Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 15 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 213 (sequence 9)
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hold Au erha-ch-Verein aber darf an dieser Stelle für seine Initiative gedankt und gleichzeitig darüber der Verwunderung Ausdruck verliehen werden, daß knapp hundert jüdische Menschen sich einfinden —>wenn eine Lasker-Schüler aus eigenen Werken liest. H. St. A cms Hw <y#hmmwHw Stnttßikt. Ber 1 hold AuerbachVerein Am 1. Oktober sprach Konsul Max Strauß über „Paul Natha n". Ter Redner gab einleitend ein Bild von der Familiengeschichte Nathans und schilderte seine Schuljahre, aus die, trotz seines Wunsches zu studieren, ein« kaufmännische Lehre folgte. Erst nach dem Tode des Vaters war es Nathan möglich, in Berlin zu studieren, daneben journalistisch tätig zu sein und seine Doklorarbeit über Rabelais' „Gargantue und Pantagrucl" fertigzustellen. Tann trat Nathan als Mitarbeiter der liberalen „Tribüne" und später der freisinnigen ^Nation" in die Oessentlichkeit. Es solgen dann Reisen nach Italien, Frankreich, dem Orient und 1903 Trennung von der „Nation". -— Positive Einstellung zum Judentum fand Nathan erst,' als er sich mit dem 1882 in Szene gesetzten Ritualmordprozeß in Ungarn beschästigte, den Ritualmordprozeß in Lunten kommentierte und über beide Prozesse Broschüren schrieb. Ter „Hilfsverein der deutschen Juden" wird von ihm gegründet und geleitet, und besonders in Rußland im Ramps gegen die Progrome eingesetzt. Tie engen Beziehungen zur deutschen Tiplomatie, besonders feine Freundschast mit Siderlen- Wächtcr, befähigen ihn zu erfolgreichen Unternehmungen. Er errichtet die Schulmission in Palästina, das Technikum in Haifa und aktiviert während des Balkankrieges das Balkan-Hilfswerk. Tas Bild dieses unermüdlichen Kulturträgers zeichnete Konsul Strauß so in lebendiger Weise; sein Bortrag ließ den Menschen und Politiker vor den Augen des Zuhörers erstehen. Tie ausgezeichneten Ausführungen fanden lebhaften Beifall. m g. Stuttgirt. Berthold Auerbach-Berein. Im überfüllten Saal der Stuttgart-Loge sprach am 15. Oktober Ministerialrat Tr. Otto Hirsch über „Ausgaben jüdischer Polili k". Mit seinen einleitenden Worten kennzeichnete der Redner das Wesen der Politik, unter der er „das Streben und Handeln nach bestimmten Zielen für eine durch etwas Gemeinsames verbundene Gruppe von Menschen" versteht, und führte dann ungefähr folgendes aus: Tas Judentum ist: im großen und ganzen etwas Homogenes, ein durch etwas Gemeinsames verbundenes Ganze; sein Träger ist die Judenheit, und für diese gibt es auch eine jihdischc Politik. Ta aber der Judenheit der örtliche Zusammenhang fehlt, da ihr weiter keine Grenzen im staatsrechtlichen Sinne, keine Volkswirtschaft usw. - 213 - eigen sind, unlerscheidft sich jüdische Politik naturgemäß von anderen pilitischen Bestrebungen. Und dennoch wird diese jüdische Politik erschwert, weil die Judenheit letzlcndig d»ch kein einheitliches Ganzes ist. Wir müsse» nämlich unterscheiden zwischen de» Juden des Westens und lenen de« Ostens; hier im Westen jüdische E i n z e l e x ijie n z, dort jüdische Massenc x i st c » z. Im Oste i ist durch di« Massensiedlung der notwendige Mut erhoben für kollektives Erleben und Wirken Vorhände i, im Westen dagegen steht die Judenheit unter din Auswirkungen der Individualisierung und Atimisierung. Hieraus ergeben sich unterscheidende Besonderheiten: Ter Jude des Westens hat sich das Heimo tgefühl erworben, er erlebt, empfindet und entwicelt es. Ter Jude des Ostens aber dürste infolge dci politischen Verhältnisse Heimat« gesühl nie empfunden haben. Zwar hat die Sowjetunion ihren jüdischen Bürgern in Biro Bidschan Siedlungsgebiet zur Beisl gung gestellt mit dem Endziel finer autonomen jüdisc>en Republik innerhalb des Sowjet-Staates. Allein die Ausübung der Religion wird im modernen religionssein »lichcn Rußland allen Konfessionen schwer, wenn niht unmöglich gemacht — und so muß sich denn der Blick d c r Juden, die Religion wollen, aus das Lind der Verheißung, aus Palästina richten. So tritt zu den westlichen und östlichen Schauplätzen ein drit er hinzu: das historische Erez Israel. Ter HinweiS aus das geschichtliche Palästina kennzeichnet etwas Besonderes; denn wenn aus historischem Boden genrbeitet wird, so ist das etwas anderes als jüdische Siedlungsbcstrcbuiigen in Uganda oder Biro Bidschan. Unsere jüdischen Ausgaben gruppieren sich um diese drei Schauplätze. Und das Ziel alter jüdisch-politischen Aktivität muß Erhalt!Ng und Entsaltung des Judentums sein. Wer nun glaubt, »an könne das Judentum sich selbst, seinen eigenen, naturwissenschaftlichen Entwick lungstendenzen ruhig iberlassen, der irrt gewaltig. Tie Verfallserscheinungen inserer Zeit geben hieraus die Antwort. Was ist nun zu tun. was ist nötig? In erster Linie die Einheit des Judentums. Hier wandte sich der Redner mit scharfen Worten gegen den vor kurzem in einem Teil der deutschen Presse verösfentlichlcn „Ausruf deutscher Juden". Ter Antisemitismus wirkt bei vielen deutschen Juden im Sinne der Eindeutschung. Seine unmittelbare Wirkung ist, daß viele ton Teutschland sich abwenden. Darum irren diejenige i, die glauben, daß man durch das Judentum entdculscht wird; diese Gefahr droht vielmehr von der anderen Seite. Wie können wir nur das Judentum erhalten? Durch Abwendung der äußeren Gefahren wie fortschreitende Proletarisierung, durch Abwchrmaßnahmen gegen den Boykott und die Gcsi hrdung unserer gesellschaftlichen und rechtlichen Stellung. Bor allem.aber muß die jüdische Politik auch gegen die inneren Gefahren Front jeeuerorauch Eine Tasse Tee stellt sich aul etwa 1 Mg. Ncssmer-Tee; Holland ■ 1.7 Kg. pro Kopfu Jahr Deutschland 0.07Kg.pwKopfu Jahr W/f 250g 100g ■b** Ul . . 3.«51.«0 Cijks Mm . .4.701.8« MqLllli J.2I2.1I fcMni-Utm. «.2« 2.5« MM-Tm . . 7.15 2.M CqtaOimitai S.1I2.3U tapita Kd«. IH1.2I (iruTtcHuluiu M|-hW 1^ 1.1» 1.44 marke Teekanne Ml-htit -.«• ..15 1.« 1.2« Mi-PiM 1.2« 1.45 1 «5 2.35 Karl 6ainer Jtittiirt. cuutitt. Elllun fiwuiu. ficiiliiiH, Dia! la-Ola.lllena,liiwlin machen: unsere körperliche Existenz ist durch Geburtenrückgang, durch Mischehen und durch die Austrittsbeweguug aufs schwerste gefährdet. Hier muß ernste, vcrantwor tungsbewußte Arbeit einsetzen und Abhilfe geschaffen werden. Auch mjiß nach jüdischer Geistigkeit Ausschau gehalten werden,: und da tritt uns Erez Israel als Quelle leben ngcr jüdischer Religiosität, die Erhal tung und Entsagung des Judentums verbürgt, entgegen. Jeder einz lne muß sich an der Lösung aller dieser Fragen beteiligen und für den Bestand und die Entfaltung d^s Judentums wirken. Nach einer anregenden Aussprache, an der sich Oberlehrer Metzger-LiHwigsburg, Alfred Levy, Hugo Tavid« lohn, Tavid-KarLruhe und Oberlehrer Adelsheimer "beteiligten, ging Ministerialrat Tr. Hirsch aus die Ausführungen der jinzelncn Tiskussioiisredner ein und erntete auch für Isein Schlußwort langanhaltenden und Seit (btt 10 Ithie bcwlhtl HARDT flu»- m- FMfcHabrfk » Gegrtadef 1855 STUTTGART » Forahtr. No. 1,1 KARL HARDT Ut die 1. Fabrik de* Landes, die seit 1862 als SpeslattUi kreossslilgc Plano* baut Bette Qew&hr fOr gute, gediegene Shbeii. H EU ERÖFFNET I Cate Zlnsier mit eigener Conditorei und Bäckerei SchloBstr. 57 a / Tal. 61714 Angenehmes Familien - Cafä Liköre u. Branntwein Feinstes Backwerk aller Art LIEFERUNG FREI HAU8I' llnmasohinin Ton Qgliches deutsche* Fabrikat ■■■halt ls«siM« Wliplt, Cairadt&QL, Stuttgart. 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