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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-12-01 · 17 (1.12.1929) · p. Seite 237

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
17 (1.12.1929)
Date
1929-12-01
Page
Seite 237 (sequence 5)
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daß es sich für die spätere» Bersammlungen empfiehlt, weniger -eschichtSphilosophisch« und religimSwissenschastliche Fragen zur Debatte zu stellen, als vielmehr über Erscheinungen des politischen und wirtschaftlichen Gegenwartslebens in ihrer Beziehung zur Judenfrage zu sprechen. Vielleicht empfiehlt es sich auch für weitere Versammlungen, die gegnerischen Redner auch dann sprechen zu lassen, wenn sie offenbare Unrichtigkeiten vortragen. Es ist ja in einer solchen Aussprache Gelegenheit gegeben, diese unrichtigen Auffassungen richtig zu stellen und so erziehlieh auf dm Gegner einzuwirken. „Das Problem jüd. Gegenwart. Ein Bortrag von Le. Kerl Lieblich. Wenn Tr. Karl Lieblich mit seinem letztjährigen Referat über Judenhaß als Judenschicksal" die biologischen Beziehungen zwischen Antisemitismus und jüdischem Beharrungsvermögen untersuchte und zu der Schlußfolgerung kam, daß der Judenhaß gleichsam der Katalysator jüdischer seelischer und geistiger Aktivität ist, so kam es ihm in seinem am 19. November gehaltenen Bortrag über „Das Problem jüdischer Gegenwart" daraus an, den Sinn dieser jüdischen Gesamtexistenz aufzuzeigen und ihre Bedeutung für die Menschheit darzutun. Wer den ersten Bortrag Dr. Karl Lieblichs gehört hatte, konnte sich denken, daß der Referent diesen Sinn des jüdischen Daseins nicht aus jüdisch-religiöser Perspektive heraus klarlegen, sondern wiederum alles Geschehen aus den Kollrktivgesetzen der Naturwissenschaft ableitcn und begründen würde. Dies erfolgte denn auch mit der ganzen dem Referenten eigenen gedankliche» Klarheit, gepaart mit einer dichterischen Sprache, die als solche schon den Bortrag zu einem ästhetischen Genuß machte und die Hörer aufs stärkste in ihren Bann zog. Was an dieser „Naturgeschichte des jüdischen Volks" besonders anzog, war die Darstellung der Wechselwirkung zivischen Juden und ihrer jeweiligen Heimat. Im ersten Bortrag schilderte Dr. Karl Lieblich diese Wechselbeziehungen nach der negativen Seite: überall, wo di« Juden nach der Zerstreuung seßhaft zu werden versuchten, standen die Böller bald gegen sie aus; und dennoch, oder gerade deshalb: stärkste jüdische Geschlossenheit, wahrevolklicheGröße. Diesmal beleuchtete er di« geschichtlichen Ereignisse von der anderen, nämlich von der für „die Landsassen" positiven Seite: überall, wo Juden in der Diaspora auss neue friedlich zu siedeln hofften, wird ihr Dasein zur Hefe, di« den trägen abendländischen Teig zum Gären bringt und «ine kulturelle Blüte von oft größtem Ausmaß zeitigt. Juden dringen mit den Römern nach Deutschland vor, siedeln sich an — und die Grundmauern des karolingischen Imperiums entstehen; Juden siedeln nach ihrer Beitreibung aus Deutschland in Spanien — die iberische Halbinsel blüht aus. Das Schicksal wirst sie von dort nach den Niederlanden — ein geknechtetes Bolt wirst die Fesseln ab, Spaniens -- 237 - Macht wird gebrochen, der niederländisch« Kleinstaat entwickelt sich zu einem in der ganzen Welt beachteten Kulturzentrum. So geht es durch die Jahrhunderte und nun kling in der jüdischen Gemeinschaft der Gegenwart der Ruf „ffioju?" Wozu diese« Ahasverdasein, wozu Nit und Tod, Schmach und Bedrückung, Segen und ssluch — wozu diese „Befruchtung des ganzen Abrndl indes mit dem stärksten Samen des Morgenlandes, mit semitisch.hebräischen Geist von Jahrtausenden gezüchtet?" Dr. "Karl Lieblich bleibt die Antwort — aus seiie Weise — nicht schuldig. Er gibt sic — ungemein bildhaft — aus einer Drrigliederung de« jüdiften Individuum«, aus unserem „Wesen", unserer „Ahnung", und unserem Begreifen des historischen Weg >. Aus dieser Dreiheit bestimmt Dr. Karl Lieblich die „Raumform unseres Eigenkörpers" und entwickelt ans ihr di« naturnotwendige Bedingtheit unsere» Seins, das letztendig — Sendung ist. Als Volk des Ostens sint die Juden ein Bolk der .Weisheit" — eine Gemeinschaft, in der die seelische Schwingung den Berstandsmecha, ismus des Sinnlichen übertönt, deren aus der Tiefe kl ngende „Ahnung" aber mahnt, nicht die Gerade, als kürzeste Strecke zwischen zweti Punkten, sondern den Weg zwischen den Polen zu gehen. Und vor den 1 oren Kanaan» wird den Kindern Israel aus Mos s Munde die „Ahnung" des späteren Zerstreutseins, und als unverlöschbares Erbgut klingt diese« Wissen um die Zukunst wie Posaunento» aus Israels Pro »Heien. Das Bolk verläßt di« Heimat, di« Böller ne Men es aus. . . „einzigartige, gnadenverfluchte Wirkl chkeit". Und wie hat Israel „sein Pfund unter den Psunden der Völker bisher verwaltet?" Warum mußti das Bolk aus friedlicher palästinensischer Seßhastigke t hinaus in die friedlose Welt? Dir Beantwortung bii ser Frage — eingangs schon von uns angedeutet -- führte die Hörer mitten in die Gegenwart. Auch sie wurde vom Referenten aus der naturwissenschaftlichen Perspeltive gelöst und stellte den Hauptteil ßes grcßangclegten Bortrags dar. Ter Kosmos ist ein nach inneren Gesetzen geordnetes Ganze, eine Einheit, durch gesetzmäßiges Gleichgewicht bedingt und gehalten, l iingeschlossen in diese kosmische Harmonie dreht sich die Erde im All mit allen ihren Lebewesen; jeder Plan: t ist bedingt durch den anderen Wandelstern, jedes organische Wesen gesetzmäßig gebunden an di« Existinz de» anderen. Und in dev Welt schwingt eine Wige, deren Schale mit Weisheit bald sinkt bald steigt, und im Ehor der Böller klingt bald dir „kluge" Stimne des Westens, bald der ostische Rus der „Weisheit", inneren Gleichgewichts Ewiger Ausgleich, ewiges Gesetz — Beharrungsvermögen durch tontitiuierliche Bewegu ig. In dieses Spiel der Kräfte tritt das gereiste Bolk im Konzert der Mens sührer" dirigiert. Aus zigartigc, Einmalig« den Völkern der Welt l/thitet tXummMny Cangastr. 15 le!e£29667 Braunschwelger Gemüsekonserven neuer Ernte sind eingetroffen Kt Dom Leipziger Allerlei. LOS Jnnge Erbiea mit ge lehn. Karotten.. .0.90 Junge Erbten. 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