessionen — zugeschnitten. der bei der! jeweils kleinen Zahl von Gefangenen ja doch jiicht abgehalten werden konnte. Aber auch wepn ein solch gemeinsamer Gottesdienst möglich!ist, so liegt doch das Schwergewicht in der Einstellung von Mensch zu Mensch, noch mehr als [bei jedem anderen Gebiet seelsorgerischer Tätigkeit. Denn während der Abgeschiedenheit hon aller Welt ist ja der Seelsorger der Einzige, der dem Gefangenen nicht als Organ des Strafvollzugs, sondern als Mensch entgegentritt, der ihn verstehen, ihm helfen will. Anders ikt eine wirkliche Fürsorge nicht denkbar: sie muß von verstehender Güte des Seelsorgers unf vom Vertrauen des Gefangenen getragen sein. < Voraussetzung dazu ist, daß der Seelsorger den, Gefangenen gegenüber sich frei bewegen, insbesondere ihn ohne die sonst bei Besuchen vorgesch riebene Anwesenheit eines Dritten sprechen kann. Dies wird nur bei dem durch sein A ei t mit der Seelsorge Betruuten I (Rabbiner. Leprer. beamteter Fürsorger) möglich sein, dem jdie Ausübung dieser Tätigkeit gej wohnlich durd^die aufsichtführende Behörde (bei i uns durch dajs Strafaus'taltenkollegium) übertragen wird. Ihm gegenüber kann der Gefangene sich unbefangen aussprechen. So wird es dem Seelsorger oft möglich sein zu helfen. -NAhmaschlnen vorzügliche« deutsches Fabrikat lü, H.u.h.l, 0.„„b. lndutifto Wlmpff, Conradt & Cie. STUTTGART, Kronprinzstrasse 22 Ast Wansch erleichterte Zahlengebedlngengenl BELEUCHTUNGSKÖRPER ELEKTR. ANLAGEN ELEKTR. APPARATE - REPARATUREN EMIL NIETHAMMER Hsuptgsschift: RosenbsrgstrsBslS-18 gegen, a. Hoppenleufrledhot - Tel. 21457-58 Filiale: Breltestraese 2a DAMENBEKLEIDUNG MRRIENfTR.32 i öl iüsii Neuest« Complets / Costttme / Kleider / Mäntel ln bekannt geschmackvollster Auswahl bei billigsten Preisen MC*. WON- EM Konkurfabwendung MM*ierttMfd Männe & durch Vergleich Slrohmeler Piegstr. 0, Telelea >3152 FRITZ GRABERT Laden- Einrichtungen lettrt« KSpIgatr.BS1. 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