Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 9 (1.8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- Seite 128 (sequence 10)
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EUGEN MÖHLE IMIIMItlllKIIIIIMIIItllllllllMMIIIIIIItimiMllllllflHIIMIIMIIIIIIIMIIIIII HEILBRONN karisfra3s 8 Telefon 1076 Herren-Schneiderei/Tuchlager | reit Lehman und t>td(r andere große Juden noch in der Vollkraft chres Wirkens imö, bereits Repräsentanten der neuen fugend der Verwirk lichung jüdischer Auibauideen ihr Leben widmen. ■ -1- Aus der jüdischen Märchen- und ..Lagenwelt. Geld hält sich nur im groben Sacke. I.-I einem Zlädkckien des Ostens lebre ein :e,chtl Mann, der hochmütig undharten Her j :ens war. 'JJiir wenn er sicher ivar, daß man 'eine svieigebigkeii bewundene, spendeie er Wohl raten. Es war seine An, den Armen ru demüki akn, sobald er ein Almosen gab, und mancher, der seine Zpoitreden sürchreie, ging auch ui der •,'i'ot ihm aus dem Wege. Ter Prophet Elia in von jeder ein freund der Arme,, gewesen. Wer weiß nichl von ihm ru erzählen, wie oft er sich seiner Zchüylinge angenommen und ldncn ein Helfer und Reiter geworden/ Zcbon lange dane der Prophet sich über des reichen Mannes Hochmut und Hartherzigkeit gekränkt und er beschloß', ihn zu belehren. Am iahtiiih sprach diesmal ein Wanderpre diger im Ztädickien, in welchem der Reiche wodnie. Zeine Worte wirkten wie ein rechter "wliesiegen. Erfüllt von frommem Weifte per ließ die Gemeinde das Gotteshaus. Es war damals üblich, daß der Wanderredner am Tage nach dein Zabbaili mit den Vorfielicrn der Gemeinde die reichen Bürger besuchte und von ihnen beschenkt wurde. 2o kam auch der Wandcrprcdiger es war kein anderer als der Prophet Elia selbst in das Haus des reichen Mannes. Ter Reiche lednie sich lässig in seinen Ziuhl zuruck, -als der Prophet vor ihn kam und sprach: Tu haß herrlich gesprochen, und ich bin bereit, dich zu belohnen, wie das meine Gewohnheit ist. Ich bin ja. Gottlob, der reichste Mann in dieser Gemeinde. Aber zuvor mußt du mir eine Urage beantworten, die mich seit langem de schäsiigl: Wie kommt es nur. Saß ihr gelehrten i üeutf so arme Teusel seid, sodaß ihr elendiglich verhungern müßtet, wenn wir euch nicht Hülfen." ..Ich will dir deine Frage", sprach der Prophet, „durch ein Erlebnis beantworten: In meinem Torse lebte ein armer frommer Mann, kein Gelehrter, aber ein bescheidener und rechtschaffener Mensch. Im Verhaus stand er bei den Armen an der Türe, so wie es sich für ihn schickte. Ter Mann halte Glück. Er nahm ein Los und gewann viele tausend Tukaten. Natürlich wurde das bald weithin bekannt, stam er ins Gotteshaus, dann wies man ihm den vordersten Play an, und auf der Zrraße verneigte sich jeder vor ibm bis auf die Erde. Er selbst konnte die Wandlung garnicht begreifen.. „Woran mag es nur liegen, daß mich die Leute so lieben und ehre», rch bin poch weder klüger noch besser geworden"? Ta kam er daraus: es liegt 'daran, weil du jetzt Geld hast. Also gebührt die Ehre nicht ihm, sondern seinem Gelde. Was tat der reich gewordene Arme? Er kaufte kostbare Zeide, ließ daraus schöne Beutel machen und rat die blanken Tukaren und schweren Taler in die Beutel, die er in seiner guten Ztube aufhängre. Aber zu seinem Erschrecken rissen die seidenen Beutel, und die Tukaren und Taler rollten auf die Erde. „Jetzt sehe ich, sprach der Mann zu sich: „Geld kann sich nur im groben Zacke halten." „?as ist", so sprach der Prophet, „meine Antwort aus deine Frage". Und mit diesen Worten verschwand er. Zeitdem sagt das Zpricbwort: Weih hält sich nur im groben Zacke. Trauernde Tiere. Ein Leier unseres Blattes in L-üsalkn berichtet uns folgend« wahre Begebenheit. Wir alle behaupten, Tierfreunde zu sein, wenn wir gerade mal gut gelaunt sind. Aber wir halten - 128 - ■ es für überflkiijig zu untersuchen, ob auch Tiere, die die größte Rücksichtnahme schon religionsgesetzlich genießen, unsere Freunde sind. Vielfach sind sie es nicht. Tiese Regel wird durch schöne Ausnahmen bestätigt. Es gibt Tiere, Hunde, .stayen, Vögel, die dem Menschen, der ihr Vertrauen sich erworben hat, die Treue halten, bis über das Grab hinaus. . . Tas bringen nur wenige Menschen fertig. Im verlorenen Winkel unseres an Winkeln so reichen Vaterlandes, im Wittgenstein'schen, lebte ein alter Mann mit seinem Kanarienvogel. Er teilte den Rest seines Lebens mit ihm, ein Leben der Arbeit, ein Leben als treuer Iehudi. Ter Mann war alt, ehrwürdig alt. 98 Jahre waren ihm geschenkt. Sein gefiederter Freund trauerte, als der Greis krank wurde. Er trauerte auch, als er mit ihm das Krankenzimmer teilen durfte. Er sang nicht mchr. Schien es ihm unsaßlich, daß sein Pflegevater nicht mchr das gewohnte Tagewerk tun HEILBRONN CDIT7 CCCI KAISERSTR. 18 riUW/ »ßCL FERNSPIt 667 Feine Schreibwaren Elegante Lederwaren Kunstgew. 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