Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 22 (18.2.1930)
- Date
- 1930-02-18
- Page
- Seite 300 (sequence 8)
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Dienstag, den 25. Februar, abends 8 Uhr, im Gustav Siegle*Haus (Kleiner Saat) E11 e r Ib © n dl veranstaltet von der Unterriditsabteilung und der Jugendabteilung des Vorsteberamts Vortrag des Herrn Religion»• Oberlehrer Jaffe: „Wie kann die schulpflichtige Jugend zur religiösen Betätigung berangezogen werden?“ Israelitisches Gemeindevorsteberamt Rotbscbild J der VVohlfahrtsabteilung (Vorsitzender Kieke), der Fric-dhoisabteilung (Vorsitzender Eduard Weil) und der Juxendabteüunx (Vorsitzender Dr. Tänzer). Im Aufträge der letzteren Abteilung markte Dr. Tänzer Mitteilung von einer durch die Jugendabteilung veranlagten Aussprache der hiesigen jüdischen Jugendgruppen. Demnächst soll eine Diskussion dieser Gruppen über die Frage stattünden. welche Aufgaben von den jüdischen Jugendvereinen gemeinsam gelöst werden können. Im Anschluß an diese Aussprache sei die Gründung eines Jugendringes beabsichtigt. In Verfolg des durch Dr. Flegenheimer erstatteten Berichts über eine Sitzung des Kleinen Rates entspann sich eine Aussprache über die Richtigkeit des vom Vorsteheramte an den Oberrat erteilten N'achberichtes über die Entschließung. Frauen das Halten von Nachrufen auf dem Friedhof zu gestatten. Aus den weiteren Mitteilungen des Kleinen Rates ist hervorzuheben, daß der Kaufvertrag über den jüdischen Friedhof auf dem Steinhaldenfeld vom Gemeinderat bestätigt worden ist. Ein Antrag Eduard W'eils, Mittel für einen Wettbewerb zur Erlangung von Plänen für den Neubau des Gemeindehauses bereitzustellen und eine neue Bauabteilung im Vorsteheramt zu bilden, welche die notwendigen Vorarbeiten für diesen e ventuellen Neubau vorzunchinen hat. wurde nach einer Aussprache, an der sich der Antragsteller. Dr. Flegenheimer, Dr. Tänzer. Karl Levi und der Stadtrabbiner beteiligten. einer Kommission überwiesen, die aus Karl Levi. Ebstein. Weil, Meyer und dem Stadtrabbiner bestehen soll: sie soll die baulichen Verhältnisse des Gemeindehauses prüfen und Vorschläge zur Beschaffung neuer Räume für die Zweckedes Gottesdienstes, für die Schule und für Büro machen. Ein Antrag der Israelitischen Religionsgemeinschaft, die den Neubau eines Gotteshauses plant, soll, nachdem ein weiterer Naehberieht zu dem Antrag in Aussicht gestellt worden, zur Vorberatung der Finanzabteilung zugew iesen werden. Eine Anfrage über die Zuziehung der vom Stadtverband des W'ürtt.- ilohenz. Landesverbandes des jüdischen Frauenbundes vorgeschlagenen Frau Ida Marx. Cannstatt. zur Jugendabteilung der Gemeinde wurde, nachdem sich fast alle Mitglieder zur Frage geäußert. dahin entschieden, daß bei den engen Beziehungen zwischen Cannstatt und Stuttgart auch Cannstatter Frauen zu den Kommissionsberatungen des Stuttgarter Vorsteheramtes zuaezogen werden könnten. Auf eine Anregung Eduard Wc-ils sollen von jetzt an die Austritte aus der Gemeinde nicht wie in der letzten Nummer der Gemeindezeitung unter den ..Familiennachrichten". sondern als amtliche Bekanntmachung des Vorsteheramtes veröffentlicht werden. Auf die öffentliche Sitzung folgte eine nichtöffentliche Beratung. Stuttgart. De r deutsch-jüdische VV anderbund K <■ in e r u d e n". Ortsgruppe- Stuttgart, verunstaltete ain I >. Januar im l.andesgew erbemusemn eine gut besuchte Morgenfeier. Nach einem Trio für zwei Geigen und Klavier, von Mitgliedern des Rundes klangschön vorgetragen. begrüßte E r n s t Sänger die Vertreter der jüdischen Körperschaften, der Presse, die Delegierten der Stuttgarter hündischen Jugend und erteiltesodann Ministerialrat Dr. Otto H i r s ch das Wort zu seinem Referat über „Die \ u f g a b e n der j ii d i s ch c n J u g e n d". Für die heutige Jugend, so führte der Redner ungefähr aus. hat das Leben seine frühere Selbstverständlichkeit verloren. Die wirtschaftliche Existenz jedes Einzelnen ist aufs schwe rste erschüttert und der selbstverständliche- Imurgc-oise Idealismus ze rbrochen. In diese von Grund auf veränderten Verhältnissesieht sich die Jugend ohne Vergleiche aus eigener Anschauung hincingestellt. So lebt die Jugend nicht mehr den großen Zeiträumen, sondern dem A u g e n b I i ck und will, frei von den Bindungen der Vergangenheit. ihren Mann stellen. Durch diese Neuorientierung gewinnen auch die Erscheinungsformen des Augenblicks Technik. Sport — für die Jugend einen besonderen Wert. Neben der Erkenntnis für die Bedeutung des Wirtschaftlichen ist die Jugend auch von gegenseitiger Hilfsbereitschaft durchdrungen, woraus sich auch die V ielzahl der Jugendbünde erklärt. Ueber dem Augenblick darf aber die Verantwortung nicht vergessen werden, und. bei aller Bedeutung des Wirtschaftlichen, muß die Jugend wissen, daß der Mensch nicht um der Wirtschaft willen lebt: sie - 300 - muß sich die F reiheit des Geistes als Glied einer individuell, aber sozial betonten Kulturgemeinschaft des Westens erhalten. Damit hängt die Veredelung des Kampfes und die soziale- Mitarbeit der Jugend eng zusammen. Für die deutsch-jüdische Jugend ist ..Laßt Euch nicht entdeutschen!“ ebenso Parole wie die Forderung ..Laßt Euch nicht entjüden!“ Es ist notwendig. •Deutschtum und Judentum in ..überwölbender Synthese“ zu verbinden. Das so oft als veraltet hingestellte Judentum birgt die Einheit, der man zum Ausdruck verhelfen muß. — Die klaren und bedeutsamen Ausführungen des bewährten Redners fanden stürmischen Beifall. — Anschließend sang eine ..Kameraden“-Gruppe ein Wanderlied, dann folgte der mit Spannung erwartete Bundestagfilm. der von dem frischen und gesunden F'aJirtengeist des Bundes ein überzeugendes Bild vermittelte. Man lernte das Lagerleben der „Kameraden“ in seiner ganzen Fröhlichkeit und jugendlichen Selbstverständlichkeit kennen und freute sich an den herrlichen Naturaufnahmen. die das Geschehen in symbolischer Weise untermalten. Damit schloß die Morgenfeier der Stuttgarter „Kameraden“, auf deren Verlauf die wackeren jungen Menschen mit Recht stolz sein dürfen. H. St. Stuttgart. Die am 3>. Januar stattgehabte Mitgliederversammlung des „V cr e i n s für j ü d i s ch c* G e m e i n d e u n g e I e g e n - beiten" wurdedurch den Vorsitzenden Joseph S ch vv a r z s di i I d mit einer würdigen Trauerkundge-bung für die im Laufe des letzten Jahres gestorbenen Vereinsmitglieder eingeleitet. Mit herzlichen Worten gedachte hierauf der Vorsitzendedes 70. Geburtstages von Max Wolf, indem er dem vorbildlichen Wohltäter aller Armen und Kranken noch viele Jahre gesegneten Wirkens wünschte. Der nunmehr erstattete Jahresbericht gab ein Bild von der Tätigkeit des Vereins. Zu allen. Gründliche Handelskurse (Buchführung, Stenographie, Maschinen- Riehtig-SchAnschr eiben) 37jähiige Praxis Handelsschule Paul Vogel Frledrlchstrafto 13, Telephon Nr. 25887 die Stuttgarter Gemeinde betreffenden Fragen wurde Stellung genommen, insbesondere zur Tallithfrage. Hierzu bemerkte der Vorsitzende, daß, nachdem nun die Erlaubnis des Tragens des Gebetsmantels bei Schacharis gestattet worden sei, man ganze Sache machen und die unbeschränkte Erlaubnis geben sollte. Kurz wurde auch die Frage des Aufhebens der Thoraspenden berührt. Die Wohltätigkeitsvereine könnten die auf sie fallenden Beträge nicht entbehren. Dic- Armen würden durch den beträchtlichen Ausfall stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Nur wenn für einen gleichwertigen Ersatz (cirka 15 000 Mk.) gesorgt würde, könnten sich die Vereine mit dem Beschluß des Vorsteberamts einverstanden erklären. Eine rege Tätigkeit entfaltete der Verein bei den Wahlen. Dievon ihm gemeinschaftlich mit dem liberalen Verein und dem Frauenbund in Vorschlag gebrachten Kandidaten wurden gewählt. Der Bericht des Vorsitzenden wie auch der hierauf vom Kassier F 1 e u r s h e i in e r erstattete Kassenbericht gaben ° zu keiner Beanstandung Anlaß und wurden mit dem Ausdruck des Dankes für die geleistete Arbeit zur Kenntnis genommen: dem Kassier wurde Entlastung erteilt. Bei der nun vorgc-iioniinc-nc-ii Neuwahl des Ausschusses w urde der bishe rige Ausschuß durch Zuruf wiedergewählt. An Stelle des eine- Wiederwahl ablehnenden Simon K r u u t k o p f wurde* S i e g m ii n d Göttlich gewählt. Fän Glanzpunkt des Abends war der instruk- CANNSTATT Damenand Herren-Frisier-Salon CANNSTATT Alfons Frey ttomöopathlsdie Zentralapotheke Hofrat II. mayer Cannstatt, WaJbUngerstr. 7 Einzige rein iionttopatliisdie Apotheke Württembergs üsl Vorbeugungsmiftel gegen Grippe and Halserkranknngen Drogerie E. Uegele, Königstrasse 46 Fische, Wild, »glich ■ Mnaai frisch gsschlschteies u. geschichtetes QtflDgsl - Lieferung frei Haus HohenstaufenstraBe 24 - Lager KarlstraBe 46 Fernruf 50681, Malermeister W. 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