Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 11 (1.9.1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 145 (sequence 3)
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gewesen sein. „Er kann gehen", soll er kurz ge antwortet habe». Tic Audienz Mendelssohns beim Prcnßeiikönig sowie die hier mitgeteilte Antwort des Philosophen wird, wie gesagt, von mehreren Mendelssohn-Biographen als beglaubigte Tatsache verzeichnet. Einige Historiker jedoch ziehen diese Angaben in Zweifel. Sicher aber ist, daß Mendelssohn wegen seiner Kritik der „I’oesies Diverses" vorgeladen wurde und sich rechtfertigen mußte. Nach einer älteren Quelle soll der Dichter Justi, dessen Epos „Tie Tichtcr Insel" Mendels sohn in den Literaturbriefen arg zerzaust hatte, den jüdische» Philosophen wegen seiner Kritik der (Gedichte des Königs denunziert haben. Mendelssohn wurde ausgefordert, vor dem General- Fiskal zu erscheine». Aus die Frage des Fiskals: „Wie kann Er sich unterstehen, wider Ehrisien zu schreiben?" erwiderte Mendelssohn: „Wenn ich mit Christen Kegel schiebe, so werfe ich alle Neune, wenn ich kann." So erzählt es »ns Nicolai, der bekanntlich der Freund Les siugs und Mendelssohns war. In einem „Phy> siognomischen Almanach" vom Jahre 1792, her ausgegeben von Christoph Girtannrr, findet sich über einen Besuch Mendelssohns in Potsdam solgeudcr Bericht: Der kursächsischc Staalsmi- »ister Freiherr v. Fritsch besuchte Friedrich den Großen im Jahre 1771 zu Potsdam. Bor seiner Abreise äußerte er gegenüber dem König, daß er über Berlin zurückfahren werde, um den berühmten Moses Mendelssohn persönlich kennenzulrr neu. „Ey", versetzte der König, „deswegen brau che» Sie nicht über Berlin zu reisen. Bleiben Tic lieber einen Tag länger bei mir, ich will den Moses nach Potsdam kommen lassen." .Hieraus erhielt Mendelssohn folgendes Schreiben: „Ta der kursächsische Staatsminister, Freiherr von Fritsch, Verlangen trägt, den berühmten Herr» Moses persönlich kennen zu lerne»; so habe ich Temselben, auf Beseht Sr. königl. Majestät hier durch sollen zu wissen thun, daß Er gegen Morgen Mittag nach Potsdam kommen möge." Moses erhielt den Brief an einem Freitag. Er erkun digte sich bei dem Rabbiner, ob er in diesem Falle am Sonnabend fahren dürfe. Ter Oberrabbiner berief eine Versammlung der Gesetzes verständigen und diese entschieden: „daß in dem gegenwärtigen Falle der ausdrückliche Befehl des Landesherr» eine Dispensation von dem Gesetze erlaube". Dabei ersuchten sie aber den Philo sophe», daß er, um dem Volke kein Aergernis zu geben, ans dem Tore von Berlin zu Fuße gehen und auch vor Potsdam aus de», Wagen steigen und zu Fuße hineingehen möchte. Ties geschah. Bei dem Eintritte i» Potsdam wurde Moses von der Schildwache angerufen: „Wo tvill der Jude hin?" Zu gleicher Zeit kam ein ganz junger Ofssizier heraus, um ihn zu cxa minieren. Er wurde gefragt, was er für ein Geschäft in Potsdam habe. Taraus gab Moses zur Antwort: er komme aus Befehl des Königs dahin, und überreichte zugleich den Brief. Ter Fähndrich las den Brief bedächtig durch, sah noch einmal das Wort berühmt und fragte: „Warum ist er den» so berühmt, daß Er hieher bcruscn wurde?" Moses Mendelssohn lächelte und sagte: „Ich spiele aus der Tasche." (Ich X Haniel X Ci. m. b. H. Frledrldlfträte 8, (am Friedrichsplatz) LADER« W—I<rm (k. angüMbca «arten) FERNSPRECHER 20790 Nur ersflüafflgc Brennmaterialien aller ürf Sorgfältigste Belieferung I Unbedingte Garantie für abgeliefertes Gewicht VergscMundle /Stuttgart TtidlugerftraKe 1, 3eL 2?151/52 sta- und verkauf von Grundbesitz u. Hypotheken ln Stadl und Land £trag|. «rfol,tung o. ptrfSoL StotbcUong |«6«e flnjelncn falles — 145 III bi» Taschenspieler.) rieh, „gehe Er nur Tie oben an die knüpfte Bemerkung scheidenheit könnte l geben, als sei Mcnj> Mensch wie alS PH Annahme wäre durch bescheiden, dabei aber seinen eigenen Wert Sache zu verteidigen, heit in den Hintergru jeder Halbheit, ein sucht, ein Bekämpfe; ein mutiger Streiter „So,"' versetzte der Fähnd Gottes Namen." Aenßerung Mendelssohn geüber seine allzu große Belicht der 'Auffsassung Raum elssohn nicht so groß als losoph gewesen. Eine solche aus falsch. Mendelssohn war auch selbstbewußt; erkannte Wo es galt, eine ernste trat bei ihm jede Bescheiden nd. Er war ein Verächter (Gegner jeder Nachahmungsjeglichen Vorurteils und für Licht und Aufklärung.' Der verbesserte und bekehrte „Nathan der Weise". Auch eine Erinnerung anläßlich des Mendelssohn - Jubiläums. Cs gibt wenig deutsche Tichtungen, die einen s" starken Einfluß cuf ihre Zeit ausgeübt wie LessingS Botschaft bei Tuldsamkeit und der Nächstenliebe, sein „Nathin der Weise". Eine Reihe bürgerlicher Schauspitlc nahm LessingS Gedanken der Toleranz aus und machte die Bühne zur Kanzel, von der der Kampfruf gegen bürgerliche und religiöse Vorurtnle ertönte. Neben diesen untn deutenden, aber wenigstens gutgemeinten Nachdichtungen des „Nathan" steht eine mindestens eben,', große Zahl von Travestien und Parodien der Lessing'schen Dichtung, die einen oft recht pcinllchen Eindruck erwecken. Tie Reihe dieser mutwilligen Verkehrungen begann 1801 der Berliner Pnssendichter Julius von Voß. „Ter travestirte Nathan der Weise, Posse in zwei Akten" ist eine Sammlung von Frivolitäten, denen allerdings der Witz nicht abzusprechen ist. Anderen Umdichtung! n kann nicht einmal dieses Mildernngsurteil zu rkannt werden. Lessing selbst plaw e ein . Nachspiel zum „Nathan". Am lö. Janugr 1779 schreibt er an seinen Bruder Karl Lessing spiel „Ter Terwisch" von dem geplanten Nach das den Faden einer Epi sodc im „Nathan" ausnehmen und zu Ende bringen sollte. Ter Plan blieb aber wie so viele andere von Lessing geplanten Tichtungen, unausgeführt. ES war ein zweifelyajter Ersatz, den Friedrich Maximilian Klingeij in seinem Jugenddrama „Ter Terwisch" bot. ' Noch zu Lebzeiten Hessings unternahm es Äon ,'istorialasscssor und Hosprediger in Meiningen Johann Georg Psrainger in einem sünfaktigen Jainbcndraniii „Ter Mönch vom Libanon", ein Nachtrag zu „Nathais der Weise", das 1782 in erster. 1785, in zweites umgearbeitcter Auslage er schien, LessingS Tichtung zu widerlegen. Zwar war seine Absicht, chic der Herausgeber feiner Gedichte Tiakonus Jöhann Ernst Berger schreibt: „nicht eben um mit Lessingen eine Lanze zu brechen, sondern um manche Acngstlichc zu bc ruhigen und zu zeigen, was das Christentum auf so manchen witzigen und scheinbaren Einwurf des Lessing'schen Tramas antworten könnte". Tatsächlich aber ist bas Jntriguenspiel, das mit Saladins Tod endet, mit der Absicht geschaffen SCHUHHAUS Seii HO Jahren das Haus für gediegene Schuhe worden, den Nathan zu verdrängen und der Rechtgläubigkeit! zum Siege über die Vernunft religio» zu verhelfen. Ter Mönch, der sich schließ lich als Taladiiw totgeglaubter Bruder Assad und als der Vater Rechas und des Tempelherrn ent puppt, ist ein jAuSbund aller christlichen Tu genden. Taß er! die durch Lessing zur Moham medanerin gewirbene Recha zum Christentum bekehrt und auck den Tempelherrn voraussichtlich bald aus den t Leg zur Seligkeit bringt, keKn zeichnet die Tichlung. Ob sie einmal das Licht der Rampen erblickt hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls fand sie eine so große Verbreitung, daß Pfrangcr sie umgearbeite nach zwei Jahren erneut er scheinen ließ. Tie Handlung der Tichtung ist kurz folgende. Saladin liegt iijt Sterben. Seine Schwester_3it tah, Nathan, d» Tempelherr und Recha Höffen, daß der als Wunderarzt wirkende Mönch vom Libanon, den die Freunde an das Krankenbett Saladins entsaicht, den Sultan retten wird. Ter arabische Leibacht Saladins, Imam Jezid, will den Sultan auj Anstisten des Mameluken Ab dallah vergifte»! und vertauscht den Becher mit dem Heiltrank ves Mönches gegen einen Gift becher. Ter schändliche Plan mißlingt. Tie Schur kcn verraten sich gegenseitig und retten so den wegen Mordverdachts in Ketten gelegten Mönch. Ter sterbende Saladin erfährt, daß der Mönch sein totgeglaubtch: Bruder Assad der Pater Rechas und des' Tempelherrn ist. Er stirbt mit den Worten: „Tu bist mir me(n Ends fröhlich, hast» meinen Lieben neinen Sterberag szum Freuden sest gemacht". 1 Psrangers Dichtung, die übrigens erneut im vierten Bande der Schriften der „Gesellschaft sür Theatergeschichtc' abgedruckt wurde, ist nicht ohne poetischen Wert. Sie enthält manches jeinsinnige Wort, das aus LessingS Schule stammt. Nur daß bei Pfranger der Mönch der Prediger der Tuld samkeit ist. Biqlleicht sein schönstes Wort ist: „Kein Volk ist lin der Welt, in dessen Glaube nicht etwas Wahres ist, und wär' es nichts, als daß es ist ein Gott! Schon Grund, als fein Ge schöpf ihm treu zu sein. Je weiter dieser Ge danke entwickelt ist, um desto besser ist die Religion." Psranger ist njoch nicht 45, jährig am 10. Juni 1790 in Meinin zen gestorben. In reichlich rührseliger Weise Hit der Herausgeber seiner Ge Ste, I. E. Uerger (Meiningen 1794) sei» en beschriebet. Er war am 5. August 1745, in Hildburghaus en geboren. Von 1770 an war er als Hospred gcr in Meiningen tätig. Im gleichen Jahre »eröfsentlicht er ein Buch „Uebcr die Auferstehung der Toten". Von 1779 erschienen drei Bände .seit er Predigten. 1792, also nach seinem Tode, wr rde sein homiletisches Werk über Ls ist in Ihrem Inieress L wenn Sie sich voll Kauf eines Radio-Apparates von mir beraten lassen / Katalog gratis . ROTEBÜHLSTRASSE 40 / TELEFON 65225, RADIO-FRANI 64205 Verlängern Sie Katalog oder V Aug. 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