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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-07-16 · 8 (16.7.1929) · p. Seite 109

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
8 (16.7.1929)
Date
1929-07-16
Page
Seite 109 (sequence 3)
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K » » Leute. Wenn der „Ehason" im Götteshause den Namen Amalek nennt, dann fällt die ganze Gemeinde im Bewußtsein einer geschlossenen kampfbereiten Phalanx im Chor mit den Worten ein: „Tein Name und sein Andenken möge ausgetilgt werden!" In Sluzk steht die Zeit still. Trci Lebensaufgaben sind hier allein zu erfüllen: Thora, Chuppa, Maassim-towim. Und wer sein Leben diesen Pflichten unterstellt und in ihnen aufgeht, der genießt allgemeine Achtung. Wenn von einer beruflichen Wertschätzung unter der Indcnschast des kleinen russischen Städtchens im „Ansässigkeits-Rayon" überhaupt gesprochen werden kann, so steht der Gelehrte, der „Lamden", unbedingt an erster Stelle; dann erst kommt der Kaufmann. Ein Handwerker kann, wenn er auch nur ein „Baal Meloche" ist, trotzdem in gutem Ansehen stehen, wofern er nur seine gaizzc Existenz dem Tienste an Gott unterordnet. Toch auch das Sluzker Leben hat Lichtpunkte, freundliche Oasen im trübseligen Gleichmaß entbehrungsreicher Tage. Welche Kraft und Freude können doch unsere religiösen Feste verleihen, wie blüht dir bekümmerte Seele im stillen Heilig tum auch der ärmste» jüdischen Hütte zur hehren Taseinslust empor! Ta ist zuerst der Sabbath zu nennen, ein wahrhaft königlicher Tag. Am Freitag Nachmittag wird rechtzeitig das städtische Dampfbad angeheizt, und die ganze Ge meinde rüstet sich zu einem RcinignngSprozeß, der für die vollkommene Sabbathweihe unerläßlich ist. „Jüden, in Bod erai», Jüden, in Bod erain" ruft der Badediener und eilt mit feinem Birkenbesen durch die kleinen Judengasscn. Hei, das ist eine Freude! Aus der obersten Stufe der Tampsstube, wo es am heißesten ist, werden von de» Honoratioren Gemeindeangclegenheitrn und private Tinge besprochen, ein fröhliches Ge johle entsteht und dann, nachdem man mit dem Schmutz der Woche gleichsam alle Krusten entfernt hat, die das harte Alltagsleben »m die Seelen legt, geht man freudig gestimmt nach Hause. Es kommt da vor, daß die nasse» Paies wie dir Mäuseschwänzchen um die Schläfe» hän ge» aber man hat ja Eile, größte Eile. Tenn man soll alles tuen, um recht schnell in den „Besitz" des Sabbaths zu komme», da gegen geht man vom Aotteshaufe recht )a»g HUGO BLESS Maßgesohtift feiner Herrenmoden vorm. JOSEF BLESS F«rnapr«ch*r O+Or. 1808 Gymnaalumstr. 23880 8 TUTTÖART Nr. 14 WEISSE WASCHE i»._.*_}DAS ZIEL DER WEG- SIT OZONIL Katlee FOnfcnliof lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllMlilW, Marienstraße 7 Altbekanntes Familien - Kaffee * Eigene Konditorei ff. Peiits-fours Pralinen Keks Kleinbackwerk Spezialitäten: Ananas-Kuchen, Sahne-Torten usw. Lieferung frei Hans — Fernspredier 71580 109 - sam z» seiner Wohnung, um anzudeuten, tvir »»gern man die Synagoge, das Haus des Herrn, verläßt. Ausgestorben ist das Städtchen: Auch in der ärmsten Hütte bedeckt ein reinliches Tnch den Tisch, wenn die Betervom Gotteshaus» kommen. Wer die ganze Woche „durch des Lebens Kot und Kehricht köterle", weiß, daß ihm ljente ein richtiges „SchabbtS-Essen" beschert wird, das, wenn der Arme eS ^ich nicht leisten kann, ihm als „Mizwoh" vom Reichen gespendet wird. Ost bringt der Vater eiyen „Jüden aus Schabbes" mit; wie gespannt lauscht dann Groß und Klein den Reden des srenfden Mannes, der n i e ein Bettler, immer aber ein Gast ist. Und weiß der Fremdling gar in, der Heiligen Schrift gut Bescheid, dann wirdj er besonders ehrenvoll aus genommen. Wie könnte das ostjüdische Herz den delikaten „SchabbeS-Hecht" vergessen oder das ob ligatc Tessert, den aus Rüben, Zucker und Honig zubereitetrn „Zimesk', der jo gut mundet, haß man von einem schönen Mädchen sagt: ,,A.' Moid wie a Zimes!'! Selbst die Keinen Kinder bekommen rin Gläschen Schnaps, das mit weißem Brote ausgetun'kt wird. Schöner, heiliger Sab bath! Ta sind die Stuben voll Engel, die vom Hausherrn und seinen Söhnen weihevoll bc grüßt werden, da ist der liebe Gott in allen Häusern und segnet seine Kinder. Keine Münze klingt, kein Wort ron Geschäften ertönt, Tasür erzählt man sich am Samstag Nachmittag aus der Leschanka „Mousses" von Tchedim und Le bim, Geschichten von guten und bösen Geistern, denen besonders die Kinder atemlos lauschen. Und wenn der Abend herannaht, und die zweite Seele, die „Neschome Jessereh", den Körper zu verlassen sich anscstckt und den Menschen in einem, ach, sö armsckigen Tasein zurückläßt, dann nimmt der Bater einen silbernen Becher mit Rosinenwein, zündet die „Hawdoloh-Kerze" an, und langsam kriechen die Schatten der schicksalsvolle» kommen! »en Tage in Die Stube; sie weichen zurück vo: den hoffnungsvollen „Güt Woch" Rusen und komme» unbarmherzig wieder. Ter Sabbath ist z» Ende die Hofsnnng ans de» nächsten blüht empor. Bielgelästerter Heinrich Heine, der du trotz deines „Entreebill:ts zur europäischen Kultur" de» ganzen Zauber, die ganze, heimelige Poesie des Sabbathtages w herrlich besungen hast! Wenn * heißt die SßcMng jetzt^ demt^adzusetzt?/nd yta/Jer-^cmx -Seit® nimmt Ger/üngtd^n j(prpergcwx bestimmt. ^Hiervon bf|en in Sluzk deine „Prinzessin Sabbath" gekannt hätte, mit Jehuda Halcvi hätte man d^ch gewiß nicht verglichen; abertausend jüdisch Herzen hätten den Schlag bei »es Herzens iiverspürt, hätten in deiner weh mütigen Apotheose des Sabbaths den ureigen sten Rhythmus ihres religiösen Daseins erfühlt! Wie ist es »chwer, dies alles weit hinter sich zu lassen und stich in Länder zu wagen, die erst in tagweiten Meisen mit der Bahn für teures Geld zu cireilhen sind. Und wie schwer ist es, sich von hier unter Nichtjuden zu begeben, deren das Heimatdorf nur einige wenige hatte, an denen1 man wie an Fremden vorüberging. Ter „Row" und das Gesetz hatten das Leben jedes Ein zrlnrn in Slstzk und im übrigen „Mütterchen Rußland" gleichsam „umzäunt", kaum ist ein jüdisch Kind einmal ins Lager der anderen hin übrrgewcchsrlt> und wenn es geschah, dann wurde der Flüchtlind als Abtrünniger aus dem Ge-i dächtnis gestrichen. i IL Und du, Iehudo Epstein, unterernähr les, schmäckaiges „Bochrrl", wie steht cs mit dir? Wfe konntest du, der> du seit deiner jrührsten Fußend in de» „Eheder" gingst und zur Freude dÄncr Eltern in jungen Jahren schon ein „Keiner Lamden" warst, wie konntest dir ans den ungeheuerlichen Gedanken kommen, ein Maler zu werden? Bis zu deinem 14. Iahrg war dir von! einer „bildenden Kunst" nichts bcsü ui iimmramtimnininmuin iiiiniliHiiiiiintiiiiliHHUliHWtiiiitiiHiiiniinmminiotiiHiTnnnmi Verein „EA‘ Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsstelle ei V. FRANKFURT A. M. ' -r- Zweck des Vereins ist Ehen unter Juden aller Stande aiizubahnen. Seine Geschäftsführung wird ehrenamtlich geleitet und ist für die Beteiligten kostenlos. Anmeldebogen, gefl. anzugeben ob für Herren oder Dame, nebst Merkblatt werden auf Verlangen zugesandt. Als Anschrift genügt: •iKA“Prankfurt a. Eschershelmer Landstraße’29! Frankfurt a. M., Juni 1929 [ DER VERWALTUNGS-AUSSCHUSS Ptof. Dr. Hanauer, Vorsitzender, Frankfurt a. M.! Rechtsanwalt Horovitz. Stellv. Vorsitzender, Frankfurt a.M.; Wolfghng Auerbach. 1 'rankfurt-M.; Benno Basch, Magdeburg; Frau Johapna Baer. Vertreierln des Schwestemverbandes des U. O. B. B., Frankfuri-M.; Julius Blocli, Frankfurt-M.; Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbacti-M.; Arzt Dr.Ehri nrelch, Köln; San.-Rat Dr. Ooldschmldt, Berlin, Vertreter der GroBtoge des U.O.B.B.; Fritz Hirsch, Ladenburg; Frau Hauptlahrer Kaufmann, Grlsenklrchen; Max Markreich, Vorsteher der Israeli Gemeinde Bremen; Frau E. Rosenzweig, Frankfurt-M.; Rabb. Dr. Unna, I Mannheim; Prof. Dr. Wölbe, Berlin. [ WMWMWMMM Kurhaus auf der Heid Neu renoviert L Besitzer: E. WÖRWAQ ''IltWMIWIMWWIlk TeL 21724 ,dllHIIIHUIIIHIHIUIHIimiUllllir i 'iniimuiiiiwiiiii1’ 1 Minute von der Endstation der Linie 7 — Prächtige Waldlage — Vornehmes Höhenrestaurant mit eigener Conditorei u. Schlächterei — Im 1. Stock Gesellschaftssaal m offener u. geschlossenerTerasse. «VW i AMittfe t < gI i i krisch 6H»WiAt( frei I 4e & an e Carl '! Itter AotaScrgfn. 34 Telefon 64612 Phofoapparafc Pholobedarf PlioloarbdlCB Oft- V ELI Harttnstp* L ruieie frlcdrMtfhafci >hoto- Wo lutülei Sit Ur Eis lir luM-Tut? nur im Caf4 Haimann Ecke Schloßu. Seidenst» 6 SPEZIALITÄTEN: Alle Sorten Fruchte!» u. Creme-EisEisgetr&nke mm Sahne-Eis (nm-nekrjwi Tiftn.Mlthin.adMa in bekannt vorz. Qualität TffnMdt kMmkrt 22979 H. HEBELE Torrn. K. Kräutler REINSBURQSTR. 21 * TELEFON Nr. 604 61 MINERALWA^SBR-QROSSBANDLUNQ Slmtlldie Mlneralwaaser und Limonaden Dlnkelarfcer Flaschenbiere Liefernag frei Haas! 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