Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 13 (1.10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- Seite 177 (sequence 5)
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vertretendes Mitglied des Rates der Agency den Züricher Verhandlungen vom 11. bis 14. August beigewohnt, hatte sich bereit erklärt, über seine Eindrücke wie über die Probleme des Palästinaausbaus in dieser Versammlung zu berichten. Eine erfreulich große Zuhörerschar hatte sich eingesunden, um über die bedeutsame neue Jewish Agency aus berufenem Munde zu hören und durch Teilnahme an der sich an den Bortrag anschließenden Aussprache sich Aufklärung über die Agency und das Problem des Palästinaaufbaus zu verschaffen. Im Auftrag des Vorsteheramtes begrüßte O s kar Rothschild die Erschienenen, denen er von den persönlichen Eindrücken, die er in Zürich gewonnen, berichtete. Ministerialrat Tr. Hirsch begann mit einer lebhaften Schilderung der Züricher Versammlung, an der mehr als 2000 Personen aus über zwanzig Ländern teilgenommen haben. Er schilderte kurz die Geschichte der Jewish Agency von der Balsourdeklaration an, die von Frankreich, England, Italien und den Vereinigten Staaten anerkannt und dann vom Völkerbund völkerrechtlich sanktioniert wnrde. Tas Mandat über Palästina ist England nach dem ausdrücklichen Verzicht der Türkei aus Palästina übertragen worden. Im vierten Artikel dieses Man dates wird zum ersten Male die Jewish Agency als eine Körperschaft der Verwaltung Palästinas genannt, sie war ursprünglich der Zionistischen Organisation übertragen ivorden, bis es Louis Marshall gelang, Zionisten und Nichtzioniste-i in der Jewish Agency zu vereinigen. Ter Vertrag zwischen beiden wurde am l4. August feierlich geschlossen. Tie Anwesenheit repräsentativer Persönlichkeiten wie die des Amerikaners Marshall, der Engländer Sir Herbert Samuel und Lord Melchett, des Franzosen L6on Hlum, des Teutschen Prof. Albert Einstein, des Russen Ussischkin upd vor allen Tingen des Prof. Weizmann verlieh dieser Versammlung erhöhte Bedeutung. Tie- Jewish Agency soll die Mandatsregierung in wirtschaftlichen und kulturellen Fragen beraten und die Interessen des jüdischen Ausbau Werkes in Palästina wahrnehmen. Ihr Hauptorgan ist der Council (Rat), der 224 Personen umfaßt, von denen die Hälfte Nichtzionisten sind. Ter Präsident dieses Rates ist der jeweilige Vorsitzende der Zionistischen Organisation. Unter den 112 Nichtzionisten befinden sich gegenwärtig 44 Amerikaner, 14 Polen, 11 Engländer, 7 Teutsche usw. Ter Rat wird alle zwei Jahre einmal einberufen. Tas zweite Organ der Agency ist das aus 40 Personen bestehende Administrative Komitee, das zweimal im Jahre zusammentritt. Ihr wichtigstes Organ ist das Exekutivkomitee, das zunächst, für zwei Jahre gewählt worden ist und aus acht Zionisten und vier Nichtzionisten besteht. Im Falle der Auslösung der erweiterten Agency sällt ihr Mandat an die Zionistische Organisation zurück. Tie Ausgaben der Agency sind die Förderung der jüdischen Einwanderung nach Palästina, ein möglichst weitgehender -Erwerb palästinensischen Bodens als jüdisches Nationaleigentum und die Befriedigung der religiösen und kulturellen Bedürfnisse unter Wahrung der Gewissensfreiheit. Ter Keren Hajessod (Jüdischer Kolonisationssonds) bleibt auch für die Zukunft das Finanzinstitut der Agency. I Ter Redner ging hieraus auf zwei Fragen ein, deren Beantlvortung er als seine rein persönliche Meinung kennzeichnete: Ist der jüdische' Palästinaaufbau möglich und ist er wünschenswert^ Tie erste Frage beantwortete er im Vertrauen aus die Aeußerung von Finanzpolitikern wie Oskar Wassermann, Tr. Lee K. Frankel und Lord Melchett bejahend. Ein Jahresbudget von einer Million Pfund sei die Voraussetzung für die Einwanderung von jährlich 1000 Familien mit etwa 5000 Köpfen. Auch die politische Möglichkeit des Ausbaus beurteilte der Redner sehr optimistisch; er glaubt daran, daß die Eintracht zimschen Arabern und Juden, die ja stets von der Zionistischen Organisation erstrebt worden ist, auch erhalten werden kann. Natürlich verwirft er aste Gewallmaßregeln. Es soll der Welt gezeigt werden, daß man in Palästina auch ohne Gewplt zum Ziele kommt. Auch die zweite Frage beantwortete der Redner bejahend. Kulturell biete der Aufbau wertvolle Möglichkeiten zu neuen Lebensformen. Palästina sei stets für die Erhaltung des Judentums ein Vorwort zur Ausgabe. Prager Selichothhe Artikel 6. 176). (®iH (Ins De« fche übertragen) frommen Weiber, und Schreiber! Kommt her, ihr hört zu mir, Trucker i> Es hat sich gefügt,! daß ich lange Zeit fit on liege» sah die deutschen Bubgebe! e verdeutscht gar hübsch und sein, die verdeutscht hat bei Gerechte rein: Sei» Name ist untcr den Leuten wohlbekannl Rabbi Jakrb bar Lliahu halevi von Tepliß war er genannt. Laßt Euch deshalb dis Geld nicht verdrieße», sein Berdienst werd n wir zu Lohn genießen: denn sein« Absicht ist um Gotteswillen gcweie», für Leute, die nicht h:bräisch verstehen etwas z» leien, Männer und Frauen brauchen sich nicht schämen. Sic sollen solche S.'l chau» vor sich nehmen, dann werden sie ver tchc», was sie bete», wie sie ihre Sünde» cekenne» und diese »immer täten. Tas Gebet wird gehen zu Herzen so wird euch der Ge obte behüten vor Schmerzen. Tas Gebet wird geh >rt sofort. Wir werden geführt in» Heilige Land! Solches belc ich Nacl t und Tag. Ehanoch, Synagogerdieder in der Altneuschul der heiligen Gemeinde Prag.! NIE» wesentlicher Faktor zewesen. Tie Verarmung der heit. Er glaube, daß ein bedeutender A Lebhafter Beisall Tarbietungen. In nächst Max Wol polnischen Juden und der Verfall der Judenheit in den Sowjetrepubliken müsse im Palästina ausbaü einen Ausgleich finden. Er sehe in Palästina jungfräulichen Boden für die Verjüngung des Judentums. Tcts jüdische Seelenleben iverde aus zwei gleichwertigen Quellen gespeist, aus dem Teutschtum und de n Judentum Ter Ausgleich beider sei die Siche: ung der Zukunft der Juden- Palästina für diese Sicherung «teil zutcinineu werde, dankte dem Redner für seine der Aussprache fragte zus, welche völkerrechtliche Sicherung der Jewish'Agency zusteht und ob sie Hoheitsrechte gegenüber England und dem Völkerbund besitze. Ausführlicher au die einzelnen Tarlegungen des Redners des Abends ging R. A. Tr. Albert Mainzer ein. Auch er sprach nicht im Namen irgend ein:r Organisation, sondern als „deutscher Privatmann". Er erörterte vor allem die Frage, wie sich die Mitarbeit in der Agency mit der Einstellung eines deutschen Juden verträgt. In seiner Antwort wies er zuerst darauf hin, daß der Centre lverein seinen Mitgliedern dis* Beteiligung an der Agency freigestellt hat. Persönlich könne er jidoch den Eindruck nicht verhehlen, daß der Zionismus trotz der angeblichen Parität in der Agency die Oberhand hat, und daß die Nichtzionisten in der Agency unbewußt zionistisch tätig sind. Politisch aber haben wir als deutsche Juden vorerst deutsche Interessen zu vertreten. In der Araberfrage urteilt er wesentlich pessimistischer als der Referent. Nach seiner Meinung war das Blutvergießen der letzten Wochen in Palästina noch nicht das letzte. Besonders ernst betrachtet er die sinanzielle Beteiligung der deutschen Juden am Palästinaaufbauwerke. Teutschland ist verarmt und braucht das Wenige, >vas es hat, zur Erhaltung seiner Wohltätigkeits- und Bildungs - Einrichtungen. Ter Wiederausbau Teutschlands müsse schließlich den deutschen Juden näher stehen als der Wiederaufbau Palästinas. „Teutschlard ist nicht nur mein Zentrum, sondern auch meine Peripherie." Viel leicht unbewußt, seht der Zionismus aber im Tienst des englijdifn Imperialismus. Leopold Marx gab sodann theoretische Erörterungen zur Paästinafrage und riet eine Teilnahme der beutfdien Juden am Aufbauwerke dringend an. Stadtrabbiner Tr. Ri eg er ging ausjührlich aus die beiden Fragen des Redners ein, die er allerdings im Gegersatz zu ihm entschieden verneinte. Nacb. seiner Ueberzeugung ist der Aufbau Palästinas dirch die Juden politisch unmöglich, da die Eigländer in Palästina als geschickte Tiplomaten Araber und Juden gegeneinander ausspielen, llord Churchill hat 1916 den Arabern in Palästina :in Kalifat, Lord Balfour 1917 den Juden eine nntionale Heimstätte versprochen. Nun ist es die Ausgabe der englischen Tiplomatie, das Verspreche, an die Juden durch die Araber und das Vers »rechen an die Araber durch die Juden dauern! zu paralysieren. Ter Ausbau ist aber auch wiaschastlich unmöglich. Tenn außer der einen Million Pfund, welche für das Budget der Agency «erlangt werden, hat Tr. Lee K. Frankel in Zürich die Gründung eines Finanz institutes für öiedlungszwecke mit einem Grundkapital von I) bis 15 Millionen Pfund (200 bis 300 Mill onen Mark) verlangt, von denen allerdings in! er Versammlung selbst Felix Warburg und Loi > Melchett 4 Millionen Mark zu zeichnen bereit waren. Für die Ansiedlung einer Familie sind »ach Weizmanns Meinung 12000 bis 14000 Mlirk notwendig. Ta jährlich 1000 Familien ang siedelt werden sollen, werden also für die Siedlung 12 14 Millionen Mark not wendig sein.!!as sind Summen, die ohne Schädigung der lestehenben Wohlsahrts- und Bil dungseinrichtu »gen der Juden nicht auszubringe» sind. „Und es gibt doch ein Judentum und eine Judenheit aua außerhalb Palästinas." Ter Aus-: bau Palästinas ist aber schließlich auch vom! Standpunkt der Arabersrage nicht zu rechtfertigen. Weizmann sp ach in Zürich von einer geplanten Einwanderung von 100000 Juden in den! nächsten fünf Jahren. Bon ihnew sollen 25000: Ackerbautreibe: dt, 75000 Händler und Arbeiter: sein. Ein solck er Einwandererstrom ist ohne eine! gewaltsame Ve drängung der Araber schwer durch-j sührbar. Ter Ausbau sei aber nicht nur nicht! möglich, sonde n auch vom jüdisch-kulturellen und religiösen Stc ndpunkt kaum wünschenswert. Tie bisherigen rel giösen Erfahrungen im neuen Pa lästina beweis« n eher Religionsseindschast der Kolonisten als en Eintreten für die Religion des Judentums. Lie Idee, daß in Palästina ein! neues Zentrum jüdischer Geistigkeit entstehen wird, sei zur Zeit wenigstens noch ganz unbe! gründet. Auc» geschichtlich habe Palästina in der Vorzeit i ur eine kurze Zeit die Rolle des geistigen Zeni rums der Judenheit gespielt. Tas! Ausbauwerk s« i als ein humanitäres, das heimatlosen Juden eine Zuflucht erschließt, ernst zu empfehlen; als eine politische Aufgabe sei es streng Lu verwerfen. Vom Standpunkt des Zionisten äußerte sich hierauf Alfred Levy und vom Standpunkt der gesetzestrerien Judenheit Rabb. Tr. B a m b c r g e r zun Palästinaproblem. Letzterer verlas die Entschlis ung der Kenessioh gedauloh zur Frage der Ax:ncy. R. A. Tr. Kalter Ein st ein sprach sodann! im Namen de;nichtzionistischen Jugend. Ter neutrale Jugend» erband ist korporativ dem Initiativkomitee der Agency beizetrelen. Er sreht in der' Erziehung zu vollen Juden auch die Erziehung zu guten Teu lkchen und erwar'et eine gegenseitige von Teutschlum und Judentum: Befruchtung durch Paläst Für die Verbund, spr> dculsch-jüdi) kameraden", deutsch jüdischer Wan Tiplcmingenieur Freund. Ti Jugcnd wurzle in Teutschland uni