Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 17 (1.12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 236 (sequence 4)
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- 236 - Gründliche Handeltkune (Badrfthraat, Straofrapkie, HiKUin- Rlditif-ikfcSnadueibea) 31JUil(c Praxis Handelsschule Paul Vogel Friedrichstraße 13 ) Telephon Nr. 25997 ler Redner bot dann einen kurzen Rückblick aus die Geschichte der bürgerlichen Gleichstellung der Juden und skizzierte die ersten Regungen des Antisemitismus in leutschland während der Stöckerbewegung. °Er kennzeichnete dabei die sür das deutsche Vaterland bedeutsame Tätigkeit 'der jüvischen Parlamentarier Lasker und Bamberfter, die durch ihre Tätigkeit am besten die' Sinnlosigkeit der antisemitischen Bewegung nachwiesen. llnbesricdigende wirtschaftliche Berbältnisse haben von jeder die breiten Massen zur Judenfyndschaft gereizt. Sie suchten und sanden in den Juden de» Sündenbock sür alle betrüblichen Erscheinungen im Vaterlande. Aber neben dieser wirtschaftlichen Begründung des Judenbasses ist in der Gegenwart seine rassenmäßige Begründung besonders hervorgelrelen, obwobl es eine semitische Rasse eitfriulKk nicht gibt, da semitiscki und arisch nur sprachwissenschaftliche Ausdrücke sind. Tie Juden >ind ebenso wie die Teutschen keine rassenreine Gemeinschaft, sondern typische Misch volter. Aber selbst, wenn man von einer Rassenrcindeii der Juden sprechen wollte, so ist die Vererbungswissenschaft, die Lebre von den rer>roien Rasieneigenschaiten, wissenschaftlich sehr stark ui beckveisel» Gehören doch auch zur dem schen .stlilkurgeiueinschaft zahlreiche sicher nicht germanische Bolksieile. Deutsch ist, wer j e ii i' di spricht u n d deutsch denkt. Das tun aber oft deutschen Juden vollinhaltlich, sodaß die deutsche >lultur ihnen sehr viel verdankt. ln- Redner verliest statt des eigenen Urteils über di> aniisemiliichen Jübrer deren vernichtende Urteile übereinander. Er keMzeschikek-ttrtt gulent Humor Persönlichketten wie Reventlow, Hitler, Fritsch u. a. Er schließt seine Darlegungen mit dem Appell, aus vaterländischen, aus außenpolitischen, aus moralischen und aus christlichen Gründen den Anttsemitismus zu bekämpfen. Rur die Zusammenfassung aller Kräfte kann Deutschland aus seiner gegenwärtig schweren Lage erlösen. (Langanhaltender lauter Beifall!) Stadtpfarrer Lamparter dankte dem Redner für seine Darbietungen, die er nur durch bescheidene Aussührungen ergänzen zu wollen versprach. Es lag ihm als Geistlichen am Herzen, die bibelfeindliche Einstellung des Nationalsozialismus und ihre Hinneigung zur Wotanreligion zu brandmarken. Er fand dabei begeisterte Worte sür die unermeßliche Bedeutung des Alten Testamentes für die Kultur der Menschheit und besonders des deutschen Vaterlandes. Die heute so hoch gepriesene altgermanische Weltanschauung und. Religiosität ist in wesentlichen Teilen sehr bedenklich. Erst das Christentum hat die sittlichen Gedanken in die altgermanische Mythologie eingesührt. Gerade in der' Edda läßt sich der unmittelbare Einfluß der christlichen Sittenlehre mühelos Nachweise». Das Christentum hat von dev Germanisierung seiner Gedankenwelt keinerlei Förderung zu erwarten. Seine heiligen Quellen bleiben das Alte Testament und seine Fortführung: das Reue Testament. Auch diesem Redner zollte die Versammlung herzlichen Beifall. Seine tiesreligiösen Darlegungen wie die strenge Wissenschaftlichkeit seiner Gedankensührung, wären imstande gewesen, auch den Gegner zu überzeugen. Aus die Fragen, die ein anderer Diskussionsredner (Heberte) gestellt und die sich im wesentlichen aus Gegenwartserscheinungen bezogen, antworteten die beiden Redner des Abends. Tr. Gothein fand die lebhafte Zustimmung der großen Versammlung, als er die Sklareks als Verbrecher charakterisierte, deren unsittliches Tun gerade von jüdischer Seile einmütig verdammt würde. Dabei erinnert«!''er daraii, daß rin sMfl scher Magistratsbeamter (Perl) die Aufdeckung deS SklarekschwindelS veranlaßt und daß Kommerzienrat Bamberger schon vor Jahren den Berliner Magistrat vor einer geschäftlichen Verbindung mit den Sklareks energisch gewarnt hat. Er schilderte dann nicht ohne Humor den Antisemiten Wilhelm Bruhn, den Herausgeber der „Wahrheit" als den Busenfreund und Förderer der Gebrüder Sklarek. Die Antisemiten haben keinen Grund und kein Recht, die Juden sür die verbrecherischen Handlungen einzelner Schädlinge verantwortlich zu niachen. Ebenso wies Tr. Gothein es weit ab, die Juden für die Entstehung und Entfaltung der Warenhäuser verantwortlich zu machen. Die ersten Warenhäuser sind von Christen in Frankreich geschaffen worden. Tie deutschen Warenhäuser sind fast ausnahmslos Aktiengesellschaften, an denen christliches und jüdisches Kapital in gleichem Maße beteiligt sind. Wenn die Ehrfurcht vor dem Rechte unter den Nachwirkungen des Krieges und der Jnslationszett bedauerlich nachgelassen, so seien die jüdischen Rikhter an dieser beklagenswerten Tatsache sicherlich nicht schuld. Er stehe auf dem Standpunkte: gleiches Recht sür alle, aber auch gleiche sittliche Verpflichtung gegenüber dem Baterlande und der Gesamtheit! Stadtpfarrer Lamparter ergänzte diese Erklärungen in dankenswerter Weise, indem er vor allem die religiösen Einwendungen des nationalsozialistischen Gegners widerlegte. Auch der heutige Abend habe es jckem Vaterlandsfreunde offenbart, wie notwendig die Abwehr antisemitischer Angriffe im Interesse der Volksgemeinschaft ist. Er schloß den Abend mit nochmaligem Tanke an Reichsminister Tr. Gothein. Trotz der unfreundlichen Störungen, die den Verlauf des Abends beeinträchtigten, darf die Veranstaltung als eine überaus wertvolle im Dienste der> Aufklärung und der Ausgleichung der Gegensätze bezeichnet werden. Das Auftreten der Nationalsozialisten an diesem Abend zeigte aber. MaP klill-Eisenbahnen Mäf*klifl "Metallbaukasten Jü* i: Für den Weihnachtstisch! BÜRSTEN Blocker, Tfirvorlagen, Kämme, Schwämme, Seifen, Parfüme' rien, Rasier- und Reiseartikel Drucksachen in guter Ausführung bei billigster Berechnung fertigt BUCHDRUCKEREI ' zu Originalpreisen bei -HUK Blumhardt /“£“„* Verlangen Sie unseren Katalog I CARL LANGBEIN Stuttgart, Neue Brficke 2 (Eing. Hirschstraße), Fernsprecher 25487 ARTHUR SCHNEIDER Stuttgart, Heusteigstr. 94a Fernsprecher Nr. 70936 FOTO-OHLER tObingerstr. 20, tel. 200 81 FOTOS Industrie / Reklame / Portraits Erstklassig Preiswert Fernsprecher 40379 StöckachstraBe 11 Jateema*.e*n'rr V-- Stuttgart s Ausverkauf 10 -30°/o Rabattl zur Reduzierung des Lagers wegen Geschäftsverlegung in UHREN H. 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