Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 3 (1.5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
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wähn uni durch Prämien den Nachwuchs zu fördern gesucht. Alles ohne Erfolg! Tasselbe ist in Frankreich mit dem gleichen Erfolg versucht wor den. ES besteht keinerlei Aussicht, daß sich die glei chen Maßnahmen heute wirkungsvoller erweisen. In. einer dritten Forderung wird vrÄangt, daß die Gemeinden die Väter kinderreicher Fa milien bei BeamtenanstelluNgen bevorzugen. Es mag Gemeinden geben, die den kinderlosen Rab biner, Lehrer oder Kultusbeamten bei einer Wahl bevorzugen. Ta-: iverden ausnahmslos solche Oit inkiuden sei», die ihren Beamten nur Mindest gehälkcr gewähren können und die darum schon im Interesse der anzustellenden Beamten dar aus sch i! müssen, daß sie mit den auSgesetzten Gehältern auch austommen können. Ter Linder rcichti»!' der Beamten kann im besten Falle bei gleichwertigen Beamte» eine Entscheidung her beisühren. Eine Bevorzugung des betreffenden Beamten allein aus Gründen des größeren Lin üerreichtiimwürde zu seltsamen Folgerungen jühren. Nnbediiig! wird der vierten Forderung zuge stimmt werdet müssen, die eine Verstärkung der Mutter-, Kinder , Jugendschutz und Pflegcheftre billigen und neben einer erhöhten Gesundheitfürsorgc eine verbesserte hauswirtschasiliche Aus bildung und körperliche Kräftigung verlangt. Tie Gemeinden Naben hier schon" begrüßenswerte An strcngungen gemacht, deren weiterer Ausbau eine iitlliüie Forderung ist. - Auch in der Einrichtung von Jugend und Eheöeratungsstellen haben die Großgemeinden schon die ersten schritte getan. In den kleineren Gemeinde» werdei: dir letzteren kaum durchführ bar sein. Tie Forderung der Frühehe durch die Aus stanung armer Bräute ist bisher ein ftommer Wunsch geblieben. Tie aus den vorhandenen Las sen gewährten Beträge sind viel zu gering, als' daß sie die Schließung der Frühehe rechtfertigen könnten. Tieie Beträge reichen im besten Falle für die Beschasfung einer Ausstattung aus. Ihr Iinsgcnuß kommt aber als Beitrag zur Wirt ichaftssührung nicht in Betracht. Tie Gewährung besonderer Erziehüngsbeihiliei, für jede-: dritte und weitere Lind in Anerkennung der Mukterschaftsleistung ist keine neue Forderung. sie ist bereits in der vierten For derunz eingeschlossen und von den Gemeinden bisher willig geleistet worden. Tie achte Forderung betrifft dir Anerkennung - 38 - jeder Mutterschaftsleistung und die unbedingte rechtliche Gleichstellung des unchelichen mit dem chelichen Kinde. Hier wird die gesetzliche Regelung der gemeindlichen notwendig vorangehen müssen. In Fragen der Fürsorge und der Erziehung ist schon bisher in den Gemeinden ein Unterschied nicht gemacht worden. Tie in der neunten Forderung verlangte Be gründuni von Jugend- und Gemeindcheimen ist an sich zu begrüßen, wird aber kaum die Ehe schließungsziffer wesentlich beeinflussen. Dagegen wird der zchnten Forderung restlos zugestimmt tvcrdrn müssen, daß alle öffentlichen Leistungen auf diesem Gebiete in vollem Umfang in Anspruch genommen werden sollen, eine Forderung, die übrigens in den meisten Gemeindefürsorgeämtern bereits sachgemäß durchgrführt wird. Ebenso wird bedingungslos die letzte Forderung anerkannt werden, das; alle angeführten Maßnahmen allen Juden, den eingesessenen wir den zugewandecten, zugute kommen sollen. In jedem Falle bedeuten diese elf Forderungen mit den genannten Einschränkungen einen gangbaren Weg. Jeder schritt auf diesem Gebiete ist aber sittlikli geboten und gerechtfertigt. Trotz dieser Anerkennung darf allerdings nicht die Tat sache verschwiegen werden, daß die unablässigen Prophezeiungen vom nahen Ende der deutschen Iudenheit eine ernste Einschränkung verlangen. Man hat sich hier an Uebertreibungen gewöhnt, die nachgerade unerträglich werden, so bedauerlich Mischchen und Austritte aus dem Judentum sind, chre zahlenmäßige Bedeutung für das Schicksal der deutschen Iudenheit wird überschätzt. Tie ethische seite der Frage muß bei der rech „erischen Bewertung außer Acht gelassen werden. Besonders die Taufbewegung zeigt in den letzten Jahren deren ständigen Rückgang. In den Jahren 1880—1910 betrug die Jahresdurchfchnittszahl der Uebertritte zur evangelischen Kirche 412, im Zeitraum 1910—192» noch 385, 1924 : 243, 1925 : 226. Tie Ausspräche zwischen den Statistikern über die derzeitige Lage der deutschen Iudenheit mag interessant sein. Tie Entscheidung stcht aber bei einem Höheren. Tie Juden sind immer eine Mindecheit geivescn und haben niemals mit großen Zahlen prunken können. Es ist ein prophetisches Wort, das Mose gesprochen: „Nicht weil chr zahlreicher als alle anderen Völker seid, hat Gott euch geliebt und erkoren, sondern obwohl ihr das kleinste unter den Völkern seid (5. Mose, 7, 7)". Aber V«r«ln Jüdisches Lehrhaus. Auf Vonirh einer großen Anuhl treuer Hörer unserer regelmäßigen Kurse bat der Ausschuß beschlossen, während der Sommermonate nur die eigentlichen Sprachkurse fortzusetzen und mit den übrigen Lehrgängen erst nach den Schulferien im Herbst wieder zu beginnen. Von den Sprachkursen finden statt: Der hebräische Kurs des Herrn Stadtrabbiners Dr. R i e g e r »om 16. Mai bis 18. Juli jeden Donnerstag abends 7't Uhr in der Stuttgart- Loge, Calwerstraße 33 Hths. Die neuhebräischen Kurse des Herrn Dipl. Ing. Plawner vom 2. Mai bis 18. Juli im Gemeindehaus, Hospitalstraße 36, und zwar: der Mittelkurs jeden Donnerstag abends 8 Uhr, der Kurs für Fortgeschrittene jeden Samstag abends 6 Uhr. Ueber die Herbstkurse, die am Sonntag, den 8. September, beginnen, vom 4. bis 27. Oktober ausgesetzt und dann bis 23. Dez. dauern werden, ergeht später weitere Mitteilung. Am Sonntag, den 9. Juni ds. Ja., veranstaltet das Lehrhaus, genügende Beteiligung vorausgesetzt, für seine Mitglieder und Hörer nebst Angehörigen nicht unter 12 Jahren einen gemeinschaftlichen TagÄÄa||sf,ufl nach Haigerloch, Mühringen und Nordstetten, wo nach einem historischen Vortrag und unter sachkundiger Führung die alten jüdischen Friedhöfe besichtigt werden sollen. Der Ausflug wird in einem oder mehreren grollen Aussichtskraftwagen stattfinden. Wegen der sehr starken Nachfrage nach Sunntagsfahrten können nur diejenigen Mitglieder und Hörer berücksichtigt werden, die sich bei der Geschäftsstelle. HospltalstraBe 36. bis spätestens Mittwoch, den 8. Mai, abends Uhr, unter Einzahlung der (ermäölgtenl Fahrkosten mit Mk. 6.— angemeldet haben. Den Teilnehmern geht nach Feststellung des Programms nähere Mitteilung zu. Voraussichtlich findet gemeinschaftliches Mittagessen in Möhringen, Xemelnsdiaftliches Abendessen in Horb statt; nach dem bendessen geselliges Zusammensein mit künstlerischen Darbietungen. in dieser Minderheit pulsiert ein starkes Lebensgesühl, da, Bewußtsein, an innerem Werte das zu ersetzen, was chr an Zahl abgeht. Erst in der neuzeitlichen Iudenheit beginnt sich die Angst vor der eigenen Minderheit zu regen. Diese Angst ist eine Folge des geschichtlichen Materialismus und der eigenen Unsicherheit. Es ist gut, dieser Anbetung des Modegötzen der Zahl gegenüber an die alte Wahrheit zu erinnern, daß nicht die Masse, sondern^die Tüchtigkeit, nicht die Zahl, sondern der innere Wert, die Endentscheidung in der Geschichte der Menschheit haben. „Nicht durch Zahl und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen (Socharjah 4,6)." üUiHRtntiitiuiitmnmiHin SCHIEDMAYER Planofortofubrtk v. J. u. P. Schlsdmaysr STUTTGART, Neckarstrasse 13, Eck« uirtchatraaao FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM imiiinmiffifliiBiinitHiiiniiiininnißnniiiiinHimfliniiiiiiiiiiniiii.iiiiniimiiiiuiiiiiiniiiiiiiiiHiiniiiHKaw^ MIETE TAUSOH STIMMUNGEN BEQUEME TEILZAHLUNGEN FomeorooHar asa si/sa Verlag M. Osterberg & Co. Stuttgart * Rithard Mager: Bergsträger Holzsdinitte HrrnusifrffttM'n von Hans Sternheim. unt. Mitwirkung bekannter He imatsctiriftsteller Preis M. 1.50 ErMItlirh in allen Buchhandlungen. Bad Tölz Kurarzt Dr. Levi Berfhold Auerbach-Verein Dienstaß, den 7. Mai, Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33 Hhs-, abends l‘.i Uhr spricht Rabbiner Dr. Auerbach Ober „Die Schicksalsidee" Dienstag, 14. Mai, Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33 Hhs-, abends 81 < Uhr 6. Heimabend „Neuerscheinungen auf jüd.-liier. Gebiet“ Referent: Redakteur Hans Sternheim Um zahlreichen Besuch wird gebeten. WO rtteaUKrtitth'BafeCMzancnisthcr LärtmcrläM OES Waa. fr—eab—CS Ordentliche Mitgliederversammlung Dienstag, den 7. Mai 1929, nachmittags 3 Uhr im Logenlokal, Calwerstr. 33 Tagesordnung: 1. begrükung d. die Voestttende. X TÄCigkettsbertdn des Landesverbands. 5. Rccbcnscbaftsbeikfct der Kassiererin. 4. TlhtkettsberiAte der versdiled. Vereine und Kommissionen. 5. Anregungen für die sukflnftlge ArbeU des Verbands. 4. Verschiedenes. Abends S Uhr im kleinen Saal des Hlndenburgbaus, Eingang Siephanstraße: Vortrag von HannalKar i in M, Berlin »Fragen der weiblichen jüdischen Jugend' Zu dem Abend rortra* sind alle GemetademttgUedtr willkommen. Nadt dem Vortrag Aussprache n. gemütl. Beisammensein mit musikaUsdiea und deklesn. Darbietungen. 23|ähr, Junger Mann aus der Textilbrarifhe sucht Stelle als Lagerist oder Expedient. Ang. erb. Isr. Fürsorgeamt Stuttgart. Hospitalsir. 36 JLSE BERLIZHEIMER Laban - Gymnastik und üanz STUTTGART CELEFON 727 67 Chriaiophstraße . 311 Kisderlieia Liftkirorf QifJ ma (Linie Shshgart-NOcdhpgen) Idyll, im Walde gelegen / ✓ Sonnig und staubfrei Streng rituell / Prospekt / EratkL Referenz. UMEngi PTLUnentgcr Fernruf Nr. 119 Amt Bopßngen in Württemberg