Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 5 (1.6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 69 (sequence 3)
- Belongs to
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legenheit geboten, in dieser Zeitschrift die Problemfragen der jüdischen Geschichte in Deutschland von den besten Sachkennern in einer wissenschaftlich einwandfreien Darstellung behandelt zu sehen. Nur nebenbei sei erwähnt, daß eine solche Zeitschrift auch wertvolles Material zur Abwehr judenfeindlicher Strömungen bieten kann. So darf das neue Unternehmen auf freudige Aufnahme weithin rechnen. Das erste Heft der Zeitschrift läßt das Beste für den Fortgang des Unternehmens erhoffen. Ein auffchlußreicher Aufsatz von R. Strauß „Zur Forschungsmethode der jüdischen Geschichte" bietet eine Darlegung des methodischen Programms der Zeiffchrist, das als geradezu ausgezeichnet bezeichnet werden darf. Ten Zusammenhang mit der alten Geiger'schen Zeitschrift stellt A. Kober dadurch her, daß er die Literatur zur deutschen Judengeschichte zusammenstellt, die seit dem Jahr 1892 erschienen ist. Eine umfassende Bibliographie der hierher gehörigen Literatur aus dem letzten Jahre bietet Heinrich Loewe. Einzelne wertvolle Beiträge zur Geschichte der Juden in Teuffchland trägt Elbogen bei, indem er das 1909 erschienene halachische Werk Maasseh ha geonim auf geschichtliches Material durchforscht, und Freudenthal, der das Kahalsbuch von Sugenheim herausgibt. Besonders interessant ist ein Beitrag von S. Levi-Mainz, der in drei Grabsteinen des Mainzer Altertumsmuseums Grabsteine jüdischer Soldaten der römischen Besatzungsarmee in Deutschland erkennen möchte. Die sicher mit dem besten Willen verfaßte Arbeit ist allerdings wissenschaftlich abzulehnen, denn die drei Grabsteine von Soldaten der in der Mainzer Gegend stationierten ituräischen Legion sind nach Namen und Form durchaus als nichtjüdisch zu erklären. Tie Jturäer waren allerdings Nachbarn der Juden in Palästina, aber schon unter Cäsar römische Söldner, die strotz der Besiegung durch Aristobul Heiden geblieben sind. Levi hätte die Form und Fassung der jüdischen Grabsteine dieser Zeit aus den vielfachen Veröffentlichungen jüdischer Grabsteine aus Katakomben leicht entnehmen können. Tie veröffentlichten Grabsteine zeigen keinerlei Andeutung eines jüdischen Charakters weder in der Tprachform noch in den Emblemen. Daß es naturgemäß nur spärliches Material zur ältesten Geschichte der Juden in Deutschland gibt, hätte er aus der kleinen Schrift Rieger's „Vom Heiniatsrecht der deuffchen Juden (3. Auflage 1924)" entnehmen können. Trotz dieser Ausstellung ist aber das erste Heft der neuen Zeitschrift als eine wertvolle Bereicherung zu bezeichnen. Hoffentlich wird sich die Erwartung ihrer Herausgeber, daß die Zeitschrift viele Leser und Freunde findet, in reichem Maße erfüllen. Tie Zeitschrift ist ausgezeichnet gedruckt. Ein wiederkehrender Druckfehler ist das auf Seite 55 und 57 stehende „Manhig" statt „Minhag". Jahresversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Sonntag, den 28. April, hielt unter dem Vorsitz von Reichsminister a. D. Tr. Ing. e. h. Georg Gothein der Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Dortmund seine Jahresversammlung ab, die aus den Kreisen der Dortmunder Mitgliedschaft sowie von auswärtigen Delegierten, darunter Stuttgart, Hannover, Münster, Kiel, Franffurt a. M. stark besucht. war. In seinem Tätigkeitsbericht skizzierte der Geschäftsführer des Vereins, Oberleutnant a. T. Tr. Horlacher, Ziele und Methodik der Abwehrarbeit und deren Durchführung im abgelaufenen Geschäftsjahr. Hauptziel sei die sachlich« Widerlegung der von den Antisemiten vorgebrachten falschen Behauptungen und hetzerischen Ausstreuungen im Dienste der Wahrheit und Gerechtigkeit, der religiösen und sozialen Ethik. In reger Aussprache, an der sich neben dem Vorsitzenden besonders Stadtpfarrer Lamparter (Stuttgart), Professor Guttmann, Pfarrer Tribukait, Kaufmann Oppler (Dortmund) beteiligten, wurden die Grundsätze der Vereinspolitik einmütig gutgeheißen und gegenüber der zunehmenden Aktivität der Judenhetzer die Notwendig- Es ist in Ihrem Interesse, wenn Sie sich vor Kauf eines Radio-Apparates von mir beraten lassen / Katalog gratis RADIO-FRANK / rotebOhlstrasse 40 TELEFON «5229, 04295, | Verlangen Sic Katalog oder VtitrelerfacwA WÜRTTEMBERGISCHE vereinsbank FILIALE DER DEUTSCHEN BANK Weitere Niederlassungen der Deutschen Bank in, Stuttgart: WÜRTTEMBERGISCHE VEREINSBANK Flllala dar Deutachen Bank ABTEILUNG BANKANSTALT WÜRTTEMBERGISCHE VEREINSBANK Filiale dar Deutschen Bank ABTEILUNG HOFBANK WÜRTTEMBERGISCHE VEREINSBANK Filiale der Deutschen Bank ABTEILUNG RENTENANSTALT In Württemberg Aalen Cannstatt - Ebingen Eßlingen Feuerbach Friedrichshafen > Gmünd Göppingen Heidenhelm Heilbronn Ludwigsburg - Ravensburg Reutlingen - Tübingen Ulm a, D. 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M., Univ.-Prof. Kinkel- Giessrat Stern-Essen, Pfarrer Tribukait-Tortmuni i, Univ.-Prof. Konrat Ziegler- Greifswald. a. T. Gothein schloß die Verder Versicherung, daß der Abwehrverein wie [in den bisherigen zwanzig Jahren seiner BorIandschast so auch künftig streng auf politische und konfessionelle Neutralität halten werde, um von dieser breiten Plattform aus der Kulturschanve des Antisemitismus entgegenzuwirken. Tie Dortmunder Tagung des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" erreichte ihre Höhe in einer Kund«bung im Großen Saale des Gewerbevereins, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Pfarrer Trebukait, der Vorsitzende der Dortmunder Ortsgruppe, führte' aus,' der Antisemitismus könne heute zwar den jüdischen Mitbürgern nicht mehr die bürgerliche Gleichberechtigung rauben, aber er ist ungerecht, unchristlich, und kulturfeindlich in der Aechtung, Verunglimpfung und Berläumdung,- denen er die Juden aussrtzt. 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