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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1930-03-01 · 23 (1.3.1930) · p. Seite 310

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
23 (1.3.1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 310 (sequence 4)
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- 310 - Geschäfts - Eröffnung! Ich eröffne am Donnerstag, den 6. März, in Stuttgart, Holzstraße 13, eine koschere Ochsenmetzgerei verbunden mit Fabrikation allerfeinster Fleisch- und Wurst waren,sowie Herstellung der erbten ungarischen Raaber« u. Debriziner Würstchen. Durch meine 20 jährige Praxis als Meister bin ich in der Lage, den verwöhntesten Ansprüchen Rechnung zu tragen. Empfehle mich besonders für Veranstaltungen und Festlichkeiten zur Lieferung von kalt. Platten. Bestellungen sende frei ins Haus. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein. Sie gut und preiswert zu bedienen. Hochachtungsvoll Eduard Liebermann Holzstraße 13 TeL 20622 Verkaufsstellen: HUchet. trautr. ir - iitstirt. tpdkckcrtitcSei 4 \* .r ''t• in N.IIII, .bi.'ibt fiil alle /eiten : i:eii’ viln\e-tei nlieinie en;j V erblinden \! \ Woli M'ienialiin im September 192’ die I ••it',.iu.; die i ■ bi' /um Miir/ 192' erfoleieicii : . Sem lie'iineer«" Xerdieii'i i't die L eber- ‘ i ■’iliw leri^keiteu der l»klali>n>'/eil. Vnildeni ■ .111' (.e'imdlieil'ui imden da' Amt •: eder^elt allem.ihm i >1. Giiuzcnliiiii-V I nach . --,'tcmmiuei Wald die < -e'dialte de' \ i>r>tatide'. -eitdem tatkräftig leitet. I ntcr 'einer I! eaea I uhinnu li.it da» Svhw e'ternheim 'ich »eitel erfieiiliib eiltet ukeln ’k'onni’ii. Die Zahl dei ’iiiwi-le;;i i'l wieder auf elf j-ostiejren: eine I! r.diwi 'tei wird demnaifi'l iiiig«*st<'lIt werden. lie'iindei' dankeii'W ert i't die F'nt'cfllieHiing der \ erwalt in.; L'e» e'i-n. eine SdiwI 'ter dauernd ln d a Vmbidaii/ und in der 1 iiT'OTgitiitigLiit .■ '.e'i* ifti^eii. l in/elne **>>hwi 'lern haben 'ich net Lditi in l i fiilc bei den Fei ieiiknliinien im I iinie'.i'X I Nintheim. -iiwie im Miiliriniri-r "ihw ,i r/w aldheim betätigt fine In 'Iindftf Snr;je i'l iiir den > ereil, i:i Idielien. die "irliw e'tern für den Kall de' Alte r' und dei \ rbeit'iinfahijrkeit /n 'icfiern. Der ge- 'nmmelte l’eii'iini'bind' 'HW je die abjtesihlci'seneii Pi i\at\er'ichernnpren sind leider Opfer der liiflatum ^-ewnrden. Aber der \ rrwaltiiug'rut w 11 bemüht cltirdi den Mi'iidnlf neuer \c*r- 'iiheruimen und die Kräftigung de- IVil'ioii'-! I I!' einen mrer'l midi be'iheideiien F l »atz /II iSidten H-iffentlidi werden 'ich Freunde de' 'diwe-ti'inheiiiie' finden die hier hilfteidi für die S-hwf'tein emtreten. De? Verein hat jede!/eh bei dei Stadtcerwal- > a im wie bei der Sti ailenbaiindirektion uohlwollende' I iit-eirenkiinimen gefunden. Die Stadt- >em,il; hat außer der IV w i11i^rn 11 p; eine' Jahre'ln'it: aui ' die \n'biDlnnir von Sdiwe'tcrn in den Stuttgarter und ( annstatter Krankenhäusern genehmigt. Ks war selbstverständlich, daß es dem A'erein niemals an opferfreudigen Mitgliedern und Freunden gefehlt hat. Die Zahl der Mitglieder Ixtrug 1903: 462: sie beträgt heute: H92L Aber auch die Leistungen des Schwesternhoimes hüben sich seitdem verdoppelt. Jeder Stuttgarter. Jude wie Christ, muß anerkennen, daß die jüdischen Schwestern ihren ernsten Beruf mit dersellwn Liebe und Selbsteerleugmmg ausiiben wirdie Schwestern der anderen konfessionell. Sie haben mit den wackeren Mitgliedern der Verwaltung ein ernstes Anrecht auf die dankbare Verehrung aller Menschen. Die Stuttgarter Gemeinde darf stolz darauf sein, ein vorbildliches Schwestornheim zu besitzen, das in den 23 Jahren seines Bestehens unendlichen Segen gewirkt-hat. Neben den bere its genannten Mitgliedern des Verwaltmigsrates und seinen derzeitigen Mitgliedern verdienen die verewigten Verwaltuiigsratmitglieder F rau Regierimgsrat Dr. Nördlinger und die Herren Ober kirebenrat Dr. Kroner. Hildulf Griinwald und Siegfried Simon deshalb dankbar genannt zii werden. Möge das Schwesternheini weiter blühen und gedeihen! Mögen es alle Menschenfreunde alihre heilige Pflicht empfinden, den Bestand de- Sehw e'lernheims opferfreudig durch ihre Gaben für alle Zukunft zu sichern! „Jud Süfj,r im Lichte wissenschaftlicher Forschung. Von Ifans Sternheim. Stuttgart. I. AI' die bekannte Gesell ich tsforsdie rin Frau Dr. Selma Steril im Februar des vergangenen Jahres vor einer grollen Stuttgarter Hörerschaft über Joseph Süß Oppenheim er. den F'iuaiizageuten karl Alexanders von Württemberg. sprach, entwarf sie mit dem Charakterbild des vfelumstrittenen Hofjuden zugleich eine geistreiche historische Betrachtung der Geschichts- und Kulturc|x>che. die zum Verständnis des Probleme ..Jiid Süll“ durchaus notwendig erscheint. Die von der Redneriu damals angekündigte und von weiten Kreisen mit Spannung erwartete Biographie Joseph Süß Oppenheimers ist nun vor kurzem im Akademie -Ae r I a g*). Berlin, erschienen, und mit ihr wird zum ersten Mal der jüdische Kmporkömmling so geschildert, wie es der geschichtlichen Wahrheit entspricht — als Mensch ganz großen Formats, als Jude, in dem sich zwei F'aktoren zu fast dämonischer Aktivität verbinden Ghettoinstinkt und Ideenwelt der Barockzeit. Diese umfassende, aus einem gründlichen Studium des ungeheueren, in Stuttgart. Darmstadt. Koblenz, Karlsruhe. Frankfurt, und Tübingen befindlichen Aktenmaterials erwachsene Biographie zeigt für die Beurteilung Joseph Süß Oppenheimers völlig neue Wege. Was wir und unsere Umwelt bis zur ersten Darstellung des Problems auf Grund ..sämtlicher Akten. Doku *! Broschiert 7.50 Mk. gebunden 9 Mk. Gründliche Handelf kurse (Bachftthrang, Stenograph!«, Maschlnen- Klohtig.SehAoeehrciben) 37JAhiige Praxis Handelsschule Paul Vogel Frledrlchstra&e 13, Telephon Nr. 2Mt7 mente und Ueberlieferungen“ durch Dr. Kurt FJwenspoek (1926) von Oppenheimer wußten, war herzlich wenig. Auch in den gebildeten Ständen spukte Jud Süß bis dahin als der ..fameuse und berüchtigte Württembergische Avanturier“. als der Erzschelm und gewissenlose* Hoffaktor, der keine Mittel scheut, um sich und seine Ideen durchziisetzcn. Und wenn auch FAwenspoek nur den ..großen Finanzier und galanten Abenteurer“, die ..menschliche Persönlichkeit Oppenheimers mit ihren Fehlern und Schwächen“ zeichnen wollte*, so erahnte man aus dieser seiner Biographie doch schon die tragischen Zusammenhänge einer ungewöhnlichen Existenz. Auch Fenehtwangers Roman ..Jud Süß“ konnte hei aller dichterischen F'reiheit, mit der Leben und Werk Oppenheimers behandelt wurde, dem psychologischen Verständnis des ..Geheimen Finanzienrats“ Karl Alexanders dienen eine Lösung des Gesamtproblems Ix* deutete aber auch dieser dichterische Beitrag nicht. Und nun liegt eine große geschlossene Biographie Joseph Süß Oppenheimers vor uns. ein ernstes wissenschaftliches Werk, das nicht nur Lebensbeschreibung einer interessanten Persönlichkeit de« 18. Jahrhunderts sondern gleichzeitig „ein Beitrag zur deutschen und jüdischen Geschichte*“ sein will — eine ausgezeichnete, groß angelegte kulturhistorische Arbeit, für die Wissenschaft und deutsche Oeffentlichkeit der Verfasserin zu größtem Dank verpflichtet sind.— Diese Biographie will und kann keine Ehrenrettung Oppenheimers sein: sie will „weder ein Unrecht der Geschichte sühnen“, noch „den vielgelästerten Mann als Märtyrer erscheinen lassen“. Dr. Selma Stern kam es lediglich darauf an. an Jud Süß das Problem der Assimilation aufzuzeigen und zu beweisen, daß Oppenheimer in sich den Zusammenstoß zweier Welten erlitt, daß die Synthese von Ghettogeist, baroker Kultur und Denkweise einen letztendig nur dualistischen Menschen formte, eine merkwürdige V erbindung von jüdischer Eingeengtheit. gewaltigster staatsmännischer Expansionssucht und kaufmännischer Umsicht — eine vollinhaÜj liehe Ghcttoindividualität, die von der Periphertr der Judengasse in die große deutsche Welt bineinw änderte und als Träger des „Ressentiments“ ihre baroke. artfremde Umwelt überwinden wollte. Und an diesem inneren Konflikt scheiterte Jud Süß, dessen Großvater in der Frankfurter Judengasse noch als Chasen fungierte, dessen Vater (1703) schon Steuereinsamniler der Pfälzer Landjudenschaft war. der selbst zwischen 171T und 1735 als Großbankier Deutschland bereiste, wenig später Beherrscher der württembergischen Münze des Steuerwesens und Karl Alexanders selbst war und schließlich an einem trüben Februartage des Jahres 1738 am Stuttgarter Galgen' endete. Mit einem ..Sch nia Israel“ auf den Lippen, im vornehmen Habit der höfischen Gesellschaft — er trug einen „scharlachenen Bock mit einer schmahlen goldenen Tresse. Cumisol und Bein- & /A faschen Sie so, wie Wissenschaft u/Ptaxis es als richtig erkannt haben: Tttit Dr. IHompsott's Seifenpulver wer anders wascht, wacht es falsch. D? 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