Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 15 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 210 (sequence 6)
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- 210 - FRITZ BERGER STUTTGART Feinfte Herrenjchneiderel MARKTPLATZ 4 für den verwöhntesten Geschmack SchUlehaus Lager £ nj Schulstr. - Anruf 200 so ln deutaoHen und •ngltaohan QualltAtaatoffen 1859 eine außerordentliche Professur erlangte. Im folgenden Jahre wurde der Orientalist Tr. Saalschütz als Tozent an der Uönigsberger Uni ven'itäi zugelassen, die bisher ihren streng lutherischen Charakter eifersüchtig gewahrt hatte. Ter erste jnristische Tozent jüdischen Glaubens an der Berliner Universität, Tr. Jacob Friedrich Bettend. durste sich aber erst 1861 habilitieren. Von den ersten jüdischen Professoren an deut- '.l,en Untveriitäten seien genannt: die Mathematiker Moriz Abrabam Stern 1807 1891; 1829 Piivaidozent in (Böttingen .•, Georg Posen Hain 181t; 1887; 1811 Privaidozent in Breslau mtd Moritz Cantor 1899 li>20: 1859 Privatdozent -ui Heidelbergs der Philosoph Heymann Stern?l,al 1-tLl 1899; 1850 Privatdozent in Berlin die Philologen Julius Fürst <1805—1873; 1X39 Privatdozent in Leipzig-, Gustav Weil I8:kil -18.37 Privatdozent in Heidelberg , lakob Bernays >821 1881: 18-19 Privatdozent Bonn und Theodor Aufrecht 1822 1907,;x.'a> Privatdozent in Heidelberg.: die Mediziner Farad Her: 1816 1871; 1862 Privatdozent in Cr-angc:! , Ludwig Traube 1818 1876:1848 P. oa:do:?ni in Berlin und Bernhard Cohn ix27 I.x6l: 1856 Privatdozent in Breslau r, r Boianiker x,'athaniel Pringsbeim .1829 bis!X91; 1851 Privatdozent in Berlin und Fer sniaiid Julius Cohn 1x28 1X98: 1850 Privat .v.;::; in Breslau Sie lind ausnahmslos hervorragende Bertre tn :. rer Wissenschaft gewesen und zugleich rtämp iür die Gleichberechtigung der Juden. Tie Mehrzahl von ihnen hat auälende Zurücksetzungen u ihres Glaubens willen erfahren. Sie Hain!? aber die Zumutung,-ihre bürgerliche Steliu,ic durch die Preisgabe des Bäterglaubens zu erkauien, im Geiste der wundervollen Wone Mendelsiohns ^urückgeivieien: „Wenn die bür gerliche Bereinigung unter keiner anderen Be dingung zu erhalten ist, als wenn wir von dem Ge'ee-' adweichen, das wir iür uns verbindlich .'.Ilten, io tut es uns herzlich leid, was wir erklären für nötig erachten: so müssen wir lieber ans bürgerliche Bereinigung Verzicht tun. Bon dem niesetze können wir mit gutem Gewissen nicht weichen, und was nützen mich Mitbürger ohne Gewissen?" Tie haben die Mendelssohn'sche Forderung getreulich erfüllt: „Schickt euch in die Sitten nnd in die Verfassung des Landes, in welches ihr versetzt seid — aber haltet euch standhast bei der Religion eurer Väter (Jerusalem II)!" Die Juden in Dörzbach. Bon Oberlehrer Wallrauch. Ta Törzbach ein reichsunmittelbares Ritterdorf ist, darf es uns nicht verwundern, wenn die Juden schon frühzeitig hier austreten. Tie Ritterschaft nahm sie in Schutz, ließ sich aber dafür bezahlen. Meist wurde ihnen eine besondere Gasse angewiesen, weshalb heute noch in Orten, welche längst keine Juden mehr beherbergen, deren Vorhandensein unter den Namen wie Judenbad, Synagoge, Judengasse oder Viertel weiter lebte. Tie Juden nannte man Schutzjuden. Als Einfahrtsgeld hatten sie 6 fl. zu bezahlen. Tas Schutzgeld betrug 6 fl. Außerdem hatten sie 1 sl. und 15 Kreuzer zu bezahlen, um von den Fronlasten befreit zu sein. Wenn wir die Orte, in denen Juden überhaupt Vorkommen,- näher betrachten, so finden wir, daß es meist uralte Törfer mit stark parzillierten Feldern und Täler mit altem Weidebetricb sind. In diesen Siedlungen gedieh der Vieh sowie der Güterhandel, welcher von den Juden mit Erfolg in die Hand genommen wurde Heute noch sind die Vieh- und Pferdemärste ohne die Juden nicht denkbar. Turch dieunglückselige Parzellierung infolge der Vermehrung der Besitzer entstand in den Törfern eine Menge „fleiner Leute" und mit ihr auch „kleiner" Juden. Was di« WÄ>er in Heimarbeit anfertigten, brachten die Juden mit ihrem Zwerchsack in den Handel. Tie Maschine nahm beiden das Brot. Tie „Neue Welt" nahm die Verarmten auf, denn es hieß: „Tort finde man das Geld aitf der Straße". In den Jahren 1840 1870 wanderten 70 Prozent der damaligen Juden aus und ihnen schlossen sich viele christliche Gemeindemitglieder an. Törzbach hatte einst eine blühende Judengemeinde. Im Jahre 1861 hatte Törzbach eine eigene Synagoge und 156 Juden, zu denen von Laibach noch 10 und von Altkrauliheim 3 kamen. Heute zählt sie noch 3 Glieder, deren Stamm bereits 200 Jahre hier seinen Sitz hat.. Zottig Löw und seine Frau Frade Israel leben fort in der Familie Optiker Stern und deren letztem weiblichen Gliede „Julie Stern" aus der Linie Sam. Zottig. Die wechliche Linie Jette lebt fort in den Nachkommen der Lehrerfamilie und Optiker Rosenthal. Die zweite Linie Mayer Zottig nennt sich Waldstein und lebt fort in den bekannten Optikerfamilien, die nach München, Wien und Venedig auswanderten. Die dritte Linie Israel Zottig nannte sich Geiger, ist aber frühzeitig ausgestorben. Ter schon 1 7 55 genannte Schutzjude Wolf Jakob lebt fort in der letzten lkinwohnerin „Therese Strauß" verehelichte Fleischhacker. Der Schutzjude Baruch lebt weiter unter dem Namen „Weichsel". 1760 sind auch hier schon die Rothschild unter „Jakob Anselm" vertreten, deren Nachkonimen heute überall sind und dessen würdiger Vertreter der allbeliebte und tüchtige Tierarzt Heinrich (Herz) Rothschild noch in guter Erinnerung ist. Tie begabtesten und angesehensten Glieder der Dörzbacher Gemeinde stellte S i m. Abraham und dessen Gattin Zerrle David in ihren Nachkommen, den weitverzweigten Gutmann, Sänger, Steiner, Levi und Waldstein. Abraham Gutmann, genannt „Awerle", leistete als Gemeinderat der Gemeinde treffliche uneigennützige Dienste, indem er in den 50er Jahren die Verträge und Beschlüsse zwischen Gemeinde und Herrschaft, sowie Realgemeinde herbeiführte. Außer den genannten Familien treten noch aus: Altinger, Böhm, Bär, Ehrlich, Heß, Haas, Kahn,: Jgersheimer, Lichtenberg, Neuburger, Stein, Wertheimer, Weinstock. Auch das fleine Laibach hatte seine eigene Judengemeinde. Ihr in idyllischer Waldeinsamkeit gelegener Judensriedhof wird von den ersten Morgenstrahlen gegrüßt. Wie ich aus alten Urkunden ersah, verdankt die Laiibacher Gemeinde ihre Entstehung den deutschen Freiheitskriegen. Die Einfahrtsgelder werden meist 1812—1817 entrichtet. An Namen werden genannt: Bär, Koch, Besig, Neuburger, Schlom Jakob, Jsak Abraham, Mayer Strauß, Friedenheimer sowie Abraham Löwental. Lazarus Bär und Jakob Schleisinger aus Unterschwandorf sind vom 15. bis 25. Juni 1815 als russische Dolmetscher tätig und erhalten für 10 Tage (ü 40 Kren- Für Sportler u. Touristen gibt et nicht» erfrischenderes als eine Waschung mit [Damen- T Kleiderstoffe I io unerreichter Auswahl— I zu vorteilhaften Preisen I LORENZ STUTTG A RT/£ jliWslsSm ’ 1 Dr. Nittinger's Campherseiffe. Für Reise und Bad. Kleine Stücke in Dosen. Man achte auf die Firma Ad. Osterberg-Graeter X GUSTAV HEITMANN X Holz- und Kohlenhandlung Seyfferstr. 59 / Tel. 61616 liefert sSmtl. Brennstoffe bei prompter Bedienung zu billigst. Tagespreisen. - Gedecktes Laser mit GleisansdilnB am Westbahahof Afen übernommen! Wiener Kaffee Fttrstenhof MarienstraBe 7 - .Telephon 71580 iimiiMiiimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiii Altbekanntes Familien-Kaffee * * Eigene Konditorei # Petits-fours Pralinen Keks Kleinbackwerk Spezialitäten: Ananas-Kuchen, Sahne-Torten usw. 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