Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 2 (16.4.1929)
- Date
- 1929-04-16
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
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— 25 - Runenspruch aus? Unschwer dürste der Gebrauch des „Bekrafens" als aus dem Hollemythus stammend erkannt werden. Wie konnte aber dieser Hollezauber jüdisch-kultischer Gebrauch werden? Sollten nicht germanische Frauen jüdischer Männer diesen Gebrauch in der jüdischen Familie eingebürgert haben? Die zahlreichen blondhaarigen und blauäugigen Inden* beweisen eine recht ausgiebige Blutmischung. In dem Worte „kreissen" das häufig für „gebären" gebraucht wird, hat auch die deutsche Sprache dem mythologischen Borgang ein unzerstörbares Denkmal gesetzt. Rege intime Beziehungen zum Germanentum verrät auch die sogenannte „Holle-Kreisch". — Ehe das neugeborene jüdische Kind zum erstenmal das Geburtshaus verläßt, um ins Freie getragen zu werde», gewöhnlich am 4. Sabbath nach seiner Geburt, versammeln sich die Kinder des Dorfes am Beltchen des Neugeborenen. Auch hier spielt der Kreis eine bedeutungsvolle symbolische Rolle. Ein Kultusbeamter spricht einige Bibelrerse vor. Nach dem Bortrag der Bibelworte heben die Kinder die Wiege hoch und „kreischen": „Hollekreisch, hollekreisch! Wie soll das Kindlein heißen?" Darauf kreischen sie drei Mal den Namen des Neugeborenen. Nun erst dürfen auch andere das Kind bei seinem Vornamen anreden. Gefährlich wäre es dem Neugeborenen, würde man schon vor dem Hollekreisch seinen Namen ausspr«hen. — Begeben Sie sich in das mainfränkische Gebiet, vielleicht zu Stolze in Frankfurt a. M., so werden Sie das Wort „kreischen" noch heute als sinnverwandt mit „aufschreien" zu hören bekommen. Die Abstammung der Hollekreisch aus dem Hollen,ythos dürfte nach der ganzen Art ihrer Beranstaltung außer allem Zweifel stchen. In verstümmelter Form kommt übrigens die „Hollekreisch", ohne mit diesem Namen belegt zu werden, auch in manchen Gegenden Oberdcutschlands bei der katholischen Bevölkerung vor. Wenn der Täufling die Kirche verläßt, empfängt ihn die lau: jubelnde Schuljugend mit seinen, Taufnamen, den sie ihm 3 mal schreiend zurust. Tie alten Deutschen glaubten, diel Holle sei der Wöchnerin und dem Neugeborenen feindlich gesinnt und wolle sie in chr kaltes Schattenreich entführen. Einen Niederschlag dieses Glaubens finden wir in dem Märchen: „Frau Holle", das in der Sammlung der Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm enthalten ist und in die Fibel Durchzug der Juden durchs Rote Meer. •nailtc ut »er Htal|4n Schule ■■11580 (autgeft.,. Runftfalon Hartmann & »reiner, Stuttgart, Königftr. 35) unserer Grundschule ausgenommen würde. „Hollekfeis" und ,LofljKreifch" bilden in Verbindung njit dem Runenspruch, dem gcheime Kräfte inne wohnen, den Hollezauber. Wie ist es abef zu erklären, daß der jüdische Kultus einen so durch und durch germanischen Mythos festhält, svährend er bei den christlichen Deutsche» bis ajuf einige kleine Ueberbleibsel verschwunden ist?! Das in Deutschland ei,bringende Christentum nahm eben den Kampf gegen „Asgard' zielbewußt auf, verbot Gebräuche, die mit dem germanischen Götterglauben zusammsnhingen, während das in sich gefestigte Judentum, ohne Schaden zu nehmen, diese Gebräuche übernehmen und seinem Kultus eingliedern konnte. Daß die Hollekreisch nur in den Gegenden bekannl ist, ivo die Juden zuerst mit den Germanen zusanimcntrafen, ist ein schlagender Beweis dafür, daß dieses Zusammentreffen schon sehr früh, jedenfalls vor der Einführung des Christentums in Deutschland, erfolgt sein muß. Noch ein anderer Brauch führt uns in die Wochenbettstube der Jüdin. Bis zur Hollekreisch werden am Bette der Wöchnerin und des Neugeborenen Äbelversc ausgehängt. Sie bilden einen Zauber gegen die böse Lilith, die judaisierte Holle, dercniZüge sie unverkennbar trägt. Sollten die Bibelverle nicht an die Stelle früherer Runrnstäbe getretw, sein? Auch Braßtschast und Heira, sind bei Yen westdeutschen Jude» von altdeutschen Gebräuchen begleitet. Im iMannsühren" umkreist vor der Trauung die Bnant den Bräutigam, Dabei werden Gerstenkörner gestreut. Hier haben wir einen Rest des altdeutsche» Maiensührcns, echte germanische Symbolik, > >ie die Lichter in den Händen der Kreuzjungfrl uen. Bei der Verlobung wird ei» GlaS zerbrtche». Das erinnert doch all das deutsche Spiichwort: „Glück und Glas, wie leicht bricht das!" Oder vielleicht an das andere Wort: „Schtrben tedcuten Glück!" Weil wir soeben von, schönen Maien sprechen, soll (leid) »och ei» Maienbrauch Erwähnung fi „den. Zum Psingstseste werden in Schwaben, franken und am Rhein die Synagogen mit „ Naien", das ist mit Weißbirken und Buchenstämn chen geschmückt. Tie biblische und talmudische fiteratur kennt diesen Gebrauch noch Frau Irmgard und die Teekanne Frau Irmgard kommt mit dem Wirtschaftsgelde aus. Zum Frühstück gibt es Tee. Aber nicht jenes dünnen, faden Aufguß, der den Sdiredce* oller Teekenner bildet, sondern einen kräftigeren, fest dunkelbraunen Tee aus der billigen Alltags-Mischung „Teekanne lilo'% den sie mit Milch oder Sahne versetzt Das hilft ihr nicht nur ausgezeichnet wirf» schaßen, sondern befriedigt euch den Gatten. Seitdem er „Teekanne lila" zum Frühstüdt trinkt, fühlt er sicherst ridltig wohl, und firn stillen) ist er entzüdit, daß seine Frau so wenig »Wirt* schaftsgeld braucht. * 12 SWarienstr. 12 » Telefon 62160 /?lfl C~CCempfiehlt t/ Sieg. Gbamenküte in allen Kreistagen 1 Jl.&'ran/c &riedrichsbau Stuttgart GnR. 3t. Krank eS. ^}ul. SHarxer ffegrttndet 1894 <Spe3ialgesdiäfi feinster Glonbons und Scfiokoladen 'Betefon 21202 Berücksichtigen S I e uns ejr e INSERENTEN Aufwertung der Sparguthaben. Ja Nachstehendem fasse» wir lOei Wissenswerte für unsere Aufwertungsgläubiger zusammen: 1. Der vom Innenministerium g« »ehmigte Aufwertuagssatz für die früheren Spareinlagen beträgt ,6% (annähernd */•) des Gold, markwerts der Einlagen. 2. Oie Anmeldung von Auf«ertungsausprüchea ist nicht erforderlich und wir bitte«, sie z > unterlassen. Rur dann, «eiNk infolge Vererbung, Schenkung o «. Einlagen nach dem r. Januar i,i8 auf eine andere Person i bertragen worden, empfiehlt es sich, daß der Gläubiger hievon »er Sparkasse Nachricht gibt, weil hier für die Berechnung des l loldmarkbetrags nicht der Buch, ungstag, sondern der Tag hier ursprünglichen Einlage maß, gebend ist. 3. Die alten einlagescheine kSanei betrags und des AufwertuagS, 8. zur Eintragung des Goldmark, äuthabeaS eingefandt werben. Die Aufwertungsguthaben werten vom r. Januar 1928 an mit 3% verzinst und sind am r. Januar 1932 zur Auszahlung fällig. Schon jetzt zahlen wir gegen Vorlage des Eialagescheias aus: ~ ' " über 60 Jahr« alt sind oder sich von;o RMk. nicht überschreiten, soweit die Eingänge aus den hssen, unter Abzug einer ange, ■) Vorschüsse an Einleger, die in besonderer Notlage befinl d) Guthaben, di« den Betrag c) sonstig« Aufwertungsgnthabi Aufwertuugsaktiven es zm meffeaen Vergütung. Statt Barauszahlung kann Übertragung auf ein Reichsmark, Sparbuch erfolgen, ü. An frühere Einleger, di« zur Seit der grüßten Entwertung der alten Mark ihre Einlagen znrükgqogen und keinen Recht«, anspruch auf Auswertung hibea, wird außerordentliche Auf, «ertung gewährt, wenn fi« besonders hart betroffen erschynen 7. Die Aufwertungsgläubiger soll, e» fich möglichst an eine unserer 67; Zweigstellen «enden ledermaaa erhält auf Wunsch m eine eingehende Darlegung aller mstände, die auf die Festse^uag des Aufwertungssatzes von Einfluß waren. Württembergische Lanöessparkasse. T 1 •) 1 105140