Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 15 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 212 (sequence 8)
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212 - ,Habima"-Szenenbild aus „Der Sdiaiz ■;neit. irftoäit denn auch feü, daß Else Laster Schüler die jüdisch. Dichterin unserer Jei ift.-etÄe 7Cv.i», die sich mit ungewöhnlicher svormglwandt I'tir und künstlerischer ihestaliungskrait mit re l! >iöie» Ziossgebieic» auseinaiiderseyl und sie ,'riqinärer Weise ausdeuiei. Ec- >>1>cini uns aber, daß die ,chichlerische Li die sie selbttventändlich sür sich bean ioruchen pari, Else Lasker Schüler oft vom bib- Ind'!-: ft irischen Vorwurf in einer kaum zuläsiiqcn Weise enisernk und aus biblischen Bildern, über denen heilige religiöse Weihe ausgegossen ist, dichterische.Visionen von manchmal geradezu noieskem Einschlag macht. Immerdini die „6e braischen Balladen" der Lasker Zchüler atmen L>bcn, sind Dichtungen, in denen sich das dramatisch Düstere mit der lichten Weite reli vicicr Sehnsucht in eindrucksvoller Wesse verbindet: in ihnen spiegelt sich die Dichterin: erd und Goticsnähe — Charakter! e: re .Gedichte" aber scheinen UNS zum Teil >ironzeugen einer Lyrik zu sein, die heute nur noch wenig Verständnis findet und finden kann. Vieles in diesen Gedichten — „Meine Mutter', cder „Nun schlummert meine Seele" z. B. iü groß und wahrhaft schön erschaut, reinster Ausdruck einer Geistigkeit, die aus unserer mechanisierten Zeit leider so ganz verschwunden ist. Anderen Dichtungen dieser Gruppe kann man aber kaum solgen. Das Abstrakte läßt sich nun einmal nicht so sinnfällig machen, daß es sür den gesunden Menschenverstand schlechtweg akzeptabel ist. Wird „Nur Geistiges" in der Lasker-Lchüler'schen Gestaltungsart materialisiert, dann beginnt das Verständnis erst mit der sogenannten „Einfühlung", die aber echte Kunst nicht benötigt, um verstanden zu werden. 2o geht man an vielen Gedichten Else LaskerSchüler vorüber wie an den Produkten der expressionistischen Malerei, die an ihrer Problematik letztendig scheitern mußte. Einfachheit und Schlichtheit machen das Werk erst in Wahrheit zum Kunstwerk. Else Laskcr Zchülcrs Gedichte wirken aber vielfach manirien und werden dann erst Wege zur 3«eüe, Bankcammandite Siegmund Weil Mdfftart, HUMr.llllkkHMil , TeL 28344/4S HECHINGEN / TÜBINGEN / SIGMARtNQEN In-u.ausl. Wertpapiere / Einlagen zu günst. Zinssätzen / Industrie-Kredite / Hypotneken wenn sie sich an daS Gegenständliche richten oder aus dem Konkreten quellen. — * * Warum war dieser Abend — der gewissenhafte Rezensent darf es nicht verschweigen — für viele eine Enttäuschung? Vor allem, weil die Lasker «chüler sich selbst liest. Damit erweist sie ihrem Werk einen schlechten Dienst, sind doch die größten Dichter für ihr Eigenes nur darum die schlechtesten Interpreten, weil der sich selbst lesende Künstler gleichsam aufs neue mit dem Worte ringt und sich in unbewußter Lcheu gegen die „Laut"-Werbung dessen sträubt, was im Mysterium des künstlerischen Schaffensprozesses einst tiesinnerst sich von der Leele löst. Das ist eine Hypothese, an die wir aber glauben wo.ien, um der Art und Weise, wie Else Lasker- Lchüler liest, nur einigermaßen freundlich begegnen zu können. Man denke nur an die Karawanen-Ballade „Joseph wich verkauft", eine Dichtung, der ein Ludwig Hardt, ein Wüklner oder eine Driesch hinreißende Wirkung verleihen können. Tie unheimliche Atmosphäre der Wüstenwanderung, die trostlose Weite der sonnenverbrannten windümtosten sandslächen, Josephs kindliches Bangen — alles ist blutwarme, erschütternde Dichtung und verrieselt dennoch in der eigenwilligen, dünnen und manchmal fast peinlich berührenden Art der Lasker-schüler'schen Rezitation. — * Wir wollen lieber Else Lasker-schülers Dichtungen in einer stillen Stunde — ganz mit uns allein — lesen. Erst dann wird uns wieder die Gewißheit, daß sie ein Recht darauf hat, zu den ersten Vertreterinnen zeitgenössischer Lyrik und Prosa gerechnet zu werden. Dem Bert- OTTO Wennberg JUWELIER x STUTTGART STIFTSTR. 6' 7. T£L. 25482 JUWELEN GOLD / SILBERWAREN Auswahlsendungen A. 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