Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 15 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 209 (sequence 5)
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die „Mißverhältnisse" beseitigt, und er wurde zur Professur zugelassen. Eduard Gans wurde leider der Wegweiser für nur zu viele -Juden, die gleich ihm den Väterglauben opferten, um für ihn die Würde des Akademikers einzutauschen. Die Kabinettsordre vom 15. April 1822 griff verhängnisvoll in das Schicksal eines anderen jüdischen Juristen ein, der allerdings charaktervoller als Gans bei seinem Glauben verblieb. Der am 9. Juni 1794 zu Halb'erstadt geborene Julius Rubo hatte als Freiwilliger an den Kriegen gegen Napoleon teilgenommen. Nach Vollendung seiner juristischen Studien in Göttingen und Berlin wurde er 1817 zum Doktor der Jurisprudenz promoviert. Schon diese Promotion veranlaßte einen heftigen Streitschriftenkamps, da reaktionäre Kreise es für unerträglich hielten, daß ein Jude durch den Doktörtitel geehrt wurde. Rubo, der die Zumutung der Taufe standhaft zurückwies, versuchte vergelblich, sich in Hamburg, in Holstein und schließlich in Braunschweig eine juristische Praxis zu begründen. Endlich siedelte er nach Halle über, um sich hier als Privatdozent zu habilitieren. Die Kabinettsordre von 1822 vernichtete auch diesen Plan. Rubo wurde 1824 Syndikus der Berliner Gemeinde, eine Stelle, die er 25 Jahre bekleidete. Ter Ausschluß der Juden vom akademischen Lehramt galt aber nicht nur für Preußen. Er war bald für alle deutschen Landesteile zum ungeschriebenen Gesetz geworden. Als sich Gab riet Rießer an >»er Heidelberger Universität als Privatdozent nie »erlassen wollte, verweigerte ihm die badische Regierung die Zulassung zur akademischen Tätigkeit ganz ebenso, wie ihm seine Vaterstadt Hamburg die Niederlassung als An Walt für Handessachen versagte. Tie Folge die er Ausschließung der deutschen Juden vom Lehrimt war deren Abwanderung an die Hochschulen »es Auslandes. Die im Jahre 1825 neu erstehen de Londoner Universität nahm sofort in ihren Lehrkörper jüdische Professoren — Hurwitz und den Mathematiker Sylvester aus. Vor allem aber waren die französischen und die schweize: Hochschulen gern bereit, deutschen Juden die Zulassung zur akademischen Laufbahn zu erschli:ßen. Der Physiologe Gabriel Gustav Valentin (1810—1883) ging 1836 nach Bern, wo er bi» zu seinem Tode verblieb; der Biologe Moritz Schiff (1823—1896) versuchte seine Habilitation in Göttingen erfolglos und wanderte nach d:r Schweiz aus; der Mediziner Leubuscher verliH 1856 Deutschland, um im Auslande zu wirken. Er teilte das Schicksal des Mediziners Samuel Siegmund Rosenstein, des Historikers Martin Philippson, der Orientalisten Henri Weil, Theodor Goldstücker, Gustav und Julius Oppert, Salomon Munk und vieler anderer, tie so den deutschen Hochschulen verlustig gingen Tie erste Durchbrechung der reaktionären Einstellung gegen die jüdischen Wissenschaftler! erfolgte aussallenderweise durch die Berliner Akademie der Wissenschaften, die ihr April 1843 den Physiker Dr. Rieß zu ihrctn Mitglied ernannte und gegen den Widerspruch des Kultusministers Eichhorn beim Könige seine Bestätigung! unter dem Hinweis durchsetzte, daß die Wissenschaft keine Konfessionen kenne — und Friedrich Wilhelm IV. dachte diesmal freier als sein Vorfahre Friedrich II., der bekanntlich Mendelssohns Wahl in die Akademie nicht bestätigt hatte. I Noch im Mai 1842 war den preußischen Juden zugesagt worden, daß ihnen die akademische Laufbahn erschl, ssen werden sollte. Das neue Judengesetz, desse i Entwurf den im April 1847 cinberufenen V ertretern der Provinziallandtage vor gelegt wurl e, schloß aber die Juden von allen Lehrämtern mit Ausnahme der Privatdozentur und der au zerordentlichen Professur der Mathe matik, Phy ik und Mchizin aus. Das Judengesetz vom 23 Juli 1847 brachte insofern eine Besserung, als es den Juden wenigstens die Anstellung als ordentliche Universitätsprofessoren der Naturwisser schäften zugestand. Sogar die bisher streng konservative philosophische Fakultät der Universität IBreslau sprach sich mit großer Mehrheit für die Zulassung von Juden in ihren Lehrkörper aus! Ter erste jüdische Privawozent in Preußen w^r der Mediziner Tr. Robert Remak, der im Oktober die venia legendi an der Berliner medizinischen Fakultät erhielt, aber erst HiiuiiiummunitiiuiiiuiJiiiiiuuuiMiiiiMtiiiiim Phofoapparafe Phoiobcdarf PhofoarbeUen Photo- / Eil Mariensti»* L Filiale FrtcirKbslMlen Juwelen Gold- und Sllberwaren in großer Answahl Bcslcdt- Ausstaffongen in Silber und versilbert W. Blume BfidisenstraBe 2 Fernruf Nr. 22311 Ihr flugenglas-Rdzept wird gewissenhaft und unter Berücksichtigung jeglicher Sonderw II nie he vom Fachmann auagefflhrt und individuell angepapt bei Optiker Mehrer Eberhard-Straße Jjr Thtilirjllsir, Birimttr, FeMtadir msKnmssi, Uh*, litthri» «MW Buchbinderei Munkwiiz gegr. 1905 Sd)lo$fttra$C 82 Tel. 10568 Massenauflagen v. 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