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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-03-01 · 23 (1.3.1930) · p. Seite 312

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
23 (1.3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 312 (sequence 6)
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«,J u d SU 611 von Selma Stern Vorrätig bei: B udihandlu ng KÖNIG STRASSE 53 <li, luitlxollc Erfahrung der Jahrhunderte* -chwinpt. ht'roh-iiikt. xxrnn er -ic?i nicht auf Schritt niid Tritt dehrrzoglichrn Schutze*- -iche-r weil* Dann aller, nenn Karl Mevattder in lielcti Mriefen lind \iidien/en ihn mit ..Monsieur" anledet. ueim der Herzog -einem ..l.ieheii Silß" feilt mir -••mlern -ell)-t dem kai-er xer-idiert. H » i ic-l Nutze» ihm ..-ein Ite-onderlieber Herr l’ii -ident" gebracht habe, dann fällt der Jndcnllitk will Oppenheimer ab lind andem fiitätlichen Diener xxml dei -tol/e Banickmen-ch. der mit fa-t machiaielli-ti-cher Skni|M‘llo-ijrkeit auf iinne i nieder neue Mittel und W e*pe* -in nt. lim da- Regiment miii Schiiltheilien. Schnlinc i-tc rn. I’i.daten und Jnri-teii /n brechen und in -ich die t .i'iiiiiitiiiinc darüber /ii x -r-p>ir>*». dal? eine uuermellliche Machtfiille -ich in der Hand eine- Juden vereinigt. Dann H ach-t er /um Helden in dei diumati-chen \ ii-ciiinncler-f tzimg zxxi- -ihen Barock und der Welt de- Judcntiimempor. dann lallt ihn -eine- Karriere allexer- . je—en. Mit hartem iincj unerbittlichem Sinn betreibt er aufneue die u irt-chaft-politi-che Neuorientierung W iirttemberg- und schreitet aujahrlinndertelariger -o/ialer Knebelung al< glunzendei Kavalier im Ben nllt-ein fre ier, -elb-tbcHiilitfi Burgerlichkeit daher. Wenn er nach I r.nikfurt a. M. kommt, residiert er in -einem Hanse in der Jmlcnga—e nie ein liir-t: er -lallet -eine Il.iu-lichkeit mit wertenden Bildern au-, -Indien in -einer umfangre icbeu Bibliothek die freigei-tige Literatur -einer /eit: feinstes __ Sjlherire-cfiirr ziert -eine Tafel, -e ine Truhen bergen ko-tbar-te Wa-cfie und Anzüge. Trifft er auf einer l!ci-e dann einmal einen Glauben-- jeito—eil. wie edie lli-torie X Oll Gieße» /. B. vermeldet. -o kommt c— xor. dal? er den ..Hebräer" auf -ein /immei bittet und ihn mit Wein traktiert: will der al-o Geladene den fiir-tlidl jekleideten, mit einem Bedienten reisenden Herrn mit ..l iier Gnaden" aureden. dann lacht äer ..(.elicime T iuan/ienrat" Karl Alexanders laut auf und -agt: „Schonte trink' bfi bin sowohl ein Bar l-iael xx ie Du". I ml wenn er wahllos die Hofdame, die Gräfin. die Bauernmagd und XXer Ihm gerade put dünkt, zur k.eliebte» wählt, dann fühlte ei -ich xerwandt jenen Regenten. die. wie Eberhard l.mlxvig. -ich eine Maitresse halten -elhst dann, xxenn die I ande-kinder ob dieser ko-t-pielipen l’a—innen an den Ih-ttel-tab kommen. So" einen -ich in Joseph Sali'Oppenheimer zwei Welten, die -ich -tetbekämpfen. Bald mahnt die jiidi-che Klugheit und -agt ihm. dal? der Bopen uber-pannt i-t. bald liberinannt ihn die >innenfreudide- Manne-, der an -einen Hand jedenken nur noch die immei mehr xerbla—enden kittenni.de eineurm-rligen |iidenda-eitl- und die Welt in ihrer lockenden Weite offen -ic hl. laue wahrhaft gramlio-e Doppelnatu i. die -opar xielfach nn-ere Sx mpathie x erdiente. xxenn ihre-xx irt-chaft-politi-che Tätigkeit nicht dadurch eint' kriminelle Note erhieltedal? -ie ihre Stellung xx ie e» dadurch Dr. Selma Stern gesichtete Material bexxei-t für eigene mater nelle Interessen ntilfbiaucfit hätte. Wenn Süll zur k.ipitali-ierunp del.ande- ~ Banken entstehen bell, wenn er Lotterien xeran-taltete. Monopole vergab. kriepslieferunpen libertrup n-w.. -o xxar diealles der kaufmännischen I.rkenntnientsprungen. dal! die kefn- -erxatixe \prär|)olitik der l.andstände im /eit alter de- Imbistriali-mu- und Merkantilismus überholt -ei. dal? mau neue Wepe gehe» miis-e. wenn man die /eriitteten Verhältni— e sanieren wolle. Wenn Oppenheimer aller für diese Mnnopoliibcrtragungeii nsw. ein .T \tra-l)oiicetir" xerlunpte und in seiner eipenen ka—e xer- -chwimleii bei?, wenn er einen ausgesprochenen \ e^n t e r h a n d c I befried) und sich namhafte Summen xerschafftc. so xxird damit, wie Dr. Selma Stern -apt. der Name dew urttemberpischeii Linst,/ratfür alle /eiten gezeichnet. Gemessen an der innenpolitischen Korruption der anderen damaligen Staaten, i-t Oppenheimerdie-lwzüptlche Tätigkeit zwar penaii -o verwerflich. dennoch aber nichts aullerpexxohnbcfie-, f.ben-o ist -eine Arbeit auf dem berüchtigten Gebiet des . f i s k a I a t - xx e - e n - ein/u-chät/en. ein Unternehmen. dadem Herzog und auch Sül? ungeheure Summen einbrachte, im Lande aber hellen Aufruhr heraufheschxxor lind dem Günstling Karl Vlexander- Todfeinde zu Tausenden machte. Lud doch, map -ich Siil? pei-tig und in sittlicher Beziehung weit xom Judentum entfernt hallen — er blieb Jude. Map er sich oft x e rächt lieh über die Juden ausgesprochen, da- Gesetz milfachtet, -ich über alle Schranken -einer Religion mit geradezu abschreckender Frixolität hinweppe-etzt haben, den Zusammenhang mit dem Glanllen der Väter hat er niemals verloren. Map er seine jüdischen Freunde erpreßt undfschikaniert haben, nur ihnen bei? er die Gewinne auden vielen - 312 - Transaktionen zukommen: mag er -elbst die Fr sparnisse der Aermsten skrupellos eingezogen haben, den armen W anderjiielen. die den ..SchabbVin Gießen zu feyern gedachten" gab er reichliche Almosen: er (loh aus dem Ghetto, überließ sich dem rauschenden Strom der Welt und trug doch. ja. beschwor den Haß der l.andstände dadurch. dal? er die Ansiedlunp der Juden in Württemberg durchsetzt. Fr wollte..Jude bleiben und kein Christ xx erden, auch wenn er römischer Kaiser xx erden könnte". Lange xor der Kinanzipation xxirft er sich der deutschen Kultur in die Armee, mit allen Fasern seines Wesens xersucht er den Geist seiner Zeit zu absorbieren und da- Bollwerk der Vorurteile* zu stürmen. Die x erelrünpteii Krfahrunpen -einer Ahnen reihe -prudeln wie ein freipelepter Quell in sein Bexxußt-cin. Auder inneren .Spannung seiner jüdischen Individualität löst sich mit geradezu explosiver Gew alt der .Machttrieb, um sich am instinktixen Widerstand seiner christlichen Umweit immer mehr zu entfalten. ..Fr. der erste emanzipierte Jude vor der Fmanzipation. der er-te Faszinierte der deutschen Kultur und damit der erste Krleider des deutsch-jüdischen Konflikt-. war vom Schicksal in eine K]>och<* gestellt, in der eine Synthese von Judentum und Zeitgeist noch nicht möglich war." Mit dieser Feststellung umreißt Dr. Selma Stern das Problem ..Jiid Siiir mit bisher nie vernommener entscheidender Klarheit. Wenige Stunden nach dem plötzlichen Tode Karl Alexanderwurde Oppenheimer xerhuftet. hin Verhör jagt jetzt das andere, in dunkler Zelle muß er die Vergänglichkeit alles Irdischen erkennen. Nun erwacht sein besseres, sein jüdische*« Ich zu neuem Leben. Aus dem geschwächten Körper ringt sich erst zaghaft, UrFaut eigensten Wesens, ein „Sch'ma“ .... es verhallt zwischen den Kerkerxx änden. Aber dann rafft der Häftling sich auf. horcht hinein in die Unendlichkeit seiner gepeinigten Seele, er hebt die Hände zum Gott seiner Vütci und sieht sich eingeschlossen in einen langen, langen Zug bekümmerter und gebeugter Menschen. Mit ihnen, die aus den Jahrhunderten kommen und sich zum Tode bereiten, weil sie die Treue hielten oder an ihrer vermeintlichen Willensfreiheit scheiterten, wandert Süß gen Stuttgart in das .. Vrinen-Sü„derstüliehen" des Herrenhauses. Kr be stimmt Legate für Mutter, Geschwister und die christliche Geistlichkeit, vermacht den Rest seines Vermögens,den Synagogen. ..damit man für ihn bete. lerne und das Seelenlicht anzünde". Den Rabbi Mordechai Schloß bittet er, „an alle jüdischen Gemeinden zu schreiben, daß man von -einer Seele nichts Ueldes denke noch nach rede. Kr möge den Menschen verkünden, daß er auf den heiligen Namen Jehovah gestorben sei". Und dann fuhren ihn die Schinderknechte zum Richtplatz, wo er. von Tausende n umlagert, am 4. Februar I73K -eine Seele aufgab. — Süß fand harte Richter. II u r p p r e ch t. der Tübinger Staatsrechtslehren hatte sich als einziger gegen das Todesurteil gewandt und erklärt, eine Verurteilung Oppenheimers auf (»rund der deut- CANNSTATT A. Siegle Ecks Waiblinger- und TaubenheimerstraB«. Herren- und Damenbekleidung nach MaB - Garantie für guten Sitz Reichhaltiges Stofflager AUTO- Reparaturen GROSSE CANNSTATT Telephon Nr. SO««S Photo -Bedarf Photohaus Henigsir. 4H>. «UfiiiiiiiiiHiiniimuttuuiiwiiiiiiiiinuiiHiitiiiißiHßmtiniiimnniiiitiHiiwiRißHiii | Georg Riedemann I HÜ Tapezier u. Dekorateur, Wilhelmstr. 40 a i Neuanfertigung von Polstermöbeln; Aufrichten von I Matratzen, Diwans, Bett rösten, Chaiselongues. Legen von Linoleum. - Aufmerks. Bedienung. HntiiiiiitintitiinitBmuHttmHtmttnmi«ttmHtttwiMMNuuiwiMmammmMmt6Si Carl Weißer innior Tel. 90816, Karlstrate 91 LUDWIGSBURG RATHAUS-DROGERIE OBERE MARKTSTR. 1 z TELEPHON 3113 Bei zuvorkommender, fadiminniidt. Bedienung Sämtliche mediz. 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