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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-11-01 · 15 (1.11.1929) · p. Seite 208

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
15 (1.11.1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 208 (sequence 4)
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Gründliche Handelf kurte (BuchfMirang, Stenograph!«, Maschinen- Rlditig-SchSnsch reiben) J7 jährige Praxis Handclsschnlc Paul Voöel Friedrichstraße 13 / Telephon Nr. 25997 - 208 den Aufruf des Stuttgarter Ortsausschusses der „Freunde der Habima" und der Unterzeichneten jüdischen Vereine (Siehe S. 207), der die überparteiliche künstlerifche Wirksamkeit der Habima in das rechte Licht fetzt. hierfür ist die Aeußerung von Johann Tavid Michaelis in seiner Besprechung der berühmten Schrift Dohms „lieber die bürgerliche Berbefserung der Juden" (1781). Dennoch konnte der „Doktor der Arzneiwissenschast" Wolf Davidson in einer dem Könige Friedrich Wilhelm II. gewidmeten Schrift bereits 1798 auf eine recht stattliche Reihe preußischer Juden Hinweisen, die sich wissenschaftlich erfolgreich betätigt hatten Erst das Toleranzedikt des Kaisers Joseph öffnete den Juden auch gesetzlich die bis dahin geschlossenen Pforten der Akademien und Universitäten. Eine akademische Laufbahn eines Juden lag aber vorerst außerhalb dez Bereiches der gedanklichen Möglichkeit. Allerdings hatte der jüdische Arzt und Philosoph Tr. Marcus Herz (1747 bis 1803) in Berlin philosophische Vorträge gehalten, die von den Spitzen der Berliner Gesellschaft, sogar von den königlichen Prinzen besucht wurden. Ter erste jüdische Privatdozent war aber der in Coswig am 8. März 1789 geborene Ephraim Salomon Uuger. Unger war nach Abschluß seiner philosophischen und naturwissenschaftlichen Studien in Erfurt von 1810 bis 1816 Privatdozent der Mathematik und der Philosophie gewesen. Ta er keine Professur erlangen konnte, gründete er mit seinem Bruder Tavid Unger eine Realschule. Tie Schulbehörde wollte ihn sogar zum Ärektor dieser Schule machen, falls er die Taufe annähme. Da er das entschieden abwies, blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1862 „Oberlehrer" dieser Schule. Ungers akademische Lehrjahre dürfen aber nur als die berühmte Ausnahme von der Regel gekennzeichnet werden. Es ist dem Einflüsse Humboldts und Hardenbergs zu danken, daß das preußische Judenedikt vom 11. März 1812 im achten Paragraphen den Juden die Bekleidung akademischer Lehrämter gestaltete. Aber bereits ein Jahrzehnt später^ - am 4. Tezember 1822, wurde diese Zulassung zu akademischen Lehr- und Schulämtern aufgehoben, ohne daß bis dahin ein Jude die akademische Lehrwürde erlangt. Ter Grund der Aufhebung war der erste ernstliche Versuch einer Inanspruchnahme der Erlaubnis von 1812. Der schon damals geachtete junge jüdische Jurist Eduard Gans hatte darum ersucht, ihn, entsprechend einer schon erteilten Zusage, zur akademischen Laufbahn zuzulassen. Die Antwort war die Kabinettsordre vom 15. April 1822, die „wegen der bei der Ausführung sich zeigenden Mißverhältnisse" den Juden den Zugang zu alle» Lehrämtern versperrte. Ta bis dahin mit Ausnahme Ungers noch kein Jude zum akademischen Lehramt in Preußen zugelassen worden war, so war diese Begründung nur eine Ausflucht. Denn kaum daß sich Gans getauft, so waren für ihn ,,;uh:.:n Erfolg „Davids Krone" nach Calderon. zi.'ach langem Suchen wird der „Golem" von unter der Regie von Werschilow seinem chiaugow Schüler aufgefübrt. Bald nach dem inszeniert Suskewitsch „Jaakobs Traum" n n ’i’n’v .Hofmann. Mil jf^m neuen Stück sucht /.je Habima neue Wege aufzusinden. Ein moder nc Stück, „Tie Sintflut" von Berger, wird in rer Inszenierung voll Teleschoiv und Weriilow ,; nfüil'l't. 7 ,e Habjiiia will nun die Pro! .' machen, ob die \ i die Äoiwendigkeil ihrer Existenz bejaht: „i.d . .'schließt, eine Tournee durch Europa und f. ui unternehmen: auch um sich klar wcxöen. welche Wege, die zur Enlivicklung . : jüdischen T! aicrs führe», begangen wer :;>v müssen. Ter außerordentliche Erfolg dieser e>.Tournee in der ganzen Welt ist de ko ui. H:» Stuttgarter Schauspielliaus wurde am 26. und 27. Januar 1928 unter '"-t'allsstiirmen des begeisterten Publikums der . Tutvon An Ski und „Ter Golem" von i-_;:uit ^nr Darstellung gebracht. ' Waller von übrieb damals: „Tie Habima Angelegen r-fit in Hine Sache der jüdischen Ration mebr, sono.rn eine allgemeine Menschbeilsangelegen Ter berufene Theaierkririker Bernhard Tie r , urteilte:' „Ihr Leben ist heilig, das ist b' Rätsel ihrer g wolligen Suggestion. Sie spie Theater, sie leben Theater. Welch ein 7! Sie haben, was wir hzer nicht mehr; ei» geistiges Programm. Mau siyt ateml, ror dem wunderbaren Spiel der Hebräer Wer »ich: ansiehi, der verliert -Großes." Nachdem die Habima vor Jahresfrist in Pa .'stma die erste ständige hebräische Bühne ge -nünd-n hat, beginnt ne nun ihre 2. große .isti'piel eise und gastiert vom 6. >0. Rovem : l»i Stuttgarter Schauspielhaus. l>r. Hanns Werner Riirkle. Dramaturg am SluttLMrUrr Schauspielhaus. 7 Gastspiel Ser Habima wird bei allen . ..unden dieier unermüdlich tätigen und stre : . een Spielgemeinschaft freudig begrüßt werden. ,n dares rugig ausiprechen, daß die Ein; nick,. die das erste Auftreten der Habima in S ultgart vermittelte, dauernde geblieben sind i>uo r ctrn zum bleibenden Erlebnis wurden. In . n, Zusammenhang verweisen wir auch auf Der Kampf der deutschen Juden um das akademische Lehramt. Tie Geschichte des Anteils der Juden an dem Aufblühen der Wissenschaften im 19. Jahrhundert ist noch zu schreiben. Sie wird eine bedeutsame Lücke im Nachweis der Gleichberechtigung und Gleichbewertung der Juden ruhmreich ausfül-, len. Ein besonderes Kapitel lvird die Tätigkeit der Juden im akademischen Lehramt behandeln. Es wird davon berichten, wie schwer es den Juden gemacht worden ist, zum akademischen Lehramt.zugelassen zu werden. Mit wenigen Aus nahmen hatte der ungetaufte Jude ein wahres Markprium durchzumachen, bis ihn die akademi scheu Senate in ihren Lehrkörper ausnahmen. Bon der Seelenpein der nur zu Vielen, die sich bis zuletzt gegen die Zumutung gewehrt, ihren Bä Irrglauben preiszugeben, bis sie, durch den aus Nchislosen Kampf zermürbt, sich zu dem letzten Opfer verstanden, wird diese Geschichte allerdings schweigen. Tie Täuflinge haben wohl nur dem nächsten Vertrautenkreise von .dem Tornenweg zum Taufbecken erzählt. Tie lange Reihe der Männer, die erst unmittelbar vor dem Antritt ihres Lehramtes die Taufe empfangen, weil man ihnen offen erklärt, daß die Taufe die conditio -ine qua non wäre, ist sicher keine Ehre für das Judentum; sie ist aber ebenso wenig ein Ruhm für den Staat und die Kirche, die dieses Opfer der Moral gefordert. In um so höherem Aus maß gebührt den Männern dankbare Hochachtung, denen der Väterglaube kein Tauschartikel gewesen und die ukn der Treue zum Väterglauben willen peinigende Zurücksetzung auf sich genommen haben. Jüdische Studenten hat es schon lange vor der Emanzipation in überraschend großer Zahl an deutschen Universitäten gegeben. Tie Matrikel der Universität Frankfurt a. O. nennt schon 1678 jüdische Studierende — es sind der spätere Arzt Tr. Tobias Cohen und sein Freund Tr. Gabriel Felix Moschides — und die Heidelberger Matrikel zählt unter ihren Studierenden Juden feit 1724 auf. Tie Zulassung zu den Universilälsstudien ist aber Juden zunächst nur von Fall zu Fall bewilligt worden. Ten jüdischen Studenten war jedoch nur das Studium der Medizin, der Physik und der Mathematik erlaubt, allerdings unter der Voraussetzung, daß sie nach abgelegtem Examen keinen Anspruch auf eine öffent liche Anstellung erheben durften. 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