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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-11-16 · 16 (16.11.1929) · p. Seite 222

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
16 (16.11.1929)
Date
1929-11-16
Page
Seite 222 (sequence 2)
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- 222 - SMMVL ■TrMrriTir / TULSSS44/4S HECHINQEN / TÜBINGEN / SIGMARINGEN lnu. ausl. Wertpapiere / Einlagen za günst. Zinssätzen / Industrie-Kredite / Hypotheken birfnt Fragen, dann ist der Entfremdung vom Judentum schon wirksam vorgebeugt. Das Interesse der Gemeindemitglieder kann auch durch ^astpredigten, durch Vechreitung jüdischer Li teratur ujw. gesichert werden. Tann aber muß das Borsteheramt einen positiv jüdischen Standpunkt selbst einneh men. Es muß, um den Fortschritt nicht zu unterbinden, auch einmal gegen eine Minorität eine Entscheidung treffen können; es muß das Bewußtsein baben, daß es wohl an der Spitze , einer liberalen Gemeinde steht, darf aber nicht - vergessen, daß es eine jüdisch-liberale Ge meinde ist. .Hierher gehört auch die Steilung »ab,re zum Palästina-Aufbau. Turch die Gründung der Iewish Agency ist der Palästina-Aufbau in ein Stadium getreten, das jüdisch-allgemeinverbindlich ist. Auch hier hat sich das Borsteheraml als zu einer jüdischen Frage po- Utiv einzustellen. Alles in allem muß also gejagt werden, »aß das Borsteberainl vom Verwaltung-? lechnijchen Standpunkt aus gesehen vieles, vom allgemeinverbindlichen jüdischen Standpunkt aus aber wenig getan bat. Und deshalb muß in Zukunft ein jüdischer Boden in dieser Körperschaft : geschaffen werden/ damit hie Mühe nicht ver gebens war. An das inhaltlich wie rhetorisch hervorragende, mit stürmischem Beifall bedankte Referat schloß sich eine rege Aussprache an, die von Rechtsan Walt Tr. Merzbacher eröffnet wurde. Seine Ausführungen gipfelten in der Frage, an was die Turchsührung der vom Borredner vorgetragenen Ideen denn gescheitert seien. Im Einzelnen setzte j er sich mit den Anregungen Tr. Tänzers be! züglich der Erörterung parteipolitischer Probleme , mit der Schuljugend und der Frage auseinander, ob die Person des Borstehers von seinem Amte ui Sachen des Palästina-Aufbaus z. B- — so! geirennt werden könne, daß sie sich lediglich dem j | Amte unrerordnet. Hugo Tavidsohn nahm! zur Tallithsrage Stellung und bemängelte,; daß die diesbezüglichen Ausführungsbestimmun-! gen immer noch nicht geschaffen seien. Auch wies j er aus die Möglichkeiten hin, besonders der kauf, i männischen jüdischen Jugend durch das Bor»! steheramt religiöse Inhalte zu vermitteln. Ober-! lehret Adelsheimer knüpfte an die Borschlägt Tr. Tänzers bezügl. des hebräischen Sprachunterrichts an und äußerte hierzu seinen Standpunkt als Schulmann. Tann beschäftigte er sich mit den Ausführungen Tr. Wolfs zur Beamtenbesoldung. Eine heftige Debatte zur Tallithsrage eröjsnete G o t t l i e b, der dem „Gemeindeverein" vorwirft, er habe seine Mitglieder hierüber in keiner Weise unterrichtet; er fordert den Borstand auf, sich zu erllären, wie der „Gemeindeverein" selbst zur Tallithsrage stehe. Joseph Schwarzschild erklärt hierauf, daß die Mitglieder des Borsteheramts, soweit sie dem „Gemeindeverein" angehören, ihre eigene Meinung zum Ausdruck bringen und verwahrt sich mit Karl L e v i dagegen, daß die Borsteher im Voraus irgendwie sich festlegen sollen. Rach Ausführungen von Obersekretär I u * lius Wißmann zur Besoldung der Beam ten erklärte Dr. Feldmann, daß man keinen Vorsteher ein imperatives Mandat mitgeden könne. Er wünscht, daß die neu zu wählenden Vorsteher programmatische Erklärungen geben, insbesondere interessiert ihn die Stellungsnahme der Kandidaten zur Landesversammlung hinsichtlich des Frauenwahlrechts. Auch vermißt er im [ Referat Tr. Tänzers Angaben' darüber, wie die vorgeschlagenen Neueinrichtungen bezahlt werden. Eduard Weil schließlich bemängelt, daß der „Gemeindeverein" seine Mitglieder in Sachen der Tallithsrage nicht gehört habe. — Rechtsanwalt Tr. Wolf und Rechtsanwalt Tr. Tänzer ergriffen anschließend an die Aussprache das Schlußwort, in dem sie sich mit den einzelnen Tiskussionsrednern auseinandersetzten. Ter Punkt 3 der Tagesordnung, „Die kommen« den Wahlen", konnte infolge der vorgerückten Stunde nicht mehr mit der notwendigen Ausgiebigkeit behandelt werden; es ist jedoch zu hoffen, daß die kommende Versammlung de» ,Mmeindevereins" alle hier noch sch web «wen Fragen klärt. Joseph Schwarzschild benannte die vom „Gemeindeverein" und vom »Liberalen Verein" ausgestellten Kandidaten, was wiederum eine Debatte auSlöste. Max Osterberg forderte, von der Versammlung sichllich unterstützt, von den neu zu wählenden Abgeordneten mit Nachdruck programmatische Erklärungen, damit sich die Wähler von den Kandidaten ein Bild machen könnten, und Joseph Schwarzschild schloß »ach Annahme der Kandidaten-Liste kurz vor Mitternacht die Versammlung. Nachstehend veröffentlichen wir die kombinierten Wahtvorfchläge des „Gemeindevereins" und »Liberalen Vereins": Wahl Vorschlag für die Israelitische Landesversammlung. Ministerialrat Ir. Otto Hirsch Ersatzmann: Landgerichtsdirektor Stern Leopold Kahn Ersatz: Frau Martha skops *) Siegfried Kahn, Cannstatt Ersatzmann: Julius Friedmann Dr. Henry Lepmann Ersatzmann: Hugo Kahn Eduard Weil*) Ersatzmann: Oskar Rothschild *) Rechtsanwalt Dr. Heinrich Wolf Ersatzmann: Rechtsanwalt Albert Mainzer ll Frau Charlotte Rosenbusch *) Ersatz: Frau Berta Back Wahlvorschlag für Israelitisches Gemeindevorsteher amt. Arthur Essinger Tr. med. Max Hommel Friedlich L. Kiese Sanitätsrat Ti. Karl Ries *' Eduard Weil *) Ludwig Stern *) H. St. *) neu ausgestellte Kandidaten. Gastspiel der „Habima" im Stuttgarter Schauspielhaus. i. Tie „Habim a" ist wieder gekommen und mit ihr das große, dauernde Erlebnis. Dieses Anläßlich der Neuwahlen für die LandhsversMislung und für das Oemelndewor« steheramt laden wir die verehrlirhen Gemeindemitglieder. Damen u. Herren, zu einer am §amsfag, 30. November, 20 Uhr, im kleinen Saal des Gustav Siegle-Hauses (Leonhardsplatz) stattfindenden Gemeindeversammlung ergelienst ein. Keferäte: 1. Die Aufgaben der Landesversammlung. 1. Die Aufgatien des Gemeindevorsteheramts Mit anschließender Aussprache! l'm zahlreii-he Beteiligung wird gebeten. Verein für )0i GeneMe-AngdegenMelfen Israel. Liberaler Verein Madlverbantf ies!■«. franenbantfs! i l i! > EINLADUNG zu einer Olfenll.VersaiiiBilDDg iiiiitiiitiimiiHiitiiiiiiiiiimtiiHimiRNwitmnnwflmiutiimawinmwmiiiimnMiiiuittimi Montag, 18. November, abends 8 Uhr, im großen Saal des Bürgermuseums, Langestraße 4 B, ncMmslslstcr a.D. Dr. Gothein spricht über: „Ursafflen n. Wesen «es Antisemlflsinns“ * Sladlplarrer a. D. Lamparter spricht über: „Der Anttscmlflsmiis Im Lieble der Religion“ Vereirv zur Äbwehr des Antisemitismus Ortsgruppe Stuttgart Berfliold Vj/ Auerbach-Verein Dienstag, den 19. Novbr., im Saal des Bürgermuseums, Langestr. 4B, abends 8% Uhr, spricht Karl Lieblidi über „Das Problem ffid. Gegenwart4' unter dem Leitwort „Weis . . .TI" Eintritt für unsere Mitglieder und ihre Angehörigen frei; für Niditmitglieder RM 1.— * Dienstag, den 24. November, Stuttgart- Loge, Calwerstr. 33 Hhs., abends 8 % Uhr 5. Heimabend „Die ifidlsdiea Ridüimgei and Parteien“ Ref.: Obersekretfir Julias Wlssssaan Um zahlreichen Besuch wird gebeten Welche ifr. Familie alleinstehenden Herrn in volle BennonGute Bezahlung gemützeieiftet. Offenen unter ®. 43 an die Hemeindezeituiig. Junge» Mädchen sucht sabbathfrri« Haushaltstelle in Stuttgart. — Offerten unter S. 100 an die Gemeindezeitung. /* \ Zahnarzt Dr. Jacobsohn Stuttgart, Täbingerstr. 19 a, Telephon 702 64 hält während des Winters ^Sprechstunden TO bis T und 3 bis 7 Uht^ Damensalon f?r*a!pcr-urdmoderK Pflege / In- und außer dem Hause Frau G. Hammel, Cm***« vermittelt einer Witwe gute Lebensmittel- OffeNen unter P. 204 an die Gemeinde-Zeitung > M. ALBER-GROSMANN Inhaber: E. & G. KLÖSS, STUTTGART Sophienstraße 30 * Feine Handarbeiten - Fachmann. Beratung 121928279^43^52095

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