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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-11-16 · 16 (16.11.1929) · p. Seite 221

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
16 (16.11.1929)
Date
1929-11-16
Page
Seite 221 (sequence 1)
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StotoemBer 1929 9hr. 16 .. ■ > tungstechnische!i Tätigkeit aus allgemein jüdischem Gebiet zu leisten hat- Gewiß, so führte der Aed ner ungefähr aus, das Borsteheramt hat aus dem Gebiet der Verwaltung alles getan, was in seinen Krästew stand; es hat sich bemüht, in der Steuersestsetzm g gerecht zu sein, es hat für die Ausgestaltung des Gottesdienstes gesorgt usw. aber, so fragte der Referent, kann damit der Aus gabenkreis eins» Borsteheramts umschrieben sein? Tas Borstehefamt ist die für die Entwicklung und Erhaltung des jüdischen Gemeindelebens verantwortliche Körperschaft. Und deshalb darf es seine Aufgaben nicht allein in der zwar notwerchigen, über allein nicht genügenden Vers waltungsarbei! sehen. Als Führer der Gemeinde, den das Borsteheramt darstellt, hat es die in ihm liegendes Möglichkeiten und Mittel auszumutzen; es muß über den Parteien stehen und muß .sich in!allem, was es unternimmt, vom Berantwortuntzsgefühl leiten lassen. Etwas p o -s i t i v - jüdisches hat das Borsteheramt nur auf einem Gebiete unternommen: auf dem der Tallithsrage; ihre Erledigung ist die einzige Förderung des jüdischen Lebens von Leiten des Borsteheramtsj gewesen. Aber auch die Lösung dieser Frage war kein ganzer Entschluß, sondern nur ein Kompromiß. Was hat das Borsteheramt noch getan? jEs hat dem Jüdischen Lehrhaus, dem Berthold! Auerbach-Verein, der Jsr. Reli gionsgesellschan, dem Verein „Linath Hazedek", sogar der Universität Jerusalem Beiträge gege den und zu sinem Bortrag von Ministerialrat Tr. Hirsch übtzr die Jcwish Agency mit eingeladen — alles Dingt, die vom Standpunkt einer nicht jüdischen Verwaltung aus genügen. Aber von einem jüdischen Borsteheramt ist mehr zu er warten, nämlich: die Förderung d^es jü dischen Lebens in der Gemeind'e. Was hat das Borsteheramt nach dieser Richtungbin zu tun, was kann es tun? Zuerst sollte es sich dafür eistsetzen, daß unsere Schuljugend die hebräische Spfache nicht nur insoweit erlernt, als sie zum Verständnis der Gebettexte erforderlich ist: notwendig ist vielmehr, daß unsere Jugend die hebräische! Sprache wieder als lebendige Sprache sich rii eigen macht. Tann sollten die Lehrer mit itfreii Schülern regelmäßig über jü dischc Probleme und über jüdische und politische Tagesereignisse diskutieren: alles dies selbstvee stündlich in Anpassung an das Alter und die Anssasiungsgqbc der Schüler. Auch der srvulentlasscnen Jugend hat das Bor steheramt feint besondere Aufmerksamkeit zu ivid men: es must die Jugendorganisationen unter stützen, für «ne gemeinsame Arbeitsbasis der selben sorgen und sich durch einen Jugend Referenten stets' aus dem Lausenden halten. Am diese Aufgabeist zu erfüllen, benötigt das Borste Heramt selbstberständlich die Hilfe des Eltern Hauses, wie die Erwachsenen überhaupt an den Arbeiten desBorsteheramtes und am jüdischen Gemeindelche» interessiert wechen müssen. Beschäftigt sich pie Gemeinde nur erst einmal mit Die Mitgliederversammlung des „Vereins für jüdische Gemeinde- Angelegenheiten". Eine erfreulich große Anzahl von Gemeindemitgliedern hatte sich am 3. November im Bürgermuseum zur Mitgliederversammlung des „Set« eins für jüdische Gemeindeangele genheiten" eingefunden und damit ihr Interesse für wichtige Fragen unseres Gemeindelebens bekundet. Handelte es sich doch an diesem Abend darum, von Seiten des „Gemeindevereins" aus zu den kommenden Wahlen zur Israel. Ländesversammlung und zum Israel. Borsteheramt Stellung zu nehmen und die Persönlichkeiten zu benennen, die für die nun zu wählenden Körperschaften kandidieren werden. Nachdem die letzten Wahlen nur eine ganz geringe Beteiligung der Gemeinde gezeitigt hatten, scheint man jetzt die Urberzeugung gewonnen zu haben, daß es Pflicht jedes Einzelnen ist, seiner Wahl pslicht zu genügen, um damit an den Geschicken der Israel. Religionsgemeinschaft Württemberg mitbestimmend und mitverantwortlich zu sein; die Aussprache wenigstens, die sich an die Referate des Abends anschloß, zeigte eindrücklich, daß die Bedeutung der israel. Körperschaften so wohl für den materiellen als auch ideellen Bestand des württembergischen Judentums in weiten Kreisen erkannt wird. — Ter Borsitzende des „Gemeindevereins", Joseph Schwarzschild, erüffnete die Bersamm lung. Er gedachte mit warmen Worten des kürz lich verstorbenen Gemeindevorstehers Felix Wolfs, zu dessen ehrendem Gedenken sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. Hierauf ergriff Rechtsanwalt Tr. Heinrich Wolf das Wort und gab einen Ueberblick über die Tätigkeit der Jsr. Landesverjamm lung. Ter Rümer erinnerte daran, daß die Landesversammlung als legislative Körperschaft des Landes zwar kein besonderes Interesse für ihre Arbeit gesunden habe, daß aber das, was von ihr geleistet worden ist, der Beachtung wert sei. Während vor Einführung der Verfassung vom Jahre 1924 die dem Kultministerium unterstellte Jir. Oberkirchenbehörde an der Spitze unserer württembergischen Religionsgemeinschaft stand, obliegen deren Aufgaben jetzt der aus freier Wahl hervorgegangenen Jsr. Landesversammlung. Ajenn die neue Verfassung sich, wie man jetzt seststellen kann, gut eingeführt und bewährt hat, so ist dies nicht zuletzt deutschem Ordnungssinn und schwäbischer Beharrlichkeit mit zu verdanken. Auch die vorbildliche Harmonie im Kollegium trug zu dieser erfolgreichen Geschäftsführung bei. Besonders dankte der Redner dem Präsidenten der Israel. Landesversammlung, Julius Rothschild, der durch seine gewissenhafte Amtsführung sich große Verdienste erworben hat. Der Jsr. Oberrat hat den Wünschen der Landesversammlung bcreitwiflig Folge geleistet. Aus ihre Aükegung wurden die alljährlichen Rabbiner« und Lehrerkonferenzen, die Turnusbesuche der Rabbiner, die Pflege der isr. Friedhöfe u. a. eingesührt. Tie Hauptaufgabe der Jsr. Landesversammlung besteht i , der Aufstellung des Haus haltplanes für die Zentralkasse und in der Beschlußfassung über sie Landesumlage. Im Mit^ telpunkt der Etats »eratung aber steht die Gehaltsbestimmung für die Beamten der Jsr. Religionsgemeinschast Württemberg. Hier verbreitete sich der Redner über die Grundsätze und Richtlinien der Besolden gsordnung und zog aus der Gegenüberstellung t er Beamtengehälter von 1914 und der heutigen Besoldungssätze den Schluß, daß die Jsr. Relig onsgemeinschaft Württemberg ihre Beamten entsirechend ihrer Steflung und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage bezahlt. Ter Referent beschäftigte sich sodann eingehend mit dem Steuerproilem, erwähnte die Schaffung eines Betriebsfond i, der bis zum Jahre 1928 eine Höhe von 50000 Mark erreichte, und zeigte schließlich die Methoden der Besteuerung und die aus diesem wichtigen Gebiete neu zu gehenden Wege aus. Zum Schluß be Jsr. Landesversammlung gepslogenen Berhand lungen betr. des Juden" und erklärte men desselben von prach Tr. Wols die in der Reichsverbands der deutschen daß er das Nichtzustandekom sich aus nicht bedauere, da die Verhältnisse hierfür noch nicht reif seien und weil von Berlin e us schließlich nicht alles regiert werden müss. Infolge der Gleichartigkeit der Berhältnisse HUlt er aber eine Bereinigung der badischen und württembergischen Landesor ganisationen für dirchaus begrüßenswert; einstweilen haben die süddeutschen Landesverbände sich zu einer losen! Bereinigung zusammengeschlossen, um wichtige Fragen gemeinsam zu beraten. Verschiedene Antri ge aus Verfassungsänderung wurden von der Zsr. Ländesversammlung abgelehnt. Auch ein Antrag auf Einführung des passiven Frauenwahlrechts fand keine Gegenliebe und kam nicht zur Abstimmung; die neue Lan desversammlung w rd aber nach Ansicht des Red ners sich aufs neu, mit dieser Frage beschäftigen müssen. Tr. Wols befürwortete von sich aus die Verleihung des passiven Wahlrechts an die Frau. Ter Redner schloß sein interessantes, mit großem Beifall ausgenomni enes Referat mit einem Hin weis aus die Mnahme der israelitischen Kopfzahl in Württemberg und konstatierte schließlich, daß trotz der von ilm angeführten negativen Mo mente die Jsr. R;ligionsgemeinschaft Württem berg vertrauensvol in die Zukunft sehen darf. — Joseph Schwarz child dankte dem Redner für sein Referat und die von ihm und den Abgeordneten der Jsr. Landesversammlung geleistete Arbeit und erteil:e sodann Rechtsanwalt Tr. Tänzer das Wort zu seinem Bericht über die Tätigkeit des I s r. B o r st e h e r a m t s. Tr. Tänzer streifte die Arbeiten dieser Körperschaft nur mit kilrzen Worten und stellte in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen das, was das neue Borstvherann neben seiner mehr verwal-. SCHIEDMAYER . P. SohMmayw 13« Kok* Ulrlohsti«*** FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM nanofortatabrtk v. J. u. I STUTTGART, Neokarstrasse isuimuaiNiiuiiHwmtuuttiuiiinjiniiiiiun!^

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