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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-04-16 · 2 (16.4.1929) · p. Seite 26

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
2 (16.4.1929)
Date
1929-04-16
Page
Seite 26 (sequence 6)
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\ ( Hierrrvt zurgefi. Kenntnisnahme, daß ich die Firma Seidenhaus Weissenklee Stuttgart. Königstraße 45. übernommen habe Es wird mein Bestreben sein.-den alten Ruf des Hauses durch überragende Auswahl in Seidenstoffen jeglicher Art Preiswürdigkeit und zuvorkommende Bedienung zu wahren. Was die Mode morgen in Seidenstoffen sowie fertiger Damenbekleidung (Wiener- Berliner- und Pariser Schöpfungen) bringt wird Ihnen heute schorr nn fachkundigen Kräften bereitwilligst gezeigt Weissenklee inr -Vno'd Weissenklee. Stuttgart. Königstr 45 nicht. -Iber die alten Teutschen verehrten ihre i'wnrr, insbesondere den frühling-frohen Balder, tm gn"inen Walde-dome, wo die Spitzbogen ein ander znstrebendcr, sich zur Höhe rechender Buchen ein Waldbeitigtuin schaffen Wenn heute deutsche Zuden ihr Früdlingssm int maimgeschmückten i^otteshanse feiern, so mag daeine Nachahmung alidentscher Lilie sein. Tod, - Beerdigung. Friedhof sind auch bei den indischen Tentschen Fnnd'tätten zahlreicher alter volk-inmlidter lleöeniesernngcn. Ten jüdischen Toten legi man nach dem Verscheiden auf den Fußboden de- Stervezimmers auf Stroh. Wer bei den alten, Trütschen nicht aus der blutigen Wal'tati. sondern zu .Haus auf seinem Lager starb, -von dem sagte man, er sei den „Stroh tod' geworben, Es muß demnach uralte deutsche Litte gewesen sein, den Verdorbenen aus Stroh zn legen. Nack eingetretenem Tod öffnete mau ein Fenster. Zu Kopfende der Leiche stellte man ein brennendes Licht, einen Wasscrkrug und ein Wasserglas. Taneben wird ein .Handtuch aufge hängt. Ta- Leich.enkleid nennt der Jude „Sar genes". lyihutbe» 2te ja nicht, das Wort Sargenes sei hebräischen Ursvrungs. Es in ein gut deut sches Wort. In unser heutiges Teutich übertragen, heim da- Wort „Sarghäs". Tic alemannischen Tialektdichter .Hebel und Hansjakob gebrauchen da? „Das", die dialefiische Bezeichnung von Kleid, Anzug in noch anderen Zusammensetzungen. Vom ..Sunntichbä-' spricht .Hansjakob hin und wieder. Ta- Largenes ist also ein Leichenkleid. Wir begleiten die Leiche aus den Friedhof. Ebe der Jude nach der Beerdigung den Friedhof verläßt, rupst er Gras ab, wirft es über die - 26 - linke Schulter hinter sich und spricht: „Ten Städten entsproßt Volk wie das Gras der Erde" (Psalm 62, Bers 16). Der angeführte Psalm» vers ist nichts anderes als die spätere Judaisierung des ursprünglich symbolischen Brauches des sogenannten „Schiedlings". Als in der Völkerwanderung überschüssige Jungmannschast nördlicher Germanmstämme aus Landhunger und Tatendrang nach dem sonnigeren Süden auf die Landsuche ziehen wollte, sammelte sie sich im heiligen Hain der „Nerth". Jeder Jungmann warf Erde hinter sich, um durch solche symbolische Handlung den Verzicht auf die Heimaterde auszusprechcn, sich von chr loszulösen, zu scheiden von allem, was chm bisher lieb und teuer war. Noch im Mittelalter übten die Landsknechte vor jeder Schlacht diesen althei.igen Brauch. Ein Signal gab das Zeichen zum Schiedling. Dann knieten die Landsknechte nieder und warfen Erde und Gras hinter sich. Damit nahmen sie Abschied vom Leben und von seinen Gütern. Wenn wir heute noch aus dem Friedhof Gras hinter uns werfen, üben wir nichts anderes als den alten germa nischen symbolischen Gebrauch des Schiedlings. Auf den jüdischen Friedhöfen auf dem Lande fallen zahlreiche Steinchen aus, die auf den Grabdenkmalen liegen. Jeder jüdische Besucher des Grabes legt sein Steinchen hinzu. Keiner weiß, warum er das tut. Sollen diese Steinchen Bisitetzkarten sein, die der Besucher beim Inhaber des Grabes abgckit? Tas biblische .Schrifttum erzählt uns aller dingan zwei Stellen (Jofua 7,26 und S, 29; I. Sam 18,17), daß ein Steinhaufen über einen Leichnam errichtet wurde. In beiden Fällen handelt es sich um ein unehrliches Begräbnis, um eine Art Steinigung des Leichnams, wie 5. Mos 21,21 geboten wird, den ungehorsamen Sohn zu steinigen. Tie bis heute geübte Sitte, am Grabstein Steinchen niederzulegen, soll aber eine „Ehrung" des Verstorbenen ausdrücken. Wir sind deshalb gezwungen, zu untersuchen, ob diese Sitte nicht einem Kulturkreise entstammt, bei dem de: Grabhügel als „Ehrenmal" getürmt wird. Da erfahren wir nun aus Felix Tahns „Geschichte der Deutschen Urzeit", und aus „Ein Kampf um Rom", daß gefallene Helden und Edle gechrt wurden, indem ihre Mannen am Grabe vorbeizogen und den Stcinhügel als Ehrenmal türmten. Je höher der Hügel, desto größer die Ehre des unter ihm ruhenden Recken. Wenn heute der jüdische Besucher eines Grabes seine Steinchen am Grabstein nirderlegt, so chrt er den in der dunklen Grabeskammcr Schlafenden nach altgermanischer Art. Lb freilich diese Sitte nicht bei den Sternzeitmenschen chren gemeinschaftlichen Ursprung hat, das wäre noch zu untersuchen Auf den älteren Grabdenkmalen der ifr. Friedhöfe begegnen wir häufig den männlichen Vornamen: Bär, Löb, Hirsch, Wolf, Falk, den Fraucnnamen: Schönchen, Blümchen, Bögelchen, Täubchen, Gute!, Gütel, Jüttel. Jutta. Hüntel, Hunta. „Judennamen" nennt sie das Volk. Merken Sie nicht recht deutlich, daß es sich bei diesen viel verlachten und verspotteten Namen nicht um Namen aus jüdischem Kulturkreise, sondern um alte deutsche Namen handelt? Moses, Aaron, Isaak, Salomon sind Judennamen. Gewiß nennt der Jakobssegen im 1. Buch Mose, Kapitel 49 Juda auch Arjch, d. h. Löwe, Jsachar Chamor d. h Escl, Naphtali Ajahah d. h. Gazelle, Benjamin Seeb d. h Wolf. Es mögen das dunkle mythologische Erinnerungen sein aus der fernliegenden Zeit des Urmenschentums. Wundt weist in seiner Völkerpsychologie nach, daß der Totemismus die erste religiöse Vorstellung bei allen Primitivem war. Bon dem Totem, d. h. dem heiligen Tiere, leitet die Hoch« ihre Abkunst her. Das Totem wurde der Gott und, als der Ahnenkultus schon längst überholt war, das Wappentier des Stammes. So sind wohl die Tiernamen des Jakobsegens Wappentiere der Stämme gewesen. Personen-Bornamen waren sie bei den Juden weder im biblischen noch im talmudischen Zeitalter. Das orientalische Judentum kannte sie nie als Rufnamen von Menschen. Dagegen ist es geschichtliche Tatsache, daß die alten Germanen die genannten Namen zur Be zeichnung von Menschen gebrauchten. Wir haben deshalb Grund genug, diese von jüdischen Deutschen bis in die Neuzeit herein festgchaltenen Rufnamen als aus dem deutschen Kulturkreis stammend anzusprechen. Bei dm Walkürnamen, Jutta und Hunta, die auch von christlichm deutschen Frauen bis in das späte Mittelalter hinein getragen wurden, sowie von dem Namm Wolf, der heute noch auch bei Christm einm guten Klang hat, ist das durch die Geschichte bezmgt. Als Nachnamen, Geschlechtsnamm, begegnm wir aber auch bei dm christlichm Dmtschm häufig dm Namm Bär, Löbe, Hirsch, Strauß u. a. Wir wissm, daß solche Geschlechts-Vornamen in der Regel aus Vornamen mtstandm sind. Sie werden fiagm: Wie kommt es, daß die gmannten Bezeichnungm bei dm christlichm Deutschen im Mittelalter als Rufnamm fast gänzlich verschwunden sind? Daran trägt meines Erachtens der Gregorianische Heiligenkalender die Schuld. Der ließ lernen Raum mehr für die altgermanischcn Namm. Er bestimmte dem Nmgebormm durch dm Tagesheiligm im Voraus dm Namen, vielleicht in der bewußtm Absicht, mit dem altgermanischm Ramm und der in ihm liegenden mythologischen Symbolik auch dem germanischen Heidentum dm Ausrottungskampf anzusagm. ... v J&fät beginnt miedet die Schult und da muß doch Jhc Jochtecchen hübsch und gui gekleidet sein. Unser« neu« Abteilung für Kinderu.Mäd(henbekleidunq Mil sich Mr diesen Spezial Bedarf für das Alter von 1 >/r bis IS Jahren b«l nur guten OualilSten und auffallend niedrigen Preisen bestens empfohlen Nur wenige Beispiele: C#lmliilaS<illi aus reinwollenem Popeline Q 7 C JIIIUIIIIC1VC1 hübs<Hbe Macharten u Farben für 6 Jahre M, 9mm 9 Steigerung M l » Strickkleider H 13.50 Steigerung M. 1 50 Sctiulmantel «, * M 13.50 Steigerung Ml.— Ktotfer-Strtaplt' IMcr*lkHtrfcteMM|i Ktatfor-Mtt tapwvAinnM HANKE & KURTZ •es Maas der Hm« Abtlg. Kinderbekleidung neimidi nn GOTTLOB MÜLLER Hoch- und Tiefbau / Stuttgart LudwigstraBe 104, Telephon-AnschluB 63470 Ausführung v. Hochu. Tiefbauarbeiten, Haus entwUsserungsanlag., Umbauten, Reparaturen —(dang & (fdraunhardl STUTTGART KÖNIGSTR. 231 / TEL. 2072Ö ((orsetanferiigting naü% Q7laßfurche cUganieCfa

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