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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-10-01 · 13 (1.10.1929) · p. Seite 178

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
13 (1.10.1929)
Date
1929-10-01
Page
Seite 178 (sequence 6)
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könne sich seelisch nicht an Palästina binden. Lie leugne das Galutb als die Fremdheit in Trutfch land. Aber sie blicke mit warmer Anteilnahme aus das Werk des Aufbaus. In seinen Schlußworten behandelte Tr. Hirsch -die Vereinbarkeit von Teulschtum und Palästina arbeit, bekräftigte noch einmal seine Einstellung zur Arabersrage und schilderte schließlich die wirk schaitliche Möglichkeit des Aufbaus. Sr fand warm Sttitlqart. '.Im 7 Lkiober vollendet der diesige Rechts 'anwall und Notar Tr. Alfred Gunzenbauser in jugendlicher Frische das sechste Jahrzehnt seines ar« deitsreichen Lebens. Er gekört seit vielen Jahren zu den beliebteste» Vertretern seines Standes. Aber darüber bluauS bat er sich vom Anfang seiner Tätigkeit an mit voller Hingäbe in den Tienst der jüdischen Interessen iinierer engeren Heimat gestellt. Getreu den Ehren Überlieferungen seines elterlichen Hauie« er ist ei» Sohn des verewigten Rabbiners Samion Gunzenhauser in Mergentheim ist er stets als ein begeisterter Brr» leidiger und Vertreter der Ideen und Keric unserer Rrligionsgemrinschair bervorgeirelen Bereits >m Jahre IR»! wurde der junge Anwalt zum Mitglied des Kiritienvorsteheramts Stuttgart gewählt und bat in dieier Stellung bis zum Jahre 1912 der Stuttgarter Reli gi'onsgemetnde wertvolle Tienste geleistet. Im Jahre 1999 erschien seine „Sammlung der tKeietze. Berordnun» gen. Bersüguiigcii und Erlane beir. die tiirchenverhälk» njiie und die religiösen Einrichtunge» der Jiraetileil Württembergs . c»i Werk, das »och heute alS eine vorbildliche Leistung bezeichnet werde» darf. Im Jahre >912 wurde er zum Mitglied des Weiteren Rates der 'Tberkircheiideborde ernannt und durch Ministerialerlaß vom 21 Januar 1921 zum Oderkirchenvorsteher b« mini Was er in diesen Aemlern für die Rcligionsgemeing'a'l geleistet Hai. füllt ein Ehrenblakt ihrer Geschichte. Bor allem aber Kal er sich rastlos in der Mitarbeit und ,m Ausbau der jüdischen Wohlstrbrtseinrichtungen «lurigarls beteiligt. Pe>'onders als erster Leiter des Jsraeliliichen Füriorgeamts und dann als Vorsitzender des Judi'ch.'n Sckiwenernheims bat er 'wesentlich zur Festigung dieier iür unser Wohlsahrtsweien jo bedeutamen Einrichtungen beigerragen Aber auch wiiicn-' chailltib Hai er wiederholt zu Fragen der jüdischen igemcinschaii Stellung genommen Er ist ein geachteter Mitarbeiter des ,n Berlin zur 3*» erscheinenden Jü di scheu Leiikons und der neuen „Jeiklchrin für die Ge» schichte der Juden in Teuricbland' . So ist die Iudenheu Würtiembi'rgs dem Jubilar zu ernstem Tanke verpjlich- :el. Turch ieine» ttlerechligkeilssinn, durch seine Aufrichtigkeit und die liefe Bescheidenheit seines Auf» Irciens hat er iich in allen Areiien innige Freunde erworben. Möuen dem trefflichen Männe noch viele Jahre ungebrochener Schaffenskraft und echter Lebeiisireude befchiede» 'ein' — Slullqart. Am 8. Lkiober kann Frau Sophie L v w e ,i b e r g, Blumcnftrastr 25, ihren 86. (Kcburlslag ie:ern. Tie würdige Greiiin erfreut sich bester Ofc '»iidbeii und nimmt noch an allem regen Anteil. Mo ge» ihr »och viele gesegnete Jahre bcichieden 'ein' Slullgart. Hermann Mayer, Sohn des Papicrgrosthändler« Paul Mayer, wurde als Rabbiner des „Bere'iis geieyesireuer Juden i» Heidelberg" nach Heide! bcrg derujeu und am lü. September in feierlicher Weife ln 'ein Ami e,»geführt Wir gratulieren ihm und den Eltern hierzu herzlich! Stuttgart. Ter Berthold AuerbackiBerei» l» gaii» 'ein diechähriges Winrervrogramm am 17. Teplember mit einem Vortrag von Lberrechnungsral Ä e „ e r über „M o >' e s Mendelssohn" und feierte io in würdiger Weiie den großen jüdischen Philofo» vbeii Alfred Treifust eröifnete den Abend mit der Rezitation von Friedrich Ramlers ergreifender „Trauerkaniaie ani de» Tod Moies Mendelssohns", »o- San»' ergriis Lberrechnungsrat Meyer das Wort und liest vor seinen auimcrkiam lauschende» Hörern daS Lebensbild Males Mendelssohns erstehen. In immer klarer und packender Bortragskunst schilderte der Redner den Ausstieg des grasten Tenkers, berichtete, wie der junge Mendelssohn sein Leben kümmerlich an Freitische» fristete und doch mit bewunderungswürdiger Etiergie fich in zäher aulodidakiiicher Arbeit daS Wisie» seiner Zeit und die hochdeutsche Sprache aneig» nete Turch die geschäftliche Berbindung mit dem Berliiier Seidenstibrikanten Bernhard gewann der junge Wellweis» dann langsam festen Boden und nun erobeilte er sich Schritt für Schritt seinen Platz unter den hervorragendsten Gelehrten des Jahrhunderts. Sein „Phädon" uud „Jerusalem" fanden überall graste Beachtung. seine Freundschaft mit Lessiug trug für seine . jüdische» Brüder und Schwestern, die er niemals vergast, die segensreichsten Früchte i und wenn ihm auch durch Einzelne Rabbiner, die ui starrem Konservativismus Mendelssohn der Freigeifterci ziehen, sowie von anderer Sein Kränkungen nicht eri'van blieben, so ging - 178 - herzige Worte für die Tarstellung der Bedeutung Palästinas für die Religion des Judentums. Er schloß mit einer temperamentvollen Mahnung, den Aufbau Palästinas opferfreudig zu fördern und erntete reichen Beifall für seine T«rlegungen. Ter Abend hat wesentlich zur Klärung des Problems des Palästinaaufbaus beigetragen. Tas ist von allen Erschienenen dankbar anerkannt worden. Mendelssohn doch immer treu und aufrecht die Pfad», seiner angestammten Religion und mühte sich zeitlebens. feine Glaubensgenossen au« den Niederungen de« Ghetto« in da« bisher unbekannte Land der Freiheit und Menschenwürde zu führen. Bei aller Weite seines Gedanken- und Ideenflug« stand Mendelssohn stets auf dem Boden de« biblifch-talmudifchen Judentums und bekannte sich auf "Grund klarer Erkenntnis zur Thora und mündlichen Lehre, denen er wie auch de» Menschen — sich in religiöser Temut nahte. „In tiefer Verehrung", so schlost der Redner sei» auSgez.'ichnete« Referat, „gedenken wir dieser reinen Seele. Sollen aber die vielen Gedenkfeiern Sinn haben, dann muß Mendelssohn« Leben uns immer nahe und dauernd in uns fühlbar fein." Zum Abschluß de« erhebenden Abends la« Alfred Trei» just mit schlichtem klaren Ausdruck Mendelssohn« Brief an den Gelehrten Lavater, in dem er dessen Ansuchen, aus Grund der Bonnet'schen „Untersuchung der Beweise für da« Christentum" seinen Glauben zu verlassen, ebenso taktvoll wie energisch zurückwies. Auch die rührende Anekdote von „Mendelssohn« Brautwerbung" wurde von Alfred Treifust in schöner Weise zu Gehör gebracht. Tie Anwesenden bekundeten ihren Tank an Redner und Rezitator durch herzlichen Beifall, dem Tr. Walter Einstein auch von »ich a»S nochmals warmen Ausdruck verlieh. II. 8t Stuttgart. Berthold Auerbach-Berein. Ter zweite Heimabend von Rabbiner Tr. Auerbach über „Tie Lehrer de« Talmuds" findet am 8. Lkiober statt. Ministerialrat Tr. LItoHirsch wird am 15. Oktober über „Aufgaben jüdischer Politik" sprechen. Ten Besuch beider Beianstaltungen empfehlen wir unseren Lesern aus« wärmste. (Siehe Anzeige in dieser Nummer.) Stuttgart. Ter Berthold Auerbach-Berein veranftalteie am 4. August eint Tressahrt anit dem Jugendbund Pforzheim. Bon Weil der Stadt ging e« in froher Wanderung durch da« romantische Monbachtal. An der Nagold, wo sich die Pforzheimer Freunde bereit« eingcfunden hatten, wurde sodann vergnügte Rast gehalten. Tann wanderke man durch schöne Tannenwal» Hungen nach Liebenzcll. wo die Zeit bi« zur Rückfahrt verbracht wurde. Tiefer Wanderung schloß sich am 8. September da« wom Landesverband veranstaltete Treffen der Jugendvereine Stuttgart, Ludwigrburg, Göppingen, Heilbronu und Pforzheim an. Rach kurzer Wanderung an den Maulbronner See wurde dort der größte Teil de« Tage« fröhlich verbracht. In dem au« dem zwölften Jahrhundert stammenden Maulbronner Kloster lernte man ein schöne« Baudenkmal au« vergangener Zeit kennen Abends verbrachten die Teilnehmer au« Stuttgart, Ludwigsburg und Göppingen noch einige gemütlich« Stunden in'Ludwigsburg. Tas Treffen hat feinen Zweck, die Mitglieder der einzelnen Bünde einander näher zu bringen, erfüllt. Stuttgart. T ie Zionistische Bereinigung für Teutschland, Ortsgruppe Stuttgart, haue für den 18. September zu einem Bortrag von Ministerialrat Han» Goslar-Berlin über da« Thema „Troy allem Palästina" «ingeladen. Ter Bortrag fand im kleinen Saal des Bürgcrmufeum« statt und hätte das soll jetzt schon gesagt werden - ein größeres Publikum verdient. Besonder« Umstände zwangen aber die Beranstalterin, den prominenten Redner nur einem kleinen Kreise vorzustellen. Alfred Levq, der Vorsitzende der Stuttgarter Ortsgruppe, hieß den Refkrenlkn mit herzlichen Worten willkommen. Sodann ergriff Ministerialrat Goslar da« Wort. Er versuchte, wie er mit eigenen Worten sagte, „nur eine kurz: Rekapitulation dessen zu geben, wa« un« mit Palästina verbindet", und befaßte sich einleitend mit den jüngsten Ereignissen in Palästina. Für alle, so führte der Redner ungefähr aus, sind die Tinge dort überraschend gekommen; und die« eigentlich nicht mit Unrecht. Tenn da« Berhältni« zwischen Juden uud Arabern war in den letzten Jahren «in durchaus gute«. Gewann doch der Boden durch die jüdische Siedlung an Wert, erösfneten sich doch den arabischen Bolk«- kreisen durch sie lohnende Arbeitsmöglichkeiten. Tie wirklichen Angreifer waren die arabischen Großgrundbesitzer, die in Pari« und. London von ihren Renten leben und die ihre Einkünfte von der Kommerzialisierung de« Landes durch die Juden bedroht sehen. Einen viel ge- Bericht dr< Israelitisch«» Fürsorgeamtes über de» Monat A«g»st. Sprechstaadea der SSrsorgert«: M.«.,. Di».,.,. J wn.,M_uH nt, Mittwoch, Freitag nachm, von .9—5 Uhr DaS Israelitische Fürsorgeamt hat im Monat August 1929 unter Mitwirkung der angefchloflenen WohllätigkeitSvereiue folgende Tätigkeit entfaltet: Laufende Unterstützungen.JC 792.54 Einmalige Unterstützungen. 351.38 Sesuudhettr- und Erholung-fürsorge . . „ 44.80 Anstaltsfürsorge.„ 260.— Durchreisende.265.70 An 13 Erwachsene und 6 Kinder wurden insgesamt 68 Kleidung-« und Wäschestücke abgegeben. An Spenden erhielt da- Fürsorgeamt Mk. 325.— von Ungenannt „Zum 5. August", 91.91., Herrn Herrn. Ernst Eteru, Herrn Han- Sternhrim, Frau S. Strauß, Cannstatt, Firma Tiefenthal u. Halle anläßlich der Vermählung de- Herrn Schämemit Frl. Loewengardt, und Fra« Kommerzienrat Adolf Wolf anläßlich der Vermählung ihrer Tochter Ruth mit Herrn Robert Weil. ringeren Streitgrund gab da« religiöse Moment. Schon Hrrzl trat für die Extrrritorialisierung der heiligen Stätten ein. Nie wurde die jüdische Arbeit in Palästina vom Chauvinismus diktiert. Wer nach Palästina ging, der ging, um sich ein menschenwürdige« Tasein zu schassen. - Palästina war bi« zur Einwanderung der Juden tote« Brachland. Es waren höchsten« wirtschaftliche und politisch«. Gruppen, die sich für Palästina interessierten'. (Ausbeutung de« Toten Meer«, englische Orient-Jnterrs sen). Aber keine Gruppe der Welt hatte das Interesse, da« Land unter einem sittlichen Gesichtspunkt auszubauen — außer den Juden, die aus Palästina eine ewige Legitimation haben. Teshalb kann un« auch trotz aller Katastrophen da« Land nicht verloren gehen. Auch der Völkerbund stützte sich aus die Legitimation der Bibel und de« schon Ge-' leisteten, als er da« Werk sanktionierte. Zu korrigieren ist aber d i e Auffassung, daß durch eine noch größer« Katastrophe in Palästina das Judentum zusammenbrechen könne. Mit diesen Worten ging der Redner zu einem Problem über, da« er in einer ganz besonderen, vor allem für den Nichtzionistrn ansprechenden Weise beleuchtete. Judentum, so argumentierte er, ist lediglich eine Sache der Geistigkeit, die tmrch Politik nicht berührt werden kann. Aber die Juden sind gefährdet, weil ihnen die Kraft fehlt, den Geist der Thora zu materialisieren. Ta« Bolk braucht die Thora, um jüdisch sein zu können. Und wie sieht e« mit diesem jüdisch-freligiösen Geist in Teutschland au«? Tie Großstadt hat der Mehrzahl der deutschen Juden alle« genommen. Fern vom Gesetz wächst unsere jüdische Jugend auf und weiß nichts mehr von seinem Geiste. Auf die Tauer bedeutet die Großstadt auch den Tod de« jüdischen Familienlebens. Schuld daran tragen nicht zuletzt die Gemeinden und Schulen selbst, die dem pädagogischen Problem sich nicht gewachsen zeigen. „Es ist ein« Schande, daß rin Kulturvolk, da« wirkliche«, jüdische«, legitime« Leben hatte, so unwissend geworden ist." Ta« bedeutet den Tod de« Judentum«, das - welche Tragik! — an seincr Unwissenheit zugrunde geht. Au« eigener Kraft aber wird die Erneuerung kaum geboren werden können. Jüdische Lehr« und jüdische Hoffnung aus Palästina brau- Seschäadete SttftftriM vv« Isr. Friedhof Niederstetten.

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