Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 5 (1.6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 70 (sequence 4)
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Bankcommandite Siegmund COeil SMMart. HUMr. Itl (SMI^ / Td. SS344/4S HECHINGEN/ TÜBINGEN / SIGMAJUNGEN In-u.ausl. Wertpapiere / Einlagen zu efinst. Zinssätzen / Industrie-Kredite / Hypotheken mit oder ohne schuld in» Unglück kam. Tribukait schloß mit dem Sophokleswort: „Nicht mitzu hassen, mitzulieben' sind mir da." Ter Vorsitzende de» Gesamtverein», Reichs mickfster a. T. Golhein, gab eine Geschichte des Antisemitismus und charakterisierte die ersten Gründer de» Abmehrverein»: Rudolf von Gneist, Heinrich Rickert, Theodor Mommsen, Theodor - Barth, Franz von Liszt, von Jhering, Gustav -Freptag, Hermann Sudermann u. a. m. Nach dem Äbebben Ixr Stöckerzeil brachte der der» lorene ärieg eine neue antisemitische Welle. Ge rade seue Preise, die die rechtzeitige Liquidierung de» Kriege» durch überspannte Annexionsforde rung verhindert hakten, suchten nun einen Sün denbock und erneuerten die Methoden des Mit telalier»: ..Ter Jude ist schuld." Vergessen mar, wa» jsthiickie Teutschi^.zur Entwicklung der deutschen Kultur beigetragen Hatten: vergessen mar, daß die deutschen Juden das Blutopfer voii 12000 Gesallenen gebracht Hatten. Ma» heschimpsle in roher Herzlosig keil die Angehörige^ dieser jüdischen Kriegs ovier und mollte ihnen ihr Deutschtum abivremen. Wir soltten 'Uirs daran erinnern, wie schiocr wir Deutsche selbst unter dem Haß und der .Mißachtung der Kriegszeit gelitten haben; wir sollten uns bewußt sein, daß wir jetzt moralische Eroberungen in der Welt machen müssen und unnicht aus die Kulturstufe des Mittelaller» oder des früheren Rußlands stellen dür ien. Tie Juden find deutsch, keine Rasse, oder Religionsbegriss, den» „deutsch" ist vielmehr, wer deutsch al» Muttersprache spricht, wer an deut scher Kultur Mitarbeiter und für des deutschen Vaterlandes Wohl sein Leben und sein Gut eiiiseyt. Pros. Tr. theol. Earl Maria Hausmann-Frank- - 70 — surt a. M. sprach über das Thema: „Katholizismus und Judentum." Tie Katholische Kirche hat stets im Judentum den Unterbau, die Voraussetzung des Christentums gesehen. Jesus selbst und seine Jünger waren Juden. Die Kirche hat viele Gebräuche und Einrichtungen aus der Synagoge übernommen. Katholiken und Juden fühlen sich aber nicht nur durch solche Gemeinsamkeiten im religiösen Leben verbunden, sondern auch durch die Notwendigkeit der Abwehr gegen einen gemeinsamen Feind: die antichristliche und antijüdische völkische Bewegung. Tie deutschen Katholiken schätzen die Verdienste der jüdischen Mitbürger und treten für ihre Gleichberechtigung ein. Universitätsprofessor Geh. Konsistorialrat D. Tr. h. c. Baumgarten-Kiel verwirft den im Antisemitismus zum Ausdruck kommenden Chauvinismus. Mit dem Rassenaberglauben und dem Rassenterror muß aufgeräumt werden. Tas inhumane ungerechte, selbstüberhebliche Wesen der Antisemiten ist Zeichen ärgster Unkultur, nicht deutschen Wesens. Hier hilft nur hartes und strenges Ausscheiden dieses Fremdkörpers aus unserem Volk. Wohl empfinden wir das talmudische Judentum größtenteils als etwas uns Wesensfremdes, da wir im Gegensatz zu der überstarken Bewertung strengster Gesetzlichkeit alles Gewicht auf die Gnade legen. Aber wir wissen, daß der Gründer unserer Religion ein Jude mar und auf dem alten Bund aufbaute. Wir wollen lieben und achten und heben und bxssern die jüdisch« wie die deutsche und die christliche Art. (ITA.) Der alte jüdische Waldfriedhof bei Haigerloch. Bou Gustav Spier, Haigerloch. Tas Jüdische Lehrhaus in Stuttgart plant, auf einem Ausflug die alten jüdischen Friedhöfe zu besichtigen, die am Rande des Eyachtales — bei Mühringen und Haigerloch — liegen. Nachdem an dieser Stelle schon über den Friedhof bei Mühringen berichtet wurde, interessiert vielleicht eine Beschreibung des alten Waldfriedhofes der Gemeinde Haigerloch. Dieser Bejs Aulom liegt fast 1 Stunde westlich von Haigerloch. Durch Weildorf führt der Weg hinaus in den schattigen Wald. Mitten im Forst ist ein freier Platz, von Tannen umrauscht mit einigen Birken und einer großen Esche bestanden. Tas ist der alte Judenfriedhof. Es ist ein idyllisches Fleckchen Erde, so recht ein Ort der Ruh«. Aber wir wissen, daß man den Juden diesen Platz nicht wegen seiner schönen Lage gegeben hat, sondern lediglich seiner Abgelegenheit wegen. Wann dieser Friedhof angelegt worden ist, darüber fehlen die Akten. Tie erste Nachricht über das Vorhandensein vom Juden in Haigerloch stammt aus dem Jahre 1546, und der älteste erhaltene Grabstein auf dem „Guten Ort" trägt die Jahreszahl 5327 der jüdischen oder 1567 der bürgerlichen Zeitrechnung. Also scheint der Friedhof in der Frühzeit der Haigrrlocher jüd. Gemeinde entstanden zu sein. Aus den folgenden 200 Jahren ist kein Grabstein vorhanden, sei es, weil man in jenen Zeiten nur bedeutenden Männern eine „Mazewoh" zu setzen pflegte, sei es, daß die Steine der Witterung zum Opfer gefallen sind. Daß der erhaltene älteste Stein das Grabmal eines angesehenen und gelehrten Mannes ist, verrät die Inschrift, die in deutsch folgendermaßen lautet: „Hier ruht ein geachteter Mann... der Sohn des Herrn Aharon s. A. Tarob trauert die,Erde, mein Vater, mein: Vater, bis untergeht die Erde (?). Sein Licht leuchtet der Erde. Er verschied am Dienstag, dem 12. Kislev 5327 nach der abgekürzten Zeitrechnung. Seine Seele sei eingeflochten in den Bund des Lebens!" Tie erhaltenen Steine beginnen etwa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Familiennamen Weil und Hilb kehren auf ihnen mehrmals wieder. In der älteren Zeit haben — wie in Bettel- MOBEL VON BUSCHLE AUSSTELLUNG: SILBERBURGSTR. 168 [Damen* | W /||^ 1 Kleiderstoffe I I S: I io unerreichter Auswahl I I ciuHa SpeZialflOSChäfft «Niederst I tu vorteilhafte? Preisen II I I I garantiert Indanthreafarbtge I I WM p I I d.b. wasch-, Udü- und wetterechte Stoffe I ** ” ^1 I Indanthren-Kalis Stuttgart >:ö: I . Könige. 12. gesenOb. d. Marita!) 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