Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 6 (16.6.1929)
- Date
- 1929-06-16
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
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HtftM. Mlltffr. »KUhMkI / Tel. ,8344 4» HECNINQEN / TÜBINGEN / SIGMARINGEN In>u.ausl. Wertpapiere / Einlagen zu gflnst. Zinssätzen / Industrie-Kredite / Hypotheken flcrabf mit einem gewisse» Skeptizismus jedem Bortrag entgegen, der mit den Segnungen dieser neue» Frauen. Inltur bekanntzumachcn sucht. Ten» eine» darf man ruhig seststellen: Wie die Ideologie unserer Jngcsndbewegung der früheren Jahre sich in einer falsch ver standenen nebelhaften Romantik verloren hatte, so haben sich viele Vertreterinnen des modernen Frauenbewegung jetzt in eine Problematik verrannt, die das, was das Eigentliche der Frau, die Kontinuität ihres innersten Wesens, ausmacht, verdunkelt und abschwächt: die ll n bedingtheit des Weiblichen. Umsomehr war man erfreut, in Frau I e l l a L e p m a n, die am 28. Mai im Berthold Auerbach Berein über „Neue Lebensform der Frau" sprach, eine Persönlichkeit zu hören, die in wahrhaft erfrischender Weise nicht »nr ein Bild der Frau als Teil und Ausgabensaklor im kreise der Schöpfung, solcher» vor allem auch als selbstbewußten Träger eines neuen und modernen Lebrnsideals vermittelte. In sprachlich hervorragende», durch die Prä zision des Wortes und das Temperament der Tarstellung bcmerkenswericti Aussührungen zeigte die Red iierin, wie die Frau aufs engste mit den Lebenskreisen der Natur, der Familie, des Berufs und der Oefsenl lichkeit verwachsen ist. Bon Berus und öffentlichem Leben hat die Frau zwar-xrst in den letzten Jahren fühlbaren Besitz ergriffen. Natur und Familie aber entspreche» ihrem wesensmäßige» Grundmotiv - dein „Weiblichen". Eingeschlossen in den «reis der Natur und von der Natur zwcckhast ausgestattet, ist die Frau auch heute noch der Mittelpunkt der Familie. Tas Unerbittliche des Jahres 1914 zwang in ihr nie geahnte Kräfte hervor, ließ sic mit wahrem Heroismus das herbe Leid der Kriegslage überstehe,»; aber den Heimkehrern trat ein neuer Frauentypus gegenüber Frauen, die das Lebe» in feiner ganzen Härte kennengelernt hatten. Doch das seelische Grundmotiv dieser Heldinnen der Heimat blieb erhalten: die Mütterlichkeit. Wie könnte sich auch der Kreis der Familie dem der Natur entgegenstemmen! Hochziel der Ehe ist und bleibt das Kind; feine Ausschaltung versagt der Ehe die letzte Erfüllung. „Elternschaft kann nicht befristet sein; man ist Vater und Mutter aus Lebenszeit". Tic neuen Eheprobleme, Kameradschaftsehe, Mitverdienst der Frau usw., werden sich nach Ansicht der Redneri» mit der Zeit durchsetzen. Alle diese Tinge werden aber vom gegenseitigen Aufeinan derangcwiesensein von Mann und Frau entscheidend bestimmt. Wenn das Mädchen von heute auch real denkt, so ist es doch von ideeller Spannkraft erfüllt. Tie moderne Frau erkennt den wahre» Zweck einer snstgmatischen Arbeit und deshalb sucht sie im „Beruf" Kontakt mit der Welt. Heute, da Tausende von Mädchen infolge der wirtschaftliche» und soziologischen Ver hältniss« nicht heiraten können, eröffnet d.-r weibliche Berus neue Glücksmöglichkeiten und Lebenswerl«. Zwar fällt die Berufswahl in vielen Fällen - besonders auch dem jüdischen Mädchen - - schwer; aber mit der Zeit werden sich nach Ansicht der Redncrin ganz bestimmte Frauenberufe herausbilden, deren Wahl mittels moderner Eignungsprüfungen nicht allzuschwer fallen dürste. Schönster Berus der Frau ist allerdings der des LebcnSkameraden, der Hausfrau und der Mutter. Aber für die Frau unserer Tage ist er nicht mehr einzige Erfüllung. Tenn der Beruf hat ihr ein Lebenstor aufgeschlagen, durch das sie mutig schreiten will. — Tic neue Lebensform der Frau ist am klarsten in der öffentlichen Welt erkennbar. Die Verfassung von Weimar hat die Frau in das pulsierende Leben hineingerissen und sie auch in die Berufe der Dessen tlichkeit gestellt. Noch ist die Oesfentlichkcit ein Stück der männlichen Welt; im Zwitterspiel der Parteien hat die Frau bisher keine Gemeinsamkeit gefunden. Und sie weiß doch, daß Staat und Familie, Volk und Einzelmensch aufs engste miteinander verknüpft sind. Heute steht ein gütiger, .aber starker Frauenwillc entgegen der seelischen Entfremdung des öffentlichen Lebens, dem sic anderes geben will und kann als der Mann es vermag. So gelang es der Frau im letzten .Jahrzehnt, das Leben zu beleben und mit neuem Geiste, zu erfüllen. Wichtigste Anlagen in ihr kamen zur Entfaltung. Die Frau weiß sich eingeschlossen in den Strom des unermüdlich flutenden Lebens; sic geht Drogerie siaiger, Benningen Wilhelmstr. 72 - Rathausstr. 4 Parffinerlea f sanUitsartlkel TolictieuWiel II Droica fty*. ftunmtwarcn - 87 - mit der Zeit und weiß diese neue Freiheit zu nutzen. Toch das Ewige in ihr bleibt unberührt. Einem geliebten Menschen anzugehören, ein Kindlein aus dem Schrße zu wiegen und > ihm ein Lied zu singen — das dlcibi »ach wie vor höchstes Fraucnglück. Aber auch die neue Lebensform der Frau öffnet ihr die Tore zum daseinsfreudigen Lebe». Mit wenigcn Worten haben wir versucht, die Grund gedanken de« ausgezeichneten Vortrags von Frau Jella Lepman auszuzeigen, sind uns aber völlig bewußt, nur einen Bruchteil dessen wiedcrgegehcn zu haben, was die Rednrri» ihrem steinen, aber umso dank bareren .HörerkrciS gehoten hat. Jedes ihrer Worte war von Zukunstssreildigkeit durchglüht, jeder Rück blick in früher« Jahre atmete Verbundenheit mit der vielfältigen Welt der >Frau und die Gewißheit, daß hinter der Form ein. Etwas steht, was auch die „neue Lebensform" der /Frau allein zur erfüllenden Daseinsform machen kann: das „Ewig-Weibliche". Eine rege Aussprackßbeschloß de» mit stürmischem Beifall ausgcnommeneij Vortrag. H. St. Stuttgart. H a u p t v>e r s a m m l u n g des I f r a e l i l i s ch e n L r I S a f in e n v e r e i n « und des Vereins für israelitische Durchreisende, Sonntag, den 9. Juni. Der Vorsitzende Otto Bam» berger eröffnet d» Sitzung und gedenkt der im letzten Jahre verstorbenem Mitglieder des Vereins. Er erinnert besonders a» Sigmund Nördlinger, der sich drei Jahrzehnte vorbildlich im Verein betätigt, und an Kommerzienrat Adolf Wolf, der dem Vereine stets ein treuer Förderer gewesen. Er spricht hieraus dem Ehrenvorsitzenden Stephan Straus nochmal« die Glückwünsche des Vereins anläßlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres aus und findet anerkennend« Wort« der Dankbarkeit für dessen Tätigkeit im Interessedes Vereins. In seinem Jahresbericht hebt der Vorsitzende besonders hervor, haß durch die Werbetätigkeit des Ans schusses die Zahl der Mitglieder des Ortsarmenver eins von 433 auf 502, sowie die Zahl der Mit - glicder des Durchreisenden verein« von 312 aus 351 angewachsen ist. Dagegen haben sich die Einnahmen des Vereins leider nicht erhöht. Auch im letzten Jahr hat sich dik Verbindung des Vereins mit deni Fürsorgeamt überaus segensreich ausgcwirkt. Der Bei ein habe seine Tätigkeit selbständig durchgeführt, aber seine Wchlsahrtstzrbei, in enger Olemeinsamkeit mit GÖPPINGEI <£&.<5<$tirr Inhaber: Gastes rausch Das! 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