Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 3 (1.5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 44 (sequence 8)
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platten mit den heiligen, nach Osten gekehrten Anschriften längst zerfallen sind, liegen Tote, man weiß es und schont noch heute, nach so manchem Jahrhundert, ihre Ruhe. Tie Lagestätten der späteren Geschlechter zeigen ebenfalls keine ge vslegten Gräber an, nur uralte, mib hebräischen Ziffern und pichen behauene Steintafeln erheben sich aus der grünenden Erde. Wie schlichte ehr surchleriveckende Greise erscheinen ihre grauen verwitterten Gestalten mit den moosigen Bärten, ob sie nun eckige, halbkreisförmige oder spitze Köpfe tragen oder die breitere Form.der Gesetzestafeln zeige». Ein heiliger Geist scheint sie zu um ivitter», mehr als die Grabmale der neuen Zeit, die sich in regelmäßigen Reihen zum Eingang des Friedhofs über die Böschung binabziehen. Bon weither, selbst aus Baden und Bayern wurden in früherer 'feit die Toten hierher gebracht, auch einige jüdische Russen, die während der napoleo- »ischen Krieg;.in Mühringcu starben, sind hier bestattet. Heute aber besitzen jene entfernten Ge meinden ihre eigenen Friedhöfe, und die Gemeinde in Mühringcu zählt nur noch wenige jüdische Mitglieder. Hfiii Zweifel, die (Gemeinde Müh riiKjf» wird das kleine Stiirf Boden, das sie dem F«»edhof angegliedert hat, nicht mehr mit Toten bestellen können. Rur kurz« Zeit und der Platz der loten selbst wird tot und gestorben und sein ei genes Tenkmal sein, dereinst, wenn seine letzten Pfleger ihre Ruhestätte aus ihm gesunden Isaben. •il/icfu viel anders ist der Friedhof vow Aushau so» ein sterbender Ort. Erliegt zwischen zwei Hü geln der Bopsinger Alb und schmiegt sich ein skil _ les,' ganz schmales Wiesemal hinauf, mit dem er sich selbst verengert: auch ihn »mrauschen hüben und drüben dunkle Tannenwälder, und der alte verwitterte Turm der Ruine Schenkenstein schaut .von hoch oben gespenstisch herab in sein Herz. Hier tönt wohl nachts der unheimliche Schrei des .Käuzchens, und die Nachtvögel schweben laut los über ihn hinweg. Ter Mond, der durch die Wolken bricht, treibt sein geisterhaftes Spiel mit den Schatte» der Tafeln, Grabsteine und Jung — 44 - bäume, »eine starke Eiche, keine hohe Buche hält Wache und schützt ihn mit weitausladenden Aesten vor dem Schauerder Mitternacht. Er ist ei» Ort, an dem wohl »och heute der nächtliche Wanderer eilends vorüberwallt. llnd doch, wie still und würdig umzieht ihn die Halbhohe, starke Mauer mit dem eisenen Tor, wie grün und selig breitet sich seine Malte im freien Licht des Tages! Ta und dort über ihn verstreut stehen die wenigen, vielhundertjährigen Grab tafeln, die sich bis heute erhalten haben, sie sind mit ihren oft kaum mehr sichtbaren hebräischen Inschriften »ach Osten gewandt, und manche von ihiien drohen »mzufallen, so schief stehen sie schon da. Sie sind es wohl schon müde ge worden, so dazustehcn und nach deni Land der Berheißung auszuschauen, auch sic sehnen sich danach, umzusinken und zu schlafen, der ewigen Ruhe entgegen, ivie die Seele des Menschen. Rur wenige neue Grabsteine, lange nicht so ein drucksvoll wie die einfache» Tafeln der Altvor deren, reihen sich im vorderen Teil dem Eingang entgegen, aber auch hier wird das ganze Ge biet nicht mehr belegt iverdcn, weil die judi schen Landgemeinden ringsum in der Auflösung begriffen sind. Wer wird dann für dich sorgen, du Acker des Friedens, wer dich hegen außer dem Wald, wer dich pflegen und kleiden, außer dem Gras, den Blumen und Kräutern und dem winzigen Getier der Erde? Aber ein heiliges Wort schwebt wie ein Hauch über dem Gefilde: E L L H I M das ist: Ter E >v i g c. Der 5. Ferienfortbildungs-Kurs f. d. Rabbiner u. Lehrer Württembergs v. >14. 16. April 29. Im Mittelpunkt des vom Isr. Oberrat Württ veranstalteten 5. Fchüenfortbildungskurses für die Rabbiner und Religionslehrer stand die ge schichtliche und religiös« Wellung des Sapbath lages. Ter weitaus grüßte Teil der Rabbiner und Religionslehrer hatte der Einladung Folge ge leistet. Ter stellvertretende Präsident des Isr. OberratS, Louis Hirsch, begrüßte in Abwesenheit des Präsidenten Tr. Nördlinger die Ber sammlung und wünschte der Tagung einen glück lichen Verlauf. Tie Leitung des Kurses lag in den Händen des theologischen Mitglieds des Ober ratS, des Stadtrabbiners Tr. Rieger. Tas erstt Referat „Tie Idee und die Geschichte deS Sabbathgedankens in der Bibel mit Lektüre ausgewählter Stellen" hatte Tr. Rieger über nomme». Ter Sabbath nimmt heute nicht mehr die zentrale Stellung -in Israel ein wie früher. Er hat aber ein Anrecht darauf. Teshalb ist es die Pflicht der Rabbiner und Religionslehrrr immer von Neuem die Gemeinden an die Heilig keit deS SabbathtagS zu erinnern und ihnen die Bedeutung des SabbathtagS mit seinem Ideen rcichtum zu vermitteln. Tie Anssafjnng, daß der jüdische Sabbathtag in der babylonische» Kultur seinen Ursprung hätte, ist falsch: denn dort bedeutete der „schab üatu" einen Unglückstag, im Gegensatz zur Auf sassung der Jude». Auch die Ansfassuug, daß der jüdische Sab bath etwas mit dem durch den Mvndkult bc stimmte» „südarabische» Sabbath" zu tun habe, ist irrig. Ferner ist eS Tatsache, daß der Sabbath auch nicht mit dem Worte „Schema" sie ben zusammenhängt. Tas Wort „Sabbath" ist an sich nnd für sich unübersetzbar. Ta Gott an ihm geruht und ihn „meinen" Sabbath nennt, so ist das Wort „Sabbath" am besten als „Tag Gottes" z» übersetzen. Ter Referent legt dann seine Ausfassnug über de» „Holzsammler" am Sabbath (IV. Buch Mose Kap. 15, 32) dar. Er glaubt, daß es sich hier nnr ein Feuercul zünden gehandelt Irü. (Bergl. Bezah 1, 7.) Er schildert dann den Kamps der Propheten für den Sabbath. Auch die Apokryphen geben uns Auf schluß darüber, wie hoch die Heiligkeit des Sab oath gehalten wurde. Ter „Sonntag" kann dem PHOTO KINO¬ APPARATE IN JEDER PREISLAGE PLATTEN UND FILME SCHAUER STUTTGART /- MARIENSTRASSE 14 EUGEN MAAS STUTTGART SJLBERBURGSTR. 96 FERNSPRECHER 62204 Ausführung sämtl. 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