Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 22 (18.2.1930)
- Date
- 1930-02-18
- Page
- Seite 296 (sequence 4)
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296 Bankcommandite Siegmund Weil HMMH, ailllt. ,« »(TifcnUetnl , T«L »8344/4» HECHINOEN / TÜBINGEN z SIQMAK1NQEN In' u. ausL Wertpapiere z Einlagen zu gOnst. Zinssätzen / Industrie'Kredite / Hypotheken <i,-„ <1 ritten W cllkoriffn-n/ müsse >I>»r deutsche l.ilici.ili'imiN hier noch Fort-chritte erzielen im (.emriiulrlehen. damit wir /ii d>» deutschen Brüdern al» zu Führern aufsehaeien können. liiihhi Di. Lrarl Mattuch. I.ondon. gibt in engli-ihi'i Spiadti- » iner Genugtuung über den Geist iinli'di-religiÖMT Reuai'sanc e Ausdruck, der die-e \ ei-.immliing beseele. Erwünscht Abkeln V.,,1 ilei der Geschuhte angehörenden \poh>gie des I.ibernli-nni-. der es nicht mehr Iiölig lialie. seine I ebensberechtigmig im Rahmen des Judentums und seine Liehe zu wahrer jüdischer Tradition immer uieder unter Beweis zu -teilen. Da- Motto des Judentums -ei die Wahrheit ( liatam hakados<h bariuh hu eineth) und die Freiheit rawndaj Ir, in weh» awadim laawadini'.’ Keinen Kampf gegen die Orthodoxie will der 1 tlx-rali-uiuführen, sondern ein Stützpunkt -ein iu der \rbeit für die Wiederbelebung der Religion überhaupt. Dir t «emeindealteste. Direktor Dr. h c. Klee mann, zeiihnet die ..Richtlinien für liberale Gemeinden! heit". Die Zuhörerschaftfällte seine Ausführungen als den programmatischen Auftakt für die-Sammlung des Liberalismus im kommenden Gemeinde- und I .andesc erbundsw ahlkaiupf auf. zumal -ich der Redner ausdrücklich auf einen ihm zur Aufstellung dieser Richtlinien erteilten Giftrag berief. Auf religiösem Gebiet fordeite er unter lebhafter /»Stimmung der Versammlung die. Erhaltung der Finheitsgemeinde unter voller Wahrung der (deichberechtigrrng und ihn Redürpii"f religiöser Minderheiten, die I 'fassiing jedejüdischen Kindedurch jüdisilieti I nterriiht. Vu-ge-Ialtung ileliberalen < .otti 'ilii ii-ti-s nach religiösem Gei't und Krnpfituh n niodernei Mensihen unter Vermehrung dir deutschen Gebete. Mihaltiing religiöser I■ eier-ninden auch am Sam-Iag. auf sozialem G< Inet Vii'bau der Wohlfahrt-- und Krankenpflege irr /usunmicrinibeit mit Staat und Stadt, sozialere Stem i-taffelung. I örderung iler Jirgeiidbew gung. "Schaffung ton ..Gemeindehäusern". Ausbau der *<telleu\ermittlutig. Vb-clraffung aller Ka-ua- In re |. tner I iri'iellung der Gemeinde im Kampf In - (•ieiihbeti ditigung und \bvvehr und Schafluuic > ru, - k .!!vo||,-u Reichs»,'rbancleal- <-> -ou to, I^a 1. s i'ion ,1er deut-dien Juden. o.i’11.iei Dr. -»digmaun. fiankfurt a. Main, n - »f zur Erhaltung der Einheit de- Juch IIr * r n: - ii.-i: iit-iii vom Midiasdi erzählten .Beispiel ih r i.ikob- Siltne. die ,h in ihn- /wietracht be- :urd tr-nden \ ater einhellig da- ..Schema JisrocT* zu tiefen. D.r- Judentum kann aber von der Ideeallein nicht erhalten werden. I nd wenn wir am I rnle (h - \ ersohnlingstages da- ..Schema" mit letzter Kraft jubeln, -o bekennen wir mehr als eine ethische Idee: unsere Kitlheit mit den Ge -ihleihtern der X ater und der jüdischen Zukunft, mit dem ganzen Judentum al-o. dem ganzen Judentum aber auch unseres Geschlechts, dem physischen Kelal Iisroel. Diesem und dem alten und dem Zukunftsjiidentum dienend, wird aus der Weltvereinigung des liberalen der Bruderbund des ganzen Judentums werden. Dieses Bekenntnis zu Einheit und Kelal löste begeisterte Ovationen der Versammlung aus. Chefredakteur Woyda und Bankier Wilhelm Graetz fordern größere Lebensnahe des Judentums auch "im Geistigen. Das Judentum müsse wie alle Religion wieder aus einer Festtagss|X‘ise der Satten zu einem Regulator und Prüfstein aller Lebensfragen der modernen Mensdiheit werde«, dabei fußend auf seiner großen Geschichte. So müßten die von anderen übernommenen urjüdisdien Ideen der Bodenreform, der sozialen Verantwortlichkeit usw. (Sabbath. Scheinittah. Jo well wieder verlebendigt und die Note des Judentums wieder rein zur Geltung gebracht werden im Konzerte der Nationen- und Geisteskämpfe. Prediger Dr. Lehmann zeigt, wie die Propheten die Mensdiheitsidee an den Phänomenen des Armen und des Fremdlings ausgebildet haben. Hier gelt.e os wie'deranzukniipfen und den jüdischen Lmiversalismus wieder herauszuarbeiten, entge gen engherziger Nationalisierung unserer nur um einer Idee willen lebenden Gemeinschaft. Rabbiner Dr. Vogel stein. Breslau, sieht im Liberalismus den einzigen Bürgen der jüdischen Zukunft und mahnt, nicht zu resignieren, sondern die Lebenskräfte des Judentums zu pflegen und zu nutzten. Der GeneraI.sekretär der liberalen.Vereinigung. George Goetz. erblickt die dreifache Aufgabe des deutschen Liberalismus in der Anknüpfung an die Tradition (Beispiel: liberale Svnagogen Norden. Westen und Osten) Gewinnung der Indifferenten durch Schaffung neuer jüdischer Kult- und Ausdrucksformen und Heranführung des Gemeindelebens an die Fragen des modernen Lebens. Auch dieser Redner erklärt feierlich, daß kein Liberaler an eine Verkümmerung der religiösen Rechte der Gesetzestreuen denke. Der Liberalismus verlange nur für sich das Recht, seine jüd. Eigenart voll auszuleben. Die Versatnmlung klingt in Dankesworten von Kammergerkhtsrnt Wolff an die ausländischen Gäste und die Verbandsleitung aus. ]üdisdie Jugendvereine und Gemeinde. ln mehreren jüdischen Großgemeinden Deutschlands sind in den letzten Jahren Bemühungen im Gange, eine Form für die aktive Beteiligung der Jugend an der Gemeindenrbeit zu finden. Besonders-bemühen sich die Jugendbünde und -Organisationen selbst, die sich — bis auf die z. T. selbständig geblielienen Sportverbände — für die gemeinsamen jüdischen Aufgaben vor mehreren Jahren überparteilich in dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Deutschland- und in mehreren Lanclesausschü-sen zusammengeschlnssen haben, darum, in die Verantwortung für die Jugendarbeit der Gemeinden mit hi nein bezogen zu werden. Diese Entwicklung ist in deu verschiedenen Gemeinden verschieden weit fortgeschritten. In Hamburg, wo vom Jugendamt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde im „Gemeindehaus** ein Jugendheim mit zwölf Klubräumen und einem Vortragssaal der Jugend zur Verfügung gestellt worden ist, gehören dem Jugendamt mehrere Vertreter des Landesausschusses der jüdischen Jugendverbände Hamburgs mit Sitz und Stimme an. In Breslau steht man davor, eine gleiche Regelung zu treffen. In Köln, wo seit einiger Zeit ebenfalls ein reich ausgestattetes Haus von der jüdischen Gemeinde den Jugendbünden zur Verfügung gestellt worden ist. sind die Bünde gleichfalls im Vorstan.de des Jugendamtes der jüdischen Gemeinde vertreten. In mehr oder weniger ausgeprägter Form sind ähnliche Erscheinungen oder Entwicklungstendenzen in den meisten größeren jüdischen Gemeinden Deutschlands zu verzeichnen. Diese Entwicklung hat ihren Antrieb in einer verstärkten Aktivität der organisierten jüdischen Jugend, die insbesondere» auf den in den Arbeitsbereich der jüdischen Gemeinden gehörenden Gebieten der jüdischen Sozialurbeit. Jugend wohl fahrtspflege 'und Bildungsurbeit zum Ausdruck kommt. W ährend die überparteiliche Zusammenarbeit der Jugend iu der Sozialurbeit und Jugend Wohlfahrtspflege schon seit Jahren besteht, macht sich die Tendenz zur überparteilichen Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Bildungsarbeit erst in den letzten Jahren geltend, mit dem Erfolge, daß an mehreren Orten nach dem Vorbild der jetzt länger als ein Jahr mit finanzieller Unterstützung der Jüdischen Gemeinde bestehenden Berliner Schule der Jüdischen Jugend, oder doch in ähnlicher Weise überparteiliche, auf freiwilliger Teilnahme aufgebaute Stätten jüdischer Jugendbildung entstanden sind oder geplant werden: so in Frankfurt am Main. Stuttgart. Leipzig. Kassel. Königsberg usw. Die Frage der Hinzuziehung von Jugendvertretern in die offiziellen Gemeindegremien ist jetzt auch zum erstenmal für die Jüdische Gemeinde Berlin akut geworden. Die Reprüsentanten Versammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin hat in einer ihrer letzten Sitzungen ein neues Statut des Jugeudpflegeausschusses angenommen. das ihr vom Gemeindevorstand vor gelegt worden war. Diesem neuen Statut zufolge müssen dem Jugendpflegeausschuß. der aus etwa 2fr Mitgliedern bestehen soll, jeweils mindestens 13 Jugend Vertreter mit Sitz und Stimme angehören. Der Jugendpflegeausschuß der Jüdischen Gemeinde Berlin hat nach Abtrennung, aller in das Gebiet der Wohlfahrtspflege gehörenden Arbeitsgebiete und ihrer Abtretung an das Wohlfahrtsamt drei Dezernate zu verwalten, für die ihm je ein Dezernent verantwortlich ist: Das Dezernat Sport, das Dezernat Jugendbewegung, kulturelle und geistige Jugendarbeit, und das Dezernat Jugendpflege für schulentlassene Jugendliche. In dem F.tatvoranschlag der jüdischen Gemeinde Berlin für das Jahr 1930 ist für die Bedürfnisse dieser drei Dezernate ein Budget- >»osten von c a. 73 000 Mk. eingesetzt (J. J. A). 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